Tragik & Tod

Mai 20, 2017

Im Jahre 1872 wurde in einem Seitenzweig meiner Familie in Karpitzko, im Kreis Bomst in der Provinz Posen ein Kind geboren, welches den Namen Bruno Oscar Julius erhielt und der später Schuhmacher wurde und in Mecklenburg katholisch den Bund der Ehe schloß. Die Ehe seiner Eltern währte nicht lange, seine Mutter, ihres Zeichens Bezirkshebamme, ließ sich scheiden und sein älterer Bruder verstarb mit nur 11 Jahren. Wie es Bruno Oscar Julius in Richtung mecklenburgische Seenplatte verschlug, läßt sich nicht mehr rekonstruieren, doch auch sein Leben verlief unglücklich. Mit nur 38 Jahren geriet er beim Dreschen in eine Strohpresse und verstarb an den Verletzungen. So verschied mein entfernter Verwandter und hinterließ eine traurige Ehefrau mit ihren fünf Kindern und unendlich vielen Tränen.

Nur sechs Jahre später setzte das unwägbare Leben die Tragik fort und sorgte unbarmherzig dafür, daß der älteste Sohn – Bruno Fritz Ferdinand – nur halb so alt wie sein Vater werden durfte.

Denn zu jener Zeit taten die Menschen mal wieder das, was diese Spezies am besten beherrscht und so spielten sie einmal mehr Krieg. Einen lustigen, widerwärtigen Krieg, in dem Abermillionen Menschen fröhlich verrecken durften – für nichts und wieder nichts. Man möge mir die Ironie nachsehen, aber ich kann und will nicht verstehen, was diese Rasse antreibt. Und so kämpfte Musketier Bruno Fritz Ferdinand einen sinnlosen Krieg und fiel in Fort de Vaux, nahe Verdun in einem Alter von nur 19 Jahren. So wurde er also ausgelöscht, endgültig aus dem Buch des Lebens getilgt. Dabei sollte er eigentlich noch viele Jahrzehnte voller Leben, ja, voller Leben vor sich haben.

Wenngleich er die Welt bereits vor so langer Zeit verlassen hat, fühle ich mich ihm ein wenig verbunden, denn unter seinen Vorfahren existieren gleich mehrere Verbindungen zu den meinen. Zwei seiner 3x Urgroßeltern-Paare sind zugleich meine 5x Urgroßeltern und ein 5x Urgroßeltern-Paar von ihm – sind meine 7x Urgroßeltern. Ich hätte ihm ein glückliches und vor allem längeres Leben vergönnt, doch das nebulöse Sein entschied anders. Ich darf nun in meinem Verzeichnis der familiären Kriegstoten eine weitere Person hinzufügen – zu all den vielen anderen. Die Schmerzen sind vermutlich vergangen, die Tränen verflossen, die Erinnerungen an das Leid ausgelöscht – aber nicht das Gedenken an diese Menschen. Mögen sie ihre glücklichen Momente in der Einzigartigkeit des Lebens genossen haben. Ich wünsche es ihnen nachträglich, von Herzen.

Lebensskizzen

Mai 19, 2017

Im Februar 1856 wurde in Belencin im Kreis Bomst ein Knabe von der unverheirateten Ernstine Spriralska, einem Dienstmädchen aus Wielichowo geboren, welcher den Namen Johann George Gustav erhielt. Als Johann George Gustav 26 Jahre alt war, beantragte er im Jahre 1882 die Führung des Namens „Lachmann“, was ihm auch amtlich gestattet wurde. Sein vormaliger Familiennamen lautete in der entsprechenden Anzeige mittlerweile Zboralski.

Im November des gleichen Jahres trat der Restaurateur Johann George Gustav – nun Lachmann – in der Stadt Posen vor den Traualtar und ehelichte Alma Wanda Preiß. Seine Mutter, geborene Zboralska, verehelichte Lachmann wird zu dem Zeitpunkt als Restaurateur-Frau bezeichnet. In den darauf folgenden Jahren wurden mehrere Kinder dieses Paares in Posen geboren.

Der letzte Hinweis auf Johann George Gustav Lachmann findet sich in Berlin im Jahre 1907, wo er mit nur 51 Jahren verstirbt und als Hotelbesitzer bezeichnet wird. In seinem Sterbeeintrag wurde als Vater Karl Lachmann genannt – ob das korrekt war, wird die Unendlichkeit der Vergangenheit für alle Zeiten für sich behalten.

Fleischschaubezirke

Mai 18, 2017

(Schreibweise partiell original)

Nachdem mit Genehmigung des Königlichen Herrn Kreislandraths zu Wollstein aus den im hiesigen Polizeidistrikt belegenen Ortschaften: Borui, Neu Tuchorze Hauland, Tuchorze Waldhauland, Marianowo und Sandvorwerk ein Fleischschaubezirk gebildet worden ist, habe ich für denselben den Tischlermeister Gustav Seeliger aus Borui als Fleischbeschauer konzessioniert.

Dies wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken, daß für die vorgezeichneten Ortschaften die Königliche Regierungs-Polizei-Verordnung vom 4. Juni 1881, betreffend die Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen, vom 7. Dezember d. J. (1881) ab in Kraft tritt.

Im Polizeidistrikt Rakwitz, Kreis Bomst gab es zu der Zeit neun Schaubezirke:

Gloden
Jablone
Wiosker Hauland
Komorowo Hauland
Stadt Rakwitz
Stadt Rakwitz
Stadt Rothenburg
Tarnowo
Stadt Wollstein

Zum Schaubezirk Jablone gehörten neben Jablone die Ortschaften Blenke, Gut und Dorf Wioska mit Friedenfeld – der zuständige Fleischbeschauer war der Eigentümer Christian Handke zu Jablone.

Zum Schaubezirk Komorowo Hauland gehörte neben Komorowo Hauland noch der Ort Dombrofker Hauland – der zuständige Fleischbeschauer war Dienegott Meißner zu Komorowo Hauland.

