In die Kriegsreserve beurlaubte Jäger

Februar 23, 2017

Nach dem Militärdienst wurden nachfolgende Jäger in die Kriegsreserve beurlaubt, gleichwohl konnte deren Aufenthaltsort später nicht mehr ermittelt werden, so erging diese Aufforderung im März 1829 an dieselben, sich entsprechend zu melden.

Genannt werden: Bataillon oder Abteilung, Kompanie, Charge, Vor- und Zuname, Alter, Dienstzeit, Vaterland: Geburtsort, Kreis, Regierungsbezirk, letzter bekannter Aufenthaltsort: Ort, Kreis, Regierungsbezirk, Nummer des Landwehrregimentes und das Datum, wann derjenige zur Kriegsreserve entlassen wurde.

(Schreibweise original):

Siebenlist, Ziethau, Neu Haldensleben, Magdeburg
Faustmann, Trebschow, Crossen, Frankfurt
Fleischer, Bauchwitz, Königreich Polen
Hontschka, Otto Langendorf, Grünberg, Liegnitz
Hasenwinkel, Baronnen, Oletzko, Gumbinnen
Henze, Milow, Westhavelland, Potsdam
Hauer, Breslau
Günther, Zobten, Löwenberg, Liegnitz
Schmidt, Weisswasser, Rothenberg, Liegnitz
Gergler, Ullersdorf, Grottkau, Oppeln
Woisch, Neudeck, in Schlesien
Hasse, Stralsund
Helm, Hochheim, Erfurth, Hochheim
Hittner, Aslau, Löwenberg, Liegnitz
Langner, Pawlowich, Oppeln, Oppeln
Miericke, Kummerow, Angermünde, Potsdam
Wochnick, Boischowo, Angermünde, Potsdam
Zielinski, Preisewitz, Gleiwitz, Oppeln
Blum, Lohen, im Mecklenburgischen
Brüss, Alt Wohlau, Wohlau, Breslau
Christian, Roisswitz, in Westpreußen
Danker, Crewesee, Osterburg, Magdeburg
Erichson, Frankfurt, Lebus, Frankfurt
Freytag, Neustadt a. d. W., Ober Barnim, Potsdam
Heine, Czarreckow, Stolpe, Cöslin
Hoffmann, Heidau
Köppen, Schildberg, Soldin, Frankfurt
Krause, Michelski, Samter, Posen
Müller, Freienwald, Freienwald, Liegnitz
Schöpke, Constanz, Königsberg, Frankfurt
Weber, Zossen, Teltou, Potsdam
Witte, Berlin, Berlin
Grandjang, Marienwerder, Marienwerder
Heinrich, Katzozka, Meseritz, Posen
Rähner, Eckartsdorf, Glatz, Breslau
Schwerdt, Pustritz, Wittenberg, Merseburg
Flügge, Klockow, West-Priegnitz, Potsdam
Hermann, Berlin, Berlin
Müller, Schornberg, im Königreich Sachsen
Nowatzki, Marczen, Bomst, Posen
Wiberalski, Osche, Tuchel, Marienwerder
Krause, Kniewenbruck, Derzchau, Danzig
Meyer, Nutterdamm, Cleve, Düsseldorf

In der Wollstein-Mailingliste können Anfragen für Details gestellt werden.

Resultate der Bevölkerung im Regierungsbezirke Posen für das Jahr 1828

Februar 22, 2017

(Schreibweise original)

Die auf Grund der Specialien für das Jahr 1828 zusammengestellte Bevölkerungs-Liste von unserem Verwaltungsbezirke, hat folgende Resultate ergeben:

I. Geboren sind, beim Civil:
in den Städten: 7585,
auf dem platten Lande: 17.403,
beim Militair: 162.
zusammen: 25.150
im Jahre 1827: 26.878
folglich im Jahre 1828 weniger 1728.

Das Verhältniß der unehelichen Kinder zu den ehelichen ist:
1. in den Städten 1 zu 19,
2. auf dem platten Lande beinahe wie 1 zu 25.

An Mehrgeburten sind vorgekommen:
319 Zwillingsgeburten,
6 Drillingsgeburten.

II. Getraut sind, beim Civilstande,
1. in den Städten: 1702 Paar,
2. auf dem platten Lande: 4370,
beim Militair: 61.
zusammen: 6133 Ehepaare.
im Jahre 1827: 5562 Ehepaare.
mithin im Jahre 1828 mehr 571 Ehepaare.

III. Gestorben sind, beim Civilstande,
1. in den Städten: 9382 Menschen,
2. auf dem platten Lande: 22.269,
beim Militair: 150.
zusammen: 31.801 Menschen,
im Jahre 1827: 28.951 Menschen.
mithin im Jahre 1828 mehr 2850 Menschen.

Unter den Gestorbenen befanden sich:
306 Menschen über 85 Jahre und
305 Menschen über 90 Jahre alt.

Durch besondere Unfälle haben das Leben verloren:
a) durch Selbstmord 32 männliche und 4 weibliche, zusammen 36 Individuen;
b) durch allerlei Unglücksfälle 239 Person
c) bei der Niederkunft im Kindbette 282 Mütter,
d) durch die Pocken 982 Personen.

IV. Im Jahre 1828 sind gestorben 31.801 Menschen, dagegen nur geboren 25.150 Menschen. Es sind daher mehr gestorben als geboren 6651 Menschen. Nach der statistischen Tabelle pro 1828 beträgt die Bevölkerung im hiesigen Departement 724.270 Einwohner. Am Ende des Jahres 1825 betrug sie 706.396 Einwohner. Es hat sich daher die Bevölkerung vermehrt um 17.874 Menschen.

