Gaststätte Schwanenweiher niedergebrannt

April 23, 2019

Großfeuer in den Morgenstunden des Montags vernichtet Posener Gartenlokal. In den frühen Morgenstunden des gestrigen Montags wurde die reizvoll am Schwanenweiher in Kuhndorf gelegene Gaststätte „Schwanenweiher“ von einem Großfeuer heimgesucht, das die wichtigsten Gebäudeteile dieses beliebten Ausflugslokals restlos vernichtete.

Als der Löschzug der Wache 2 der Posener Feuerschutzpolizei an der Brandstelle eintraf, standen der mittlere Fachwerkbau sowie die Veranda in ihrer ganzen Ausdehnung in Flammen, so daß sofort Großalarm gegeben wurde. Die Bekämpfung des Brandes, an der sich daraufhin weiter die Löschzüge 1 und 6 beteiligten, wurde mit 9 C- und 5 B-Rohren vorgenommen. Das benötigte Löschwasser wurde dem Teich entnommen. Trotz schnellsten und umsichtigsten Einsatzes konnten nur der linke und rechte Flügel der Gaststätte vor der Vernichtung bewahrt werden; der mittlere Teil, die Veranda und ein Teil der Wirtschaftsanlagen sind dem Feuer leider zum Opfer gefallen.

Sofort nach Bekanntwerden begaben sich der höhere SS- und Polizeiführer Warthe, SS-Obergruppenführer Koppe, Oberbürgermeister Dr. Scheffler und Polizeipräsident von Malsen-Ponickau an die Schadensstelle. Die Gaststätte „Schwanenweiher“, die städtischer Besitz ist, war eins der wenigen, landschaftlich wirklich reizvoll gelegenen, bequem zu erreichenden Gartenlokale der Gauhauptstadt.

Oberbürgermeister Dr. Scheffler hat noch am Montagvormittag angeordnet, daß alles getan werden soll, um möglichst bald wenigstens einen provisorischen Wirtschaftsbetrieb am Schwanenweiher einzurichten, um der deutschen Bevölkerung diese schöne Erholungsstätte am Stadtrand wieder zugänglich zu machen. Der Ausfall der Gaststätte wird hoffentlich also nur vorübergehend sein.

16.06.1942 (Schreibweise original)

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Die Mundarten rings um Posen

April 18, 2019

Sie sind leider langsam im Schwinden begriffen. Wird der Leser dieser Zeilen sich nicht fragen: Gibt es um Posen herum überhaupt eine Mundart? Das Deutsch, das in Posen gesprochen wird, ist es nicht ein reines Hochdeutsch? Diese Frage kann nur mit einem Ja beantwortet werden. Und doch haben gerade die Bewohner der Stadt Posen im Mittelalter ausschließlich Mundart gesprochen, und zwar eine Mundart, die rein schlesisch gewesen ist. Das wissen wir aus den Ratsprotokollen der Stadt Posen, die uns sehr zahlreich überliefert worden sind. Wo ist nun diese Mundart geblieben? Nachdem der Zuzug an Siedlern im Mittelalter aus dem Reich aufgehört hatte, konnten sich die Deutschen in Posen gegen den Vorstoß des Polentums im 15. und 16. Jahrhundert nicht mehr halten, teils zogen sie von Posen ab, teils gingen sie im Polentum auf. In der näheren und weiteren Umgebung der Stadt finden wir aber noch Mundarten und zwar verschiedene Mundarten.

Wir müssen hier erst einmal zwischen Deutschen unterscheiden, die durch die Ansiedlungskommission in den Jahren 1886-1914 angesiedelt worden sind, und solchen, die schon seit vielen Generationen ihren Bauernhof in Besitz haben. Dabei können wir feststellen, daß gerade diejenigen Bauern, die schon vor der Arbeit der Ansiedlungskommission hier ansässig waren, ihre Mundart zum größten Teil aufgegeben haben. Anders ist es mit den Deutschen bestellt, die in den Jahren 1886-1914 in die Provinz Posen kamen. Sie haben, sofern in ihrer Heimat Mundart gesprochen wurde, diese mit in ihre neue Heimat gebracht und zum Teil auch bewahrt.

Im Osten des Kreises Posen liegt das Dorf Hohenfurt. Hier sind seinerzeit Westfalen angesiedelt worden, die heute noch zum Teil ihre mitgebrachte Mundart sprechen. In Ebenhausen sind Westfalen, Thüringer und Hannoveraner durcheinander gesiedelt worden. Dies bunte Bild der Siedler zeigen uns auch die Sprachproben. Noch etwas anderes kann von Ebenhausen berichtet werden. Hier besitzen die Bäuerinnen z. T. noch ihre Trachten, die aus selbstgewebten Stoffen geschneidert worden sind. Leider ruhen diese Trachten in den Truhen; sie werden nicht mehr getragen.

Westlich von Posen liegt das Dorf Runkeln. Hier haben Hannoveraner, Friesen und Lippe-Detmolder das Land besiedelt. In Gurten treffen wir drei ostfriesische Siedlerfamilien. Das Erstaunliche ist, daß diese drei Familien ihre Mundart so bewahrt haben, daß sogar die Kinder im Umgang mit ihren Eltern noch ostfriesisch sprechen. Kochfeld wird von Hannoveranern, Westfalen und Niedersachsen bewohnt. Die deutschen Bewohner von Gurten, Runkeln und Kochfeld haben, da sie aus verschiedenen Gegenden stammen und dementsprechend andere Mundarten gebrauchen, sich eine eigene nur für die drei Dörfer gültige Umgangssprache geschaffen, in denen Teile der oben genannten Mundarten eingefügt worden sind.

Die Anhalter, Sachsen und Hannoveraner von Nordheim haben infolge der nahen Lage an Posen sehr schnell ihre Mundart verloren. Zwar können die alten Leute ihre Mundart noch sprechen, im Umgang jedoch wird sie nicht mehr gebraucht. Die Bewohner der Dörfer wie Eberbach, Schönherrnhausen, Steimersdorf sind alteingesessene Bauern, die schon viele Generationen auf ihrem Hof sitzen. Sie sprechen alle keine Mundart, sondern gebrauchen eine dem Hochdeutschen angenäherte Umgangssprache.

Zum Schluß müssen wir feststellen, daß die Mundart im ganzen gesehen, in den angeführten Dörfern leider langsam im Aussterben begriffen ist. Mit Ausnahme von Gurten wird die Mundart als Umgangssprache nur noch in sehr geringfügigem Maße benutzt. Die Kinder der eingewanderten Siedler gebrauchen ihre Mundart nicht mehr. Sie verstehen sie wohl noch und können sie allenfalls noch sprechen, jedoch untereinander wird das Hochdeutsche als Umgangssprache benutzt.

