Landwirtschaftliche Schiedsgerichte 1888

Juni 26, 2017

In der Wollstein-Mailingliste sind die Namen und Wohnorte der Vorsitzenden und der Beisitzer der für die landwirthschaftlichen Berufsgenossenschaften in Preußen errichteten Schiedsgerichte, sowie die Namen und Wohnorte der Stellvertreter dieser Mitglieder für die Kreise: Adelnau, Birnbaum, Bomst, Fraustadt, Gostyn, Grätz, Jarotschin, Kempen, Koschmin, Kosten, Krotoschin, Lissa, Meseritz, Neutomischel, Obornik, Ostrowo, Pleschen, Posen-Ost, Posen-West, Posen-Stadt, Rawitsch, Samter, Schildberg, Schmiegel, Schrimm, Schroda, Schwerin an der Warthe und Wreschen abrufbar. Von 1888.

Schulversäumnisliste

Juni 16, 2017

(Schreibweise original)

Die Schulversäumnißliste der evangelischen (katholischen) Schule zu Buk, Kreis Buk, für den Monat Oktober 1887 wird nach Ausfüllung der Spalten 1-6 dem Herrn Oberschulinspektor gehorsamst überreicht am 2. November 1887.

Sorgsam, Hauptlehrer.
Dem Herrn Ortspolizeiverwalter weitergereicht.
Buk, den 7. November 1887.

Thudichum, Ortsschulinspektor.
Nach Ausfüllung der Spalten 8-10 dem Herrn Ortsschulinspektor zurückgesandt.
Buk, den 25. November 1887.

Scharf,
Polizei-Distrikts-Kommissarius, Bürgermeister.
Zurück an den einreichenden Lehrer zur Vorlegung an den Schulkassen-Rendanten wegen gehöriger Vereinnahmung der festgesetzten Geldstrafen zur Schulkasse und demnächstigen Einheftung.
Buk, den 27. November 1887.

Thudicum, Ortsschulinspektor.
Eingesehen und die erforderlichen Notizen zur Vereinnahmung des Geldes entnommen.
Buk, den 30. November 1887.
Alois Immerwahr,
Schulkassen-Rendant.

Melioration & Laternen

Juni 15, 2017

(Schreibweise original)

Melioration. Zum Zwecke der besseren Ent- und resp. Bewässerung des im Kreis Bomst unterhalb des Obra-Meliorations-Gebietes belegenen Lupicer Bruches ist an Stelle des unterm 30. Oktober 1878 bekannt gemachten, nur zum Theil ausgeführten Bewässerungs-Projektes ein anderweiter Plan aufgestellt worden, nach welchem in dem vorgedachten Lupicer Bruche verschiedene Dämme und Gräben, sowie 21 Stück Thonröhren-Durchlässe errichtet werden sollen. Nachdem dieser Plan sowohl von der Königlichen Regierung in Posen, als auch von dem Königlichen Ministerium für Landwirthschaft, Domainen und Forsten in Berlin geprüft und genehmigt worden, ist derselbe in Gemäßigkeit der Bestimmung im § 46 der Allgemeinen Kanal- und Grabenordnung vom 16. August 1842 von 16. d. Mts. (September) bis zum 16. Dezember d. J. (1886) in meinem Geschäftslokale in Krauschow bei Züllichau ausgelegt. An dieser Stelle kann selbiger ab den Wochentagen während der Dienststunden eingesehen werden.

Laternen. Alle Inhaber von Gasthöfen, Restaurationen und Schankstätten sind verpflichtet, neben dem Eingange zu ihren Lokalen eine Laterne von der Größe der hiesigen öffentlichen Straßenlaternen anzubringen.

Die gedachten Laternen müssen in der Zeit vom 1. Oktober bis letzten März allabendlich vom Eintritt der Dunkelheit bis 10 Uhr hell erleuchtet sein. Ausnahmen sind nur bei recht hellem Mondschein zulässig.

