125 Jahre Australien

Juli 30, 2015

Vor 125 Jahren beschlossen vier Brüder meines Urgroßvaters ihre Heimat zu verlassen und nach Australien auszuwandern. Und tatsächlich setzten sie ihren Vorsatz in die Tat um und verabschiedeten sich für immerdar von Dombrofker Hauland bei Wollstein in der Provinz Posen. Heute vor 125 Jahren erreichte der erste Bruder Australien – und betrat australischen Boden.

Die Zeit verging, das hoffnungsvolle Leben trat gnadenlos in die endgültige Vergangenheit ein und in dem allgewaltigen Zeitenstrom der folgenden Jahre wurde die Vergänglichkeit gepriesen. Irgendwann riß der Kontakt zu den weit, weit entfernten Verwandten ab. Jene Auswanderung wurde zu einem Gerücht in der Familie – nur zu dem Hauch von einem Gerücht. Schlußendlich ging dieses Wissen endgültig verloren.

Im Rahmen meiner Forschung stieß ich 2014 durch einen banalen Zufall auf jene Namensträger in Australien und nach kurzer Recherche konnte ich der unausweichlichen Vergessenheit doch ein wenig verlorenes Wissen abtrotzen. Und so schrieb ich nach 124 Jahren die Nachfahren von jenen Auswanderern in Australien an, welche auch zeitnah antworteten und höchst überrascht waren. Dieser neuerliche Kontakt besteht bis heute; erst heute gratulierte ich zu jene 125 Jahre dieses Familienzweiges in Australien, der einst dort begründet wurde. Wie mögen sich diese Verwandten damals gefühlt haben? Allein in der Fremde?

Ungehalten vergeht die Zeit und das Leben in diesem fragilen Weltgesang Tag für Tag. Ungeachtet der Entfernung fühle ich mich diesem Teil der Familie sehr verbunden und ja, ich bin geneigt anzunehmen, daß sie umgekehrt ähnlich empfinden. Familie bleibt Familie. Auch hinweg über nebulöse Jahrhunderte. Ich bin davon überzeugt, daß meine Vorfahren stolz und glücklich wären, wenn sie wüßten, das nach all dieser langen Zeit wieder ein Kontakt besteht, daß die familiären Bande wieder neu geknüpft wurden und ja, zukünftig vielleicht noch intensiver werden. Familie bleibt Familie.

Ein tragisches Ende

Juli 21, 2015

Am 09.01.1878, Mittwoch, am Abend um 19 Uhr starb in Tloker Hauland die Jungfrau Johanne Auguste Pauline Nitschke, die Tochter von Johann Gottfried Nitschke und Johanne Caroline Semmler in einem Alter von 17 Jahren. Sie wurde 1860 in Chorzemin geboren.

Sie hat sich an einem Balken im Hausflur (in der Betrunkenheit?) aufgehängt.

Ein tragisches Unglück, II.

Juli 18, 2015

Am 27.08.1880, Freitag um 08:00 Uhr starb in Kielkowo der Zimmermann und Junggeselle Johann Gottlieb Knapp aus Mlynsker Hauland in einem Alter von 42 Jahren. Er verunglückte beim Bau des Schulhauses, indem er von einer Leiter in den Keller fiel und das Genick brach.

Johann Gottfried Klähre, Cantor und Conrector

Juli 14, 2015

Am 28.06.1859 verstarb zu Zodyn an einer Unterleibskrankheit der Conrector Johann Gottfried Klähre aus Meseritz. Derselbe war geboren am 17.02.1784 zu Dahme bei Jüterbog, sein Vater war Mühlenbesitzer. Der Verstorbene studierte in Leipzig Theologie und wurde im Jahre 1817 als Conrector an die evangelische Bürgerschule zu Meseritz berufen, in welchem Amte er 42 Jahre mit Treue wirkte. In einem Urlaub in dem Kreise seiner Kinder, seines Schwiegersohnes des Gutsbesitzers Herrn Jänsch auf Zodyn und dessen Gattin, seiner Tochter traf er vor vier Wochen daselbst ein, erkrankte hier an einem Unterleibsleiden, an welchem er verstarb. Der Heimgegangene war seit dem Jahr 1828 in glücklichem Ehestande mit seiner nachgelassenen Witwe Louise, geb. Grabow. In dieser Ehe wurden ihm vier Kinder geschenkt, von denen zwei vorangegangen sind, die genannte Tochter und ein Sohn leben.