Aus dem Jahr 1944. (Schreibweise original)

100 Jahre Pelzwarenhaus in der Stadt Posen

April 12, 2019

Posener Geschäft 100 Jahre alt. Inhaber gleichzeitig 50 Jahre im Beruf. Das bekannte Pelzwarenhaus B. Schulz, Leo-Schlageter-Straße 16, begeht am 1. April die seltene Doppelfeier des 100 jährigen Geschäftsjubiläums und des 50 jährigen Berufsjubiläums. Von Johann Gottlieb Schulz im Jahre 1840 gegründet, führte nach dessen Tode der Vater des jetzigen Inhabers Carl August die Firma weiter, übergab sie 1871 seinem Bruder Hermann, übersiedelte nach Leipzig und gründete dort Brühl 45 eine Rauchwarenhandlung, wo auch der jetzige Inhaber Benno Schulz aufgewachsen ist.

1890 trat der jetzige Inhaber in die Lehre, zuerst um den Rauchwarenhandel und sodann um das Kürschnerhandwerk zu erlernen. Im Jahre 1899 übernahm er die Leitung der Firma, um sie 1902 käuflich zu erwerben. 41 Jahre hat Herr Schulz, der Weltkriegsteilnehmer ist, das alte Familiengeschäft durch alle Fährnisse, Krieg, Inflation und Polenherrschaft sicher gesteuert und die führende Stellung im Pelzhandel behauptet. Wir wünschen dem Jubilar noch eine recht lange erfolgreiche Tätigkeit.

Aus dem Jahr 1940. (Schreibweise original)

Und alle, die ihn lieb hatten

April 6, 2019

Die Hochzeitsgesellschaft meiner Großeltern. Eine sehr große Gemeinschaft, alle in Liebe und Freude vereint und festgehalten auf einem Bild der Erinnerung; gebannt gegen das Vergessen. Es existieren zwei Versionen – eine ernstere und eine heitere, wo viele lächeln oder lachen, weil irgendein lustiges Ereignis eintrat; der heitere Moment gefällt mir. Die Welt, das Leben und besonders jener Augenblick offenbart eine leichte Unbeschwertheit, die bald ihr jähes Ende finden wird. Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr, das Dasein in friedvoller Art zu genießen. Es nähert sich mal wieder ein absurder Krieg am weiten Firmament.

Von einem Großonkel kannte ich nur den Namen. Und ja, natürlich kenne ich sein Gesicht – er ist mit auf dem Hochzeitsbild. Neben einer lieben Dame, die ich noch kennenlernen durfte und einen bedeutenden Anteil an meiner Forschung hat. Sein Lebensweg war mir unbekannt – bis gestern. Nun kenne ich seine expliziten Daten, seine „Auszeichnungen“ und weiß nunmehr, daß er mit nur 30 Jahren in der Ukraine fiel. Statt in die Arme seiner lieben Familie zurückzukehren, in die Arme seiner geliebten Braut – endete jählings sein junges Leben für immerdar. Ruhe sanft in fremder Erde.

Es ist nicht wirklich viel Zeit vergangen, als sich fünf der männlichen Hochzeitsteilnehmer – so mir derzeit bekannt – im Krieg befanden. Vier von ihnen kehrten nimmermehr in die Heimat zurück, durften ihre Lieben nie wiedersehen. Ich hätten ihnen allen ein Leben gewünscht; wahrlich von Herzen. Besonders einer Person, besonders einer Person! In tiefer Trauer…und alle, die ihn lieb hatten.

Wie die Hauländereien im Kreis Grätz entstanden

April 3, 2019

Während Polen im 16. und 17. Jahrhundert den Protestantismus bekämpfte und daher den hier ansässigen Deutschen viele Rechte verlorengingen, zeigte es sich neuen Einwanderern gegenüber von großer religiöser Duldsamkeit und versprach den einwandernden Bauern die persönliche Freiheit, die sie in der Heimat nicht besaßen. So kamen zuerst die Böhmischen Brüder in dieses Land und gründeten 1547 Lissa, auch nach Bentschen kamen sie, dann die unter religiösem Druck abwandernden Holländer, die sich von der Weichselniederung, in der sie zuerst angesetzt wurden, weiter nach Süden zogen, wo sie 1593 im Warthegau ihre ersten Siedlungsplätze schlugen. Seit 1550 kamen auch brandenburgische und pommersche Bauern ins Wartheland.

Je nach ihrer Herkunft hatten die Zugewanderten eine andere Art zu siedeln. Entweder lebten sie in geschlossenen Schulzendörfern, die auf schon kultiviertem Boden bestanden, wie die Brandenburger und pommersche Bauern, oder sie errichteten sich wie die Holländer Einzelhöfe in Sumpf- und Waldgebieten, die sie allmählich urbar machten. Entsprechend ihrer schweren Arbeit erhielten sie mehr Freiheiten und Rechte; mußten aber auch Besitz und Vermögen mitbringen und waren daher wohlhabender als die Bewohner der Schulzendörfer. In späterer Zeit waren nicht mehr alle Bewohner der Holländereien Holländer. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wandelte sich die Bezeichnung „Holländer“ in „Hauländer“.

In der Umgebung von Tirschtiegel wurden die Hauländer zuerst geduldet und später mit Privilegien ausgestattet. Durch Zuzug entstand in Tirschtiegel eine deutsche Neustadt, und im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde die Stadt vorwiegend deutsch. Auch in und um Kirschneustadt (Neustadt/Pinne) setzten sich deutsche Kolonisten fest, und seit 1672 siedelten hier vor allem Sachsen, Lausitzer, Schlesier und später Bauern aus der Neumark und allmählich entstanden immer mehr Hauländereien um Neustadt, die nach Birnbaum eingepfarrt wurden. 1709 erhielten Roßfelde, später Jägersheim ein Privilegium vom Grafen Opalenski, die Hauländerei Ziegenkrug entstand aus einem Gasthaus, das der Sage nach vom Grafen Opalenski errichtet wurde – als Dank für die Errettung aus dem Urwald, in dem er sich auf der Jagd nach einem Hirsch verirrt hatte.

Die Hauländer hatten an den Grundherrn einen jährlichen Pachtzins zu zahlen, der in Bentschen zehn Taler für die Hufe = 30 Morgen, die jeder Hauländer zugeteilt erhielt; in Alttomischel sechs Taler, dazu noch zwei Taler für freie Hütung des Viehs im Walde, betrug. Während der ersten sieben Jahre wurde der Pachtzins erlassen, dann versuchten die Hauländer Geld zu verdienen und stellten Pottasche, Holzkohle, Holzteer, Mulden, Schaufeln, Tröge, Schwingen, Brechen u. a. m. aus Holz her. Der Wohlstand setzte erst Ende des 18. Jahrhunderts durch den Hopfenanbau ein, den die Bauern von den Hussiten um Zisker Hauland gelernt hatten.