Uebertretungen bzw. Unterlassungen werden mit einer Geldstrafe bis zu 9 Mark ev. Haft bis zu 3 Tagen bestraft.

(1886)

Verpachtung der Domäne Hammer, Kreis Bomst

Juni 13, 2017

(Schreibweise original)

Die im Kreise Bomst belegene Königliche Domäne Hammer, 12 km von der Kreisstadt und Eisenbahnstation Wollstein, 11 km von der Eisenbahnstation Neutomischel und 15 km von der Eisenbahnstation Bentschen entfernt, soll auf 18 Jahre von Johannes 1887 ab im Wege des öffentlichen Ausgebots anderweit verpachtet werden, zu welchem Behufe wir auf Dienstag den 6. Juli d. Js. (1886), Vormittags 11 Uhr in unserem Sitzungszimmer Termin anberaumt haben.

Die Domäne besteht aus den Vorwerken Hammer mit Alexanderhof, Waldvorwerk, Johannesfeld und Sandvorwerk nebst Brennerei und Wassermühle mit einem Gesammt-Flächeninhalt von 685,814 ha.

Das festgesetzte Pachtgelder-Minimum beträgt jährlich 5200 M., die Pachtkaution ist auf 1800 M. und der Werth des Vieh- und Wirthschaftsinventariums, mit welchen die Pachtstücke mindestens besetzt zu halten sind, auf 50000 M. festgesetzt.

Jeder, der sich beim Bieten betheiligen will, hat sich vor dem Termin bei dem Licitations-Kommissarius, Regierungsrath Buck über den eigenthümlichen Besitz eines disponiblen Vermögens von 70000 M. sowie über seine landwirthschaftliche und sonstige Qualifikation auszuweisen.

Die übrigen Pachtbedingungen und die Licitationsregeln, sowie die Karten, Register, Auszüge aus der Grundsteuermutterrolle und das Gebäude-Inventarium können vor dem Termine sowohl in unserer Domänen-Registratur während der Dienststunden als auch auf der Domäne Hammer bei den jetzigen Pächtern, der verwittweten Frau Amtsrath Busse und deren Sohn, Lieutenant Herrn Rudolf Busse eingesehen werden, welche nach vorheriger Anmeldung auch die Besichtigung der Pachtobjekte gestatten und sonstige Auskunft ertheilen werden.

Marksteine & Telegramm-Gebühren im Jahr 1886

Juni 12, 2017

(Schreibweise original)

Es ist wiederholt vorgekommen, daß trigonometrische Marksteine und die über denselben errichteten Holzgerüste durch Unvorsichtigkeit beschädigt oder auch muthwillig zerstört worden sind. Mit Rücksicht auf die große Bedeutung, welche die trigonometrischen Punkte sowohl für militärische Zwecke wie auch für das öffentliche Interesse haben, nehme ich hiermit Veranlassung an die Besitzer von solchen Grundstücken, auf denen trigonometrische Punkte errichtet worden sind, sowie an die Ortsvorsteher und Gemeindeältesten die Aufforderung zu richten, über die Erhaltung der Marksteine zu wachen und mir (dem Landrath) jeden Fall einer Beschädigung derselben ungesäumt zur Anzeige zu bringen, damit die Schuldigen zur gesetzlichen Bestrafung gezogen werden können.

Vom 5. Mai ab wird die Wortgebühr für Telegramme aus Deutschland nach allen bedeutenderen Verkehrsorten in den Vereinigten Staaten von Amerika und Canada bei der Beförderung über das Deutsche Kabel Emden-Valencia von 1 Mark 65 Pfennig bis Weiteres auf 65 Pfennig ermäßigt. Gleichzeitig tritt für Telegramme nach Mexiko, sowie nach Mittel- und Südamerika eine entsprechende Ermäßigung der bisherigen Wortgebühr ein. Nähere Auskünfte ertheilen die Reichs-Telegraphenanstalten.