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Johann Gottfried Klähre, Cantor und Conrector, Sohn des Müllermeisters und Mühlenbesitzers in Heinsdorf heiratete 1828 Marie Louise Grabow, Tochter des Bäckermeisters zu Berlin, Johann Gottlieb Grabow.

Am 19.11.1829 wurde die Tochter Marie Therese Elisabeth Klähre geboren, welche 1852 Hermann Jänsch ehelichte.

Zwei Söhne für den Krieg

Mai 31, 2015

Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 93 meldet: Gotthold Nischalke, Grenadier in der 5. Kompanie ist im Juli 1915 in einem Alter von 30 Jahren gefallen.

Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 1 meldet: Reinhold Nischalke, Gefreiter in der 11. Kompanie ist im Juli 1916 bei den Kämpfen am Serwetsch in einem Alter von 35 Jahren gefallen.

Welch schreckliche Nachrichten für die Hinterbliebenen. Erfahren zu müssen, daß zwei der eigenen Kinder in so kurzer Zeit für eine sinnlose und zutiefst absurde wie groteske Posse einer stets kriegsgeilen Spezies ihr Leben geben mußten. Es gilt wie immerdar für alle Kriege – für nichts. Sie gaben ihr kostbares Leben für nichts. Welch ein Schmerz! Wie viele Familien mußten derlei erfahren…

Gotthold war fünf Jahre verheiratet, Reinhold 11 Jahre. Die Familie stammt ursprünglich aus Rothenburg an der Obra in der Provinz Posen und zog zwischen 1880 und 1885 nach Ketzin in das Havelland in Brandenburg. Die Urgroßmutter der beiden Kriegsteilnehmer war die ältere Schwester meiner 4x Urgroßmutter. Der Name Nischalke ist eigentlich inkorrekt, in anderen Zeiten wurde er Nizalke geschrieben. Ein Trauerspiel par excellence. Und was haben wir primitiven Menschen aus solchen Beispielen bis heute gelernt? Richtig – nichts! Menschen ändern sich nicht.

Ein tragisches Unglück

Mai 23, 2015

Auf schriftlicher Anzeige des königlichen Distrikts Commissarius wird mitgeteilt, daß die unverehelichte Johanne Wilhelmine Rosenau, geboren am 13.12.1866 in Neu Borui, Tochter des Eigentümers Christian Rosenau und dessen Ehefrau Johanne Florentine, geborene Grieger am gestrigen Tage (24.03.1881) Nachmittags auf dem Grundstück Alt Borui Nr. 7 Todt aufgefunden wurde, war sie von den Flügeln im Gange befindlichen Windmühle erschlagen wurde. – Ein trauriges – viel zu frühes Ende für ein hoffnungsvolles Leben. Ihre Eltern heirateten am 17.01.1862.

Eine Waisenanstalt für Mädchen in Wollstein

April 30, 2015

Im Januar 1830 machte Konsistorialrat Dr. Jacob zu Posen dem Wollsteiner Pfarrer das „höchst gütige Anerbieten“, daß er bereit wäre, bei der Gründung einer Mädchenwaisenanstalt 150 Reichstaler spenden zu wollen. Die Etablierung einer solchen Einrichtung kam jedoch nicht zustande, gleichwohl es dem Pfarrer „sehr drückend auf dem Herzen lag“. Erst im September 1836 wurde ein Statut und eine Hausordnung für die zu errichtende „Marienstiftung“ entworfen; Herr Dr. Jacob erhöhte seine Spende auf 200 Reichstaler und zahlte selbige im Juli 1837 aus. Der Land- und Stadtgerichtsrat Wenzel aus Wollstein übernahm die sichere und zinstragende Unterbringung des Geldes.

