Lebendige Genealogie

August 13, 2018

Seit einigen Jahren lebt und wirkt eine erfolgreiche Sängerin in Deutschland. Ich muß gestehen, mir war sie nicht bekannt und erst seit Juni nahm sie in meinem Bewußtsein eine entsprechende Bedeutung ein – nachdem ihr Vater mich kontaktierte. Wir haben die gleichen Vorfahren und somit identische Wurzeln. Gestern fand nun unsere erste Begegnung statt und wir fielen uns in die Arme und erlebten einen wahrhaft spannenden und hochinteressanten Austausch. Wie bereits im April, so habe ich auch dieses Familientreffen genossen, welches sehr rasant in die Vergangenheit eintrat – die Stunden flogen förmlich von dannen.

Die Familienforschung ist stets eine faszinierende Thematik, welche erfüllende Erkenntnisse generiert und viel Unmögliches wahr werden läßt und doch! – bei all den schnöden und toten Daten – so interessant sie auch sein mögen – die wahren Höhepunkte erwachsen für mich in der lebendigen Genealogie. Von Mensch zu Mensch, im realen Angesicht. In der Tat, ich habe unsere Begegnung sehr genossen und freue mich auf die Fortsetzung.

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Unbekannte Musiker. Akt II.

August 9, 2018

Bei den nachfolgenden Personen handelt es sich sehr wahrscheinlich um Musiker; die Aufnahme entstand um 1930 oder einige Jahre später – möglicherweise in Thüringen im Raum Greiz. Wer kann einzelne Personen identifizieren oder besitzt ähnliche Bilder mit den gleichen Personen? Jedweder Hinweis in diesem oder erweiterten Kontext ist willkommen.

Brauerei Bloens in Wollstein

August 4, 2018

Gestern früh gegen ½ 8 Uhr gab es in der Königsstraße, Ecke Kirchhofsgasse, eine Ueberschwemmung und zwar nicht von Wasser, sondern von Bier. Ein großes 5000 Liter fassendes Stückfaß köstlichen Gerstensaftes der Bloens´schen Brauerei, welches nach dem Eiskeller expediert wurde, stürzte an besagter Straßenecke beim Passieren des Rinnsteins infolge Achsenbruches vom Wagen, die Dauben des Fasses zerbrachen, und das edle Naß floß auf die Straße. Es ist als ein Wunder zu bezeichnen, daß der Kutscher, welcher sonst auf der Seite nebenher zu gehen pflegt, nach welcher das Faß gestürzt war, zufällig einen anderen Platz einnahm, er wäre sonst zweifellos zerquetscht worden. Der Schaden, den die Brauerei erleidet, ist bedeutend; er dürfte über tausend Mark betragen.

Heut Nacht gegen 1 Uhr ertönten Feuersignale in unsere Stadt. Im Dachboden des Bloens´schen Eiskellers hatte sich das dort lagernde Sägemehl entzündet. Bierkutscher, die von der Landtour nach Hause kamen, sahen Flammen aus dem Dache schlagen und alarmierten die Feuerwehr. Inzwischen war das Feuer von den Brauereiangestellten schon mit einem Minimarapparat gelöscht worden, sodaß die Feuerwehr mit einigen Eimern Wasser das Feuer nachlöschen konnte und die Spritzen gar nicht in Aktion traten. Wie das Feuer entstanden ist, konnte noch nicht festgestellt werden.

1910. (Schreibweise original)

Der Zeppelin kommt!

Juli 30, 2018

Ein Zeppelin-Luftschiff besucht demnächst Posen! Auf die vor einigen Tagen verbreitete Nachricht von der beabsichtigten Zeppelin-Fahrt Wien-Dresden hat die „Pos.-Ztg.“ an die Luftschiffbau-Gesellschaft Zeppelin in Friedrichshafen die Bitte gerichtet, doch – wenn irgend möglich – auf jener Fahrt eine Abschwenkung nach Posen zu machen und unserer Provinzialhauptstadt auch einmal den Anblick eines Zeppelin-Luftschiffes zu gewähren.