Seit 1750 wurden die Freiheiten und Rechte der Hauländer stark beschnitten und sie erhielten an Stelle der verbrieften Selbstverwaltung Schulzen, die immer mehr die Wünsche der Grundherren in den Vordergrund stellten. Im Zusammenhang damit zogen mehrere Bauern gemeinsam aus den Kreisen Grätz und Wollstein in die Wälder von Kalisch ab.

E. Schulemann, 1945.

Todesanzeigen und mehr

März 31, 2019

Als hervorragende genealogische Ergänzung erweisen sich Todesanzeigen, besonders auch in dem Kontext, wenn man keinen Zugriff auf die entsprechenden Standesamtsunterlagen besitzt. Und in der Regel bieten diese Meldungen weit mehr Informationen. Aktuell bearbeite ich die Anzeigen für die Jahre 1939 bis 1945 in den Kreisen Wollstein, Grätz, Neutomischel und Schmiegel. Beispiele:

Noch unfaßbar traf mich die Nachricht, daß mein über alles geliebter, stets um mich besorgter Lebenskamerad, unserer Kinder liebster und bester Vati, mein jüngster Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Schwiegersohn, Panzergrenadier und Gefreiter Paul Klose, Inhaber des Verw. Abz. in Schwarz für Führer, Vaterland und Heimat am 27.06.1944 im Osten im 38. Lebensjahre den Heldentod starb.

In tiefer Trauer: Edith Klose, geb. Franz, seine Lieblinge Hannelorchen, Anite und Klein-Hans-Jürgen.

Wollstein, den 27.07.1944.

Hart und schwer griff das Schicksal in mein junges Eheglück und nahm mir mein Bestes, meinen heißgeliebten, treusorgenden Mann, einzigen Sohn und Schwiegersohn, den Obergefreiten Kurt Ziebeil, geb. am 03.03.1918. Sein junges Leben opferte er am 23.04.1944 nördlich Sewastopol.

In unsagbarem Schmerz: Deine dich nie vergessende Gattin Irene, geb. Simon, Martha Ziebeil (Mutter), Florian und Maria Simon (Schwiegereltern), Adelheid (Schwägerin), alle Verwandten und Bekannten, die ihn liebhatten.

Neutomischel, den 02.07.1944.

Die Anzeigen beziehen sich nicht nur auf Kriegsteilnehmer; auch Geburten und Vermählungen finden Beachtung. In der Wollstein-Mailingliste sind die Meldungen aus den oben genannten Jahren abrufbar und werden weiterhin ergänzt.

Die unbekannte Frau Fechner

März 25, 2019

Die hier gezeigte Dame war eine geborene Fechner aus Dombrofker Hauland, im Kreis Bomst in der Provinz Posen. Wahrscheinlich entstand die Aufnahme zwischen 1896 und 1900 in Wollstein. Ihre Vornamen sind ungesichert, zwei Versionen sind möglich. Der genealogische Kontext ihrer Vorfahren ist erforscht.

Wer kann diese Dame identifizieren und besitzt entsprechendes Hintergrundwissen? Wen heiratete sie und wie verlief ihr weiteres Leben? Existieren Nachfahren? Jedweder Hinweis in diesem oder erweiterten Zusammenhang ist willkommen.

Fahnenweihe des Kriegervereins Wollstein & 3. Kreiskriegerverbandsfest in Wollstein. Teil II.

März 18, 2019

Fortsetzung von Teil I.

Mit einem poetischen Glückwunsch überreichte danach Frl. Bongscho ein von den Damen gestiftetes Fahnenband und die Vertreter einer größeren Anzahl Vereine Fahnennägel. Auch vom Provinzial-Landwehrverband, dem Kreiskriegerverbande, dem Landwehrverein Grätz, Herrn Landtagsabgeordneten v. Wentzel waren Fahnennägel gestiftet worden. Gesang des Seminar-Chors beschloß die wirkungsvolle Feier.

Nun setzte sich der imposante Zug, der 25 Kriegervereine mit 22 Fahnen und über 1000 Mitglieder umfaßte, wieder in Bewegung, durchzog die Posener, Fraustädter, Bergstraße und gelangte über den Markt gegen 2 ¼ Uhr nach dem Schützengarten, wo die verschiedenen Trinkstätten von den in der Sonnenglut fast verschmachteten Teilnehmern gestürmt wurden. Um 3 Uhr begann das offizielle Festessen im Saale des „Viktoria-Hotels“, an dem etwa 100 Herren teilnahmen. Den Kaisertoast brachte hier Herr Landtagsabgeordneter v. Wentzel-Belencin aus, den Dank der Gäste stattete Herr Landrat v. Pommer-Esche aus Grätz ab, während Herr Hauptmann Lämmerhirt den städtischen Vertretern für ihr Erscheinen und für die pekuniäre Beihilfe zu dem Fest dankte, worauf Herr Beigeordneter Krause erwiderte und auf den Festverein sein Glas leerte.

Das Essen, bei dem die Rawitscher Regimentskapelle konzertierte, nahm dank der guten Speisen und Getränke, einen animierten Verlauf. Inzwischen war ½ 5 Uhr geworden und die höchste Zeit zum Beginn des großen Gartenkonzertes im Schützenhause, zu dem sich ungezählte Besucher eingefunden hatten, sodaß sich bald ein toller Trubel entwickelte, in dem leider manch schönes Musikstück der braven Fünfziger verloren ging. Nach dem Regen wurde das Konzert fortgesetzt und beendet und das Fest mit dem üblichen Tänzchen beschlossen, das erst in früher Morgenstunde sein Ende fand.

Die Fahne ist aus der Fahnenfabrik in Bonn am Rhein hervorgegangen und zeigt auf der Vorderseite von blauem Sammet den Namen des Vereins in Seidenstickerei, auf der Rückseite von weißem Atlas die Germania ebenfalls in Seidenstickerei. Auch das kostbare Fahnenband hat die Bonner Fahnenfabrik geliefert.

1910. (Schreibweise original)

Der Zeppelin läßt auf sich warten…

März 12, 2019

Die vielen Verehrer Zeppelins, die sich bereits für die Fahrt nach Breslau gerüstet haben, um das Luftschiff, sei es in seinem stolzen Fluge oder gar gelandet, zu sehen, werden ihre Ungeduld noch einige Zeit die Zügel anlegen müssen, da die Fahrt Friedrichshafen-Wien-Dresden verschoben ist. Durch die Presse geht nämlich folgende Meldung: Wie die Luftschiffbau-Gesellschaft Zeppelin mitteilt, haben die Versuchsfahrten mit dem „Z. 6“ mit verschiedenen Neuerungen notwendige Aenderungen ergeben.