Weiterhin wurde ein Gesuch an die königlichen Beamten des Ortes und an die hiesige Bürgerschaft und an die wohlhabenderen Bewohner der Umgebung ausgesprochen. Herr Rittmeister von Dziembowski versprach ein Geschenk von 20 Reichstalern und auch aus Widzim und Karge wurden fortlaufende Beträge zugesichert. Als bisheriger Leiter der Angelegenheit zog sich der Arzt Dr. Schneider zurück – seine Stellung als Arzt forderte ihren Tribut – und so übernahm der Rentier Kunze den Vorstand der Marienstiftung. Sodann trat am 31. Oktober 1837 die Anstalt endlich in das Leben und zwar im evangelischen Schulhaus in der obersten Giebelstube, welche extra angemietet wurde.

Als Waisenmutter wurde die Witwe von Müllermeister Franke, geborene Päch bestimmt und die ersten Waisen der Einrichtung waren: Johanne Juliane Becker, Tochter des verstorbenen Gottfried Becker und Wilhelmine Helm, die jüngste uneheliche Tochter von Frau Helm, geborene Schmidt. Letztere wurde jedoch Anfang September 1838 von Frau Helm wegen einer „wohlverdienten, mäßigen Züchtigung zurückgenommen“. Stattdessen wurde Mathilde Block, jüngste Tochter des verstorbenen Gärtners Martin Block und dessen Witwe, nun verehelichte Richter aus Wollstein aufgenommen. Am 14. Dezember 1838 wurde die komplett verwaiste Friederike Charlotte Doyl (wohl Deul) als dritter Zögling aufgenommen. Im Februar 1839 wurde die Marienstiftung durch Verfügung der königlichen Regierung bestätigt.

Bis März 1839 war das Kapital der Stiftung auf 300 Reichstaler angewachsen. Am 12. April wurde nun das vierte Mädchen willkommen geheißen: Eleonore Hoffmann, Tochter des verstorbenen Hauptmannes Hoffmann aus Groß Nelke, welcher seine Witwe „mit sieben unerzogenen Knaben in der drückensten Armut hinterlassen hat“. – – – Wahrscheinlich hat das Waisenhaus im Zeitenrad der Geschichte noch weitere Mädchen aufgenommen und in entsprechender Weise aufgezogen und in das Leben entlassen.

Quelle: „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839. Von Pfarrer Heinrich Gerlach.

Von Posen nach Berlin

April 8, 2015

Mein Fachgebiet liegt bekanntlich in der Provinz Posen und trotz sorgfältigster Recherche lassen sich zu manchen Personen oder gar Familien keine weiteren Daten eruieren. Von manchen Familien habe ich beispielsweise zehn geborene Kinder erfaßt, aber keines dieser Kinder starb oder heiratete in jenem Areal. Sie verschwanden einfach von der Bildfläche.

Durch einen Zufall habe ich mich mit den Standesamtsunterlagen von Berlin näher beschäftigt und ich war nach einer ersten oberflächlichen Prüfung sehr erstaunt respektive irritiert, welche hohe Anzahl von Personen aus meinem Fachgebiet in Berlin zu finden ist. Die oben erwähnten zehn Kinder sind geschlossen in Berlin in den Stand der Ehe getreten und sehr viele Altsitzer verstarben in Berlin. Aktuell habe ich zahlreiche Nachnamen meiner Namensliste geprüft und bisher fand ich über 400 relevante Einträge (600, (17.04.)) in Berlin. Diese derart hohe Personenanzahl erstaunt mich nach wie vor.

Ich spreche hier von den Heiratsregistern 1874-1920, Sterberegister 1874-1920 und Geburtsregister 1874-1899 von Berlin. Gerade viele Kinder, die zwischen 1830-1850 geboren wurden, sind in den Berliner Heiraten zu finden und wenn erst ein Kind dort lebte, besteht die Möglichkeit, daß später die Eltern oder ein Elternteil ebenso dorthin verzog und später entsprechend dort verstarb.

Ich kann jene Unterlagen als formidable Quelle nur empfehlen. Wahrscheinlich trafen dort alle Regionen zusammen; ich habe mich bisher nur auf die typischen Namen aus meinem Fachgebiet konzentriert, fand aber in dem Kontext Personen aus Pommern, Schlesien, West- und Ostpreußen, sowie dem restlichen Deutschland. Kurzum, hierbei handelt es sich um eine genealogische Goldgrube.