Ergänzung. In Tuchorze, Kreis Bomst, wird am 2. Oktober d. Js. (1885) eine mit der Kaiserlichen Orts-Postanstalt vereinigte Telegraphen-Betriebsstelle mit beschränktem Tagesdienst eröffnet werden.

Neuer Fleischbezirk Reklin Hauland

Juni 9, 2017

(Schreibweise original)

Aus den Ortschaften Reklin Dorf, Reklin Gut, Reklin-Hauland und Karna Gut, Kreises Bomst ist ein Fleischbezirk gebildet und für denselben der Eigenthümer Paul Günzel aus Reklin-Hauland als Fleischbeschauer (im Jahr 1884) bestellt worden.

Für die gedachten Ortschaften sind die Regierungs-Polizei-Verordnungen vom 17. April 1875 und vom 04. Juni 1881 betreffend die Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen in Kraft getreten.

Nach der zuletzt bezeichneten Polizei-Verordnung müssen alle Schweine, welche zum Genusse für Menschen geschlachtet werden, durch den amtlich konzessionierten Fleischbeschauer mikroskopisch auf Trichinen untersucht werden.

Anmerkung. Paul Hermann Günzel, Gastwirt und Eigentümer in Reklin Hauland – wurde im Januar 1851 ebenda geboren; später ehelichte er Marie Emilie Jäschke, geboren im Februar 1852 – ebenso in Reklin Hauland. Beide Personen entstammen Seitenzweige meiner Familie. Sein Aufgabenbezirk erweiterte sich später um die Orte: Nieborze (Gut und Gemeinde).

Meldungen aus der Provinz Posen im Jahr 1884.

Juni 6, 2017

(Schreibweise original)

1. In den Tagen vom 16. bis 20. April d. J. (1884) wird die Landstraße zwischen Widzim und Kiebel wegen Pflasterungsarbeiten für Fahrwerk gesperrt. Letzteres hat die Verbindung über Klein-Nelke zu nehmen.

2. Dem Pfarrer Böttcher zu Neutomischel ist die Kreisschulinspektion über sämmtliche evangelische Schulen der Diözese Karge und die jüdische Schule in Tirschtiegel übertragen worden.

3. Die evangelische Pfarrstelle zu Hammer-Borui, Diözese Wollstein, mit einem Einkommen von 3000 M. jährlich, neben freier Wohnung, ist in Folge Versetzung des bisherigen Inhabers vakant. Die Besetzung erfolgt nach Maßgabe der Allerhöchsten Verordnung vom 02. Dezember 1874 durch das Königliche Konsistorium in Posen, an welches Bewerbungen binnen sechs Wochen zu richten sind. Posen im März 1884.

4. Dem Pfarrer Illgner zu Friedenhorst ist für die Dauer der Pfarrvakanz in Hammer-Borui die Lokalaufsicht über die evangelischen Schulen dieser Parochie übertragen worden.

5. Ausbruch der Tollwuth unter den Hunden in der Gemeinde Tloki und Ankettung der Hunde in Tloki, Karpitzko, Tlokerhauland, Mlynskerhauland, Ziegelhauland, Neuwidzim, Altwidzim, Adamowo, Klein-Nelke, Neuhof und Komorowo bis zum 06. Juli 1884.

6. Dem amtlich konzessionierten Fleischbeschauer Eigenthümer Rudolph Jaekel zu Guschin ist die Verwaltung des neu gebildeten Fleischschaubezirkes Guschin, bestehend aus den Ortschaften Guschin, Elisabethhof und Eichvorwerk überwiesen worden. Rakwitz im April 1884.