V. Nach der vorstehend angegebenen Volkszahl pro 1828 fällt ohngefähr auf 29 Lebende 1 Geburt, auf 118 Personen eine Trauung, und auf 26 Personen 1 Todesfall.

Posen, 19. März 1829

Wertschätzung von Hebammen

Februar 21, 2017

In meiner Familie gab es mehrere Hebammen, die älteste mir bekannte und direkte Vorfahrin, die diesen bedeutenden Beruf praktizierte, wirkte um 1770 herum in der Provinz Posen. Diese höchst ehrbare Betätigung war alles andere als einfach und explizit in jener Zeit mehr als herausfordernd, was sich in den harten Wintermonaten eklatant intensivierte. Wer sich einen kleinen und bequemen Eindruck am heimischen Rechner verschaffen will, dem sei dieser Artikel empfohlen.

Wenngleich ich nur ein Gefangener meiner eigenen surrealen Zeit bin und meine liebe Vorfahrin, die als Hebamme lange Jahre agierte – naturgemäß nie begegnen konnte, so bin ich doch sehr stolz auf sie – wenngleich ich nicht im Ansatz erahnen kann, welche Härten sie tagtäglich zu bestehen hatte. In Würdigung dieses edlen Berufsstandes veröffentliche ich hier im Anschluß die Belohnungssätze, die einer Hebamme ab 1815 gesetzlich zustanden. Ich bin geneigt anzunehmen, daß diese großartige Zunft damals mehr geschätzt wurde als in der heutigen Zeit, wie zahlreiche Berichte immer wieder beweisen.

(Schreibweise original)

Ueber die Belohnungen, welche die Hebammen für ihre Leistungen bei Entbindungen und während des Wochenbettes gesetzlich zu fordern haben, besonders unter den Bewohnern des platten Landes, sind irrige Ansichten verbreitet, welche das Einkommen dieser Personen auf eine Weise schmälern, wobei ihnen die Mittel zu ihrer Unterhaltung abgehen, so daß sie oft zu Arbeiten genöthigt werden, welche ihnen die Fähigkeiten zu rauben drohen, deren sie zu ihren Berufsgeschäften bedürfen. Wir finden uns daher veranlaßt, die festgelegten Bestimmungen (vom 21. Juni 1815) über diesen Gegenstand aufs neue zur Kenntniß zu bringen. Dieser zufolge hat eine Hebamme gesetzlich zu fordern:

1. für eine leichte natürliche und einfache Geburt 15 sgr. bis 1 Rtlr. 15 sgr.

2. dergleichen Zwillingsgeburt 22 ½ sgr. bis 2 Rtlr.

3. natürliche Geburt, wobei Tag und Nacht zugebracht worden ist 1 Rtlr. bis 2 Rtlr. 15 sgr.

4. Fußgeburt 1 Rtlr. bis 2 Rtlr. 15 sgr.

5. Wendung 1 Rtlr. bis 3 Rtlr. 15 sgr.

6. Die Untersuchung einer Schwangern 4 sgr.

7. für jeden verlangten Besuch am Tage 1 bis 2 sgr.

8. dergleichen bei Nacht 3 bis 5 sgr.

9. ein Klistier 3 bis 4 sgr.


sgr. = Silbergroschen
Rtlr. = Reichstaler

Es wird hierbei bemerkt, daß diese Sätze bei besonders Wohlhabenden auch noch um ein Drittel erhöht werden können, es jedoch an Orten, wo hierüber bereits eine bestehende Verfassung in dieser Hinsicht statt findet, bei dieser sein Bewenden hat, und die hier angeführten Sätze nur für solche Fälle gültig sind, wo aus der einer Hebamme zu gebenden Belohnung ein Streit erwächst, welcher durch den bisherigen Gebrauch nicht entschieden werden kann.

27. Oktober 1828

In der Aufstellung: „Nachweisung von den bei Vertheilung der durch Trauungen und Taufen zum Hebammen-Unterstützungs-Fond eingezogenen Beiträge pro Jahr zur Perception kommenden Hebammen“ ist nachzulesen, wie viele Reichstaler die Hebammen (namentlich genannt, mit Wohnort) aus oben genannten Fond im Jahr erhalten haben.

Für die Jahre 1818-1828 bezogen auf die Kreise: Adelnau, Birnbaum, Bomst, Buk, Fraustadt, Kosten, Kröben, Krotoschin, Meseritz, Obornik, Ostrzezow, Pleschen, Posen, Samter, Schrimm, Schroda und Wreschen können in der Wollstein-Mailingliste Anfragen gestellt werden.

Namen? Nur Schall und Rauch.

Februar 18, 2017

Wer hat sich als Genealoge noch nicht mit den partiell chaotischen Zuständen im Rahmen der Schreibweise von Namen beschäftigt? Wahrscheinlich existiert nicht ein Forscher, der sich damit noch nicht zwangsweise auseinander setzen mußte. Die Schreibweise der Nachnamen ist wahrlich nicht absolut zu betrachten, da sich selbige im Zeitenrad der Jahrhunderte immer wieder änderte; stellvertretende Beispiele aus meiner eigenen Forschung wären Nicolaus, der zu Nicklaus wurde oder aus Drange wurde Gedrange gemacht, aus Koth erwuchs Kothe und ein Schönwälder mutierte zu Schönfelder. Bei den Vornamen sieht es nicht besser aus, wenn beispielsweise aus einem Friedrich ein Gottfried gemacht wurde oder eine Amalie Martha jählings Hulda hieß. Ja, nicht selten wußten die Altvorderen selbst nicht, wie sie eigentlich hießen. Zu Zeiten des Standesamtes ging es dann weit banaler zu – dort wurde streitbar um ein „h“ gekämpft – natürlich mit einem negativen Ausgang für den Empörten wie nachfolgend gelesen werden darf. Namen – nur Schall und Rauch.