Zum Tod von Prof. Dr. Dr. Siegwart-Horst Günther

März 3, 2015

Wie ich kürzlich erfuhr, verstarb Prof. Dr. Dr. Siegwart-Horst Günther am 16.01.2015 in Husum. Als junger Soldat verweigerte er sich den Verbrechen der Wehrmacht, wurde in den deutschen Widerstand involviert, um als unmittelbare Folge davon im Kontext des Attentats auf Adolf Hitler am 20.07.1944 kurz vor Ende des Krieges in das KZ Buchenwald interniert zu werden. Später studierte er Humanmedizin, Philosophie und Ägyptologie. Von 1963 bis 1965 arbeitete er bei seinem Vorbild Albert Schweitzer in Lambarene. Er war einer der Väter der Anti-Uranwaffen-Bewegung in Deutschland und engagierter Mitstreiter im Kampf zur Ächtung von Uranwaffen.

Leider durfte ich diesen großartigen Menschen nie kennenlernen – das Leben offerierte mir nie diese Möglichkeit, aber im Rahmen meiner genealogischen Forschung eruierte ich, daß sein 3x Urgroßvater und dessen älterer Bruder – mein 5x Urgroßvater Geschwister waren und somit haben wir die gleichen Vorfahren. Wenngleich die Option einer Begegnung für immerdar in das Reich der Unmöglichkeit eingegangen ist, so möchte meinen weit entfernten Verwandten dennoch hier diese Zeilen widmen. Alles hat seine Zeit.

Fehlerquelle: Standesamtsunterlagen

März 2, 2015

Bei der Prüfung von Standesamtsunterlagen fiel mir ein Sterbeeintrag auf, der von der Namenskonstellation her auf den ersten Blick meiner Familie zugerechnet werden konnte, aber die Eltern des Verstorbenen stimmten jedoch nicht überein. Nichtsdestotrotz befragte ich meine Datenbank – das anschließende Ergebnis war konträr zu den angegebenen Eltern. Da ich den Einträgen der Standesämtern seit Jahren mißtraue, zog ich das entsprechende Kirchenbuch zu einer Überprüfung heran und siehe da, die genannten Eltern waren wieder einmal inkorrekt – jene in meiner Datenbank hingegen richtig. Wie schon so oft. Ich habe mehrere Hundert Einträge in den Standesamtsunterlagen entdecken können, die von Fehlern dominiert wurden. Wer sich nun auf diese Daten verläßt, baut sich unabsichtlich Fehler in seinen Stammbaum ein und vielleicht gar tote Punkte, die man nicht überwinden kann. Wie auch, denn wie kann man etwas erforschen, was nie existierte?

Mitnichten handelt es sich hierbei um Kritik an die damaligen Standesbeamten. Sie notierten nur das, was ihnen gemeldet wurde. Und wenn der Sohn oder die Tochter den Tod meldete und keine oder völlig falsche Großeltern angab, so wurde das eben eingetragen. Die Kirchenbücher sind freilich auch nicht fehlerfrei, aber in der Regel kannte der Pfarrer seine Gemeinde – zudem konnte er in seine Bücher sehen, um etwaige Angaben zu verifizieren. Oder er schlug nach, um das korrekte Geburtsdatum und mehr anzugeben. So bilden die Standesamtsunterlagen, explizit die Todeseinträge eine formidable Fehlerquelle – das sollte sich jeder Genealoge bewußt machen. Ein Abgleich mit den Kirchenbüchern – so denn möglich – ist unabdingbar.

Vaterschaft

Februar 24, 2015

Am 20.12.1817 wurde in Alt Borui ein Mädchen geboren, welches sechs Tage später auf den Namen Johanne Juliane getauft wurde. Der Ehemann der Mutter erklärte hierzu: ”… da er erst seit dem 30. August dieses Jahres mit seiner Ehefrau verheiratet; so könne er nicht Vater des von derselben geborenen Kind seyn. Am 17. Januar 1818 erklärte der (Nachname), daß er als Vater sich des Kindes annehmen und erziehen wolle.”