Einladung zum Konzert im Viktoria-Hotel in Wollstein

Juni 2, 2017

(Schreibweise original)

Mit diesem Konzert wird dem hiesigen musikliebenden Publikum ein seltener Kunstgenuss geboten werden. Die berühmte Violin-Virtuosin Frl. Lilli Oesterley, die auf gleicher künstlerischer Stufe stehende Konzertsängerin Frl. Catarina Gosch und die Klavier-Virtuosin Miss Florence Williams, welche auf ihrer Tournee einen Tag frei sind, wurden für ein Konzert hier gewonnen. Die Künstlerinnen haben in allen grossen Städten den durchschlagendsten Erfolg zu verzeichnen, sie feierten kürzlich in Danzig, Stettin, Kiel, Wilhelmshaven u.s.w. grosse Triumphe. Es stehen ihnen die glänzendsten Empfehlungen zur Seite, worin Vortrag, Technik und durchgeistigte Auffassung hervorgehoben werden, sodass uns ein hoher Kunstgenuss bevorsteht.

Auf Grund der Rezensionen und handschriftlichen Empfehlungen von bekannten tüchtigen Musikverständigen erlauben wir uns allen Freunden der Musik den Besuch dieses hervorragenden Konzertes angelegentlichst zu empfehlen.

Wollstein, den 19. November 1908

Karten im Vorverkauf in der Buchhandlung von E. J. Scholz Wwe. (Inhaber Paul Scholz): Numerierter Platz 1.50 M., nicht numerierter Platz 1,00 M.

An der Abendkasse: Numerierter Platz 1.75 M., nicht numerierter Platz 1.25 M., Schülerkarten 50 Pf.

Enteignungen für den Straßenbau von Wollstein nach Neutomischel

Mai 25, 2017

(Schreibweise original)

In der Angelegenheit, die Gradelegung der Landstraße von Wollstein nach Neutomischel in der Strecke von Kirchplatz Borui bis Bahnhof Neutomischel, hat der unterzeichnete Königliche Landrath Bomster Kreises, als von der Königlichen Regierung, Abtheilung des Innern, zu Posen in Gemäßigkeit des § 20 des Enteignungsgesetzes vom 11. Juni 1874 ernannter Kommissarius zur Verhandlung behufs Feststellung der Entschädigung für die zu enteignenden Grundstücke Termin auf Mittwoch, den 10. Oktober d. J. (1883), von Vormittags 9 Uhr ab im Gasthause des Herrn Fritz Meyer zu Kirchplatz Borui anberaumt.

Nach den Entscheidungen der Königlichen Regierung zu Posen vom 20. Oktober vorigen Jahres werden enteignet:

aus Paprotsch: Fenske, Rausch, Protsch, Tepper, Linke, Janotte, Wolke, Labsch und Linke.

aus Kunik: Müller, Rau und Rausch.

aus Borui: Müller, Rausch, Rausch, Knoll, Fischer, Rosenau und Marquardt.

Ich lade zur Theilnahme an dem Termine nicht nur die Eigenthümer der zu enteignenden Grundstücke, sondern auch Alle, welche als Nutzungs-, Gebrauchs- und Servitutsberechtigte, Pächter und Miether derselben Entschädigungsforderungen geltend zu machen sich berechtigt glauben, überhaupt Alle, welche im Interesse an der Feststellung der Entschädigung, sowie bezüglich der Auszahlung und Hinterlegung derselben haben – unter der Berwarnung vor, daß beim Ausbleiben der Geladenen ohne deren Zuthun die Entschädigung festgestellt und wegen Auszahlung oder Hinterlegung der Letzteren verfügt werden wird.

In der Wollstein-Mailingliste können die vollständigen Namen, Hypotheken Nr. und die Größe der zu enteignenden Grundstücke angefragt werden.

Vor dem Ertrinken gerettet

Mai 24, 2017

(Schreibweise original)

Am 16. Januar d. J. (1882) ist die unverehelichte Emma Gutsche aus Wollstein durch den Mühlenbesitzer Reinhold Weyrauch aus Wollstein, den Handlungskommis Emil Bothe aus Groß Nelke, den Müller Carl Kude aus Wollstein, den Lehrer Ludwig Hahn aus Wollstein und den Restaurateur Adolph Marco zu Chorzeminer Bleiche vom Tode des Ertrinkens im Wollsteiner See gerettet worden.