Die Zeitung erhielt daraufhin folgendes Schreiben: „Auf Ihre Anfrage teilen wir Ihnen ganz ergebenst mit, daß es aus fahrtechnischen Gründen ganz unmöglich sein wird, die an sich schon außerordentlich große Strecke Wien-Dresden, die gern in einem Zuge durchfahren werden soll, noch durch eine Abschwenkung nach Posen zu verlängern. Es wird sich aber in nicht zu ferner Zeit Gelegenheit bieten, von Dresden oder von Berlin aus mit Z-Schiffen Posen zu besuchen.“

Wenn das letztere der Fall sein wird, so würde es vielleicht nicht unmöglich sein, daß auch Wollstein einen „Z“ über sich hinwegfliegen sieht.

Im Mai 1910. (Schreibweise original)

Warnung an die jungen Mädchen der Provinz Posen

Juli 24, 2018

Zur Warnung! Zu dem bevorstehenden Quartalswechsel möchte der Verein „Wohlfahrt der weiblichen Jugend“ wieder alle jungen Mädchen in der Provinz warnen, daß sie sich von dem gegenwärtigen fieberhaften Zug vieler junger Leute in die Großstadt nicht anstecken lassen. Man verliert nichts, wenn man zu Hause bleibt! Viele lassen sich durch blendende Versprechungen, die ihnen goldene Berge verheißen, betören und meinen, in der Großstadt sei das Geld auf der Straße zu finden.

Wie manche haben schon den großen Fehler gemacht, daß sie die sichere Stellung in der Heimat mit der oft so unsicheren Existenz in der Großstadt vertauschten. Vor allem aber ist allen jungen Mädchen zu raten, keinen Kontrakt zu unterschreiben, ehe sie nicht genau geprüft haben, was ihnen vorgelegt wird. Wo es unumgänglich notwendig erscheint, in die Großstadt zu ziehen, machen wir auf die Bahnhofsmission aufmerksam, deren Helferinnen kenntlich sind an einer weißen Armbinde mit rosa Kreuz. Dieselben sind bereit, den Ankommenden mit Rat und Tat zu helfen und jedes zuziehende Mädchen umsonst abzuholen und nötigenfalls zu begleiten.

In gleicher Weise wird für die jungen Männer gesorgt durch den Jünglingsbund. Die Adresse der Berliner Bahnhofsmission für junge Mädchen ist Tieckstraße 17, die für junge Männer Sophienstraße 19.

Im März 1910. (Schreibweise original)

Unglücksfälle zur See

Juli 21, 2018

Entsetzliche Stürme haben die Küsten Amerikas heimgesucht, und die Nachrichten über Unglücksfälle durch Scheitern, Untergang und Branden von Dampfern und Segelschiffen bilden eine lange Liste. Leider haben mehrere hundert Menschen bei diesen verschiedenen Unfällen ihr Leben verloren. Der Dampfer „Evening Star“, von New-York nach New-Orleans bestimmt, versank 180 Meilen östlich von Tybee am 8. Oktober. Es befanden sich 250 Passagiere und 50 Mann Bemannung auf dem Dampfer, und glaubt man, daß 280 Menschen ihren Tod fanden.

Der britische Dampfer „Queen Victoria“ ging auf hoher See in dem Sturme am 4. Oktober unter. Passagiere und Mannschaft wurden gerettet, und nur zwei Menschenleben verloren. Die Namen der verunglückten Segelschiffe bilden eine lange Liste, die noch nicht vollständig ist.

Die Barke „Laura“, ein Auswandererschiff von Bremen nach Baltimore bestimmt, rettete sich nach dem Hafen von Fort Monroe in sehr beschädigtem Zustande, nachdem sieben Menschen Über Bord geschwemmt, und fünfzig Passagiere verwundet worden waren.

