Muttermord

Oktober 15, 2017

Das Jahr 1863. In der Kirche von Borui in der Provinz Posen (Bild unten) schlossen Johanne Juliane Emilie und Johann Traugott den Bund der Ehe. Unter den Gästen weilte auch ihr Bruder Samuel, der nur zwei Jahre später die deutsche Heimat für immerdar verließ, um einer ungewissen Zukunft der Hoffnung entgegen zu segeln. Im Jahr 1865 machte er sich nach Hamburg auf, um von dort nach Adelaide in Australien auszuwandern. Seine Schwester zog indessen mit ihrem Mann Traugott nach Gloden und gründete dort eine Familie. Die Ehe hielt 33 Jahre lang und endete mit dem Tod ihres Gatten, der sicherlich weit vor seiner Zeit verstarb. Ob die Verbindung glücklich war, kann nur vermutet werden.

Kirche in Borui, erbaut 1854, später mit Turm

Im Dezember 1867 erblickte ihr Sohn Gustav Adolf das Licht der Welt – so hielt sie also ihr kleines Baby in den Händen; jenes Kind, welche Jahre später zu ihrem Untergang führen sollte. Nach dem Tod ihres Mannes Traugott verbrachte sie ihr Leben als Ausgedingerin bei ihrem Sohn Gustav Adolf und dessen Angetraute Amalie Anna. Mittlerweile konnte sie fünf Enkelkinder vermelden. So zog die unwägbare Zukunft in die unendliche Vergangenheit ein und Anfang des Jahres 1902 nahm die Tragödie ihren Lauf.

An einem Morgen im kalten Januar wurde die 60jährige Johanne Juliane Emilie tot in ihrer Wohnung aufgefunden – das Königliche Distriktsamt zu Wollstein konstatierte, daß sie erschlagen wurde.

Die weiteren Ermittlungen des Distriktskommissarius ergaben, daß sie von ihrem eigenen Sohn und ihrer Schwiegertochter durch mehrere Beilhiebe ermordet wurde. Ein besonderes Augenmerk muß hier auf den neunjährigen Enkel Alfred gelegt werden, denn er berichtete von dieser schrecklichen Tat und belastete damit seine Eltern als Hauptzeuge schwer. Das Schwurgericht zu Meseritz verurteilte die beiden Mörder zum Tode. Doch mehr als ein Jahr nach der Tat wurden die Verurteilten zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe begnadigt.

Die weiteren Lebenswege von Gustav Adolf und Amalie Anna sind nicht bekannt und ob sie jemals die Freiheit zurück erlangten, ist ebenso ungeklärt. Zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung war Gustav 35 Jahre und Amalie 30 Jahre alt – im Jahr 1916 waren beide bereits verstorben. Ihr Sohn Alfred, der in dem Prozeß eine besondere Rolle einnahm, sollte seinen 24. Geburtstag nicht erleben. Auch die Beweggründe zu diesem entsetzlichen Muttermord lassen sich wohl nicht mehr entschlüsseln. All der Schmerz, all das Leid, all die Tränen haben sich längst verflüchtigt und wahrscheinlich gibt es niemanden mehr unter den Lebenden, der diese Geschichte aus dem Jahr 1902 noch kennt und darüber berichten könnte – wenn sie denn je weitergetragen wurde. Der Zeitenstrom des Lebens reißt alles mit sich – auch die schlimmsten Begebenheiten, die uns einst fassungslos zurück ließen. Was hätte sie wohl dazu gesagt, wenn man ihr von ihrem Lebensende berichtet hätte, just in jenem Moment, als sie ihr Baby in den Händen hielt? Wer erwartet schon das absolut Unbegreifliche? Möge Juliane Emilie zuvor schöne Jahre erlebt haben – das darf ich ihr nachträglich noch wünschen. Ja, das wünsche ich ihr – von Herzen.

Advertisements

Detailsuche: Familie Franzke & Fechner aus Guschin, Posen

Oktober 13, 2017

Gesucht werden jegliche Informationen und Hinweise über die Familie von Gottfried Erdmann Franzke & Wilhelmine Pauline Fechner, die von 1888 bis 1905 und mutmaßlich darüber hinaus in Guschin, bei Rakwitz in der Provinz Posen lebten. Es sind neun Kinder bekannt, von denen sechs im Kindesalter verstarben. Der älteste Sohn fiel in Frankreich im ersten Weltkrieg. Im Jahr 1916 war die Mutter Pauline Fechner noch am Leben. Ein Gegenstand aus dem Besitz der ältesten Tochter tauchte im Jahr 2014 in Hattingen in Nordrhein-Westfalen auf. Der Bezug dorthin ist ungeklärt.