Ackerbauschule Thalheim

Mai 15, 2017

(Schreibweise original)

In der Ackerbauschule zu Thalheim bei Bromberg beginnt mit dem 1. April d. J. ein neuer zweijähriger Lehrkursus, für welchen Schüler Aufnahme finden können. Unterricht und Unterhalt werden den Schülern ganz unentgeltlich gewährt. Der Aufenthalt bezweckt die praktische und theoretische Heranbildung junger Leute bäuerlichen Standes im Alter von 18 bis 20 Jahren, welche den Elementar-Schulunterricht genossen haben, der deutschen Sprache mächtig und in landwirthschaftlichen Gegenständen nicht völlig unerfahren sind, zu tüchtigen bäuerlichen Wirthen oder Wirthschaftsvögten.

Neben allen Zweigen der Landwirthschaft werden die Schüler auch in der Thierarzneikunde unterrichtet und in den Elementarkenntnissen fortgebildet. Eltern und Vormünder, welche ihren Söhnen oder Pflegebefohlenen eine solche, dem Wohle derselben sehr förderliche kostenfreie Ausbildung zu Theil werden lassen wollen, haben die bezüglichen Anmeldungen dem Dirigenten der Anstalt, Herrn Gutsbesitzer Boas zu Thalbach bei Bromberg, zeitig vor dem 1. April d. J. einzureichen.

Die vorherige persönliche Vorstellung bei dem Leiter der Anstalt ist zu empfehlen.

Bromberg im Februar 1881
Das Kuratorium der Ackerbauschule zu Thalheim

Einladung zur Hauptverhandlung

Mai 13, 2017

(Schreibweise original)

Johann Ernst Heinrich Müller aus Guschin, Kreis Bomst, zuletzt in Lasniewko, Kreis Gnesen, jetzt in der Fabrik Okop im Gouvernement Petrikau, werden beschuldigt, als Wehrpflichtiger in der Absicht, sich dem Eintritte in den Dienst des stehendes Heeres oder der Flotte zu entziehen, ohne Erlaubniß das Bundesgebiet verlassen oder nach erreichtem militairpflichtigen Alter sich außerhalb des Bundesgebietes aufgehalten zu haben. –

Vergehen gegen § 140 Abs. 1 Nr. 1. Str.-G.-B.

Derselbe wird auf den 30. April 1880 Vormittags 9 Uhr vor die Strafkammer des Königlichen Landgerichts zu Gnesen zur Hauptverhandlung geladen. Bei unentschuldigtem Ausbleiben wird derselbe auf Grund der nach § 472 Strafprozeßordnung von dem Königlichen Landgericht zu Gnesen über die der Anklage zu Grunde liegenden Thatsachen ausgestellten Erklärung verurtheilt werden.

Gnesen, Januar 1880
Königliche Staatsanwaltschaft

Ehrenzulage

Mai 9, 2017

(Schreibweise original)

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstags was folgt:

Die Inhaber des Eisernen Kreuzes erster Klasse, welche dasselbe im Kriege gegen Frankreich 1870/71 in den unteren Chargen bis zum Feldwebel einschließlich erworben haben, erhalten vom 1. April 1878 ab eine Ehrenzulage von drei Mark monatlich.

Diese Ehrenzulage erhalten von demselben Zeitpunkte ab unter den in § 1 angegebenen Voraussetzungen auch die Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, wenn sie zugleich das preußische Militär-Ehrenzeichen zweiter Klasse oder eine diesem gleichzuachtende militärische Dienstauszeichnung besitzen, welche entweder in einem der seit 1866 mit Preußen verbundenen Landestheile vor der Vereinigung, oder in einem der anderen Bundesstaaten vor dem Kriege 1870/71 verliehen worden ist. Die Bestimmung darüber, welche Dienstauszeichnungen hiernach außer dem preußischen Militär-Ehrenzeichen zweiter Klasse neben dem Besitze des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse zum Bezuge der Ehrenzulage berechtigen, erfolgt durch den Kaiser.

Die Ehrenzulage wird auf Lebenszeit gewährt und unterliegt nicht der Beschlagnahme. Das Anrecht auf die Ehrenzulage erlischt mit dem Eintritt der Rechtskraft eines strafgerichtlichen Erkenntnisses, welches den Verlust der Orden zur Folge hat.

Tod vor der Trauung

Mai 5, 2017

Im Januar 1848 wollte in Bentschen Anna Dorothea Kupke den Bund der Ehe mit dem Witwer Christian Deckert schließen. Leider goutierte das unwägbare Leben diese künftige Verbindung mitnichten und so verschied die Verlobte bereits vor der Heirat Ende Januar 1848 in einem Alter von 32 Jahren. Welch eine betrübliche Begebenheit, wie sie nur das gnadenlose Dasein – im Zeichen der Vergänglichkeit – ungerührt in die Realität schreiben konnte.

Bemerkenswert ist der direkt folgende Heiratseintrag – respektive Proklamation – denn auch jene Eheschließung sollte nicht vollzogen werden, da der Bräutigam ebenso vor der Trauung verschied. Statt Freude und Festlichkeiten für die Familien, obsiegte ein endgültiges, schmerzhaftes Trauerspiel für alle Beteiligten, welches sicherlich niemand erwartet hatte – das ist das Leben.

St. Annen-Medaille

April 30, 2017

(Schreibweise original)

Die nachstehend benannten, ehemaligen Unteroffiziere des Westpreußischen Ulanen-Regimentes Nr. 1 (früher 1. Ulanen-Regiment) werden hierdurch aufgefordert, Behufs Geltendmachung ihres Erbrechts auf die Kaiserlich Russische St. Annen-Medaille sich binnen drei Monaten, vom Erscheinen dieses Blattes gerechnet, schriftlich, unter genauer Angabe ihrer Adresse bei dem Kommando des Westpreußischen Ulanen-Regimentes Nr. 1 in Militsch zu melden. Bei gar keiner, oder nicht rechtzeitig erfolgter Anmeldung geht das Erbrecht auf die später votirten Anwärter über.