Der Zeppelin über Berlin

Es erscheint dem Grafen Zeppelin deshalb vorsichtiger, eine Fernfahrt nicht zu unternehmen, bis noch eine gründlichere Erprobung erfolgt ist. Die Fahrt nach Wien und Dresden muß daher zurzeit abgesagt werden. Graf Zeppelin selbst teilte der Redaktion der „Wiener Neuen Freien Presse“ mit, daß der Motor des Luftschiffes nicht einwandfrei funktionierte und er die Reise nicht unternehmen kann, da er für den Erfolg nicht einstehen könne. Vor dem Spätherbst könne er jedenfalls nicht daran denken, die Reise nach Wien anzusetzen.

Die Zeitungen gaben bereits ausführlichste Ratschläge, wo man das Schiff am besten beobachten könne. Der Kommandant der Luftschifferabteilung sandte gestern nachmittag einen genauen meteorologischen Bericht nach Friedrichshafen. In Hofkreisen will man wissen, Fürst Fürstenbergs Reise nach Berlin hänge mit der Angelegenheit zusammen. Kaiser Wilhelm wünsche selbst bei Zeppelins Ankunft in Wien zugegen zu sein. Der Zeitpunkt der künftigen Fahrt sei schon bestimmt.

Graf Zeppelin & Kaiser Wilhelm II.

Im Juni 1910. (Schreibweise original)

Chronologie

Der Zeppelin kommt

Lotterie für Graf Zepplin

Flederborn

März 6, 2019

In Ergänzung des Artikels Meldungen aus Flederborn – folgt hier nun eine kurze historische Beschreibung jenes Ortes.

Flederborn (Kreis Neustettin, Pommern). 1 Meile von Ratzebuhr gegen Süden an der Wallachseeschen Heide gelegen, nicht weit von der Küddow hat 1 Lehnschulzen, 1 Lehnkrüger, 2 Freyen, 24 Bauern, 3 ganze und 4 halbe Coßäthen, 12 Büdner, 1 Predigerwittwenhaus, 1 Müllerhaus, 1 Schulmeister, der jährlich ein königliches Gnadengehalt von 80 Rthlr. erhält, 1 Schmiede, 54 Feuerstellen, eine zu der Neu-Stettinschen Synode gehörige Kirche, die ein Filial von Wallachsee ist, mittelmäßige Aecker und Wiesen, einen eigenen Buchenwald nebst einigen Ellern und gränzet an die Westpreußische Stadt Jastrow, an das Westpreußische Dorf Strasfurt, an die Pommersche Stadt Ratzebuhr und an die Pommerschen Dörfer Burzen, Pinnow und Wallachsee.

Seit 1766 ist das Dorf Flederborn mit einem privilegirten Tuchmachergewerke versehen, so jetzt aus 20 Gewerksmeistern bestehet, die theils in Büdnerhäusern, theils bey den Bauern wohnen, deren Häuser gröstentheils 2 Stuben haben. Der Lehnschulze ist jetzt zugleich königlicher Fabrikeninspector. Die kleine Landstraße aus Westpreußen nach Danzig gehet durch das Dorf Flederborn, daher hier auch ein zu Ratzebuhr gehöriger Rebenzoll angeleget worden ist. Dieses Dorf ist in der Mitte des 16ten Jahrhunderts erbauet worden.

Auf den von dem Herzoge Philipp am 18. März 1615 ertheilten Befehl wurde von dem fürstlichen Hauptmann zu Neu-Stettin Peter Somniß zu Grumsdorf, Otto Rüdiger Glasenapp zu Altenwall und dem fürstlichen Neu-Stettinschen Burggerichtsnotarius George Plönzig in dem Jahre 1615, eine Vermeßung der Flederbornschen Feldmark vorgenommen, nach welcher in dem ersten Felde zwischen den Tulzen so an die Wallachseesche Gränze stößet, 505 Morgen 54 Ruthen, ohne die Wiesen in dem andern Felde nach den Ziegenbrüchern, 606 Morgen 125 Ruthen, ohne die Wiesen in dem dritten Felde nach der Tusche oder unter den Bergen 555 Morgen 65 Ruthen, mit Ausschließung des grossen Tulzes, so damals nicht vermeßen worden ist und also in allen 3 Feldern mit Ausschließung des Tulzes, 1666 Morgen 244 Ruthen heraus gebracht wurden.

Aus dem Jahr 1784. (Schreibweise original)

Fahnenweihe des Kriegervereins Wollstein & 3. Kreiskriegerverbandsfest in Wollstein. Teil I.

März 3, 2019

Ein schönes Fest liegt hinter uns. War es auch nicht ganz von der Ungunst des Wetters verschont, so vermochte der zwischen 6 und 7 Uhr hereinbrechende plötzliche Gewittersturm- und Regen die Tausende, welche den Schützenhausgarten bis auf den letzten Platz gefüllt hatten, nicht zu vertreiben und das Fest vorzeitig zu beenden; man suchte Unterschlupf in gedeckten Räumen, so gut es eben ging und genoß, als die Gewitterwolken vorüber gezogen waren, die nach dem Regen doppelt schöne Juniluft in vollen Zügen, bis spät in die Nacht hinein. Die Hunderte aber von Kriegern, welche aus allen Teilen des Kreises und von weiter her zusammengekommen waren, um die Fahnenweihe des hiesigen Vereins und das 3. Kreiskriegerverbandsfest feiern zu helfen, sie werden hoffentlich vollbefriedigt heimgekehrt sein und gern an die schönen Stunden zurückdenken, die ihnen in unserer guten Stadt Wollstein geboten wurden.

Unserm nachstehenden Bericht über den Verlauf des Festes behalten wir uns vor, einen ausführlicheren folgen zu lassen. Schon am Tage vorher hatten die Straßen der Stadt ihr Festkleid angelegt. Drei große Ehrenpforten waren errichtet worden, Fahnen und Wimpel, Girlanden und Laubbäume grüßten die Festteilnehmer, die am Festmorgen mit den zwischen 10 und 11 Uhr eintreffenden Eisenbahnzügen, oder auf mit Maien geschmückten Leiterwagen angekommen waren. Vom Bahnhof aus wurden sie alle gegen 11 ¼ Uhr eingeholt, und in den Bleßmannschen Garten geleitet, wo ein Frühschoppenkonzert stattfand, während die Fahnen nach dem Rathaussaal eskortiert wurden.

Bei einem Glase Freibier vergnügten sich die Festteilnehmer in den Gartenlokalen der Stadt bis zu den um 12 ½ erfolgenden Antreten zum Festzuge in der Unruhstraße. Der Festzug setzte sich um 1 Uhr in Bewegung und zog durch die Königsstraße zum Marktplatze, wo vor der dort errichteten Tribüne haltgemacht wurde. Es begann alsbald, nachdem die geladenen Gästen aus dem Magistratssitzungssaale eingeholt worden waren, die Weihefeier, welche durch den Gesang des unter Leitung des Herrn Seminar-Musiklehrers Sanik stehenden Seminarchors „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ eingeleitet wurde. Sodann betrat der Vorsitzende des hiesigen Kriegervereins Herr Hauptmann d. L., Realschuldirektor Professor Dr. Lämmerhirt die Rednertribüne, um in seiner Ansprache die erschienenen Krieger und sonstigen Gäste zu begrüßen und ihnen für ihr Erscheinen zu danken.