Ueber den Untergang des Dampfers „Evening Star“ trafen am 19. weitere Nachrichten ein, aus denen hervorgeht, daß es das größte derartige Unglück seit dem Untergang des Dampfers „Amerika“ gewesen ist. Von den 300 Personen an Bord sind nur 16 gerettet worden, und es scheint, daß der Untergang ein plötzlicher war. Die Mehrzahl der Passagiere waren Frauen und Kinder, von denen alle zu Grunde gingen. Es befand sich eine französische Opern- und Ballett-Truppe an Bord, die zwei Tage vor der Abfahrt des „Evening Star“ auf dem Dampfer „Ville de Paris“ zu New-York eingetroffen war, und die den kommenden Winter in New-Orleans spielen wollte. Von diesen ist kein Mitglied unter den Geretteten.

Ebenso befanden sich dreißig männliche und weibliche Circusspieler, der Truppe von „Spaulding und Witwell“ angehörig, unter den Passagieren. Auch eine sehr große Anzahl von Frauenzimmern, die von Besitzern schlechter Häuser in New-York ausgelesen worden waren, um die kommende Saison ihr Gewerbe in New-Orleans zu betreiben, ging mit unter. Der Befehlshaber des Dampfers, Capt. Knapp, rettete sich mit 18 Mann in einem der sechs metallischen Lebensrettungsbooten des Dampfers. Das Boot ward neun Mal umgeschlagen, beim sechsten Mal verschwand Capt. Knapp in den Wellen, und kam nicht wieder zum Vorschein, doch erreichten die Uebrigen mit dem Boot den Hafen von Fernandina, in Florida.

Ein anderes Boot stieß mit 16 Personen vom Dampfer ab, schlug 12 oder 15 Mal um, und erreichte am Dienstag den Hafen von Fernandina mit sechs Personen und zwei Leichen an Bord. Der Dampfer war ein starkes neues Schiff, und nur der stärkste Orkan kann seinen Untergang herbeigeführt haben. Er war nicht versichert und ½ Million werth.

Im Oktober 1866. (Schreibweise original)

Mißbrauch auf hoher See

Juli 15, 2018

Die Münchener „Neuesten Nachrichten“ schreiben: „Wir halten es für unsere Pflicht, eine auf die deutsche Auswanderung bezügliche Mittheilung zu veröffentlichen, auf die Gefahr hin, damit eine Fluth von Erklärungen und Gegenerklärungen heraufzubeschwören. Ein junger Handwerker von München, dessen Charakter uns von seinen nächsten Bekannten als durchaus ehrenwerth und zuverlässig geschildert wird, warnt in einem Schreiben aus New Jork vor der Auswanderung auf Segelschiffen, deren Capitäne nicht durch Charakter, Energie und Kenntnisse die nöthige Sicherheit bieten. Er hat die Reise auf einem solchen Schiffe (dessen Heimath und Namen zu nennen wir uns vorbehalten) mitgemacht und giebt eine schreckliche Schilderung von den mangelhaften Einrichtungen und Entbehrungen, unter denen die Passagiere zu leiden hatten.

Doch es kam noch etwas – so heißt es wörtlich in dem Briefe – das selbst die rohesten Passagiere empörte; es war die sittliche Verkommenheit der Schiffsmannschaft; jedes junge Mädchen fiel diesen rohen Menschen zum Opfer, selbst Frauen schonte man nicht; empörten sich ihre Männer, so drohte man, sie wie Hunde niederzustechen; scheute sich doch unser zweiter Steuermann nicht, drei junge 16jährige Mädchen derart zu mißbrauchen, daß sie krank wurden, und ähnlich handelte der Capitän. Es wäre schrecklich, wenn dergleichen sich unter den Augen der norddeutschen Bundesgewalt wirklich häufig ereignete. Die Angelegenheit verdient die eingehendste Berücksichtigung Seitens der deutschen Presse – mindestens mit demselben Rechte wie die Krakauer Klostergeschichte.

Aus dem Jahr 1869. (Schreibweise original)

Wilderei & Mord im Tloker Walde

Juli 4, 2018

Wenige Tage vor Weihnachten schlug das unbarmherzige Leben mit aller Härte zu und traf eine Wollsteiner Familie nachhaltig, in dem der Familienvater in zutiefst sinnloser Art und Weise einen viel zu frühen Tod fand.