Charge im Jahr 1835.

Wachtmeister Ernst Dittebrandt,
geboren am 04.02.1804, eingetreten am 01.05.1822

Stabstrompeter Ernst Ressel,
geboren am 09.04.1809, eingetreten am 01.11.1828

Unteroffizier Gottlieb Triebsch,
geboren am 30.11.1789, eingetreten am 01.03.1813

Unteroffizier Christian Dachschütz,
geboren am 18.05.1795, eingetreten am 01.01.1818

Königliches General-Commando des 5. Armee-Corps
Der kommandirende General, gez. v. Kirchbach
April 1877

Vergleich Lehrereinkommen in Dombrofker Hauland 1852 und 1876

April 28, 2017

(Schreibweise partiell original)

Das Einkommen der evangelischen Schullehrerstelle zu Dombrofker Hauland (Dabrowker Haualnd), Kreis Bomst im Jahre 1852:

34 Reichsthaler in baarem Gelde
27 Scheffel und 12 Metzen Roggen
freiem Brennholz
Benutzung eines Morgen Ackers

Das Einkommen der evangelischen Schullehrerstelle zu Dombrofker Hauland (Dabrowker Haualnd), Kreis Bomst im Jahre 1876:

159 Mark baar
186 Mark Staatszuschuß
Deputat von 30 Neuscheffel 26 Liter Roggen
Nutzung von 1 Hektar 2 Aren 13 Quadratmeter Schulland
15 Mark Entschädigung für die Bearbeitung des Schullandes
freie Wohnung
freies Brennmaterial
Nebeneinkommen von 3 Mark jährlich für die Leitung des Gesanges bei Begräbnissen

Ruhestörung

April 26, 2017

(Schreibweise original)

In mehreren Gemeinden unseres Verwaltungs-Bezirks (Provinz Posen) haben bisher aus Anlaß der Jahresfeier des H. Laurentius am 10. August und in der darauf folgenden Woche zur Abendzeit Ansammlungen von Menschenmengen an öffentlichen Straßen und Plätzen stattgefunden, welche daselbst oft bis 11 Uhr Nachts ohne Anwesenheit und Leitung eines Geistlichen unter lautem Singen verweilt haben.

Hierdurch sind nicht nur Störungen des öffentlichen Verkehrs und der nächtlichen Ruhe, sondern auch ernstere Excesse herbeigeführt worden, wie namentlich am 12. August vorigen Jahres zu Gorzewo, Kreis Obornik, die Mißhandlung des auf öffentlichen Wege vorüberfahrenden Steinsetzmeisters Schulz aus Meseritz, welcher dabei den Tod gefunden hat.

Mit Rücksicht hierauf haben wir den uns nachgeordneten Kreisbehörden die Anweisung ertheilt, überall, wo es im öffentlichen Interesse geboten erscheint, Ansammlungen der vorbezeichneten Art zu untersagen resp. verhindern. Wir bringen diese Anordnung unter Hinweisung auf die von den Zuwiderhandelnden zu gewärtigende Bestrafung hiermit zur öffentlichen Kenntniß.

15. Juli 1875

Deutsch-Französischer Krieg 1870/1871. In Frankreich verstorbene deutsche Soldaten.

April 25, 2017

(Schreibweise original, alle Regimentsbezeichnungen „angeblich“)

Die Angehörigen der nachgenannten in französischen Spitälern verstorbenen Soldaten sind nicht ermittelt worden:

9. Infanterie-Regiment
Soldat Franz Vuenschel, Tod: 17.10.1870.

1. Infanterie-Regiment
Soldat Zeller, Tod: 19.10.1870.

ohne Angabe
Soldat Albert Vegemann, Tod: 21.10.1870. Am 18.10. in das Lazareth Hotel Dieu zu Orleans aufgenommen und daselbst am 21. desselben Monats verstorben.

ohne Angabe
Soldat Kaspar Strauss, Tod: 08.11.1870. Am 07.11. in das Lazareth Hotel Dieu zu Orleans aufgenommen und daselbst am 08. desselben Monats verstorben.

13. Infanterie-Regiment
Soldat Michael Riez, Tod: 11.11.1870.

ohne Angabe
Soldat Wilhelm Ehault (Eholt?), 24 Jahre alt, Tod: 19.11.1870. Im Civil-Hospital zu Orleans verstorben.

7. Jäger-Bataillon
Soldat Johann Dick, 25 Jahre alt, Tod: 21.11.1870. In der Ambulance de la Manutention zu Orleans verstorben.

ohne Angabe
Soldat Gassner, 24 Jahre alt, Tod: 23.11.1870. Im Hospital zu Orleans verstorben.

11. Infanterie-Regiment
Soldat Wolfgang Kraun (Kron?), Tod: 27.11.1870.

2. Infanterie-Regiment
Soldat Reymer Keuortrei, Tod: 07.12.1870.

7. Infanterie-Regiment
Soldat Andreas Donnet, Tod: 12.12.1870.

ohne Angabe
Soldat Andrenar Jallech, Tod: 12.12.1870.

2. Infanterie-Regiment
Soldat Lorenz Wolfmüller, Tod: 12.12.1870. Im Etappen-Lazareth zu Orleans verstorben.

12. Kompagnie, 81. Infanterie-Regiment
Soldat Heinrich Chut (Schütt?), Tod: 19.12.1870.

7. Infanterie-Regiment
Soldat Anton Zelder, 24 Jahre alt, Tod: 02.01.1871.

2. Infanterie-Regiment
Soldat Ernst Neumann, Tod: 21.01.1871.

Die Todtenscheine von den vorgenannten Verstorbenen werden bei der Militär-Medicinal-Abtheilung des Königlichen Kriegsministeriums asservirt.