Schreibweise ist original

Wer Jahrzehnte lang seinen Vornamen Walther, Arthur, Theodor usw. mit h geschrieben hat und an dieser Schreibweise hängt, wird einigermaßen erstaunen, daß ihm darin das Standesamt nicht zu Willen sein braucht. Es hatte ein Herr Walther M. in R. den Standesbeamten ausdrücklich ersucht, seinen Vornamen mit h einzuschreiben, doch der Standesbeamte kehrte sich nicht daran. Herr Walther war drüber empört und begann nun einen heißen Kampf um sein teures h. Selbst das Kammergericht setzte er in Bewegung, aber es erklärte die standesamtliche Eintragung für richtig, denn an der neuen, allgemein eingeführten Rechtschreibung nehmen auch die Vornamen teil. Seitdem muß Herr Walther im amtlichen Verkehr ohne sein geliebtes h auftreten.

Dezember 1908.

Militärgeschichte & Viehmarkt

Februar 15, 2017

Militärgeschichte

Am 21. Februar 1909 feierte die 1. Batterie des 2. Posenschen Feldartillerie-Regiment Nr. 56, stationiert in Lissa ihr hundertjähriges Bestehen, welche am 21. Februar 1809 gegründet wurde. Zu diesem Jubiläum wurde die komplette Geschichte festgehalten; mit allen Schlachten, Kommandeure, Bewaffnungen usw. – auch Auszeichnungen und einzelne Namen wurden genannt.

Einzelne Anfragen zu der Regimentsgeschichte können in der Wollstein-Mailingliste gestellt werden; doch bitte mit einer zeitlichen Eingrenzung, da die Historie sehr umfangreich ist.

Viehmarkt in Wollstein

Am Sonnabend (im Mai 1909) fanden auf dem hiesigen Viehmarktplatze die Pferde- und Rindvieh-Prämierungen des Karger landwirtschaftlichen Vereins statt. Die Zahl der vorgeführten Pferde war erheblich; es waren 76 Stück vorgestellt worden. Hingegen war der Auftrieb von Rindvieh gegenüber dem des Vorjahres um ein Stück niedriger; er betrug 38 Stück. Es erhielten Preise:

Für je eine Mutterstute mit Saugfüllen:

120 Mark August Löchel aus Scharke,
80 Mark Otto Heider aus Alt Borui,
70 Mark Wilhelm Becker aus Brücken Hauland,
50 Mark Valentin Weiß aus Kielkowo,
50 Mark August Wilhelm aus Scharke,
40 Mark Gustav Ludwig aus Goile

Für je eine Zuchtstute ohne Füllen:

100 Mark August Wilhelm aus Scharke,
60 Mark Emil Mertinke aus Neu Obra Hauland,
60 Mark Adolf Degen aus Gloden,
40 Mark Hermann Wolke aus Alt Borui,
35 Mark August Ziebeil aus Jaromierz

Für je ein Füllen:

50 Mark Heinrich Ortlieb aus Alt Borui,
30 Mark Gustav Stahr aus Komorowo Hauland,
30 Mark August Wilhelm aus Scharke

Für je einen Stier erhielten Prämien:

80 Mark Emil Woyth aus Guschin,
70 Mark Wilhelm Linke aus Brücken Hauland,
50 Mark Karl Fischer aus Neu Scharke,
40 Mark Adolf Schulz aus Rothenburg an der Obra,
40 Mark Wilhelm Kernchen aus Jablone,
30 Mark Adolf Schmolke aus Silz Hauland

Für eine Färse:

50 Mark Julius Böhm aus Widzim.

Aufregung in Wollstein

Februar 13, 2017

Im Jahre 1883 schlossen Emma Emilie Bertha S. und Johann Wilhelm Oswald J. den Bund der Ehe – der Bräutigam ist ein allgemein geachteter Eigentümer und wird später Gemeindevorsteher werden. Ungefähr sieben Jahre nach der Heirat wird ihr gemeinsamer Sohn Alfred Oswald geboren, der im Jahr 1908 für eine gewaltige Aufregung in Wollstein und der Umgegend sorgen wird, was zu diesen Zeitpunkt freilich noch niemand wissen oder erahnen kann. Was ist also passiert an jenem 15.12.1908, nur wenige Tage vor Weihnachten?

Der Sattlergeselle Alfred Oswald J. – offenbar durch das Lesen vieler Detektiv- und Räubergeschichten inspiriert – beschloß an diesem 15.12. „auch mal so was zu machen“, was er in seinen Büchern las und so wollte er bei dem Wollsteiner Kaufmann Friedrich K. einbrechen, um Geld zu erlangen; etwa 100 Mark, „um sich am Jahrmarkt verschiedenes zu kaufen“. Er nahm an, daß in der Getreidehandlung zum Jahrmarkt viel Geld vorhanden sein würde und so setzte er seinen Plan in die Tat um. „Er habe versucht, mit dem am Sonntag vorher selbst gefertigten Dietrichen den Geldschrank zu erbrechen. Da ihm dies nicht gelang, sei er in das Nebenzimmer gegangen, dort die Schrankschlüssel zu suchen. Infolge des Bellens der Hunde sei K. erwacht und habe ein Streichholz angezündet. Um unerkannt zu entkommen, habe er dem K. einen Schlag mit dem Stemmeisen an den Kopf versetzt, um ihn zu betäuben. Darauf sei er von dem Kaufmann angegriffen worden und so an der Flucht verhindert worden“. Der Angeklagte gab zu, den Angriff mit den Worten begleitet zu haben: „Hund ich mache dich kalt“ und während des nachfolgenden Ringens: „jetzt kommst du und dann dein Geld; wart mal, da draußen steht noch zwei mit Gewehren“.