Gleichzeitig stattete er allen denen, die sich um das Gelingen des Festes verdient gemacht, seinen Dank ab und schloß mit einem dreifachen Hurrah Se. Majestät den Kaiser, das in der tausendköpfigen Festversammlung einen brausenden Wiederhall fand. Nach ihm nahm der Vorsitzende des Kreiskriegerverbandes, Herr Zollinspektor Twachtmann das Wort zu seiner Weiherede, in der er in trefflichen Worten den Verein an dem Tauftage seiner neuen Fahne an die Pflichten mahnte, die dieselbe verkörpern solle; Pflichten der Dankbarkeit gegen die Gründer des geeinigten deutschen Reiches, Pflichten der Treue gegen Gott, gegen König und Vaterland. Die Fahne, welche von 20 weißgekleideten Ehrenjungfrauen in einer Blumengirlande im Festzug getragen worden war, entfaltete sich in ihrer Schönheit und erhielt den Weihegruß unter dem Donner von Kanonenschlägen. Mit einem brausend erklingenden Hurrah auf das Vaterland schloß der Redner.

(Schreibweise original), Fortsetzung folgt…

Herr Heinrich und seine Odyssee

Februar 25, 2019

Der Fleischergeselle Wilhelm Heinrich aus Gloden, Kreis Bomst gebürtig, wurde von den Klafterschlägern im Renskoer Walde mit starken Knüppeln so geschlagen, daß ihm ein Arm und ein Bein gebrochen wurde und er leblos zur Erde fiel. Ein im Walde anwesender Holzwagenführer lud den Heinrich auf und übergab denselben dem Schulzen zu Rensko behufs dessen Kur und Verpflegung. Der Schulze erfuhr, daß der Schwerkranke in 2 Meilen Entfernung und zwar in der Stadt Rostarzewo (Rothenburg an der Obra), Kreis Bomst einen Vater habe. Er schaffte daher den Heinrich auf einen Wagen und lud ihn ohne Weiteres daselbst ab. Die Stadt Rostarzewo erblickte in Heinrich eine nicht in ihre Armenpflege gehörige Persönlichkeit. Es wurde daher dort abermals ein Wagen zurecht gemacht, Heinrich auf denselben geladen und nach der Stadt Wielichowo gebracht, weil in derselben sich das der Gemeinde Rensko vorgesetzte Königliche Distrikts-Amt befindet.

Das letztere sollte den Heinrich wieder in die Gemeinde schaffen, wo er geprügelt, arm und hilflos geworden und zuerst verladen worden war. Der Distriktsbeamte erklärte jedoch, daß ihm dergleichen Sachen nichts angehen. Sonach befand sich Heinrich im tiefsten Winter vogelfrei und mit gebrochenem Arm und Bein auf der freien Straße in der Stadt Wielichowo, wodurch der Vertreter der Stadt sonach gezwungen war, für die Kur und Verpflegung des beinahe Halbtodten zu sorgen. Die Verpflegung konnte aber nur für 7 Sgr 6 Pf incl. Wohnung, Wäsche, Heizung pp. erfolgen. Auch war es geboten, einen Arzt herbeizuholen, damit derselbe die zerschlagenen Glieder des Heinrich wieder herstelle.

Die Gemeinde Rensko wurde nun direct aufgefordert, für die weitere Pflege des Heinrich zu sorgen und da sie dies nicht that, das vorgesetzte Königl. Landrathsamt ersucht, im Aufsichtswege, die Verpflichtete anzuhalten. Diese Behörde erklärte sich in der Sache nicht zuständig und verwies an die Posensche Deputation für das Heimathwesen. Auch diese erkannte in ihrer Sitzung vom 11 April wegen Incompetenz auf Abweisung der Stadtgemeinde Wielichowo. Die letztere Gemeinde wandte sich nun endlich wegen ihrer Auslagen an die Landarmen-Direction zu Posen, worauf diese sich nur zur Bezahlung von 5 Sgr pro Tag unter Abweisung der liquidirten Gebühren und Fuhrkosten für den Arzt verstand. Es wurde behauptet, Heinrich hätte in die nächste Lazarethstadt verladen werden müssen. Dieser Vorwurf wurde dadurch widerlegt, daß es schon die vom Arzte gesteiften und verbundenen Glieder des Erkrankten nicht gestatteten, ihn so lange herumzufahren, bis sich eine Lagerstadt ermittelt hätte, die ohne andere gesetzliche Verbindlichkeiten die Heilung des Genannten gratis übernommen hätte.

Darauf wurden die Arzneikosten noch angewiesen, ungeachtet dessen hat die ganz unschuldige Stadt Wielichowo durch Verpflegung 35 Tage à 2 Sgr 6 Pf, 2 Thlr 27 Sgr 6 Pf und durch Prozeßkosten an die Heimath-Deputation 3 Thlr 7 Sgr 8 Pf in á 6 Thlr 5 Sgr 2 Pf Schaden erlitten. Durch die Wegräumung des Kranken wälzt sich also nun die betreffende Gemeinde die ihr nach 28 des vorallegirten Gesetzes auferlegte Verpflichtung einfach ab. Weitere Consequenzen verfolgt jene Gesetzesstelle nicht und so kann derselben auch ein Nachdruck nicht verschafft werden. Ordnungsstrafen Seitens der Königl. Landräthe gegen einen gefühllosen Schulzen würden kaum eine bessere Handhabung der erwähnten Gesetzesstelle herbeiführen, im schlimmsten Falle scheidet der Schulze aus seinem Amte oder er opfert schon für die Gemeinde 1 Thaler Ordnungsstrafe, weil dieselbe beim Fortschaffen des in ihre Armenpflege nicht unmittelbar gehörenden Armen dennoch besser wegkommt als beim Behalten desselben. Die Organe eines civilisirten Großstaates dürfen es daher für die Folge nicht dulden, daß Arme und Kranke auf die geschilderte Weise verladen werden.