09. Januar 1875

Verlauf der Cholera 1873 im Regierungsbezirk Posen

April 23, 2017

(Schreibweise original)

Der erste Cholerafall, welcher im Jahre 1873 in unserem Verwaltungsbezirke ärztlich constatirt wurde, betraf einen polnischen Hölzflößer, welcher in das hiesige Stadtlazareth aufgenommen wurde und nach einigen Tagen genas. Weitere Cholera-Erkrankungen folgten in der Stadt Posen bis zum 22. Juli nicht nach. Hingegen erkrankte am 22. Mai ein Wirthssohn in Brodnica-Hauland im Kreise Schrimm. Derselbe genas gleichfalls, indessen fand hier eine allmählige Weiterverbreitung der Cholera auf die nächsten Angehörigen und solche Personen, welche mit den Kranken in unmittelbaren Conner getreten waren, statt und erkrankten bis zum 24. Juli 20 Personen, von welchen 8 starben. Die Seuche hat sich aber von Brodnica aus nachweislich nicht weiter verbreitet.

Praegnant ist hier ein Fall aus Neustadt an der Warthe, in welchem eine Frau die Wäsche ihres an Cholera verstorbenen Mannes der Desinfection durch Verheimlichung entzogen hatte. Nachdem dieselbe 3 Wochen versteckt gehalten und die Cholera im Hause seit längerer Zeit aufgehört, in der Stadt aber bereits sehr gemildert war, zog die junge, kräftige, durchaus gesunde Frau im Glauben, daß jede Gefahr vorüber wäre, die Wäsche aus dem Verstecke hervor, um dieselbe zu reinigen, erkrankte aber noch während des Reinigungsactes an Cholera und starb nach wenigen Stunden.

Der Zeit nach wurden die Kreise in folgender Reihenfolge ergriffen:

01. Schrimm
02. Posen
03. Birnbaum
04. Obornik
05. Samter
06. Pleschen
07. Wreschen
08. Schroda
09. Meseritz
10. Kroeben
11. Fraustadt
12. Bomst

Mithin zuerst diejenigen Kreise, welche von der Warthe berührt werden. Die lange Dauer der Cholera in den Kreisen Schrimm und Posen mit 32 und 144 Tagen hatte für den ersten Kreis in dem vorhin bezeichneten Vorgange seinen Grund, im Kreise Posen in einzelnen Nachschüben, welche in Stadt Posen und in der benachbarten Ortschaft Swierczewo Ende November und bis zum 12. Dezember vorkamen, nachdem die Seuche bereits seit dem 7. November im ganzen Departement aufgehört hatte.

Angriffe auf Telegraphen-Anlagen

April 22, 2017

(Schreibweise original)

Die längs der Chausseen und anderen Landstraßen angelegten Reichs-Telegraphen-Linien sind häufig vorsätzlichen oder fahrlässigen Beschädigungen, namentlich durch Zertrümmerung der Isolatoren mittelst Steinwürfe ausgesetzt. Da durch diesen Unfug die Benutzung der Telegraphen-Anstalten verhindert oder gestört wird, so wird hierdurch auf die durch das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich vom 15. Mail 1871 festgesetzten Strafen wegen dergleichen Beschädigungen aufmerksam gemacht.

Gleichzeitig wird bemerkt, daß demjenigen, welcher die Thäter vorsätzlicher oder fahrlässiger Beschädigungen der Telegraphen-Anlagen der Art ermittelt und zur Anzeige bringt, daß dieselben zum Ersatz und zur Strafe gezogen werden können, Belohnungen bis zur Höhe von 5 Thalern in jedem einzelnen Falle aus den Fonds der Reichs-Telegraphen-Verwaltung werden gezahlt werden. Diese Belohnungen werden auch dann bewilligt werden, wenn die Schuldigen wegen jugendlichen Alters oder wegen sonstiger persönlicher Gründe gesetzlich nicht haben bestraft oder zum Ersatze herangezogen werden können; desgleichen wenn die Beschädigung noch nicht wirklich ausgeführt, sondern durch rechtzeitiges Einschreiten der zu belohnenden Person verhindert worden ist, der gegen die Telegraphen-Anlage verübte Unfug aber soweit feststeht, daß die Bestrafung des Schuldigen erfolgen kann.

Die Bestimmungen in dem Strafgesetzbuche für das Deutsche Reich vom 15. Mai 1871 lauten:

§ 317. Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende Telegraphen-Anstalt vorsätzlich Handlungen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, wird mit Gefängniß von einem Monat bis zu drei Jahren bestraft.

§ 318. Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende Telegraphen-Anstalt fahrlässiger Weise Handlungen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, wird mit Gefängniß bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis Dreihundert Thalern bestraft.

03. Februar 1874

Pfarrerwechsel in Wollstein 1872 – Ergänzung.

April 18, 2017

Wie vor kurzem an dieser Stelle zu lesen war, wurde der bisherige Pfarrverweser in Wollstein, Herr Rudolph Paul Heinrich Möllinger zum Pfarrer daselbst berufen und am 30. Juni des Jahres 1872 in sein Amt eingeführt. Sein Wirken sollte in Wollstein nicht lange währen, denn nur 14 Jahre später verschied er. Am 16. September 1886 starb er „früh kurz nach 12 Uhr“ in Grätz an Herz- und Lungenschlag in einem Alter von nur 44 Jahren. Zu jenem Zeitpunkt war er Königlicher Superintendentur-Verweser und Kreis Schulen-Inspektor. Er wurde im September 1842 geboren; seine Eltern waren der Königliche Hofuhrmacher Friedrich Wilhelm Eduard Möllinger und Henriette Wilhelmine Kieritz in Berlin.

Seine Eltern schlossen den Bund der Ehe im Oktober 1839 in Berlin.