Die genealogische Herkunft von Gottfried Erdmann Franzke & Wilhelmine Pauline Fechner und den jeweiligen Vorfahren wurde nachhaltig erforscht; doch jedwede Information wie Verbleib und Lebenswege über diese Familie und ihren Nachfahren ist von Interesse.

Vereitelung der Wollsteiner Bahn, Tod des Freiherren von Unruhe-Bomst und der Autounfall eines Chauffeurs

Oktober 8, 2017

Kreis und Stadt Lissa geben sich die möglichste Mühe, die Weiterführung der Wollsteiner Bahn nach Schmiegel zu vereiteln und dieselbe in Lissa einmünden zu lassen. Die Stadt hat 3000 M. für den letzteren Fall bewilligt und der Kreistag will eine noch höhere Summe zur Verfügung stellen. Vom 17.05.1889.

Der frühere freiconservative Reichstagsabgeordnete, wirklicher geheimer Rath und Schloßhauptmann von Posen Frhr. von Unruhe-Bomst auf Langheinersdorf in der Neumark, welcher sein Mandat als Vertreter des 3. Posener Wahlkreises niederlegte, da er mit der conservativen Partei hinsichtlich des deutsch-russischen Handelsvertrags in Meinungsverschiedenheit gerieth, ist plötzlich gestorben. Frhr. von Unruhe-Bomst, geboren am 26. August 1825 zu Berlin, war in den Jahren 1855-1858 und 1866-67 Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses für den Wahlkreis Bomst-Meseritz. Am 12. Februar 1867 wurde er zum ersten Male als Mitglied des constituirenden Reichstages des Norddeutschen Bundes gewählt und vertrat denselben Wahlkreis (Meseritz-Bomst) im Reichstage des Norddeutschen Bundes und sämmtlichen folgenden deutschen Reichstagen. Im Oktober 1891 wurde er durch den König von Preußen zum lebenslänglichen Mitgliede des preuß. Herrenhauses berufen. Vom 28.04.1894.

Anmerkung. Hans Wilhelm von Unruhe-Bomst, 26.08.1825-22.04.1894.

Der zur Zeit mit einem Auto des Grafen Arco aus Berlin in Wollstein bei Posen weilende Chauffeur Friedrich Schwittmann unternahm nach einem Zechgelage in Abwesenheit und ohne Wissen seines Herrn mit mehreren jungen Leuten eine Autofahrt in der Richtung nach Unruhstadt. Schwittmann, der mit übermäßiger Schnelligkeit fuhr, verlor die Gewalt über das Gefährt und fuhr in einen Chausseegraben. Ein Mitfahrer, der Buchhalter Bayerlein aus Wollstein, wurde so schwer verletzt, daß er kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. Die übrigen Insassen wurden zwar in weitem Bogen aus dem Wagen geschleudert, kamen aber mit dem Schrecken davon. Vom 30.07.1914.

(Schreibweise komplett original).

Rothenburg an der Obra

Oktober 2, 2017

Über die Namensänderung von Rostarschewo in „Rothenburg an der Obra“ wird Folgendes bekannt: Der Ort hieß am Ende des 13. Jahrhunderts Restauczewo und erhielt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach dem Zuzug vieler Kolonisten aus Rothenburg auch den Namen Rothenburg; daneben war seit jener Zeit aber auch die aus den beiden genannten Namen entstandene Bezeichnung Rostazewo im Gebrauch, welche in den letzten Jahren in Rostarschewo verdeutscht wurde.

Um den auch auf öffentlichen Karten zu findenden Doppelnamen zu beseitigen, hat die Stadtverwaltung mit Rücksicht auf die fast ausnahmslos deutsche Bevölkerung der Stadt die Genehmigung zur Führung des deutschen Städtenamens Rothenburg nachgesucht und erhalten. (Schreibweise original). Vom 14.02.1898.