Eine interessante Bemerkung, die für Nachfahren jener Linie sicherlich nicht ohne Bedeutung ist. Der Pfarrer sparte zu dieser Zeit nicht mit Randvermerken in diesem Stil; eine Haltung, die heute nur gelobt und gar nicht hoch genug bewertet werden kann.

Ein seltsamer Eintrag

Februar 13, 2015

Im Jahr 1820 wurde ein männliches Kind auf den Namen Johann Wilhelm getauft. Interessant ist die nachfolgende Randbemerkung des Pfarrers.

„Bei der Confirmation ermittelte sich, daß dieser nicht ein (männlicher), sondern ein weiblicher gewesen ist. Es muß daher nicht Johann Wilhelm, sondern Johanne Wilhelmine heißen.“

Fürwahr, aus heutiger Sicht ein Eintrag, der die eine oder andere Frage aufwirft. Zudem wurde diese Bemerkung durchgestrichen. Wie dem auch sei, wer immer auch mehr darüber wußte, jene Personen sind seit langer Zeit in das allumfassende Nichts eingetreten.

Gelebte Endlichkeit. Eine Art Jahresrückblick.

Dezember 22, 2014

Seufzend senkt sich der tödliche Schleier der Endlichkeit über das Jahr 2014, welches eben noch hoffnungsfroh in der Zukunft leuchtete. Unausweichlich wird es für immerdar in den Strudel der Zeit gesogen und am Ende werden wir uns erneut fragen, wo die schönen Momente des Jahres nur geblieben sind. Dann beginnt es von vorn, das Spiel des Lebens. Immer wieder. Nur die Spieler können sich einer beständigen Ablösung sicher sein. So war die Ordnung der Dinge und so wird sie immer sein. Diese Reise wird niemals enden, sie führt uns in die Unendlichkeit, wenngleich wir als stille Beobachter nur einen Moment im Nichts daran partizipieren werden. Gelebte Endlichkeit.

Mittlerweile gebe ich mich der Genealogie seit nunmehr zehneinhalb Jahren hin und nach einem höchst dilettantischen Auftakt – dilettantisch sei hier in der heutigen Bedeutung gemeint – gelang es mir schlußendlich, wiederholt verborgene Pfade in die Vergangenheit zu finden und damit eine Brücke zu meinen längst verstorbenen und vergessenen Vorfahren und Verwandten zu betreten, um all jene Dahingeschiedenen ein wenig zu ehren und zu würdigen. Denn es ist mein Anliegen, sie aus der Vergessenheit zu befreien und ihr Andenken zu würdigen. Denn ohne sie wäre ich nicht. Wie könnte ich da nicht an sie denken? An all jene, die vor mir da waren und ihre Leben lebten – in welcher Form auch immer.

Dieses Jahr – 2014 – war das erfolgreichste meiner Forschung. Ich durfte mehrere Tausend neue Vorfahren/Verwandte in meiner Datenbank aufnehmen, sodann trat ich mit 29 Personen in Kontakt, die allesamt Nachfahren meiner Vorfahren respektive Verwandten sind. Was würden all die Toten dazu sagen? Weiterhin fand ich ein drittes Wappen, aber dies ist nur sekundär von Bedeutung. Die größte Überraschung war wohl die Tatsache zu erfahren, daß vier Brüder meines Urgroßvaters nach Australien auswanderten. Dieses Wissen war in meiner Familie – warum auch immer – verloren und im Reich der Zeit begraben. Doch nach ungefähr 125 Jahren besteht nun wieder Kontakt zwischen unseren Familien, wenngleich die Entfernung immens ist; allein die Barriere der Zeit war doch nicht so unüberwindlich, wie man vielleicht annehmen könnte.