Rudolph Paul Heinrich Möllinger war seit Mai 1872 verheiratet mit Gertrud Abigail Elisabeth Gerlach – einer Tochter seines Amtsvorgängers.

Rühmliche Auszeichnungen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871. Teil VIII.

April 14, 2017

(Schreibweise original)

Übersicht derjenigen preußischen Unteroffiziere und Mannschaften der III. Armee, welche sich durch hervorragend tapferes Benehmen vor dem Feinde oder durch besondere Waffenthaten rühmlichst ausgezeichnet haben.

5. Armee-Korps. Korps-Artillerie.

Kanonier Michalski. In der Schlacht bei Sedan wurde dem Kanonier Michalski der 3. leichten Batterie, geboren zu Kurszewo, Kreis Pleschen, durch einen nicht unbedeutenden Granatsplitter der ganze obere Helmbeschlag ein- resp. niedergeschlagen. Durch den Druck wurde Michalski zu Boden geworfen und rann ihm das Blut aus der leicht verletzten Kopfhaut über die Stirn; trotzdem raffte er sich sofort wieder auf, griff nach seinem Helm und rief: „Verfluchte Granate, hat mir meinen ganzen Helm verdorben, aber ich werde es ihnen gleich wiedergeben“. Worauf er seine Funktion als Nr. 4 sofort wieder aufnahm, indem er eine neue Granate zum Laden vortrug.

Obergefreiter Louis Sachse. Ein schönes Beispiel von Hingebung und Pflichttreue gab der Obergefreite Louis Sachse der 3. leichten Batterie, geboren zu Lorenzdorf, Kreis Bunzlau, in der Schlacht bei Wörth. Eine feindliche Shrapnelkugel verwundete ihn am rechten Schulterblatte. Die hierdurch verursachten Schmerzen, sowie die Unmöglichkeit eines freien Gebrauchs des verwundeten Armes vermochten ihn ebensowenig zu bestimmen, seine bisherige Thätigkeit als Richtkanonier seines Geschützes einzustellen, wie die an ihn ergangene Aufforderung, seine Wunde wenigstens verbinden zu lassen. Sich mit dem gesunden linken Arme behelfend, richtete er sein Geschütz nach wie vor mit der größten Gewissenhaftigkeit, so daß bei seiner Präzision im Richten der Feind auf den gegenüberliegenden Höhen noch manchen Treffer zu erleiden hatte. Erst nach Beendigung der Schlacht ließ Sachse seine Wunde verbinden.

Unteroffizier Otto Biedermann, geboren zu Siobernau, Kreis Brieg, ebenfalls von der 3. leichten Batterie, welcher während der Schlacht bei Wörth mit anerkennungswerthem Eifer thätig war, seine Batterie mit Munition zu versorgen, bedauerte, als ihm eine Granate drei Zehen hinwegriß, nur, daß er nicht mehr länger bei seiner Batterie verbleiben konnte. Unteroffizier Biedermann ist wegen seiner Pflichttreue zur Dekoration mit dem Eisernen Kreuz eingegeben. Er befindet sich gegenwärtig noch im Lazarethe.

Unerwähnt bleiben die Erlebnisse von den nachfolgenden Soldaten – können bei Interesse jedoch hier angefragt werden.

Kanonier Carl Heindke
Gefreiter Bartsch

5. Armee-Korps. 1. mobile Sappeur-Kompagnie.

Sergeant Weiß. Unteroffizier Rust. Am 25. Oktober (1870) sollten die beiden auf massiven, starken Pfeilern ruhenden Eisenbahnbrücken bei Chaton gesprengt werden. Die Brücken waren bereits mit französischen Minen versehen, konnten jedoch mit der französischen Zündung nicht gesprengt werden, weil diese wie sich später ergab, verdorben war. Um eine andere Zündung anbringen zu können, wurde die 2 ½ Fuß starke Vermauerung der Mine 2 Fuß breit und 2 Fuß hoch herausgestemmt, und krochen alsdann der Sergeant Weiß und der Unteroffizier Rust der 1. Sappeur-Kompagnie mit dem ganzen Leibe durch diese Oeffnung in die Pulverkammer, zogen die französischen Zündungen heraus und legten neue preußische Zünder hinein. Die genannten Unteroffiziere bewiesen hierbei eine um so größere Bravour, als nicht bekannt war, mit welchen explosiven Stoffen die Minen geladen waren und möglicherweise durch das Hervornehmen der französischen Zündungen explodiren konnten.

Pfarrerwechsel in Wollstein

April 12, 2017

Am 18.09.1870 verstarb in Wollstein der Königliche Superintendent und Pastor zu Wollstein Heinrich Gerlach an Entkräftung. Wie schon sein Vater vor ihm, wirkte er lange Jahre in Wollstein. Mitglieder meiner Familie gehörten im April 1825 der Deputation an, die ihn darum baten – ohne Wahl – sein Amt in Wollstein als Pfarrer anzutreten; ein Vorhaben, welches schlußendlich von ihm goutiert wurde. Nur wenige Monate nach ihm, verschied auch seine Schwester. Die offizielle Amtseinführung seines Nachfolgers sollte noch etwas auf sich warten lassen.

Erst im Juni 1872 hieß es: „Der bisherige Pfarrverweser in Wollstein Herr Rudolph Paul Heinrich Möllinger ist zum Pfarrer daselbst berufen und am 30. Juni d. J. in sein Amt eingeführt worden“.

Rühmliche Auszeichnungen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871. Teil VII.

April 11, 2017

(Schreibweise original)

Übersicht derjenigen preußischen Unteroffiziere und Mannschaften der III. Armee, welche sich durch hervorragend tapferes Benehmen vor dem Feinde oder durch besondere Waffenthaten rühmlichst ausgezeichnet haben.