Eine sonderbare Aufgabe

September 25, 2017

Vor eine sonderbare Aufgabe wurde ein Arzt zu Rakwitz, Provinz Posen, gestellt. Zu ihm kam aus dem benachbarten Podgradewitz eine Frau mit einem ganz in Tücher gewickelten, etwa drei Jahre alten Kinde. Als der Arzt die Tücher entfernte, sah er, daß der Kopf des Kindes in einem emaillirten Topfe steckte, dem in der Häuslichkeit gewöhnlich ein sehr discreter Platz angewiesen wird. Ein Spielgenosse des Kleinen hatte diesem das Gefäß so unglücklich über den Kopf gestülpt, daß weder der Vater noch die Mutter, noch auch die Nachbarn das Kind von seiner bösen „Behauptung“ befreien konnten, zumal der Kopf sehr bald anschwoll.

In der Noth suchte die Mutter des Kindes bei dem Arzt Hilfe. Diesem gelang es denn auch, nachdem er einen – Schlosser als Beistand herangezogen hatte, die gefährliche Kopfbedeckung zu entfernen und so das Kind vor schlimmeren Folgen des Spiels zu bewahren. (Schreibweise original). Vom 19.09.1900.

Erstes Sommerfest des Kriegervereins in Silz Hauland

September 22, 2017

Der Kriegerverein Silz-Silz-Hauland feierte am 18. des Mts. (Juli 1909) sein erstes Sommerfest. Die Kameraden aus Silz-Hauland kamen nachmittags mit Musik geschlossen nach Silz und dort auf dem Gemeindeplatze trat dann der ganze Verein zusammen. Vor der Front brachte unser Ehrenvorsitzender, Distriktskommissar Bongscho in markigen Worten das Kaiserhoch aus, worauf die National-Hymne gesungen wurde. Nunmehr fand der Ausmarsch des Vereins nach dem so schönen Wäldchen vor Bärkrug statt, wo sich nach und nach Festteilnehmer aus Nah und fern in großer Zahl einfanden.

Zu dem Feste war infolge Einladung auch der Kriegerverein Mauche in erheblicher Stärke mit Fahne erschienen, um unseren jungen Bruderverein in treuer Kameradschaft zu ehren. Im Walde nahm dann das Fest bei schönstem Kaiserwetter und dank der trefflichen Vorbereitungen von Seiten unseres verehrten Vorsitzenden, des Forstverwalters Tittel und des übrigen Vorstandes bei Scheibenschießen, Tivoli-Spiel, Wettlauf der Kinder und bei Tanz einen recht guten Verlauf. Auf dem Festplatze brachte der Schriftführer des Vereins, Lehrer Peuker in längerer Rede ein Hoch auf unser deutsches Vaterland aus, nach welchem das Lied „Deutschland“ gesungen wurde. Es folgten noch Hochrufe auf die Damen und auf die treue Kameradschaft beider Vereine. Erst in später Stunde wurde der Einmarsch bewirkt. Möge das so wohl gelungene Fest den Teilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben! (Schreibweise original). Vom 25.07.1909.

Raub & Betrug

September 18, 2017

Das Kreisblatt zu Oschersleben berichtet über einen Act der größten Brutalität, welche sich neulich in der Nähe hiesiger Stadt ereignet hat. Um die Mittagsstunde fand ein hiesiger Feldhüter in einem in der Nähe stehenden Getreidediemen einen fremden Menschen bewußtlos und vollständig entkleidet liegen; neben ihm lag ein mit Blut behafteter starker Baumpfahl, so daß man zu der Annahme berechtigt war, daß hier ein Raubanfall vorliege. Glücklicherweise ist es gelungen, den Verbrecher in der Person des Knechtes Eduard Jammer aus Landsberg a. d. W., der 21 Jahre alt und bereits wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit bestraft ist, zu entdecken. J. hatte seit einigen Tagen in hiesiger Stadt eine Schlafstelle gemiehtet und es fiel der Wirthin auf, daß derselbe plötzlich einen guten Anzug, den des Beraubten, trug. J. hat bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der in so schrecklicher Weise Gemißhandelte ist der 28jährige Arbeiter Josef Geglarick aus Adamowa, Kreis Bomst; man hofft denselben trotz der schweren Verletzungen am Leben zu erhalten. (Schreibweise original). Vom 16.09.1881.