Und ja, nicht zuletzt konnte ich ein Familiengeheimnis auflösen, welches ich mir nicht im Traum hätte vorstellen können und meine Erfahrung einmal mehr unterstreicht – in der Genealogie ist a l l e s möglich! Abschließend muß es auch als Höhepunkt betrachtet werden, eine Postkarte im Internet zu entdecken, die meiner Familie gehörte und nach unverzüglicher Erwerbung nach fast 100 Jahren wieder in den Schoß der selbigen zurückkehrte. Auch die persönliche Begegnung mit einem Buchautor, der sich mit einem zentralen Ort meiner Familie beschäftigte, suchte ihresgleichen. Herzlichen Dank für dieses einzigartige Treffen – ich hoffe auf eine Fortsetzung! Fürwahr, dieses Jahr war in der Tat erfolgreich. Ich lasse mich überraschen, was 2015 in dem genealogischen Kontext feilbieten wird. In diesem Sinn, möge es beginnen – dieser meine Pfad von der noch nicht geborenen Zukunft in die allumfassende Vergänglichkeit – in das Reich meiner Altvorderen.

“Wer auf seine Verstorbenen verzichtet, der ist nicht wert, daß sie für ihn gelebt haben. Er würde ja dadurch auf sich selbst verzichten, weil er sein Dasein nur dem ihrigen verdankt.”

(Karl May)

Zufallsfund. Tod 1872. Dietz.

November 10, 2014

Nachfolgend ein Zufallsfund. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Die Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Am 16.02.1872 verstarb in Wollstein im Alter von 42 Jahren der Bildhauer Robert Louis DIETZ aus Königsberg in Preußen. Todesursache: Krebs. Seit 1854 war er verheiratet mit Bertha Emilie HOHMANN. Die Ehe blieb kinderlos. Eltern unbekannt.

Zufallsfunde. Heirat 1843. PFAFFENDORF-LAUBE. Heirat 1866. HINZPETER-RICHTER.

Oktober 2, 2014

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Johann George Theodor PFAFFENDORF (22), Sohn von Christian Gottfried PFAFFENDORF und Maria Dorothea GRUNER aus Löbschütz bei Cahla in Sachsen Altenburg.

heiratete 1843:

Johanne Beate Louise LAUBE (24), Tochter von Johann Christian LAUBE und Anna Catharina JACHMANN aus Barloschen (Wollstein).

2.

Carl Anton HINZPETER (37), Stadtbaurat in Stargardt in Pommern, Sohn von Friedrich HINZPETER aus Bielefeld.

heiratete 1866:

Melanie Sophie RICHTER (23), Tochter von Gustav Heinrich Eduard RICHTER und Charlotte Wilhelmine Henriette FOLTINSKA aus Wollstein.

Krieg, immer nur wieder Krieg

September 12, 2014

Vor einiger Zeit wurde das Projekt zur Erfassung der Verlustlisten aus dem ersten Weltkrieg abgeschlossen und selbige sind für Genealogen freilich eine wahre Fundgrube. An dieser Stelle meinen Dank und meine Hochachtung an jene, die daran beteiligt waren. Ich selbst habe Dutzende Familienangehörige in den Verlustlisten gefunden und ja, ein zutiefst trauriges Bild aus der Vergangenheit wird damit lebendig. Vorfahren und Mitglieder aus der Familie, die an diesem unsäglichen Gemetzel teilnehmen mußten, bekommen ein temporär lebendiges Gepräge und lassen meine Gedanken in jene blutige Zeit reisen.

Von einer Familie aus einem Seitenzweig mußten gar drei!!! Söhne in den Krieg ziehen, doch offenkundig hatten sie Glück – alle drei wurden nur leicht verwundet und überlebten wahrscheinlich. Viele andere erfuhren nicht dieses Glück; ein Verwandter von mir (und viele mehr) wurde zuerst schwer verwundet, war sodann vermißt und verstarb schlußendlich. Wie viele Menschen teilten dieses Schicksal und gaben ihr Leben für – – – ja, wofür eigentlich? Wo lag der Sinn von diesen Abermillionen Toten? Nun, die Antwort ist höchst banal – es gab keinen Sinn. Kriege sind per se sinnlos. Wahrscheinlich wird nur ein eklatant tief in der Spezies Mensch verankerter Trieb ausgelebt, die Lust am Töten, Morden, Foltern und Vergewaltigen. Das gleiche alte Lied. Wieder und wieder. Seit Jahrtausenden.