5. Armee-Korps. 1. Fuß-Abtheilung Niederschlesischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 5.

Kanonier August Postweiler erhielt in der Schlacht bei Wörth durch einen Granatschuß eine sehr schmerzhafte Wunde in den rechten Oberschenkel. Trotz der Schmerzen und des bedeutsamen Blutverlustes war er nicht zu bewegen, die Batterie zu verlassen; er erfüllte vielmehr seine Funktionen als Nr. 3 des Geschützes (Richten und Auswischen) so lange, bis er vom Blutverlust erschöpft, ohnmächtig zusammenbrach.

Unteroffizier Jüttner. In der Schlacht bei Wörth schlug eine feindliche Granate in dem Augenblicke, als das 2. Geschütz der 4. schweren Batterie gerade abgefeuert werden sollte, unter diesem Geschütze ein und warf die ganze Bedienung desselben und den Geschützführer, Unteroffizier Jüttner, zu Boden. Letzterer sprang sofort wieder auf, sah mit aller Ruhe die Richtung des Geschützes nach, ergriff, da die abfeuernde Nummer noch betäubt war, die Abzugsschnur und feuerte auf das Kommando des Zugführers das Geschütz ab, so daß die Feuerordnung keinen Augenblick gestört wurde.

In der Schlacht bei Sedan zeichnete sich der Unteroffizier Jüttner noch besonders dadurch aus, daß er, als eine feindliche Granate Nr. 1. und Nr. 3 seines Geschützes verwundete und die übrigen Leute am Geschütz mit Erde bedarf, der Nr. 4 die schon mit der Zündschraube versehende Granate abnahm und dadurch einem größeren Unglück verbeugte. Außerdem bediente er nach diesem Vorgange das Geschütz mit dem Rest seiner Leute fast eine Stunde lang mit großer Ruhe und Ordnung, wobei er seinen Leuten das schönste Beispiel gab.

Unteroffizier Tamaschke, Kanonier Glantz. Zu der Schlacht bei Wörth wurde dem Unteroffizier Tamaschke der 3. leichten Batterie durch eine Granate, welche durch den Achssitz des 1. Geschützes hindurchschlug und dann explodirte, die rechte Ferse weggerissen. Der Unteroffizier Tamaschke, während er sich am Geschützrade festhielt, legte zunächst vorschriftsmäßig seine Zündschrauben… ab, übergab Richtung und Elevation seinem Nachfolger und entfernte sich lautlos und mit Zurückweisung jeder Hülfe aus der Batterie, wo ihn alsdann die herbeieilenden Krankenträger sofort zu Empfang nahmen. Die Bedienung des Geschützes, obgleich bei dieser Gelegenheit noch ein anderer Mann schwer verwundet wurde, ging ruhig weiter, und war dabei noch besonders anerkennswerth und bemerkenswerth, daß der soeben die Richtung nehmende Kanonier Glantz sich durchaus nicht aus der Fassung bringen ließ, so daß das Geschütz gleich darauf einen wohlgezielten Schuß abgeben konnte.

Der Unteroffizier Tamaschke, geboren zu Scharzendorf, Kreis Grünberg in S., ist dafür später mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse dekorirt worden; der Kanonier Glantz, geboren zu Albertinenhof, Kreis Saatzig wurde zum Obergefreiten befördert.

Unerwähnt bleiben die Erlebnisse von den nachfolgenden Soldaten – können bei Interesse jedoch hier angefragt werden.

Kanonier Kolodzici
Kanonier Emmrich
Kanonier Gründel
Unteroffizier Kleiber
Lazarethgehülfe Chmilewski

Fortsetzung folgt.

Rühmliche Auszeichnungen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871. Teil VI.

April 10, 2017

(Schreibweise original)

Übersicht derjenigen preußischen Unteroffiziere und Mannschaften der III. Armee, welche sich durch hervorragend tapferes Benehmen vor dem Feinde oder durch besondere Waffenthaten rühmlichst ausgezeichnet haben.

5. Armee-Korps. 18. Infanterie-Brigade. Königs-Grenadier-Regiment (2. Westpreußisches) Nr. 7.

Gefreiter Thorn ist, trotzdem ihn gleich bei Beginn des Gefechtes der Daumen an einer Hand zerschossen wurde, bis an das Ende des Gefechts mit hervorragender Bravour vorgegangen.

Unteroffizier Bräuer I. und Bräuer II. Beide Brüder zeichneten sich im ganzen Feldzuge durch äußerste Hingebung und Pflichttreue aus, waren stets unzertrennlich in allen Gefahren und animirten ihre Kameraden durch große Bravour und Unerschrockenheit. Bei Wörth kampiren sie den ganzen Tag barfuß, da sie nach Ueberschreitung des Lauterbaches sich der durchnäßten Stiefel, welche an freier Bewegung hinderten, entledigen mußten.

Sergeant Reimann trug den ganzen Feldzug über die Fahne des Bataillons und zeichnete sich nicht nur in beiden Gefechten durch Kaltblütigkeit und Ruhe aus, sondern ermunterte auch seine Kameraden zum Vorgehen und war selbst jederzeit am weitesten voraus.

Füsilier Brendel. Derselbe wurde in dem Gefecht bei Wörth durch das Fleisch des Oberschenkels geschossen, ohne seine Verwundung zu melden und marschirte noch 8 Tage mit dem Regiment, bis die Wunde so schlimm wurde, daß er nicht weiter marschiren konnte.

Füsilier Julius Rösner verließ, obgleich am Fuß verwundet und ohne Stiefel, die Kompagnie im Gefecht nicht und setzte ununterbrochen sein Feuer auf den Feind fort mit den Worten: „Kanaillen, Euch werd´ich´s anstreichen!“.

Unteroffizier Gustav Lienig, Füsilier Emanuel Zobel. Bei Erstürmung des Schlosses, nachdem der Bataillons-Kommandeur Major v. Kassenberg, der Kompagnie-Führer Premier-Lieutenant Scholtz und mehrere andere Offiziere gefallen waren, hielten sie sich nicht bei der zerschossenen Fahne des Bataillons; sie drangen zuerst in den inneren Hofraum ein, entwaffneten persönlich mehrere der aus allen Fenstern auf 20 Schritt schießenden Feinde und nahmen sie gefangen.