Wollstein. Ein Fall von Betrug gegen die Reichsstelle für Kartoffelversorgung beschäftigte die hiesige Strafkammer, die gegen den Kaufmann Fritz Köppler verhandelte. Der Angeklagte hatte insofern eine Vertrauensstellung inne, als er Kommissionär der Reichsstelle für den Kreis Bomst war. In dieser Eigenschaft ließ sich der Angeklagte betrügerische Handlungen zu schulden kommen, durch welche die Reichsstelle um nicht weniger als 70,000 Mark geschädigt wurde. Die unlauteren Machenschaften des Angeklagten wurden durch eine Anzeige offenbar und gegen Köppler eine Untersuchung eingeleitet. In diesem Stadium der Sache übergab der Angeklagte der zuständigen Stelle sein Sparkassenbuch und andere Wertpapiere, wodurch die Reichsstelle für ihren Schaden Deckung erhielt. In der Verhandlung war der Angeklagte geständig. Der Vertreter der Anklage hielt die Verfehlungen des Angeklagten für überaus schwer und beantragte daher eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Der Gerichtshof berücksichtigte aber, daß der Angeklagte den Schaden wieder gut gemacht hatte und erkannte nur auf eine Geldstrafe von 3000 Mark. (Schreibweise original). Vom 01.07.1916.

Zufallsfunde

September 13, 2017

Sprottau (Schlesien). Der 16jähr. Lehrling Karl Neumann dahier hatte im Geschäft ein Verhältnis mit einer fast doppelt so alten Verkäuferin angeknüpft, das entdeckt wurde und zur sofortigen Entlassung des Mädchens und zur Beurlaubung des Jungen führte. Dieser kehrte einige Tage darauf mit seiner Mutter wegen einer Aussprache zu seinem Chef zurück. Mitten im Gespräch zog er einen Revolver und gab einen Schuß auf seinen Chef ab, ohne aber zu treffen. Darauf flüchtete der Junge und schoß sich auf der Treppe eine Kugel in den Kopf; er war augenblicklich tot. (Schreibweise original) Vom 02.12.1915.

Der Ulan Karl Reinhold Deckert der 3. Eskadron Posenschen Ulanen Regiments Nr. 10, geboren am 22.09.1852 zu Bockwitz, Kreis Sprottau, unverheiratet, ist am 05.06.1875 Abends 20:45 Uhr im Obersitzko Fluß zu Karge ertrunken.

Der Bergmann Heinrich Hennig, geboren am 27.12.1858 zu Grünberg in Schlesien, Sohn von Adolf Hennig und Mathilde Fuchs ist am 13.05.1893 auf dem Abort des hiesigen Gerichtsgefängnisses (Unruhstadt) in Folge Erhängens verstorben.

Die in Graudenz (Westpreußen) geborene Laura Klinger, geborene Lewerenz, verstarb am 09.02.1894 in Unruhstadt in einem Alter von 86 Jahren. Ihre Eltern waren der Arzt Peter Lewerenz und Wilhelmine Richert. Sie war verheiratet mit dem Kreisgerichtssekretär Carl Klinger (+).

Turnmarsch & Tod eines Richters

September 9, 2017

Marienwerder. Das Opfer eines Unglücksfalles wurde der 14 Jahre alte Schüler der hiesigen Präparandenanstalt, Franz R., der bei Mehlsack in Ostpreußen beheimatet war. Die dritte Klasse der Präparandenanstalt machte einen Turnmarsch. Unterwegs, bei einem Wettlauf, lief der Junge gegen die Deichsel eines Fuhrwerks und blieb bewußtlos liegen. Er wurde in eine Klinik gebracht, wo er operiert wurde, da eine Zerreißung der Leber festgestellt wurde. In der folgenden Nacht ist er seinen Verletzungen erlegen. Vom 06.08.1914.

Graudenz. Einer der ältesten Richter des Landgerichts Graudenz, Landgerichtsrat Geheimer Justizrat Eckert, ist nach schwerem Leiden im Alter von 68 Jahren gestorben. Otto Eckert, ein Mitkämpfer von 1866 und 1870-71, war fast 30 Jahre in Graudenz tätig. Er war am 21. Februar 1846 in Popiollen (Kreis Angerburg) geboren; er besuchte das Gymnasium in Lyck. Im Jahre 1869 trat er als Referendar in den Justizdienst, 1876 wurde er Richter. Vor seiner Wirksamkeit in Graudenz war er in Mohrungen tätig. Vom 06.08.1914.