Auf dem Richtertisch liegen die Instrumente, mit denen sich der Angeklagte versehen hatte, darunter starke Schnüre zum Binden des Kaufmanns und einen Lappen, den er als Knebel benutzen wollte. Ferner hatte Alfred Oswald J. vergiftete Würste mitgenommen, um die Hunde zu töten. Der Kaufmann K. gab an, nachdem er den Schlag mit dem Eisen erhalten habe, sei er aus dem Bett gesprungen und habe den Angeklagten gefaßt, im Ringen seien sie auf das Bett zu liegen gekommen und dabei habe J., der unten lag, ein Messer gezogen und ihm einen Stich in den linken Unterschenkel versetzt. Der weitere Kampf dauerte 15 Minuten, in dessen Verlauf K. einen Messerstich in den Kopf bekam, sowie einen Ritz in den Zeigefinger der rechten Hand erhielt. Außerdem sei er im Gesicht und am Körper gehörig gekratzt worden. Als der Angeklagte hörte, daß Hilfe herbei komme, suchte er zusammen und wollte die Flucht ergreifen.

Kaufmann B. und Bäckermeister K. waren als erste zur Stelle und fesselten den Angreifer. Der Zeuge Sattlermeister K. zugleich Lehrherr des Angeklagten stellte diesem das beste Zeugnis aus. Er sei stets fleißig und solide gewesen, auch habe er sich gehorsam und folgsam gezeigt. Gelesen habe der Angeklagte sehr viel.

Der Staatsanwalt beantragte wegen Einbruchsdiebstahl und versuchten Mord zehn Jahre Gefängnis, die Verteidigung indessen plädierte nur auf Einbruchsdiebstahl und schwerer Körperverletzung. „Nach einhalbstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende das Urteil, nach welchem der Angeklagte wegen versuchten Mordes im einheitlichen Zusammenhange mit schwerem Einbruchsdiebstahl zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren verurteilt wird.

urteil

Die armen Eltern – was werden nur die armen Eltern gedacht haben?

Detailsuche: Oberregierungsrat Schneider

Februar 12, 2017

Gesucht werden jegliche Informationen und Hinweise über Oberregierungsrat Karl Gotthilf Berthold Schneider, 1878-1945. Er verstarb Anfang November 1945 in Karlsruhe, war jedoch wohnhaft in Eschwege. Im Mai 1918 schloß er den Bund der Ehe mit Katharina Ernestine Marie Luther. In seinem Todeseintrag wurden seine Eltern nicht genannt respektive als „unbekannt“ tituliert. Seine Frau war zum Zeitpunkt seines Todes noch am Leben.

Die genealogische Herkunft von Oberregierungsrat Karl Gotthilf Berthold Schneider und seinen Vorfahren ist geklärt, doch sein Werdegang und Lebensweg ist von Interesse. Jedwede Information ist willkommen, explizit auch ein Kontakt mit möglichen Nachfahren.

Von einem Lob, einem Testamente und einem Aufruf zur Wohltätigkeit

Februar 10, 2017

Schreibweise ist original

Belobung

Am 17. Januar des J. Abends brach in der Stadt Neu-Tirschtiegel in der Scheune des Bürgers Lange Feuer aus, welches drei Wohngebäude, zwei Scheunen und einen Stall verzehrte.

Daß es bei dem dichten Zusammenstehen von Gebäuden, und deren feuergefährlichen Beschaffenheit, hauptsächlich aber bei dem widrigen Winde, bald gedämpft und die in der Nähe belegene Kirche erhalten wurde, ist lediglich der entschlossenen und sehr zweckmäßigen Leitung der Rettungsanstalten von Seiten des Orts-Polizei-Bürgermeisters Klemke zuzuschreiben. Indem wir dessen lobenswerthe Bemühungen vorzüglich anerkennen, bemerken wir sehr gern, daß auch unter andern, nachstehende Bürger, als der Kämmerer Dobkowicz, Zimmermeister Schilling, und Fleischer Klir, sich bei jener Feuer-Dämpfung rühmlichst ausgezeichnet haben.

29. Februar 1824

Testamente

Der zu Tarnowo im Bomster Kreise verstorbene Eigenthümer Johann Rutschke hat in seinem am 17. Juli 1813 errichteten Testamente der evangelischen Kirche zu Rakwitz 100 Reichsthaler vermacht.

6. März 1824

Aufruf zur Wohlthätigkeit

Am 18. des M. entstand zu Meseritz an der Judenstraße früh um 2 Uhr Feuer, und vernichtete in wenigen Stunden 124 Wohngebäude, 1 Judentempel, 1 Glockenthurm bei der katholischen Kirche und über 100 Nebengebäude und Stallungen.

Die ganze Juden-, Obra-, Kirchen- und Brau-Straße, so wie ein Theil der Hintergasse sind in Asche gelegt; 9 Wohnhäuser stark beschädigt; die katholische Kirche zum großen Theil verwüstet und mehr als 300 Familien, aus 1500 Unglücklichen bestehend, des Obdachs und ihrer sämmtlichen Habe beraubt.