In der Jetztzeit findet sich Niemand bereit, die Beköstigung nebst Wohnung und Wäsche eines Erwachsenen für 5 Sgr täglich herzugeben. Demgemäß wird es Behufs besserer Ausführung des § 28 des Unterstützungsgesetzes vom 6 Juni 1870 als unbedingt nothwendige Maaßregel erachtet, dies Gesetz dahin zu ergänzen, daß gegen denjenigen welcher einen Kranken oder Armen aus einer Ortschaft in die andere, Zwecks der Loswerdung der pflichtmäßig obliegenden Armenpflege wegen schafft, eine Strafe von 100 Thlr oder verhältnißmäßige Haft festgesetzt wird, ferner daß der Armenverband des losgewordenen Armen dennoch verpflichtet bleibt, die sämmtlichen Kur und Verpflegungskosten eines solchen Verarmten der zur Verpflegung durch Zufall hineingerissenen Gemeinde zu entrichten und endlich daß diese Kosten ohne Weiteres im Administrativwege beizutreiben sind. Dadurch würde ein wichtiges Ziel erreicht werden und das Verladen und Wegräumen der Armen und Kranken in kurzer Zeit verschwinden.

So trug es sich zu, im Jahr 1874. (Schreibweise original)

Anmerkung. Ohne explizite Ansätze prüfe ich nicht alle Jahrgänge der Geburten von Gloden, um oben genannten Wilhelm Heinrich zu identifizieren. Wer Hinweise auf jene Person hat, kann dies hier im Kommentarfeld melden oder per Mail (siehe Kontakt) oder als Mitglied der Wollstein-Mailingliste entsprechend in der Liste.

Das Leben eines Landstreichers

Februar 22, 2019

Carl Ferdinand Franz Christian Cords, Büchsenmacher, geboren zu Schönebeck, Sohn des jetzt in Delitzsch angestellten Steuer-Einnnehmers Cords. Alter 29 Jahre, geboren am 21. November 1835, Statur 66´´, schlank, Haar und Augenbrauen blond, Stirn hoch, Augen blaugrau, Nase aufgestülpt, Kinn oval, Bart blonder schwacher Schnurrbart, Gesicht oval gesund. Kennzeichen auf der linken Hand, zwischen Zeigefinger und Daumen eine Narbe.

Seit mehreren Jahren der Landstreicherei ergeben, lebt Cords nur vom Betrug und Betteln. Seine Heimath-Behörde hält ihn für unverbesserlich und bedauert, daß er seinem Vater, einem geachteten Manne, so viel Kummer und Schande gemacht habe. Nachdem Cords früher wegen Bettelns an verschiedenen Orten bestraft und er vergebens wegen müßigen Umhertreibens in die Heimath gewiesen worden war, erhielt er noch folgende Strafen: Im Herbst 1860 zu Strzelno wegen Bettelns und Straßenunfugs mehrere Tage Gefängniß, am 18. September 1860 zu Grünberg in Pr. wegen Landstreicherei 14 Tage Gefängniß, am 20. Oktober 1860 in Eilenburg wegen Bettelns 24 Stunden Gefängniß durch Urtheil des K. Kreisgerichts zu Stettin, vom 18. März 1861 wegen Erregung eines öffentlichen Aergernisses durch Verletzung der Schamhaftigkeit wegen Bettelns, Fälschung von Legitimations- und Führungs-Attesten 5 Monate Gefängniß, laut Urtheil desselben Gerichts vom 5. April 1861 wegen Beleidigung eines Beamten zu Stettin weiter 3 Wochen Gefängniß. Laut Urtheil des K. Landgerichts zu Aachen vom 29. Januar 1862 wegen Bettelns unter Vorspiegelung eines Unglücksfalles 14 Tage Gefängniß, worauf er 9 Monate lang in das Arbeitshaus Brauweiler gesperrt wurde.

Dort erhielt er am 22. Oktober 1862 einen Paß zur Auswanderung nach Amerika; allein er wanderte nicht aus, sondern strich in den meisten deutschen Ländern, Bettelei und Schwindelei treibend umher. Er wurde in Folge dessen ferner bestraft: Am 19. Mai 1863 vom Kurfürstl. Hess. Justizamt Netra wegen Bettelns mit 5 Tagen Gefängniß, am 23. Juni 1863 zu Paderborn wegen Bettelns, Landstreicherei, Führung eines falschen Namens und Fälschung von Legitimationspapieren zu 3 Monate Gefängniß und 1jähriger Einsperrung in das Arbeitshaus Benninghausen.

Hierauf ließ er sich am 16. Oktober 1864 einen Paß zum Eintritt in eine Arbeit zu Crefeld geben, den er aber zur fortgesetzten Landstreicherei benutzte. Er ging über Mayen, St. Wendel und Mainz nach Frankfurt und Offenbach, woselbst er auf Grund falscher Zeugnisse und unter der Rolle eines Taubstummen wahrscheinlich unter dem falschen Namen Oskar Felsenstein aus Schleswig bettelte. Er hatte auf Papier geschrieben, sein Vater, ein Prediger aus Schleswig, sei seiner deutschen Gesinnung wegen, vom Dänenkönig vertrieben worden und jetzt darbe derselbe mit Frau und 6 Kindern in Paderborn. Dieser Betrug scheint ihm viel Geld eingetragen zu haben, denn nach vorgefundenen Notizen hat er die Comité-Mitglieder der Schleswig-Holstein-Vereine aufgesucht.

Eine Familie zu Offenbach hat ihn ganz besonders reichlich an Geld und Kleidern beschenkt. Hierauf kam Cords auch hierher (Gießen) und verkaufte einen zu Offenbach geschenkt erhaltenen Rock für 7 Gulden. Dabei hatte er auf der Herberge geäußert: „bis morgen will ich zwei Röcke dafür haben – in Frankfurt habe ich 27 fl. zusammengeklopft und bin dort nicht eher weggegangen bis sie durchgebracht waren“. Gleich darauf wurde er hier verhaftet. Nachdem man über ihn nähere Erkundigungen eingezogen und ermittelt hatte, daß er in Offenbach auf betrügerische Weise gebettelt, hat man ihn, behufs seiner Bestrafung dorthin transportiren lassen, woselbst er zu einer geschärften Gef. Strafe von 4 Wochen verurtheilt worden ist.

Januar 1865. (Schreibweise original)

Anmerkung. Die Eltern waren Friedrich Wilhelm Cords und Friederike Amalia Eck.

Ausbrecher gesucht

Februar 16, 2019

Ein gewisser Joseph Walter aus dem Dorfe Kolzig in Schlesien, und Johann Friedrich Wilhelm Schulz aus dem Neu-Obraschen Haulande, Bomster Kreises gebürtig, welche Beide der Verübung des Diebstahls beschuldigt worden, sind in der Nacht vom 4. auf den 5. April d. J. (1816) mittelst gewaltsamen Durchbruchs aus dem rathhäuslichen Gefängnisse zu Kosten entwichen.

Das Publikum wird daher auf diese Verbrecher aufmerksam gemacht, und Jedermann aufgefordert, die im nachstehenden Signalement näher bezeichneten Walter und Schulz, im Fall sie sich irgendwo betreten lassen sollten, dingfest zu machen, und an das Königliche Polizei-Besserungs-Gericht zu Fraustadt gegen Erstattung der Kosten abliefern zu lassen.