Die von den Vorgenannten bei dieser Rettungsthat bewiesene Entschlossenheit und Opferwilligkeit wird hierdurch belobigend zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Tragik & Tod

Mai 20, 2017

Im Jahre 1872 wurde in einem Seitenzweig meiner Familie in Karpitzko, im Kreis Bomst in der Provinz Posen ein Kind geboren, welches den Namen Bruno Oscar Julius erhielt und der später Schuhmacher wurde und in Mecklenburg katholisch den Bund der Ehe schloß. Die Ehe seiner Eltern währte nicht lange, seine Mutter, ihres Zeichens Bezirkshebamme, ließ sich scheiden und sein älterer Bruder verstarb mit nur 11 Jahren. Wie es Bruno Oscar Julius in Richtung mecklenburgische Seenplatte verschlug, läßt sich nicht mehr rekonstruieren, doch auch sein Leben verlief unglücklich. Mit nur 38 Jahren geriet er beim Dreschen in eine Strohpresse und verstarb an den Verletzungen. So verschied mein entfernter Verwandter und hinterließ eine traurige Ehefrau mit ihren fünf Kindern und unendlich vielen Tränen.

Nur sechs Jahre später setzte das unwägbare Leben die Tragik fort und sorgte unbarmherzig dafür, daß der älteste Sohn – Bruno Fritz Ferdinand – nur halb so alt wie sein Vater werden durfte.

Denn zu jener Zeit taten die Menschen mal wieder das, was diese Spezies am besten beherrscht und so spielten sie einmal mehr Krieg. Einen lustigen, widerwärtigen Krieg, in dem Abermillionen Menschen fröhlich verrecken durften – für nichts und wieder nichts. Man möge mir die Ironie nachsehen, aber ich kann und will nicht verstehen, was diese Rasse antreibt. Und so kämpfte Musketier Bruno Fritz Ferdinand einen sinnlosen Krieg und fiel in Fort de Vaux, nahe Verdun in einem Alter von nur 19 Jahren. So wurde er also ausgelöscht, endgültig aus dem Buch des Lebens getilgt. Dabei sollte er eigentlich noch viele Jahrzehnte voller Leben, ja, voller Leben vor sich haben.

Wenngleich er die Welt bereits vor so langer Zeit verlassen hat, fühle ich mich ihm ein wenig verbunden, denn unter seinen Vorfahren existieren gleich mehrere Verbindungen zu den meinen. Zwei seiner 3x Urgroßeltern-Paare sind zugleich meine 5x Urgroßeltern und ein 5x Urgroßeltern-Paar von ihm – sind meine 7x Urgroßeltern. Ich hätte ihm ein glückliches und vor allem längeres Leben vergönnt, doch das nebulöse Sein entschied anders. Ich darf nun in meinem Verzeichnis der familiären Kriegstoten eine weitere Person hinzufügen – zu all den vielen anderen. Die Schmerzen sind vermutlich vergangen, die Tränen verflossen, die Erinnerungen an das Leid ausgelöscht – aber nicht das Gedenken an diese Menschen. Mögen sie ihre glücklichen Momente in der Einzigartigkeit des Lebens genossen haben. Ich wünsche es ihnen nachträglich, von Herzen.

Lebensskizzen

Mai 19, 2017

Im Februar 1856 wurde in Belencin im Kreis Bomst ein Knabe von der unverheirateten Ernstine Spriralska, einem Dienstmädchen aus Wielichowo geboren, welcher den Namen Johann George Gustav erhielt. Als Johann George Gustav 26 Jahre alt war, beantragte er im Jahre 1882 die Führung des Namens „Lachmann“, was ihm auch amtlich gestattet wurde. Sein vormaliger Familiennamen lautete in der entsprechenden Anzeige mittlerweile Zboralski.