Die Noth der Abgebrannten ist nach dem uns vom Kreis-Landrathe erstatteten Bericht, unbeschreiblich groß, und veranlaßt uns, alle Menschenfreunde hierdurch dringendst aufzufordern, selbige durch milde Beiträge möglichst zu lindern.

Jede Gabe wird von der hiezu besonders niedergesetzten Kommission, aus dem Kämmerer Standow und den Stadträthen Kinzel und Gessner zu Meseritz bestehend, dankbar angenommen und auf das prompteste vertheilt werden.

Wir hoffen, daß die edlen Einsassen und Einwohner der hiesigen Provinz, sich für ihre verunglückten Mitbürger mit demselben Eifer wohlthätig bezeigen werden, den sie so oft schon in ähnlichen Fällen für andere vom Brande getroffenen Ortschaften an den Tag gelegt haben.

23. April 1824

Anmerkung – die Namen aller Abgebrannten und die Höhe der jeweils gezahlten Entschädung liegt mir vor und kann in der Wollstein-Mailingliste angefragt werden.

Detailsuche: Bänsch in Neu Borui

Februar 6, 2017

Gesucht werden jegliche Informationen und Hinweise im Kontext nachfolgender Personen mit dem Namen Bänsch (Baensch) aus Neu Borui im Kreis Bomst in der Provinz Posen.


* 1894 – Bänsch, Otto Alfred
* 1895 – Bänsch, Otto Emil
* 1896 – Bänsch, Selma Frieda
* 1899 – Bänsch, Heinrich Otto
* 1902 – Bänsch, Irene Hedwig
* 1909 – Bänsch, August Erwin

Die genealogische Herkunft der Eltern ist geklärt, doch ihr Verbleib und Lebensweg ist von Interesse. Vom Vater existiert ein Photo sowie ein schriftliches Dokument von ihm persönlich. Möglicherweise existieren auch Photos der oben genannten Kinder und der Ehefrau – sind jedoch aktuell nicht identifiziert.

Jedwede Information ist willkommen, explizit auch ein Kontakt mit möglichen Nachfahren.

Warnung

Januar 31, 2017

Schreibweise ist original

Wiewohl die nachtheiligen Folgen des Kohlendunstes für das Leben und die Gesundheit durch vielfältige Erfahrungen bekannt sind, so kommen doch nicht selten Fälle vor, welche leider den Beweis liefern, wie sorglos man sich noch immer der Gefahr aussetzt. Dies giebt uns Veranlassung, einen traurigen Vorfall zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, welcher sich ohnlängst in der Stadt Borek im Krotoschiner Kreise ereignet hat.

Ein gesundes starkes Mädchen von 19 Jahren, die Tochter des dortigen Bürgers Andreas Smiechowski, ließ in den Ofen des kleinen Stübchens, worin sie ganz allein schlief zur Abtrocknung einiger Wäsche eine Menge glühender Kohlen von Eichenholz, welche aus der Brandweinbrennerei ihres Vaters genommen wurden, vor ihrem Zubettegehen schütten. Die Röhre des Ofens, so wie die Thüre und das Fenster ihres kleinen Schlafzimmers waren fest verschlossen.

Als das Mädchen des Morgens zur gewöhnlichen Zeit nicht aufstand, ging die Mutter, um sie zu wecken, in ihr Schlafzimmer, allein sie fand sie leider todt.

Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß der Kohlendampf sie getödtet hat, indem auch der Kanarienvogel in diesem Zimmer krepirt war. Alle angestellten Rettungsversuche sind fruchtlos geblieben.

Im Januar 1822.

Aufstellungen im Kontext Hebammen und Militär

Januar 27, 2017

1. In der Aufstellung: „Nachweisung von den bei Vertheilung der durch Trauungen und Taufen zum Hebammen-Unterstützungs-Fond eingezogenen Beiträge pro Jahr zur Perception kommenden Hebammen“ ist nachzulesen, wie viele Reichstaler die Hebammen (namentlich genannt, mit Wohnort) aus oben genannten Fond im Jahr erhalten haben.

Für das Jahr 1818 bezogen auf die Kreise: Adelnau, Birnbaum, Bomst, Buk, Fraustadt, Kosten, Kröben, Krotoschin, Meseritz, Obornik, Ostrzezow, Peisern, Posen, Samter, Schrimm und Schroda.

Für das Jahr 1819 bezogen auf die Kreise: Adelnau, Birnbaum, Bomst, Buk, Fraustadt, Kosten, Kröben, Krotoschin, Meseritz, Obornik, Ostrzezow, Pleschen, Posen, Samter, Schrimm, Schroda und Wreschen.

Für das Jahr 1820 bezogen auf die Kreise: Adelnau, Birnbaum, Bomst, Buk, Fraustadt, Kosten, Kröben, Krotoschin, Meseritz, Obornik, Ostrzezow, Pleschen, Posen, Samter, Schrimm, Schroda und Wreschen.

2. In der Aufstellung: „Nachweisung der im Jahr 1815 für die Linien-Truppen ausgehobenen, der 14ten und 15ten Militär-Division zugetheilten und pro 1818 zur Kriegs-Reserve nach der Provinz Posen entlassenen Mannschaften“ werden folgende Punkte genannt: Name, Aushebungsort, Kreis, Charge und von welchem Regiment entlassen.

Das gleiche gilt für die Aufstellung: „Nachweisung der im Jahr 1815 für die Linien-Truppen ausgehobenen, der 6ten Militär-Division zugetheilten und von derselben pro 1818 zur Kriegs-Reserve nach der Provinz Posen entlassenen Mannschaften“.