Signalement.

1) Der Joseph Walter ist 18 Jahr alt, mittler Größe, hat braune Haare, blaue, eingefallene Augen, eine kurze Nase, ein kleines längliches, pockennarbiges Gesicht, trägt einen dunkelgrünen tuchenen Mantel mit einem großen Kragen, unter demselben einen aschgrauen-tuchenen mit flachen gelben Knöpfen besetzten Spenzer, eine blautuchene mit erhabenen Knöpfen besetzte Weste, ein Paar lange blau tuchene Beinkleider, gute kalblederne Stiefeln, ein baumwollenes Tuch auf weißem Grunde mit rothem Quarrees, einen ordinairen Huth, und spricht bloß deutsch.

2) Johann Friedrich Wilhelm Schulz ist mittler Größe, hat braune Haare, blaue Augen, ein glattes hageres Gesicht und eine kurze dicke Nase. Er ist mit einem grün tuchenen Mantel mit einem großen Kragen, einer rothgeblümten kattunen Weste, einem weiß leinenen Halstuch, einem Paar grün tuchenen Beinkleidern mit einem Paar geblümten blauen Tragebändern und kalbledernen Stiefeln bekleidet, und spricht bloß deutsch.

Im Juni des Jahres 1816 befanden sich beide noch auf der Flucht. (Schreibweise original)

Gewitter über Posen

Februar 10, 2019

Schwere Gewitter sind gestern abend und heute in den Morgenstunden hier (Wollstein) und in der Richtung auf Posen zu niedergegangen. Nach einem glühend heißen Tage, der die geistige und körperliche Regsamkeit aller Lebewesen lähmte, zogen abends gegen 8 Uhr schwarze Wolkenmassen über der Stadt auf, und kaum waren die meisten der schnell nach Hause eilenden Ausflügler unter dem schützenden Dache, da prasselte starker Regen herab, und nun folgte Blitz auf Blitz, rollte unaufhörlich der Donner, ein schaurig-schönes Naturschauspiel, das fast ununterbrochen die ganze Nacht bis morgens andauerte.

Den Fluren haben dieselben den langersehnten Regen gebracht. Leider sind dabei eine größere Anzahl schwerer Blitzschäden zu verzeichnen gewesen und mehrere Menschen erschlagen worden. In Schwenten fuhr der Blitz gegen 12 Uhr nachts in das Wohnhaus des Eigentümers Krumrein und äscherte es in kurzer Zeit ein. Die Bewohner konnten mit knapper Not ihr Leben retten. Um 5 ½ Uhr morgens wurde auf der Chaussee Wollstein-Obra ein Ochsengespann des Dominiums Groß Nelke, welches mit Düngerfahren beschäftigt war, vom Blitz getroffen. Die 21jährige Hofegängerstochter Brichey, welche dem einen Ochsen gerade das Joch zurecht rücken wollte, wurde erschlagen, ebenso die beiden Tiere.

Kurze Zeit darauf fuhr ein Blitz in ein Zwölffamilienhaus des Dominiums Berzyn. Dieses und eine daneben stehende Scheune brannten ab. Die hiesige freiwillige Feuerwehr war als eine der ersten auf der Brandstelle erschienen und leistete Löschhilfe. Das weiterziehende Gewitter schlug in Adamowo in die mit Getreide gefüllte Scheune des Eigentümers Opaska ein und legte sie in Asche. Nachrichten über weitere Blitzschäden treffen noch fortwährend ein. So soll auch in Wroniawy ein Mädchen vom Blitz erschlagen worden sein. Die ganze Nacht über rollte der Donner und verbreiteten die Blitze grelles Licht – es war eine Nacht des Schreckens für manche!

Die Temperatur hat sich trotz der reichlichen Regengüsse nur wenig abgekühlt. Auch in Posen dauerten die elektrischen Ladungen die ganze Nacht an. Meldungen über große Hitze liegen auch aus Berlin vor, in dessen Umgebung gestern nachmittag gleichfalls schwere Gewitter niedergingen, bei denen mehrere Personen erschlagen wurden. Ferner liegen Nachrichten über große Sonnenglut aus Hamburg, Frankfurt a. M., München, Stettin, Köln, auch aus dem Auslande, aus Wien, Brüssel, London und Rom vor, wo schwere Unwetter großen Schaden anrichteten.

So geschehen im Juli 1911. (Schreibweise original)

Unwetter über Westpreußen

Februar 3, 2019

Die furchtbaren, erst jetzt in ihrer ungefähren Tragweite zu übersehenden Verheerungen, welche die Unwetter am 13. und 14. August in West-Preußen angerichtet haben, machen es den Behörden zur ersten Pflicht, schleunigst auf Maßnahmen zu dringen, welche geeignet sind, den jetzt sehr ernst drohenden Nothständen nach Möglichkeit abzuhelfen. Wohl oder übel wird man dabei neben der jetzt immer dringender nothwendig werdenden Aufhebung des Manövers (siehe unten) auf die projektirten Bahnbauten zurückgreifen müssen. Die Landräthe der bei der Weichselstädte-Bahn interessirten Kreise werden nach dieser Richtung hin wohl die Initiative ergreifen und am 21. August in Graudenz zu einer Conferenz Behufs Berathung schleuniger Schritte in dieser Angelegenheit zusammentreten.

Das Unheil, welches die Gewitter und Wolkenbrüche am 14. August angerichtet haben, ist übrigens weit größer und umfangreicher, als alle bisherigen Berichte es schätzen ließen. Bereits in der Nähe von Königsberg beginnen die Verwüstungen. Schon dort wurde der Eisenbahndamm durch Hochwasser erheblich beschädigt. Mächtige Wolkenbrüche ergossen sich ferner über das Oberland und ließen die in das frische Haff sich ergießenden Flüßchen zu gewaltigen Strömen anschwellen, die auf großen Strecken über ihre Ufer traten, die Erndte fortschwemmten, Häuser und Stallungen umspülten, bei Braunsberg, Mühlhausen ec. die Dämme in schwere Gefahr brachten und Brücken und Wege arg verwüsteten.

Auch bei Elbing stieg das Wasser so an, daß die Schifffahrt gehemmt, die tiefer liegende Umgegend überschwemmt war. In Mühlhausen, Christburg ec. standen Wohnhäuser tief im Wasser. In Liebstadt wurden drei Scheunen durch Blitzschlag in Asche gelegt. In Bürgerwalde (Kreis Braunsberg) richtete ein Orkan große Verheerungen an Gebäuden an. Dazu fielen strichweise sehr starke Hagelschauer, so im Kreise Marienwerder, wo die Ortschaften Tromnan, Prenzlau, Paulsdorf, Hochzehren und Niederzehren stark gelitten haben. Die Felder sind ein reiner Brei. Viele Vögel, Enten, ganze Haufen Staare ec. sind erschlagen.