Die Angst vor den Eltern, ein Unglück in Karpitzko und ein tragischer Ausflug nach Zinskowo

September 1, 2017

Posen. Bewußt- und regungslos und fast vollständig erkaltet, wurde hier vor Kurzem in einer Seitengasse ein etwa 11 Jahre alter, anständig gekleideter Knabe vorgefunden, in dessen Rocktasche ein Quintanerzeugniß mit dem Vermerk „nicht versetzt“ steckte. Da man vermuthete, der Knabe könne Gift genommen haben, so wurde er nach dem städtischen Krankenhause geschafft, wo ihm sofort der Magen ausgepumpt wurde. Hierbei wurde festgestellt, daß eine Vergiftung nicht vorlag, der Knabe vielmehr nur stark betrunken war. Vom 28.05.1896. (Schreibweise original).

Wollstein. Ulan Katter vom 10. Ulanen-Regiment aus Schlesien, der auf dem Marsche seines Regiments zu einer Kavallerie-Uebung nach Westpreußen in dem Dorfe Karpitzko einquartiert war, ertrank im Wollsteiner See. Vom 17.09.1899. (Schreibweise original).

Neutomischel. Ein Unglück ereignete sich in Zinskowo. Der Rektor der hiesigen Knabenschule machte mit seinen Schülern einen Ausflug dorthin. Während er nun angelte, vergnügten sich die Knaben auf der am See belegenen Wiese. Hierbei geriethen der Sohn des Distrikts-Commissärs Teßmer aus Borui und der Sohn der Gastwirthswittwe Frau Wandrey von hier in ein Torfloch und versanken vor den entsetzten Mitschülern hilferufend in dem Schlamme. Mit Hülfe von Dorfbewohnern wurden mit großer Mühe die Leichen geborgen. Vom 09.06.1904. (Schreibweise original).

Einbrecher in Wollstein

August 30, 2017

Einbrecher treiben wieder einmal in unserer Stadt ihr Unwesen. In der Nacht vom Montag zu Dienstag wurden einem hiesigen Handelsmann einige Hühner gestohlen. Anscheinend dieselben Spitzbuben brachen in der nächstfolgenden Nacht in die Bloenssche Malzfabrik ein, um Gerste zu stehlen. Ein dort schlafender Arbeiter erwachte von dem Geräusch und ging mit einem Knüppel bewaffnet auf die Kerle los, die sich zur Wehr setzten. Er schlug sie in die Flucht, nachdem er dem einen einen Schlag über das Gesicht versetzt hatte, sie entkamen unerkannt. Der Polizei ist es noch nicht gelungen, die Täter zu ermitteln.

Vielleicht führt der von dem Schlage mit dem Knüppel herrührende Striemen im Gesicht des einen zu ihrer Ermittelung. Der zweite Kerl fand sich heute nacht vor der Malzfabrik wieder ein und warf durch eins der Kellerfenster einen Ziegelstein auf den Arbeiter, der sie verjagt hatte. Glücklicherweise wurde dieser durch den Wurf nur leicht verletzt. Vom 01.05.1908. (Schreibweise original).

Männer-Gesangverein Rakwitz – 25jähriges Stiftungsfest

August 25, 2017

Der hiesige Männer-Gesangverein beging am Sonntag das 25jährige Stiftungsfest, das, vom schönsten Wetter begünstigt, einen vorzüglichen Verlauf nahm. Mit Ehrenpforten, Laubgewinden und Fahnen war unser Nachbarstädtchen prächtig geschmückt. Vormittags wurden die auswärtigen Vereine von dem festgebenden Verein empfangen und nach dem Schützenhause geführt, woselbst der übliche Begrüßungsschoppen eingenommen wurde. Im Fuchs´ischen Garten fand gegen 12 Uhr die Hauptprobe der gemeinschaftlichen Chöre und um 1 Uhr das Mittagessen statt. Um 2 ½ Uhr ordnete sich der Festzug vor dem Schützenhause. Es beteiligten sich an demselben M.-G.-V. Posen, M.-G.-V. Schmiegel, „Concordia“ Wollstein, M.-G.-V. Grätz, M.-G.-V. Wollstein, M.-G.-V. Rakwitz.