Am 20. d. Mts. (20.12.1908) ist der Gendarmerie-Wachtmeister Schwirz hierselbst von einem Wilderer im Tloker Walde erschossen worden. Der in Ausübung seines Dienstes so jäh aus dem Leben Geschiedene hinterlässt eine Frau und 4 unerzogene Kinder, von denen das älteste 7 Jahr alt ist. Aufruf! Die Familie, die so plötzlich ihres Ernährers beraubt wurde, befindet sich in einer Notlage, zu deren Linderung wir die Mildtätigkeit unserer Mitbürger anrufen. Wir sind bereit, Gaben entgegen zu nehmen und werden über den Empfang in unserem Blatte quittieren. Wollstein, Weihnachten 1908.

Bereits im Dezember trug der Appell an die Mitbürger erste Früchte und für Ende Januar 1909 wurde konstatiert: Für die Familie Schwirz sind seit unserer letzten Veröffentlichung noch eingegangen … Summa 150 Mark – Wir schließen hiermit die Sammlung, deren Ertrag wir, soweit noch nicht geschehen, an Frau Schwirz abführen werden. Allen freundlichen Gebern nochmals herzlichen Dank. Januar 1909.

Der oben noch unbekannte Wilderer sollte bald enttarnt sein und bereits im April 1909 stand selbiger vor dem Gericht in Meseritz.

Die Gemeingefährlichkeit des gewerbsmäßigen Wilderertums entrollte Sonnabend eine vor dem hiesigen Schwurgericht gegen den Schneider Adalbert Piotrowski aus Wollstein verhandelte Anklagesache wegen gewerbsmäßigen Wilderns und vorsätzlicher Tötung des Gendarmerie-Wachtmeisters Schwirz aus Wollstein. Der 27 Jahre alte, verheiratete Angeklagte war ein verwegener Wilddieb, der, um das auf anderen Jagdgebieten geschossene Wild besser absetzen zu können, selbst eine kleine Jagd gepachtet hat, wurde am 20. Dezember 1908 auf dem Jagdgebiete des Grafen Mycielski in Komorowo auf frischer Tat betroffen und von dem berittenen Gendarmen Schwirz mit dem Pferde bis in den Wald verfolgt.

Hier scheint der Angeklagte den Gendarmen in dem Augenblick als er festgenommen aus unmittelbarer Nähe durch zwei Schüsse in den Unterleib, die in die Leber, Herzbeutel und die große Körperschlagader gedrungen waren, und den sofortigen Tod des Beamten zur Folge hatten, direkt vom Pferde herabgeschossen zu haben. Der Angeklagte behauptet, daß der Tod des Gendarmen darauf zurückzuführen sei, daß ihm dieser das geladene und gespannte Gewehr habe entreißen wollen, was Angeklagter zu verhindern gesucht hätte und bei dem Ringen wahrscheinlich mit den Fingern in die Abzugshähne gekommen wäre. Es käme deshalb höchstens fahrlässige Tötung in Frage.

Von den Personen, die von dem Grafen Mycielski an dem in Frage kommenden Tage in dem Walde postiert waren, weil kurz vorher der Graf einen anonymen Brief halten hatte, in dem dieser vor Piotrowski, der meist an den Sonntagen während der Kirchzeit wildere, gewarnt worden war, war nur ein Schuß gehört worden, trotzdem nach den Gutachten der Sachverständigen nach dem ganzen Befunde unbedingt zwei hintereinander fallende Schüsse gefallen sein müssen. Nach dem weiteren Gutachten der Sachverständigen ist es ausgeschlossen, daß der Gendarm das Gewehr hätte fallen lassen können und daß bei dem Ringen die Schüsse losgegangen sind. April 1909.