Im November des gleichen Jahres trat der Restaurateur Johann George Gustav – nun Lachmann – in der Stadt Posen vor den Traualtar und ehelichte Alma Wanda Preiß. Seine Mutter, geborene Zboralska, verehelichte Lachmann wird zu dem Zeitpunkt als Restaurateur-Frau bezeichnet. In den darauf folgenden Jahren wurden mehrere Kinder dieses Paares in Posen geboren.

Der letzte Hinweis auf Johann George Gustav Lachmann findet sich in Berlin im Jahre 1907, wo er mit nur 51 Jahren verstirbt und als Hotelbesitzer bezeichnet wird. In seinem Sterbeeintrag wurde als Vater Karl Lachmann genannt – ob das korrekt war, wird die Unendlichkeit der Vergangenheit für alle Zeiten für sich behalten.

Fleischschaubezirke

Mai 18, 2017

(Schreibweise partiell original)

Nachdem mit Genehmigung des Königlichen Herrn Kreislandraths zu Wollstein aus den im hiesigen Polizeidistrikt belegenen Ortschaften: Borui, Neu Tuchorze Hauland, Tuchorze Waldhauland, Marianowo und Sandvorwerk ein Fleischschaubezirk gebildet worden ist, habe ich für denselben den Tischlermeister Gustav Seeliger aus Borui als Fleischbeschauer konzessioniert.

Dies wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken, daß für die vorgezeichneten Ortschaften die Königliche Regierungs-Polizei-Verordnung vom 4. Juni 1881, betreffend die Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen, vom 7. Dezember d. J. (1881) ab in Kraft tritt.

Im Polizeidistrikt Rakwitz, Kreis Bomst gab es zu der Zeit neun Schaubezirke:

Gloden
Jablone
Wiosker Hauland
Komorowo Hauland
Stadt Rakwitz
Stadt Rakwitz
Stadt Rothenburg
Tarnowo
Stadt Wollstein

Zum Schaubezirk Jablone gehörten neben Jablone die Ortschaften Blenke, Gut und Dorf Wioska mit Friedenfeld – der zuständige Fleischbeschauer war der Eigentümer Christian Handke zu Jablone.

Zum Schaubezirk Komorowo Hauland gehörte neben Komorowo Hauland noch der Ort Dombrofker Hauland – der zuständige Fleischbeschauer war Dienegott Meißner zu Komorowo Hauland.

Ackerbauschule Thalheim

Mai 15, 2017

(Schreibweise original)

In der Ackerbauschule zu Thalheim bei Bromberg beginnt mit dem 1. April d. J. ein neuer zweijähriger Lehrkursus, für welchen Schüler Aufnahme finden können. Unterricht und Unterhalt werden den Schülern ganz unentgeltlich gewährt. Der Aufenthalt bezweckt die praktische und theoretische Heranbildung junger Leute bäuerlichen Standes im Alter von 18 bis 20 Jahren, welche den Elementar-Schulunterricht genossen haben, der deutschen Sprache mächtig und in landwirthschaftlichen Gegenständen nicht völlig unerfahren sind, zu tüchtigen bäuerlichen Wirthen oder Wirthschaftsvögten.

Neben allen Zweigen der Landwirthschaft werden die Schüler auch in der Thierarzneikunde unterrichtet und in den Elementarkenntnissen fortgebildet. Eltern und Vormünder, welche ihren Söhnen oder Pflegebefohlenen eine solche, dem Wohle derselben sehr förderliche kostenfreie Ausbildung zu Theil werden lassen wollen, haben die bezüglichen Anmeldungen dem Dirigenten der Anstalt, Herrn Gutsbesitzer Boas zu Thalbach bei Bromberg, zeitig vor dem 1. April d. J. einzureichen.