Nachdem der stattliche Zug auf dem Marktplatze angelangt war, hieß Bürgermeister Stöckmann die Gäste seitens der Stadt herzlichst willkommen und brachte das Hoch auf den Kaiser, den Förderer des deutschen Liedes, aus. Nach dem Absingen der Kaiserhymne hielt Lehrer Schilski, Posen, Vorstandsmitglied des Provinzial-Sängerbundes, die Festrede. Darnach wurde von Frl. Moers ein von Jungfrauen des Vereins gestiftetes, prächtiges Fahnenband mit einer poetischen Ansprache und von Vertretern der Brudervereine Fahnennägel überreicht, worauf der Dirigent des Rakwitzer Vereins, Kaufmann Heinrich, für alle dem Jubelverein erwiesenen Ehrungen dankte. Nach einem Festzuge durch das Städtchen ging es nach dem Fuchs´ischen Gartenlokale, wo sich alsbald ein reges Leben und Treiben entwickelte.

Nach einigen Orchestervorträgen der Kapelle des Inf.-Regts. Nr. 47 aus Posen kamen die Gesamtchöre „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ mit Orchesterbegleitung, „Das Lieben bringt groß´ Freud“, „Brüder, wo die Becher kreisen“ unter Leitung des Königl. Musikdirektors Gambke, Posen, zum Vortrag. Diese wie auch die folgenden Einzelchöre fanden wohlverdienten Beifall. Der nun folgende Tanz hielt die Sänger noch lange Zeit in fröhlichster Stimmung beisammen (26.08.1909). (Schreibweise original).

Das Königlich Preußische 3. Posensche Infanterie-Regiment Nr. 58.

August 22, 2017

Das Königlich Preußische 3. Posensche Infanterie-Regiment Nr. 58. Die namentlichen Verluste in der Schlacht bei Weißenburg vom 04. August 1870 und dem Gefecht bei Wörth vom 06. August 1870 im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 können ab sofort in der Wollstein-Mailingliste angefragt werden.

Lotterie für Graf von Zeppelin

August 12, 2017

(Schreibweise original)

Seine Majestät der Kaiser und König haben durch Allerhöchste Ordre vom 24. November 1906 zu genehmigen geruht, daß zur Fortsetzung der Luftschiffahrten Seiner Exellenz des Generals der Kavallerie D. Grafen von Zeppelin eine Geldlotterie veranstaltet wird, und die Lose dieser Lotterie im ganzen Bereiche der Monarchie vertrieben werden.

Es sollen 320000 Lose zu je 3 Mark ausgegeben und 9892 Gewinne im Gesamtwerte von 380000 Mk. zur Ausspielung gelangen. Die Ziehung wird voraussichtlich am 16, 17. und 18. April 1907 in Berlin stattfinden.

Indem ich vorstehende Genehmigung hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringe, ersuche ich dafür zu sorgen, daß der Vertrieb der Lose nicht beanstandet wird.

Eröffnung Bahnstrecke Wollstein-Grätz (1905) & Mitglieder der Handwerkskammer (1902)

August 6, 2017

(Schreibweise original)

1. Bahnstrecke. Am 1. Juli d. Js. (1905) wird die 28,90 km lange Neubaustrecke Wollstein-Grätz dem öffentlichen Verkehr übergeben. An der Strecke liegen in der Richtung von Wollstein die Bahnhöfe Tloki, Rothenburg an der Obra, Rakwitz, der Haltepunkt Elisabethof und die Bahnhöfe Ruchocice und Südhof. Der Haltepunkt Elisabethof dient nur dem Personen- und Gepäckverkehr, die übrigen Stationen erhalten die Befugnis zur Abfertigung von Personen, Gepäck, Leichen, Stückgut, Wagenladungen, lebenden Tieren und Fahrzeugen. Die Abfertigung von Sprengstoffen ist ausgeschlossen.

Die am 1. Juli d. Js. (1905) in Betrieb genommene, an der Neubaustrecke Wollstein-Grätz gelegene Station Rothenburg an der Obra ist bis auf weiteres nur für den Personen- und Gepäckverkehr, nicht aber für die Abfertigung von Leichen, Stückgut, Wagenladungen, lebenden Tieren und Fahrzeugen eröffnet, weil die Bahnhofszufuhrstraße noch nicht fertig gestellt ist. Der Tag der Eröffnung für letztgenannte Beförderungsgegenstände wird später bekannt gemacht werden.