Die Schreibweise ist partiell original. Ich entschied mich für die Version Schwirz – wie im Todeseintrag und in der Mehrheit der Zeitungsmeldungen – doch auch Schwierz kam vor. Der Gendarmerie-Wachtmeister Karl Friedrich Wilhelm Schwirz wurde im Jahr 1872 in Pollnow, Kreis Schlawe in der Provinz Pommern geboren; seine Eltern waren der Töpfermeister Leopold Schwirz und Emilie Braun, zu dieser Zeit in Rummelsburg (Pommern) lebend. Seit September 1900 war er verheiratet. Am 20.12.1908, gegen 12:30 Uhr wurde er von Adalbert Piotrowski im Tloker Walde erschossen.

Der Täter wurde zu 13 Jahren Zuchthaus, Ehrverlust auf die Dauer von 10 Jahren und Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.

Zufallsfund Strickrodt

Juli 1, 2018

Die Polizeiverwaltung Wollstein meldet folgenden Sachverhalt – das Dienstmädchen Johanna Clara Strickrodt, 18 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft in Wollstein, geboren zu Wehlheiden, Kreis Cassel und ledigen Standes, Tochter des Werkmeisters August Strickrodt und seiner Ehefrau Auguste Fröde, wohnhaft in Owinsk, Kreis Posen Ost – ist „im Wollsteiner See, am 27.08.1905 Vormittags um sechs ein viertel Uhr ertrunken“.

Detailsuche: Fechner. II.

Juni 26, 2018

Gesucht werden jegliche Informationen, Hinweise und mehr über Alma Fechner, geboren im Jahr 1885 in Dombrofker Hauland, Kreis Bomst, in der Provinz Posen.

Im Jahr 1908 ehelichte sie Johann Adolf Otto Günzel, 1884-1962. Das Ehepaar trat mutmaßlich gemeinsam die Flucht in der großen Wollsteiner Gemeinschaft im Januar 1945 an, um Mitte Februar 1945 den Ort Suhlendorf im Kreis Uelzen, Niedersachsen zu erreichen.

Johann Adolf Otto Günzel verstarb in Ebstorf im Kreis Uelzen und lebte wohl in Neu Ripdorf – ebenso im Kreis Uelzen. Wahrscheinlich war Alma Fechner zu diesem Zeitpunkt noch am Leben.

Die genealogische Herkunft beider Personen ist geklärt, doch der detaillierte Verbleib wie Lebensweg und auch die Existenz möglicher Kinder ist von Interesse – nur der Sohn Karl Arthur Günzel ist bekannt. Jedwede Information ist willkommen, explizit auch ein Kontakt mit den möglichen Nachfahren.

Ein folgenschwerer Irrtum

Juni 21, 2018

Im Jahre 1907 vollzog sich eine kleine Unachtsamkeit in Karpitzko in der Provinz Posen; ja, nur ein unbedeutender Irrtum, der alsbald gnadenlose Konsequenzen einforderte. Der Ausgedinger Hermann K., geboren 1847 in Karpitzko, litt an einer Krankheit und entsprechend konsumierte er gewisse Medikamente. Doch leider irrte er sich in seiner Medikation und beschloß somit völlig unerwartet sein temporäres Dasein auf dieser Welt.

Der Königliche Distriktskommissarius zu Wollstein teilte später mit: „…verstorben sei, infolge von Krankheit und Verwechselung von zwei Arzneien, so daß ein für die Augen äußerlich bestimmte Arznei eingenommen ist“.

Und so endete ein Leben viel zu früh – durch einen banalen Irrtum oder routinierter Nachlässigkeit.

Von der Nachlässigkeit, die Hoftür nicht zu schließen und den daraus resultierenden Konsequenzen

Juni 15, 2018

Wegen Meineides stand am Sonnabend der Arbeiter Otto Woydt aus Jablone vor dem Gericht (Schwurgericht Meseritz). Der Anklage, einen Meineid geleistet zu haben, lag ein Wortwechsel zugrunde, der sich am 9. Februar 1908 in dem Hause abspielte, wo seine Schwiegermutter wohnte. Als er damals Haus verließ, kam es mit zwei Bewohnern desselben zu einem kleinen Zusammenstoß, in dessen Verlauf ihm einer der beiden mit dem Messer in der Hand gedroht haben soll. Er brachte beide zur Anzeige, und sie erhielten eine niedrige Geldstrafe, nachdem Woydt u.a. beschworen hatte, er hätte gesehen, daß sein Gegner das Messer aus der Tasche gezogen, es aufgeklappt und ihm dann damit gedroht hätte; die Drohung sei auch von entsprechenden Worten begleitet gewesen.