Bei Interesse – im Rahmung einer Prüfung – kann man hier einen Kommentar abgeben. Meine Antwort erfolgt ebenso an dieser Stelle.

Ein Hinweis an die Polizei und ein Dank an die Geber der Kirchen- und Haus-Collecte für den Wiederaufbau der evangelischen Kirche zu Ostrowo im Jahr 1818

Januar 20, 2017

Schreibweise ist original

1. Dem in dem Dorf Silz Bomster Kreises wohnhaften Schieferdecker-Gesellen Gottlieb Richter, ist der von dem Magistrat zu Schwetzkau zur Reise nach Kontop unterm 15ten Februar ertheilte Paß, in dem Dorfe Klein Kreutsch Fraustädter Kreises, durch einen angeblich in Schmiegel ansäßigen Unbekannten entwendet worden.

Der Richter ist 33 Jahre alt, 5 Fuß 1 Zoll groß, hat schwarze Haare, blaue Augen, eine kleine Nase, einen gewöhnlichen Mund, schwarzen Bart, ein rundes Kinn, ovales Gesicht von gesunder Farbe, ist mittlerer Statur und hat über dem rechten Auge ein Häutchen. Um etwaigem Mißbrauche mit dem entwendeten Passe vorzubeugen, werden die Polizei-Behörden darauf aufmerksam gemacht.

Posen den 15. August 1818
Königlich Preußische Regierung

2. Das Verzeichnis der edlen Geber, welche die Kirchen- und Haus-Collecte für den Wiederaufbau der evangelischen Kirche zu
Ostrowo im Jahr 1818 unterstützten, steht im Archiv der Wollstein-Mailingliste zum Abruf bereit.

Kriegervereine in Wollstein und Alt Widzim

Januar 18, 2017

Schreibweise ist original

Wollstein im März 1908. Im Kriegerverein fand am Sonnabend abend in Henschkes (früher Busses) Saal eine Generalversammlung statt, in welcher der Kassierer, Herr Gerichtsvollzieher Kühne den Kassenbericht erstattete. Darnach betrugen die Einnahmen im verflossenen Jahre 1389,48 Mk., die Ausgaben 1014,11 Mk., sodaß ein Kassenstand von 365,37 Mk. verbleibt. Das Barvermögen des Vereins beträgt 1739,46 Mk. Dem Kassierer wird Entlaßung erteilt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren Günther, Kühne, Lindner und Lüdigk werden durch Zuruf wiedergewählt. Auf Antrag aus der Versammlung wird beschlossen, einen Fonds zur Beschaffung einer neuen Fahne zu gründen. Auch wird angeregt, den demnächstigen Geburtstag Er. Kaiserl. Hoheit des Kronprinzen durch einen Kommers zu feiern.

kriegerverein

Alt Widzim im Juni 1908. Am Sonntag beging der hiesige Krieger-Verein sein 1. Stiftungsfest. Nachmittag 3 Uhr versammelten sich die Kameraden im Vereinshause Diehr zum Ausmarsch. Mit Musik ging es durchs fahnengeschmückte Dorf zur Bahn, woselbst der Ehren-Vorsitzende des Vereins der Königliche Distrikts-Kommissarius Bongscho sich dem Zuge anschloß. Im Garten des Vereinshauses hieß zunächst der Vorsitzende, Chaussee-Aufseher Thies, die Gäste und Damen des Vereins willkommen und gedachte der Bedeutung des Tages. Freudig könne der Verein auf das erste Jahr seines Bestehens zurückblicken. Wiewohl aus den hervorragenden Elementen bestehe, die als Ansiedler aus allen Gauen Deutschlands hier zusammen gekommen seien, habe er dennoch echte Kameradschaft gehegt und gepflegt und sei emsig bestrebt, es auch fernerhin so zu halten. Der Liebe zu Kaiser und Reich wurde in einem begeistert aufgenommenen Hurra Se. Majestät den Kaiser als den Schirmherrn des Deutschen Heeres Ausdruck gegeben. Nun trat auch die Fidelitas in ihre Rechte. Für allerlei Kurzweil war bestens gesorgt durch Verlosung, Preisschießen für Damen und Herren, nicht zu vergessen ein Tänzchen im Freien, für Kinder durch verschiedene Belustigungsspiele und Geschenkverteilung. Den 1. Schießpreis erhielt Herr August Siebler, Frau Thieß den Preis für Damen. Bei herrlichem Wetter vergingen die Stunden fast zu schnell. Ein Hoch auf das Deutsche Vaterland brachte Herr Distriktskommissarius Bongscho-Wollstein aus. Schließlich wurde auch noch in dem hellerleuchteten Garten eine Polonaise aufgeführt. Erst am frühen Morgen trennten sich die Festteilnehmer.

Quelle:

wollsteiner_tageblatt

Meldungen aus der Provinz Posen. 1908. Akt III.

Januar 16, 2017

Schreibweise ist original

In dem Wiesenteiche des Eigentümers Otto Meinaß in Tlokerhauland wurde Freitag nachmittag die völlig entkleidete Leiche eines unbekannten, etwa 35 Jahre alten Mannes aufgefunden. Die Sachen lagen in dem nahe belegenen Wäldchen beisammen. Nach einem in diesen vorgefundenen Schreiben nimmt man an, daß der Mann aus Reklin, hiesigen Kreises stammt, doch haben die Ermittelungen darüber noch nichts ergeben. Die Untersuchung ist eingeleitet.

Schmiegel. Bei dem Verpachtungstermin des Schützenhauses wurden drei Höchstgebote von 2300 bis 2500 Mark abgegeben. Der Vorstand der Schützengilde erteilte dem Meißtbietenden, Gastwirt Max Neumann, Schmiegel, den Zuschlag.