Unerwähnt bleiben die Erlebnisse von den nachfolgenden Soldaten – können bei Interesse jedoch hier angefragt werden.

Gefreiter Hübner
Unteroffizier Lowack
Unteroffizier Thorn
Sergeant Ferdinand Schade
Lazarethgehülfe Puschmann
Füsilier Engmann
Füsilier Spät
Füsilier Knoblich
Füsilier Karl Heinrich Seifert
Füsilier August Heyder

Fortsetzung folgt.

Rühmliche Auszeichnungen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871. Teil V.

April 9, 2017

(Schreibweise original)

Übersicht derjenigen preußischen Unteroffiziere und Mannschaften der III. Armee, welche sich durch hervorragend tapferes Benehmen vor dem Feinde oder durch besondere Waffenthaten rühmlichst ausgezeichnet haben.

5. Armee-Korps. 1. Schlesisches Dragoner-Regiment Nr. 4.

Gefreiter Adolph Becker der 2. Eskadron hat sich in den Gefechten und Schlachten bei Weißenburg, Wörth und Sedan stets durch seinen frischen, muntern Soldatengeist, der ihn zu gefahrvollen Patrouillen sich oft freiwillig melden ließ, als auch durch Ruhe und Kaltblütigkeit ausgezeichnet, wenn es sich darum handelte, selbst unthätig, feindlichen Geschossen entgegenzusehen. Im Gefecht vor Creteil vor Paris am 17. September (1870) hatte die Eskadron beim Ueberschreiten einer Ebene heftiges Mitraillensenfeuer auszuhalten, und waren die Schüsse so wohl gezielt, daß der Verlust der Eskadron bedeutend war. Auch Becker erhielt eine Kugel an das Schienbein, eine schwere und gewiß schmerzhafte Verwundung. Dennoch ließ er sich Nichts merken, sondern blieb im Gliede und ritt weiter mit. Erst als das starke Bluten seine Kameraden auf ihn aufmerksam machte und sein Eskadrons-Chef, Rittmeister v. Rosen, es ihm dienstlich befahl, ließ er sich nach dem Verbandplatz zurückbringen. Noch heute befindet er sich im Lazareth; die Eskadron hofft aber, den braven Soldaten bald wieder in ihren Reihen zu sehen.

Kurmärkisches Dragoner-Regiment Nr. 14.

Unteroffizier Fischer. Am 1. September bei Sedan stieß ein Zug Dragoner unter Wachtmeister Springer in dem sehr waldigen Terrain an der belgischen Grenze auf eine halbe Eskadron Chasseurs; mit lautem Hurrah stürzten sie sich in der Karriere auf den Feind. Das Pferd des Flügel-Unteroffiziers Fischer stürzte; auf der Erde liegend, wurde er von feindlichen Kavalleristen umringt; er sprang sofort auf, ging mit dem Säbel auf einen derselben los, stach ihn vom Pferde, setzte sich auf dasselbe und machte noch drei Chasseurs zu Gefangenen.

Wachtmeister Springer. An der Tete des Zuges ritt er auf den Führer der Chasseurs zu und hieb ihm mit dem ersten Hiebe vom Pferde. Zu demselben Augenblick jagte ein Unteroffizier der Chasseurs, seinem Offizier zu Hilfe eilend, auf den Wachtmeister zu; dies sah der dicht hinter ihm reitende Gefreite Gutsche, und sofort sank der Chasseur, von kräftigen Hieben getroffen vom Pferde.

Sergeant Retzdorff. Am Tage vor Sedan war die 3. Eskadron zur Rekognoszirung gegen Sedan vorgeschickt. Retzdorff hatte sich besonders ausgebeten, die Spitze der Avantgarde führen zu dürfen. Er mit dem Gefreiten Müller besetzten aus eigenem Antriebe die über die Maas führende Eisenbahnbrücke; sie saßen ab und zwangen, mit Karabinern bewaffnet, durch wohlgezieltes Feuer zuerst einen mit Truppen besetzten Zug trotz des feindlichen Feuers zur Umkehr, darauf eine Draisine, auf der sich anscheinend Pulverfässer zur Sprengung der Brücke befanden, ebenfalls zur Umkehr, indem sie einen darauf befindlichen Mann erschossen. Durch diese umsichtige und tapfere Vertheidigung der Brücke wurde dieselbe erhalten, was für die darauf folgenden Operationen von größter Wichtigkeit war.

Gefreiter Lochte attackirte am 1. September (1870) bei Sedan in waldig bergigen Terrain an der belgischen Grenze mit 10 Dragonern 20 feindliche Husaren, war der erste im Handgemenge und brachte 3 Offiziere, 14 Mann als Gefangene mit.

Unerwähnt bleiben die Erlebnisse von den nachfolgenden Soldaten – können bei Interesse jedoch hier angefragt werden.

Gefreiter von Jastrow
Dragoner Schönherr
Dragoner Linke
Dragoner Hampel
Sergeant Tietze
Vize-Wachtmeister Bold
Unteroffizier Haensel
Unteroffizier Voigt
Unteroffizier Schwarz

Fortsetzung folgt.

Rühmliche Auszeichnungen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871. Teil IV.

April 8, 2017

(Schreibweise original)

Übersicht derjenigen preußischen Unteroffiziere und Mannschaften der III. Armee, welche sich durch hervorragend tapferes Benehmen vor dem Feinde oder durch besondere Waffenthaten rühmlichst ausgezeichnet haben.