Diese eidliche Aussage sollte nach der Anklage von Woydt wider besseres Wissen gemacht worden sein. Eine ganze Reihe Zeugen bekundeten, die Drohung sei viel harmloser gewesen und in der Weise erfolgt, daß der Gegner Woydts kein Messer in der Hand gehalten und ihm nur nachgerufen habe, er bekäme, wenn er das nächste Mal wieder die Hoftür nicht schließe, Prügel mit einem Knüttel. Aus den Aussagen anderer Zeugen, die unmittelbar nach dem Vorfalle Woydts Darstellung zu hören bekommen hatten, wo doch noch niemand an einen Prozeß dachte, und vor allem aus der Tatsache, daß des Angeklagten Schwiegermutter infolge des Vorfalles aus Furcht aus ihrer Ausgedingerstube ausgezogen ist, läßt sich hingegen erkennen, daß immerhin die Möglichkeit eines Irrtums der Belastungszeugen nicht auszuschließen ist.

Diesen Standpunkt vertrat der Verteidiger Justizrat Urbach mit allem Nachdruck, jedenfalls sei die Sache trotz der eidlichen Zeugenaussagen nicht genügend geklärt, als daß daraufhin ein unbescholtener Mann, wie sein Klient, verurteilt werden könnte. Die Mehrheit der Geschworenen ließ sich offenbar von den gleichen Erwägungen leiten, denn sie verneinten alle Schuldfragen, auch die nach fahrlässigem Meineid, sodaß der Angeklagte sofort auf freien Fuß gesetzt wurde.

Im Januar 1909. (Schreibweise original)

Wollsteiner Bürger. Fern der Heimat verstorben. Teil III.

Juni 9, 2018

Mit dem folgenden Beitrag findet diese Reihe ihren Abschluß – gleichwohl wird die Liste der Namen auch künftig hier an dieser Stelle ergänzt werden. Das Aktualisierungsdatum gibt hierüber Aufschluß.

Am 20. Januar 1945 traten über 7000 Deutsche aus dem Kreis Wollstein, Provinz Posen die Flucht gen Westen an – Mitte Februar 1945 erreichten sie den Ort Suhlendorf im Kreis Uelzen, Niedersachsen. Die Wurzeln in die alte Heimat sollten für immerdar gekappt sein – eine Vorstellung, die damals wohl niemand zu denken wagte. Ein Teil meiner Familie ereilte das gleiche Schicksal, wenngleich sie unabhängig von jener großen Fluchtgemeinschaft ihren Weg fanden. Es sollten 62 Jahre vergehen, bis ein Mitglied meiner Familie – ich selbst – die Heimstatt der Altvorderen, die Heimat wieder besuchte.

Zahlreiche Wollsteiner beschlossen ihr Leben nun fern der Heimat – viele in Niedersachsen. Die nachfolgenden Namen sind Teil einer Liste, welche die Verstorbenen von 1945-1963 thematisiert.

Aktualisiert: 22.06.2018 – Abschluß. Namen: Adam, Arlt, Bansen, Becker, Bederke, Bittner, Blümel, Bohr, Brauer, Bräuer, Brunzel, Degen, Dier, Druse, Eichler, Eisermann, Elsner, Fabiunke, Fechner, Fengler, Fenske, Feyer, Fiege, Gierke, Griesche, Großmann, Gröger, Grunwald, Günzel, Jacholke, Jänsch, Handke, Hartmann, Haake, Hecke, Heinrich, Herbold, Hoffmann, Horn, Kasan, Kernchen, Klose, Klisch, Klopsch, Knappe, Kühn, Lehmann, Linke, Ludwig, Lukas, Mankowski, Marco, May, Meinas, Mertinke, Meyer, Müller, Ostrowski, Peschel, Rohde, Rothe, Rau, Redlich, Ruttig, Rutz, Schädler, Schauer, Schneider, Schobert, Schulz, Seiffert, Siegmund/Sigismund, Simon, Stein, Straßburger, Tepper, Wenzel, Werner, Wilhelm, Ziebeil/Zibull.