Die Königliche Eisenbahndirektion zu Posen hat bei dem Herrn Regierungs-Präsidenten zu Posen die Feststellung der Entschädigung gemäß § 24 des Enteignungsgesetzes vom 11. Juni 1874 für die nachbezeichneten zum Bau der Nebenbahn von Wollstein nach Grätz erforderlichen Grundstücksflächen beantragt.

Die 12 Grundstückseigentümer werden mit Zuname, Vorname und Wohnort (partiell mit Frau), Grundbuchliche Bezeichnung genannt – und die Größe der enteigneten Fläche. In der Wollstein-Mailingliste sind Detailanfragen in diesem Kontext ab sofort möglich.

2. Handwerkskammer. Die Mitglieder und Ersatzmänner für die Handwerkskammer und den Gesellenausschuß des Jahres 1902 der Provinz Posen können in der Wollstein-Mailingliste angefragt werden. Genannt werden pro Kreis: Mitglied, Ersatzmann, Name, Stand und Wohnort – für die Kreise: Lissa, Rawitsch, Gostyn, Ostrowo, Kempen, Schildberg, Adelnau, Jarotschin, Krotoschin, Koschmin, Pleschen, Meseritz, Neutomischel, Grätz, Bomst, Schmiegel, Fraustadt, Kosten, Birnbaum, Schwerin an der Warthe, Samter, Obornik, Schrimm, Schroda, Wreschen.

Weitere Ehrungen

August 4, 2017

(Schreibweise original)

Dem Friseurgehülfen Bruno Nowacki aus Wollstein, jetzt in Berlin, Residenzstraße 106, habe ich für die am 15. Januar d. Js. (1902) mit Entschlossenheit und eigener Gefahr bewirkte Rettung des Schulknaben Wladislaus Rajewski in Wollstein vom Tode des Ertrinkens eine Prämie von 30 Mark bewilligt.

Anmerkung. Der Friseur Bruno Nowacki wurde am 08.06.1884 in Wollstein geboren, seine Eltern waren der Tischlermeister Theodor Nowacki (geb. 1850) und Stanislawa Wandel. Sechs Jahre nach der Rettung dieses Knaben trat Bruno in Berlin in den Stand der Ehe – seine Angetraute war die Stenographin Elisabeth Frieda Ida Desselmann, welche im Dezember 1884 in Berlin unehelich geboren wurde.

Nachtrag zur Kindesrettung vom 30.06.1897, Pelagia Fromm. Des Königs Majestät haben mittels Allerhöchsten Erlasses vom 24. Februar d. Js. (1902) der Fleischerstochter Pelagia Fromm in Obornik das Verdienstehrenzeichen für Rettung aus Gefahr (Rettungsmedaille am Bande) nachträglich zu verleihen geruht. Die Genannte hatte am 30. Juni 1897 den neunjährigen Knaben Thaddäus Großmann in Obornik mit besonders erheblicher eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet.

Adlerorden für Johann Traugott Jäschke

Juli 31, 2017

(Schreibweise original)

Seine Majestät der Kaiser und König haben mittels Allerhöchsten Erlasses vom 24. September d. Js. (1899) dem Lehrer Traugott Jeschke in Tlocker Hauland, Kreis Bomst, aus Anlaß seiner Pensionirung zum 1. November d. Js. den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern zu verleihen geruht.

Anmerkung. Johann Traugott Jäschke wurde im Juni 1833 in Silz geboren – seine Eltern waren Johann Christoph Jäschke, der leider in jungen Jahren verstarb und seiner zweiten Ehegattin Dorothea Elisabeth Seiffert. Im Jahr 1856 wirkte er bereits als Schullehrer in Weißhauland bei Grätz. Im Oktober des gleichen Jahres ehelichte er Marie Louise Hänisch. Später vollzog er seinen Lehrerdienst in Tloker Hauland und wurde entsprechend für seine langjährige Tätigkeit gewürdigt.