Aus unbekannten Beweggründen hat am Sonnabend der Konditor August Lorenz von hier durch Erhängen seinem Leben ein Ende gemacht.

Quelle:

wollsteiner_tageblatt

Verschleppte Zivilpersonen im Kreis Neutomischel im September 1939

Januar 10, 2017

Das Verzeichnis der Volksdeutschen aus dem Kreise Neutomischel, die im Jahre 1939 als Zivilpersonen verhaftet, interniert und verschleppt wurden, steht im Archiv der Wollstein-Mailingliste zum Abruf bereit. Im Einzelnen werden folgende Daten genannt: Name, Beruf, Geburtsdatum, Wohnort, Straße und Hausnummer und Bemerkungen.

Verzeichnis der Deutschen aus Neutomischel in der polnischen Armee

Januar 9, 2017

Das Verzeichnis der Volksdeutschen aus dem Kreise Neutomischel, die während des deutsch-polnischen Krieges zum polnischen Heeresdienst eingezogen waren, steht im Archiv der Wollstein-Mailingliste zum Abruf bereit. Im Einzelnen werden folgende Daten genannt: Name, Beruf, Geburtsdatum, Wohnort mit Hausnummer und der jeweilige Truppenteil.

Ermordete im Kreis Wollstein im September 1939

Januar 8, 2017

In Ergänzung an den Artikel Kriegsbeginn in und um Rakwitz folgt hier nun die Fortsetzung auf den Kreis Wollstein bezogen. Die Liste mit den nachweislich ermordeten Deutschen aus dem Kreis Wollstein im September 1939 ist im Archiv der Wollstein-Mailingliste abrufbar. Betroffen waren Bürger aus den Orten: Wollstein, Borui, Rothenburg an der Obra, Konkolewo, Faustinberg, Tarnowo, Rakwitz, Teichrode, Guschin, Groß Nelke, Kielpin, Rattay und Altkloster.

Details über ausgewählte Personen und deren Familien können in der Liste thematisiert werden.

Die Liste der Opfer mit näherer Beschreibung steht im Archiv der Wollstein-Mailingliste zum Download bereit.

Vom Glück in die Trauer

Januar 2, 2017

Im Februar 1908 wurde im Wollsteiner Tageblatt den Bürgern kundgetan, daß Gotthard Knappe am 01.02. das Geschäft von G. S. Basch´s Wwe. Nachf. nebst Grundstück käuflich übernommen habe und dasselbe wie bisher weiterführen werde. Gotthard Knappe bat darum, das seiner Vorgängerin entgegengebrachte Wohlwollen auf ihn zu übertragen und ja, ich bin davon überzeugt, daß die Wollsteiner Einwohner jener Bitte nur zu gerne gefolgt wären – so sie die Möglichkeit dazu gehabt hätten.

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Doch das Leben spielte nicht mit und setzte sein unerbittliches und schmerzliches Veto in gnadenloser Form ein. In der zweiten Aprilwoche verstarb der Kaufmann Gotthard Knappe nach kurzem Leiden und beendete damit seine Träume als Inhaber eines Geschäftes. Paul Rudolf Gotthard Knappe wurde im Dezember 1857 geboren und war schon wie sein Vater vor ihm Müllermeister. Im Oktober 1892 heiratete er seine Selma Emilie Amanda Preuß, die nur zwei Monate später nach der hoffnungsvollen Bekanntgabe in der Zeitung voller Trauer eine weitere Anzeige schalten mußte. Vom Glück in die tiefe Trauer hernieder gestürzt – in nur wenigen Tagen. Wenn die Zeit auch niemals alle Wunden heilen kann, so hoffe ich, daß die Familie den schweren Verlust im Fluß der Zeit doch akzeptieren konnte. Allein welche Wahl hatten sie auch? Das ist das Leben.

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Meldungen aus der Provinz Posen. 1908. Akt II.

Dezember 30, 2016

Schreibweise ist original

Ein größerer Münzenfund ist vor einigen Tagen in unserer nächsten Nähe gemacht worden. Es wird uns darüber berichtet: In voriger Woche stießen Arbeiter beim Ausschachten eines Brunnens auf dem Grundstück des Besitzers Weigt in Kläne auf mehrere mit Gold und Silbermünzen gefüllte Gefäße. Nach wissenschaftlicher Untersuchung sind diese teils polnischer teils wendischen Ursprungs. Letztere stammen aus der Zeit des Wendenfürsten „Jacza von Köpenick“. Die noch ziemlich gut erhaltenen Münzen haben auf der Vorderseite ein Bildnis mit der Umschrift „Jacza“ und auf der Rückseite die Zahl 1150. Bei einzelnen Münzen ist es trotz eifriger Forschung noch nicht gelungen ihre Art festzustellen.

Ein bedauerlicher Unglücksfall, der den Tod eines in der Blüte seiner Jahre stehenden Mannes zur Folge hatte, ereignete sich am Donnerstag abend auf der Chaussee von hier nach Rothenburg. Der Eigentümer Heinrich Jachmann, der mit seinem Gespann Ziegelsteine nach Wollstein brachte, wollte auf dem Rückwege in Karpitzko, wo er nochmals gehalten hatte, den Wagen besteigen. Hierbei zogen die Pferde plötzlich an und J. fiel so unglücklich vom Wagen, daß er sich das Genick abstürzte und der Tod auf der Stelle eintrat. J. war verheiratet und hinterläßt seine Frau mit zwei unmündigen Kindern.