Und wir edlen, hochmoralischen Menschen dieser Zeit, die wir die Ethik hochleben lassen und die heutige Zivilisation preisen, lernen noch immer nicht. Wir lernen einfach nicht. Wir investieren weiter in Waffentechnologie und bemühen uns von Herzen, noch perfidere Tötungsmethoden zu entwickeln. Ja, das treibt uns an. Nuklearwaffen und biologische Kampfmittel um halbe Welten zu vernichten – was sind wir eigentlich für degenerierte Wesen? Unsere Geschichte offenbart nur eine Ansammlung von Kriegen und unermeßlichem Leid. Und ja, ich gestehe es gerne hiermit ein, ich bin ein Unmensch, denn ich verstehe das nicht. Ich kann und werde diese kriegsgeile Rasse nie verstehen. Irrelevant, welche Gründe wir auch angeben, ob aus Geldgeilheit, Eroberungsgier, Religion oder weiß ich was.

Der Kreis der Gewalt schließt sich, wenn man ein Auge auf die militärischen Konflikte unserer Zeit wirft und auch hier gilt wieder – wir lernen es nicht. Krieg statt Frieden. Morden statt Lieben. Vernichtung statt Mitgefühl. So war es immer und so wird es immer sein. Achtung, oh du scheinbar friedliches Europa in deiner kurzsichtigen Arroganz und ignoranter Überheblichkeit; die führenden, verantwortlichen Narren in den Regierungen forcieren ohne Not einen Weg, der ganz schnell zu einem großen Krieg führen könnte – wie vor 100 Jahren. Ob bewußt oder unbewußt sei dahingestellt. Doch irrelevant, wie sich die kommenden Kriege mit ihren Massakern entwickeln werden, dieses Sterben ist und wird immer sinnlos bleiben.

Wir sollten alle Waffen vernichten – wozu benötigen wir Waffen? – und zur Abwechslung einmal versuchen, in Frieden zu leben. Ja, das Leben zu ehren und als immens wertvoll zu achten und nicht den Tod anbeten. Ist das denn so schwer? Doch nun bin ich der Narr, denn dieser naive Gedanke wird nie wahr werden; dafür fehlen unserer Spezies jegliche Ansätze von Intelligenz. Und so bleibt mir nur die liebliche Hoffnung auf eine friedliche Zukunft nach der Auslöschung der Menschheit, in der sich dieser wunderbare Planet von uns erholen kann, von den seltsamen Episoden unter dem Zeichen jener Spezies, die sich einst „Mensch“ – „Homo sapiens“ nannte und alles andere als einsichtsvoll war. Es mag dauern, aber manche evolutionäre Fehler korrigiert die Natur von allein. Dum spiro, spero.

Brudermord

August 14, 2014

An einem Mittwoch im November 1885 verstarb in Groß Nelke im Kreis Wollstein um 15:30 Uhr Johann Friedrich S. in einem Alter von nur 30 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt war Friedrich noch nicht verheiratet. Bemerkenswert ist in diesem Kontext die Todesursache, denn Johann Friedrich “war von seinem 33 Jahre alten Bruder Wilhelm mit einem Messer – fünf Stich in den Hals – erstochen worden.“ Der Vater zeigte den Tod an und die Beerdigung fand am Sonntag mit Erlaubnis des Gerichtes statt. Wer weiß, welche Motivation hinter diesem Mord, dieser Tragödie stand. Mit Sicherheit wird diese Tat nachhaltig auf die Familie gewirkt haben und vielleicht wurde das dunkle Ereignis in der Familiengeschichte auch weiter gegeben. Diese finstere Stunde ist lange, lange in der Geschichte vergessen und dieser Eintrag wird hier temporär daran erinnern, wozu wir Menschen doch fähig sind.