Die vorherige persönliche Vorstellung bei dem Leiter der Anstalt ist zu empfehlen.

Bromberg im Februar 1881
Das Kuratorium der Ackerbauschule zu Thalheim

Einladung zur Hauptverhandlung

Mai 13, 2017

(Schreibweise original)

Johann Ernst Heinrich Müller aus Guschin, Kreis Bomst, zuletzt in Lasniewko, Kreis Gnesen, jetzt in der Fabrik Okop im Gouvernement Petrikau, werden beschuldigt, als Wehrpflichtiger in der Absicht, sich dem Eintritte in den Dienst des stehendes Heeres oder der Flotte zu entziehen, ohne Erlaubniß das Bundesgebiet verlassen oder nach erreichtem militairpflichtigen Alter sich außerhalb des Bundesgebietes aufgehalten zu haben. –

Vergehen gegen § 140 Abs. 1 Nr. 1. Str.-G.-B.

Derselbe wird auf den 30. April 1880 Vormittags 9 Uhr vor die Strafkammer des Königlichen Landgerichts zu Gnesen zur Hauptverhandlung geladen. Bei unentschuldigtem Ausbleiben wird derselbe auf Grund der nach § 472 Strafprozeßordnung von dem Königlichen Landgericht zu Gnesen über die der Anklage zu Grunde liegenden Thatsachen ausgestellten Erklärung verurtheilt werden.

Gnesen, Januar 1880
Königliche Staatsanwaltschaft

Ehrenzulage

Mai 9, 2017

(Schreibweise original)

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstags was folgt:

Die Inhaber des Eisernen Kreuzes erster Klasse, welche dasselbe im Kriege gegen Frankreich 1870/71 in den unteren Chargen bis zum Feldwebel einschließlich erworben haben, erhalten vom 1. April 1878 ab eine Ehrenzulage von drei Mark monatlich.

Diese Ehrenzulage erhalten von demselben Zeitpunkte ab unter den in § 1 angegebenen Voraussetzungen auch die Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, wenn sie zugleich das preußische Militär-Ehrenzeichen zweiter Klasse oder eine diesem gleichzuachtende militärische Dienstauszeichnung besitzen, welche entweder in einem der seit 1866 mit Preußen verbundenen Landestheile vor der Vereinigung, oder in einem der anderen Bundesstaaten vor dem Kriege 1870/71 verliehen worden ist. Die Bestimmung darüber, welche Dienstauszeichnungen hiernach außer dem preußischen Militär-Ehrenzeichen zweiter Klasse neben dem Besitze des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse zum Bezuge der Ehrenzulage berechtigen, erfolgt durch den Kaiser.

Die Ehrenzulage wird auf Lebenszeit gewährt und unterliegt nicht der Beschlagnahme. Das Anrecht auf die Ehrenzulage erlischt mit dem Eintritt der Rechtskraft eines strafgerichtlichen Erkenntnisses, welches den Verlust der Orden zur Folge hat.

Tod vor der Trauung

Mai 5, 2017

Im Januar 1848 wollte in Bentschen Anna Dorothea Kupke den Bund der Ehe mit dem Witwer Christian Deckert schließen. Leider goutierte das unwägbare Leben diese künftige Verbindung mitnichten und so verschied die Verlobte bereits vor der Heirat Ende Januar 1848 in einem Alter von 32 Jahren. Welch eine betrübliche Begebenheit, wie sie nur das gnadenlose Dasein – im Zeichen der Vergänglichkeit – ungerührt in die Realität schreiben konnte.

Bemerkenswert ist der direkt folgende Heiratseintrag – respektive Proklamation – denn auch jene Eheschließung sollte nicht vollzogen werden, da der Bräutigam ebenso vor der Trauung verschied. Statt Freude und Festlichkeiten für die Familien, obsiegte ein endgültiges, schmerzhaftes Trauerspiel für alle Beteiligten, welches sicherlich niemand erwartet hatte – das ist das Leben.