Wollstein. In der gestern abend stattgehabten Stadtverordnetenversammlung wurde beschlossen, zur Steuerung der in hiesiger Stadt noch vorhandenen Wohnungsnot eine weitere Anleihe von 50.000 Mark bei der städtischen Sparkasse aufzunehmen. Der Magistrat wird zugleich ermächtigt, an diejenigen Unternehmer, welche Mietswohnungen bauen, Baudarlehne unter den bereits beschlossenen Bedingungen zu gewähren. Ferner wurde beschlossen 2 Gaslaternen in der Kirchhofstraße aufzustellen.

Rothenburg an der Obra, 13. April. Daß eine Kuh beim Bürgermeister als Beschwerdeführerin erscheint, dürfte noch selten vorgekommen sein. Dieser Fall passierte in unserem Städtchen, und zwar nicht am 1., sondern am 8. April d. Js. Eine Kuh des Fleischermeisters Kaczmarek, die jedenfalls geahnt haben muß, was ihr bevorstand, hatte sich in ihrem Stalle losgerissen und lief in das Haus, in dem das Magistratsbureau 1 Treppe hoch sich befindet, stieg auch die enge und steile Wendeltreppe hinauf in den oberen Flur und machte vor dem Polizeibureau halt. Der Bürgermeister, durch den eigentümlichen Schritt und das Geräusch aufmerksam geworden, öffnete die Tür des Amtszimmers und blickte zum nicht geringen Erstaunen in die flehenden Augen der – beschwerdeführenden Kuh. Leider hatte die Beschwerde keinen Erfolg, denn der Schlächtermeister war bald zur Stelle, um den Ausreißer in Empfang zu nehmen und seiner Bestimmung entgegenzuführen. Wider Erwarten gelang es ihm ganz allein, das Rind, ohne daß es den geringsten Schaden erlitt, die Treppe hinabzuführen.

Quelle:

wollsteiner_tageblatt

Meldungen aus der Provinz Posen. 1908.

Dezember 29, 2016

Schreibweise ist original

Schmiegel, 12. Mai. Am Sonnabend abend wurde der bei der hiesigen Kreisbahn angestellte Stationsvorsteher August Müller von hier auf Grund eines von der Königlichen Staatsanwaltschaft in Essen gegen ihn erlassenen Haftbefehls verhaftet und in das hiesige Gerichtsgefängnis eingeliefert. Müller, der sich hier als Junggeselle ausgab und auch bei seiner verantwortlichen Vernehmung sich noch als ledig bezeichnet, ist verheiratet und Vater von 4 Kindern. Er hatte vor seiner Übersiedlung nach hier mit einer Witwe unerlaubte Beziehungen unterhalten, die nicht ohne Folgen geblieben sind. Er wird beschuldigt, in einem Prozeßverfahren gegen die genannte Witwe, in dem er als Zeuge auftrat, einen wissentlichen Falscheid geleistet zu haben. Auch hat er noch andere Sünden auf dem Kerbholz. Einem Mädchen, das er durch sein gewandtes, sicheres Auftreten zu betören verstand, hatte er, nachdem er sich mit ihm verlobt hatte, unter falschen Vorspiegelungen mehrere höhere Geldbeträge abgeschwindelt und sich dann schleunigst aus dem Staube gemacht, um dann sein Glück hier weiter zu versuchen. Durch seine Verhaftung ist auch ein hiesiges Bürgermädchen, mit dem er sich in Kürze zu verloben beabsichtigte, vor herbem Mißgeschick bewahrt geblieben. Der Verhaftete wird voraussichtlich am künftigen Freitag dem Untersuchungsrichter beim Königlichen Landgericht in Essen zugeführt werden.

Quelle: Wollsteiner Tageblatt, 14.05.1908

Am heutigen Tage ereignete sich in unserer Stadt ein bemerkenswerter Vorfall. Ein ausgebrochener … (Wort fehlt, vermutlich Bulle) bedrohte die Sicherheit der Passanten auf Schlachthof. Nur dem mutigen Vorgehen eines Fleischergesellen des Herrn Fleischermeisters Renner ist es zu danken, daß weiteres Unheil verhütet wurde. Unter eigener Lebensgefahr und nach vieler Mühe gelang es ihm das wilderregte Tier zu bändigen und an die sicheren Ketten zu schließen. Im Interesse der Sicherheit der Bürger wäre es sehr zu wünschen, wenn am hiesigen Schlachthofe die Tore stabilar konstruiert würden, denn es war ein Leichtes für das Tier, das Hofabschlußtor aus den Angeln zu heben.

Quelle: Wollsteiner Tageblatt, 29.05.1908

Rothenburg an der Obra, 03. Juni. Bei der heutigen Wahl der Wahlmänner zur Abgeordnetenwahl wurden gewählt: Zu der ersten Abteilung: Bürgermeister Lieck. In der zweiten Abteilung Kaufmann Paul Raschke und Bauunternehmer Karl Wunsch. In der dritten Abteilung: Bauunternehmer Adolf Brunzel.

Bomst, 04. Juni. Bei der gestrigen Wahl wurden zu Wahlmänner gewählt: Wahlbezirk 1. 1. Abteilung: Rentier Pächnatz. 2. Abteilung: Bürgermeister Schmidt und Rentier Gellert. 3. Abteilung: Kämmerer Kahn. Wahlbezirk 2. 1. Abteilung: Bäckermeister Eichler. 2. Abteilung: Hauptlehrer Ratsch. 3. Abteilung: Hauptlehrer Thomas.

Quelle: Wollsteiner Tageblatt, 05.06.1908