Drei Personen verstarben durch Kriegseinwirkung nicht in Deutschland, sind dennoch Teil der Liste. Die genealogische Herkunft der meisten Personen ist geklärt.

In der Wollstein-Mailingliste sind Detailanfragen in diesem Kontext ab sofort möglich.

Detailsuche: Strehlau.

Juni 3, 2018

Gesucht werden jegliche Informationen und Hinweise im Kontext der nachfolgenden Personen.

01. Strehlau, Auguste Sybilla, geboren 1872 in Rudnik, Kreis Graudenz, Westpreußen, 1892 in Culmsee lebend.

oo: 1891

Wilhelm Daudert, geboren 1860.

Zwei Kinder dieser Verbindung sind bekannt: * 1892 in Culmsee – Arthur Max Otto Daudert. Das zweite Kind wurde nur wenige Tage alt.

02. Strehlau, Friedrich Wilhelm, geboren 1877 in Rondsen, Kreis Graudenz, Westpreußen, 1901 in Insterburg lebend.

oo: 1898 in Königsberg, Ostpreußen.

Marie George, geboren 1875.

Ein Kind dieser Verbindung ist bekannt: * 1901 in Insterburg – Charlotte Marie Minna Strehlau.

Jedwede Information, wie Verbleib und Lebenswege der oben genannten Personen ist willkommen, explizit auch ein Kontakt mit möglichen Nachfahren.

Unbekannte Musiker

Mai 31, 2018

Bei den nachfolgenden Personen handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Chor oder Angehörige einer musikalischen Verbindung. Die Aufnahme entstand um 1930 oder einige Jahre später – möglicherweise in der Provinz Posen im Raum Wollstein oder in Thüringen im Raum Greiz oder in Brandenburg an der Havel.

Wer erkennt Personen und kann nähere Angaben machen? Jedweder Hinweis in diesem Kontext ist willkommen.

Ein edles Anerbieten

Mai 28, 2018

Bei der Wichtigkeit der Schaafzucht in den gegenwärtigen Zeiten, erfordert die Bildung guter Schäfer, an welchen es der hiesigen Provinz (Posen) noch sehr mangelt, die größte Aufmerksamkeit.

Der Schaafmeister Neumann auf dem Königlich Niederländischen Gute Widzim, Bomster Kreises.

Derselbe will bis 4 Lehrlinge, die sich eine zweijährige Lehrzeit gefallen lassen müssen, unter der Bedingung annehmen, daß ihm jeder jährlich 20 Rthlr. für Kost und Lehrgeld zahlt; daß ihm die Wahl unter den sich meldenden Subjekten freisteht; daß der Anzug zu Johanni jedes Jahres erfolgt, und daß die Anmeldung des Lehrlings 2 Monate vor dem Anzuge erfolgt.

Wir bringen dies hierdurch zur Kenntniß des landwirthschaftlichen Publikums, und überlassen demselben, von dem edeln Anerbieten des genannten Schaafzüchter Gebrauch zu machen.

Im Januar 1826. (Schreibweise original)

Meldungen aus Flederborn, Pommern

Mai 24, 2018

Arbeiter Rüter wurde in einer Schonung erfroren aufgefunden. (Zu Beginn des Jahres 1902).

In Abbau Flederborn erschoß sich in einem Anfall von Geistesstörung der Besitzer Schumann (Anfang 1903).

Auf der Flederborner Chaussee ereignete sich ein bedauerlicher Unglücksfall. Auf einem vollbeladenen Wagen mit Stroh sitzend, fuhr Restaurateur Radtke nach Hause. Plötzlich wurden die Pferde scheu und gingen durch. Radtke rutschte vom Wagen und kam dabei so unglücklich zu Fall, daß ihm zwei Räder über den Leib gingen. Lebensgefährlich verletzt wurde er in ärztliche Behandlung gegeben. (1905).