St. Annen-Medaille

April 30, 2017

(Schreibweise original)

Die nachstehend benannten, ehemaligen Unteroffiziere des Westpreußischen Ulanen-Regimentes Nr. 1 (früher 1. Ulanen-Regiment) werden hierdurch aufgefordert, Behufs Geltendmachung ihres Erbrechts auf die Kaiserlich Russische St. Annen-Medaille sich binnen drei Monaten, vom Erscheinen dieses Blattes gerechnet, schriftlich, unter genauer Angabe ihrer Adresse bei dem Kommando des Westpreußischen Ulanen-Regimentes Nr. 1 in Militsch zu melden. Bei gar keiner, oder nicht rechtzeitig erfolgter Anmeldung geht das Erbrecht auf die später votirten Anwärter über.

Charge im Jahr 1835.

Wachtmeister Ernst Dittebrandt,
geboren am 04.02.1804, eingetreten am 01.05.1822

Stabstrompeter Ernst Ressel,
geboren am 09.04.1809, eingetreten am 01.11.1828

Unteroffizier Gottlieb Triebsch,
geboren am 30.11.1789, eingetreten am 01.03.1813

Unteroffizier Christian Dachschütz,
geboren am 18.05.1795, eingetreten am 01.01.1818

Königliches General-Commando des 5. Armee-Corps
Der kommandirende General, gez. v. Kirchbach
April 1877

Vergleich Lehrereinkommen in Dombrofker Hauland 1852 und 1876

April 28, 2017

(Schreibweise partiell original)

Das Einkommen der evangelischen Schullehrerstelle zu Dombrofker Hauland (Dabrowker Haualnd), Kreis Bomst im Jahre 1852:

34 Reichsthaler in baarem Gelde
27 Scheffel und 12 Metzen Roggen
freiem Brennholz
Benutzung eines Morgen Ackers

Das Einkommen der evangelischen Schullehrerstelle zu Dombrofker Hauland (Dabrowker Haualnd), Kreis Bomst im Jahre 1876:

159 Mark baar
186 Mark Staatszuschuß
Deputat von 30 Neuscheffel 26 Liter Roggen
Nutzung von 1 Hektar 2 Aren 13 Quadratmeter Schulland
15 Mark Entschädigung für die Bearbeitung des Schullandes
freie Wohnung
freies Brennmaterial
Nebeneinkommen von 3 Mark jährlich für die Leitung des Gesanges bei Begräbnissen

Ruhestörung

April 26, 2017

(Schreibweise original)

In mehreren Gemeinden unseres Verwaltungs-Bezirks (Provinz Posen) haben bisher aus Anlaß der Jahresfeier des H. Laurentius am 10. August und in der darauf folgenden Woche zur Abendzeit Ansammlungen von Menschenmengen an öffentlichen Straßen und Plätzen stattgefunden, welche daselbst oft bis 11 Uhr Nachts ohne Anwesenheit und Leitung eines Geistlichen unter lautem Singen verweilt haben.

Hierdurch sind nicht nur Störungen des öffentlichen Verkehrs und der nächtlichen Ruhe, sondern auch ernstere Excesse herbeigeführt worden, wie namentlich am 12. August vorigen Jahres zu Gorzewo, Kreis Obornik, die Mißhandlung des auf öffentlichen Wege vorüberfahrenden Steinsetzmeisters Schulz aus Meseritz, welcher dabei den Tod gefunden hat.

Mit Rücksicht hierauf haben wir den uns nachgeordneten Kreisbehörden die Anweisung ertheilt, überall, wo es im öffentlichen Interesse geboten erscheint, Ansammlungen der vorbezeichneten Art zu untersagen resp. verhindern. Wir bringen diese Anordnung unter Hinweisung auf die von den Zuwiderhandelnden zu gewärtigende Bestrafung hiermit zur öffentlichen Kenntniß.

15. Juli 1875