Der Fremde aus Posen

Mai 27, 2014

“Der Gerichts Scholz Johann George Kernchen und der Wirth George Nicolaus, beide in Tloker Hauland und zeigten uns an, daß am 31.01. dieses Jahres (1812), Nachmittags gegen vier Uhr in dem Hause des ersten Anzeigenden, ein Fremder, welcher krankheitshalber auf dem Transport zu ihm gebracht wurde, verstorben sey. Aus einem bei demselben vorgefundenen Entlassungs Schein geht hervor, daß der jetzt Verstorbene Johann Friedrich Malko hieß, daß er aus Posen gebürtig war, und daß er bis zum 25. April 1811, drei Monate lang bei dem Brandweinbrenner Lewin Abraham in Neu Tirschtiegel als Brennknecht in Diensten stand. Dem Aussehen nach ist er ungefähr vierzig Jahr alt. Bei näherer Untersuchung des Leichnams fand sich nach Aussage der Anzeigenden nichts von Gold oder Geldes wert vor, außer einer ganz ordinären Bekleidung von gemeinem Tuch.”

Quelle: Kirchenbuch Wollstein, 1812

malko

Ein Postkartenhandel als genealogische Fundgrube

Mai 24, 2014

Durch einen banalen Zufall leitete mich das unwägbare Leben auf die Seite eines Postkartenhandels im Internet, welcher unzählige Postkarten offeriert – das Gros beschrieben – in längst vergangenen Zeiten von lange verstorbenen und möglicherweise vergessenen Menschen. Nachdem ich die formidable Ortsliste prüfte, fand ich tatsächlich eine Karte, die zu meiner Familie gehört, was mich gleichermaßen erstaunte wie zutiefst erfreute. Als Adressatin handelte es sich um eine Nichte meines Urgroßvaters, die die Karte vor 100 Jahren erhielt. Mich dort zu registrieren und das kostbare Schriftstück erwerben, war ein Gedanke und einige Tage später kehrte die wertvolle Postkarte in die Familie zurück und überraschte mich nun zusätzlich mit ihrer Qualität – ich war geneigt anzunehmen, jene Karte wurde erst gestern versandt.

Selbst einige neue genealogische Informationen konnte ich dem Inhalt entnehmen, doch die Frage, wie sie zu dem Handel kam, ließ sich nicht klären. Vielleicht im Rahmen einer Haushaltsauflösung. Ich hätte nicht im Traum damit gerechnet, daß ich bei diesem Versandhandel einen derart bedeutenden Glücksfund realisieren könnte, was einmal mehr beweist – in der Genealogie ist alles möglich. So kehrt ein altes Schriftstück aus meiner Familie – zurück in die Familie und erfreut sich höchster Wertschätzung. Und jenen Postkartenhandel als genealogische Fundgrube kann ich nur empfehlen.

Das Waisenmädchen aus Komorowo Hauland

Februar 25, 2014

Im Jahre 1787 erschien in Komorowo Hauland eine Frau mit einem etwa zweijährigen Mädchen, welches den Namen Beata trug; das Kind verblieb in jenem Ort und wurde von den dortigen Einwohnern erzogen. Pastor Gerlach konstatierte: „Sie wurde in der Folge von mir confirmiert und erwarb sich als Dienstmagd ihren Unterhalt.“ War die Frau, die sie dort zurück ließ ihre Mutter? Wie war ihr Name? Wo kam sie her? Wer war der Vater? Welches tragische Schicksal verbirgt sich hinter diesem Handeln? Viele Jahre später – 1822 – trat sie in den Stand der Ehe und heiratete Johann Gottfried Mücke aus Blumer Hauland, der ungefähr 13 Jahre älter als sie war. Diese Ehe währte nicht lange und im Jahre 1827 heiratete sie erneut.

Vielleicht hatte Beata in ihrem Leben das Glück, mehr über ihre Eltern zu erfahren und möglicherweise ist sie ihnen gar begegnet. Nachträglich würde ich ihr dies wünschen und vielleicht hat sie auch Liebe und Geborgenheit empfangen, so daß ihre temporäre Zeit auf diesem Planeten von Zufriedenheit und ja, auch von Glücklichsein geprägt wurde. Doch nach bald 230 Jahren weht der verblassende Nebel der Geschichte über jene einst schmerzvollen Momente, die das Leben mit melancholischer Feder niederschrieb. Möge dieser Artikel ein wenig die flüchtige Erinnerung an Beata hochhalten, jenem Waisenmädchen aus Komorowo Hauland.


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