Eichamt in Wollstein & Kindesrettung

Juli 28, 2017

(Schreibweise original)

Eichamt in Wollstein. Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat mittels Erlasses vom 07. Juli d. Js. (1898) die Errichtung eines Aichungsamts in der Stadt Wollstein mit der Ordnungsnummer 22 genehmigt, und demselben die Befugniß zur Aichung von Längenmaaßen mit Ausschluß der Bandmaaße, von Flüssigkeitsmaaßen aus Metall, von Fässern bis zu 300 Liter Raumgehalt von Kastenmaaßen, Kummtmaaßen, Fördergefäßen, Meßrahmen für Brennholz, von Handelsgewichten, und von Handelswaagen mit einer Tragfähigkeit bis zu 2000 Kilogramm beigelegt.

Kindesrettung. Am 30. Juni 1897 hat die damals dreizehnjährige Fleischerstochter Pelagia Fromm in Obornik den neunjährigen Knaben Thaddäus Großmann vom Tode des Ertrinkens im Welnafluß gerettet und sich dabei in besonders erheblicher persönlicher Lebensgefahr befunden. Seine Majestät der Kaiser und König haben mittels Allerhöchsten Erlasses vom 20. April 1898 zu bestimmen geruht, daß die Verleihung des Verdienstehrenzeichens für Rettung aus Gefahr (Rettungsmedaille am Bande) an Pelagia Fromm bis zu dem Zeitpunkt ausgesetzt wird, wo die Genannte das achtzehnte Lebensjahr erreicht haben wird. Vorläufig soll Pelagia Fromm für ihre That im Namen seiner Majestät belobt werden, was hiermit geschieht.

Von Fahrrädern & Auszeichnungen

Juli 25, 2017

(Schreibweise original)

Von Fahrrädern. Die Ortspolizeibehörde kann die Ausstellung der Fahrkarten und Nummernschilder für Personen unter achtzehn Jahren von einem Antrage der Eltern, Vormünder oder sonstigen Personen, unter deren Aufsicht sich der unerwachsene Radfahrer befindet, sowie davon abhängig machen, daß der Nachweis geliefert wird, daß diese Personen hinreichende Sicherheit und Geschicklichkeit beim Fahren des Rades und genügende geistige Reife besitzen.

Die Bestimmung „Der öffentliche Gebrauch von Fahrrädern ist nur Personen, welche das vierzehnte Lebensjahr vollendet haben, gestattet.“ wird a u f g e h o b e n. Im Jahr 1897.

Auszeichnung I. Seine Majestät der Kaiser und König haben mittels Allerhöchsten Erlasses vom 28. September d. Js. (1897) dem evangelischen Hauptlehrer Julius Klatt in Chwalim, Kreis Bomst zu seinem fünfzigjährigen Dienstjubiläum den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens der Hohenzollern mit der Zahl 50 zu verleihen geruht.

Auszeichnung II. Seine Majestät der Kaiser und König haben mittels Allerhöchsten Erlasses vom 28. September d. Js. (1897) dem evangelischen Lehrer Hermann Jänsch in Komorowo Hauland, Kreis Neutomischel, aus Anlaß seiner Pensionierung zum 1. Oktober d. Js., den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern zu verleihen geruht.

Lebensrettung

Juli 24, 2017

(Schreibweise original)

Der Tagearbeitersohn Reinhold Neumann zu Karpitzko hat am 13. Dezember v. J. (1896) auf dem Wollsteiner See die Knaben Adolf Klemm und Franz Kolanowski aus Karpitzko mit eigener Gefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet. Diese verdienstvolle That, für welche ich dem Genannten auch eine Geldbelohnung gewährt habe, wird hiermit belobigend zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Im Februar 1897.

Der Wirthschaftsinspektor Oscar Fürnrohr hat am 14. Oktober 1895 auf dem Rittergute Macew im Kreis Pleschen den Arbeiter Johann Dobroczik vom sicheren Tode gerettet, indem er einen Sprungbullen, welcher sich von der Kette im Viehstall losgerissen hatte, auf Dobroczik losgestürzt war und diesen verletzt hatte, von ihm mit eigener größter Lebensgefahr abwehrte. Für diese brave That, welche einen vorzüglichen Beweis von Entschlossenheit und Aufopferungsfreudigkeit enthält, ist dem Wirthschaftsinspektor Fürnrohr von Seiner Majestät dem Könige durch Allerhöchsten Erlaß vom 17. August 1896 das Verdienst-Ehrenzeichen für Rettung aus Gefahr Rettungsmedaille am Bande verliehen worden. Im September 1896.