5. Armee-Korps. 4. Posensches Infanterie-Regiment Nr. 59.

Feldwebel Lehmann. Der Feldwebel Lehmann der 8. Kompagnie, ein ganz vortrefflicher Soldat, zeichnete sich in der Schlacht bei Wörth ganz besonders vortheilhaft aus. Obschon schwer verwundet, – Schuß durch die Brust – gab er doch den Schützenzug, den er führte, nicht sogleich ab, sondern führte denselben noch mehrere hundert Schritte vorwärts, bis auf die Höhe des Weinberges, wo er dann zusammenbrach. Er erhielt für sein braves Verhalten das Eiserne Kreuz II. Klasse.

Unerwähnt bleiben die Erlebnisse von den nachfolgenden Soldaten – können bei Interesse jedoch hier angefragt werden.

Feldwebel Reinhold Schmidt
Feldwebel Albert Kehler
Sergeant Hermann Rabisch
Musketier Johann Markiewicz

Königs-Grenadier-Regiment (2. Westpreußisches) Nr. 7.

Grenadier Johann Franz August Lorenz war bei Beginn des Vorposten-Gefechts am 30. September (1870) bei Bellevue durch den plötzlichen Angriff des Feindes abgeschnitten worden, flüchtete sich in ein Haus, feuerte aus demselben permanent und rette sich, als mehrere Franzosen in das Haus eindrangen, um ihn gefangen zu nehmen, dadurch, daß er aus dem zweiten Stockwerk auf die Straße sprang.

Unerwähnt bleiben die Erlebnisse von den nachfolgenden Soldaten – können bei Interesse jedoch hier angefragt werden.

Unteroffizier Adalbert Wittwer
Gefreiter Carl Schmidt
Lieutenant Hoffmann

2. Niederschlesisches Infanterie-Regiment Nr. 47.

Musketiere Weber, Aramann, Otto zeichneten sich bei Weißenburg, bald nachdem das Regiment in das Gefecht eingegriffen hatte, durch Muth und Entschlossenheit bei der Gefangennahme von 28 Turkos aus. Letztere hatten sich in einer Mühle festgesetzt, und gelang die Gefangennahme der Turkos hauptsächlich durch das dreiste Vorgehen der drei Genannten.

Lazarethgehülfe Emanuel Wünsch hat sich während der Dauer des Feldzuges durch einen unermüdlichen Fleiß und seine Thätigkeit auf den Märschen und während der Gefechte, trotz seiner Schwäche und Kränklichkeit, so nützlich gemacht und brav bewiesen, daß derselbe verdient bei den zur Disposition stehenden Geldprämien berücksichtigt zu werden, besonders in Anbetracht seiner bedrängten Familienverhältnisse: er ist Vater von drei kleinen Kindern.

Unerwähnt bleiben die Erlebnisse von den nachfolgenden Soldaten – können bei Interesse jedoch hier angefragt werden.

Füsilier Finger
Unteroffizier Ernst Rissel
Gefreiter Johann Franz Demnth
Unteroffizier Ernst Hamann
Musketier Johann August Hantke
Füsilier Paul Weiß
Gefreiter Karl August Schulz
Füsilier Gottlieb Wyremba

1. Schlesisches Dragoner-Regiment Nr. 4.

Sergeant Julius Knoll. Die Avantgarde der 9. Division bivouakirte in der Nacht vom 18. bis 19. September (1870) auf dem Plateau von Villacoublay. Zu ihr gehörte die 1. und 3. Eskadron des genannten Regiments. Nach einigen kleinen Scharmützeln am 18. hatte sich der Feind zurückgezogen, und war man allgemein der Ansicht, die Division würde am 19. ihren Reitermarsch auf Versailles ungestört fortsetzen können. Die Nacht verlief ruhig. Gegen Morgen fielen aber plötzlich einige Kanonenschüsse von den vorliegenden Foris her, und hörte man die Granaten ganz in der Nähe des Bivouaks einschlagen. Das Feuer nahm allmählig immer mehr zu, im Lager wurde es lebendig, und alles rüstete sich zu einem bevorstehende Kampfe. Aber schneller und schneller folgten die Schüsse, jede folgende Granate rückte ihrem Ziele – dem Bivouak – immer näher und ehe die Eskadron es sich versehen: fiel Schuß auf Schuß und Granate auf Granate mitten in die Stallgassen hinein. Mit großer Ruhe wurde von den Dragonern, zu Fuß, ihr Pferd am Zügel, auf Befehl ihres Vorgesetzten eine Schwenkung unternommen, so daß schließlich Mannschaften und Pferde gedeckt stehen konnten; die Bagage der Eskadron aber, zum großen Theil aus Vorspannwagen mit französischen Kutschern bestehend, konnte nicht gleich mitgenommen werden und war mehr oder weniger der Vernichtung durch feindliche Geschosse ausgesetzt.

Die französischen Kutscher hatten sich verkrochen, ebenso waren die Marketender vor Furcht und Angst verschwunden, keiner von allen unternahm es, die Wagen fortzuholen. Dies sah Sergeant Knoll der 1. Eskadron, ließ sein Pferd von einem Dragoner halten und eilte dem so überaus unsicheren Platze zu, wo Pferde und Wagen der Bagage standen. Das Feuer hatte womöglich noch zugenommen, dennoch ordnete Knoll mit der größten Ruhe und Kaltblütigkeit das Bespannen der Wagen an. Dragoner Paetzold derselben Eskadron ging ihm dabei ebenso unerschrocken zur Hand. Rechts und links krepirten die Granaten, einige schon eingespannte Pferde wurden von Sprengstücken getödtet, trotz alledem aber gelang es dem Knoll, die ganze Bagage – bis auf die getödteten Pferde – wohlbehalten und unversehrt aus dem feindlichen Feuer herauszubringen. Ein Hurrah der Eskadron belohnte den kühnen Soldaten bei seinem Eintreffen für seine unerschrockene That, und das Eiserne Kreuz, welches er jetzt trägt, ist das Zeichen, daß Knoll´s Tapferkeit auch von höchster Seite her, ihre Anerkennung gefunden hat.

Fortsetzung folgt.