(Schreibweise original)

Wollsteiner Bürger. Fern der Heimat verstorben. Teil II.

Mai 18, 2018

In Anlehnung an den Vorgängerartikel Wollsteiner Bürger. Fern der Heimat verstorben. Teil I. folgt hier nun eine aktualisierte Namensliste:

Namen: Adam, Arlt, Becker, Bittner, Blümel, Bohr, Brauer, Bräuer, Degen, Druse, Eichler, Elsner, Fabiunke, Fechner, Fengler, Feyer, Gröger, Grunwald, Jacholke, Jänsch, Haake, Hecke, Heinrich, Hoffmann, Klose, Klisch, Knappe, Lehmann, Linke, Ludwig, Mankowski, May, Meinas, Müller, Ostrowski, Peschel, Rohde, Rau, Ruttig, Schädler, Schauer, Schobert, Schulz, Seiffert, Simon, Stein, Tepper, Werner, Wilhelm.

In der Wollstein-Mailingliste sind Detailanfragen in diesem Kontext ab sofort möglich.

Wollsteiner Bürger. Fern der Heimat verstorben. Teil I.

Mai 14, 2018

Am 20. Januar 1945 traten über 7000 Deutsche aus dem Kreis Wollstein, Provinz Posen die Flucht gen Westen an – Mitte Februar 1945 erreichten sie den Ort Suhlendorf im Kreis Uelzen, Niedersachsen. Die Wurzeln in die alte Heimat sollten für immerdar gekappt sein – eine Vorstellung, die damals wohl niemand zu denken wagte. Ein Teil meiner Familie ereilte das gleiche Schicksal, wenngleich sie unabhängig von jener großen Fluchtgemeinschaft ihren Weg fanden. Es sollten 62 Jahre vergehen, bis ein Mitglied meiner Familie – ich selbst – die Heimstatt der Altvorderen, die Heimat wieder besuchte.

Zahlreiche Wollsteiner beschlossen ihr Leben nun fern der Heimat – viele in Niedersachsen. Die nachfolgenden Namen sind Teil einer Liste, welche die Verstorbenen von 1945-1952 thematisiert.

Namen: Arlt, Becker, Blümel, Bräuer, Degen, Druse, Elsner, Fechner, Fengler, Grunwald, Hein, Jänsch, Knappe, Lehmann, Linke, May, Meinas, Müller, Rohde, Schädler, Schauer, Schulz, Stein, Tepper, Werner, Wilhelm.

Drei Personen verstarben durch Kriegseinwirkung nicht in Deutschland, sind dennoch Teil der Liste. Die genealogische Herkunft der meisten Personen ist geklärt.

In der Wollstein-Mailingliste sind Detailanfragen in diesem Kontext ab sofort möglich.

Blattern auf der „Hertha“

Mai 12, 2018

England. London, 25. Jan. (1866). Vor Portsmouth liegt eine hamburgische Bark, die „Hertha“ vor Anker. Dieselbe war am 22. Oktober (1865) mit 300 Passagieren, deutschen Auswanderern, von Hamburg nach New-York ausgelaufen; heftige Stürme in der Nordsee aber verschlugen sie nach Leith, wo sie anlegen mußte, um einen Leck zu stopfen. Während des Aufenthaltes vor Leith brachen an Bord die Blattern aus; mehrere Kranke wurden zurückgelassen, als das Schiff wieder in See ging, und ein Arzt mitgenommen.

Mit vermehrter Heftigkeit trat die Krankheit von Neuem auf, als die „Hertha“ auf hoher See war, und ehe sie in Spithead anlangte, hatten schon 20 Todesfälle stattgefunden. Bei Spithead ankernd, wurde das Schiff bald nach seiner Ankunft am 15. d. M. (Januar 1866) in Quarantaine und die unglücklichen Auswanderer auf ein anderes zu ihrer Aufnahme eingerichtetes altes Schiff gebracht, da das frühere Lazareth aufgehoben worden war.

Aus dem Jahr 1866. (Schreibweise original)