Die Eisenbahn-Dämme auf den Strecken Graudenz-Jablonowo und Osterode-Thorn wurden stellenweise so aufgeweicht, daß die meisten Züge erhebliche Verspätungen erlitten. Am Schlimmsten erging es aber der Marienburg-Mlawkaer-Bahn, deren Fahr-Damm zwischen Mlecewo und Nikolaiken in einer Länge von fast einer Viertelmeile so unterspült wurde, daß er fast zwölf Stunden nicht befahren werden konnte und cirka 600 Arbeiter aufgeboten werden mußten, um die rasche Wiederherstellung zu bewerkstelligen.

Schrecklich sind die Verwüstungen, welche die Kreise Marienwerder, Graudenz und Schwetz erlitten haben. Die Blitzschläge sind noch der geringste Schaden, obwohl mehrfach Gebäude eingeäschert sind. In mehreren Ortschaften ragten die Gebäude wie Inseln aus weiten See´n hervor; in anderen drangen die Wasser- und Sandmassen in die Häuser und bedrohten die Bewohner und die Viehbestände, welche Letztere schleunigst nach höher gelegenen Punkten geflüchtet werden mußten. Ganze Landstücke sind abgeschwemmt, Löcher bis zu zwanzig Fuß Tiefe ausgerissen, Gärten, Felder und selbst Waldstücke arg verwüstet. In Marusch bei Graudenz stürzte eine Mühle zusammen, in Mewe wurden eine Mauer an der Strafanstalt und ein Haus derart unterspült, daß sie mit dem Einsturz drohen. Der Schaden, welchen die Landwirthe an ihren Feldern erlitten haben, ist noch gar nicht zu übersehen. Manche dürften bereits jetzt völlig ruinirt sein.

Die folgende Nachricht vom 16. August aus Marienwerder verkündet: „Wie wir hören, hat die hiesige königliche Regierung in ihrer heutigen Sitzung im Hinblick auf die landwirthschaftlichen Nothstände beschlossen, einen Antrag auf Aufhebung des diesjährigen Divisions-Manövers zu stellen“. Die Mittheilungen, welche das Blatt aus dem Kreise Marienwerder, wie aus den Nachbarkreisen bringt, lauten höchst traurig. Es erscheint danach nur selbstverständlich, daß die Bezirks-Regierung einen solchen Antrag stellt. Möge derselbe in dem maßgebenden militärischen Kreisen eine willige Aufnahme finden!

Aus dem Jahr 1880. (Schreibweise original)

Überkluge Jungens

Januar 31, 2019

Lehrlinge, die aus der Lehre laufen, gehören heutzutage nicht zu den Seltenheiten. Die Herren Jungens sind oftmals schon so überklug, wenn sie aus der Schule entlassen werden, daß sie eine energische Zurechtweisung von Seiten des Lehrherrn nicht vertragen können; haben sie in ihrer Ansicht noch gar „zu Hause“ etwas Unterstützung, dann ist schwer mit diesen jungen „Herren“ fertig zu werden; oftmals reißen sie einfach aus.

Der Meister schützt sich in der Regel dadurch, daß er im Lehrvertrag eine Entschädigung ausbedingt, die der Vater dem Lehrherrn zahlen muß, wenn sein Sohn unbefugt und ohne begründete Ursache die Lehre verläßt. Nun hat neuerdings das Gericht entschieden, daß der Meister eines entlaufenen Lehrlings in diesem Falle eine Entschädigung fordern könne, also auch dann, wenn diese kontraktlich nicht vereinbart ist. In dem Falle ist der Meister berechtigt, für jeden auf den Tag des Vertragsbruches folgenden Tag der Lehrzeit, höchstens 6 Monate, die Hälfte des in dem betr. Handwerke ortsüblich gezahlten Gesellenlohnes als Entschädigung zu beanspruchen.

Aus dem Jahr 1912. (Schreibweise original)

Betrübliche Funde in Westpreußen

Januar 25, 2019

Zu Beginn des Monates Juni im Jahr 1877 wurde im Weichselstrom ein männlicher Leichnam entdeckt, welcher ungefähr zwei bis drei Wochen im Wasser trieb. Der junge Mann wurde auf 28 bis 30 Jahre geschätzt, „anständig gekleidet, mit einer silbernen Taschenuhr, einem Portemonnaie mit 4 Mark Inhalt, Glacéhandschuhen mit dem Namen G., Taschentücher mit den Buchstaben C. G., unkenntlichem Gesichte, starkem 4 Fuß, 5 bis 6 Zoll großem Körper, aufgefischt und daß nach Sezirung desselben, bei welcher Spuren äußerer Verletzung nicht vorgefunden wurden.“

Die Tage zogen in das Land, die Weichsel floß ungehalten in die Vergangenheit und nach drei Monaten trugen die Recherchebemühungen der Polizei ihre gebührlichen Erfolge ein und der unbekannte Mann wurde als Buchhandlungslehrling Carl G. identifiziert. Der Vater war der frühere „Polizei Inspector, C. J. G., jetzt in Berlin“ und dessen Mutter Mathilde G., jetzt in Danzig wohnend“. So nahm das unwägbare Leben den jungen Mann viel zu früh aus dem Spiel – wer weiß schon, auf welche Art und Weise. Jenes Schicksal wird ungeklärt bleiben.

Ein weiterer betrüblicher Fund betrifft Friedrich Wilhelm Fechner, welcher am 09.11.1845 in Blockwinkel bei Landsberg an der Warthe geboren wurde. Seine Eltern waren Ferdinand Fechner und Caroline Hersberg. Friedrich Wilhelm Fechner arbeitete als Strafanstaltsaufseher in der Strafanstalt Graudenz und wurde Anfang April 1884 „im Walde erschossen todt aufgefunden“.

Meldungen aus Bahrendorf

Januar 22, 2019

1891. In Bahrendorf (Kreis Briesen, Westpreußen) erschlug der Stiefsohn des Besitzers D. seinen Stiefvater mit der Axt und verwundete seinen Stiefbruder durch Axthiebe ebenfalls auf das Schwerste. Jetzt hat sich herausgestellt, daß er die That im Wahnsinn begangen hat und mußte nunmehr seine Ueberführung in´s Irrenhaus erfolgen.

1896. Der Besitzer W. aus Bahrendorf fuhr neulich mit Frau und erwachsenen Kindern zum Ablaß nach Dembowalonka. Als sie Mittags heimkehrten, lag sein schönes Gehöft in Asche. Während seiner Abwesenheit hat jemand im Stalle Feuer angelegt. Nichts konnte gerettet werden. Das Vieh auf dem Felde ist alles, was er noch behielt. Da mehrere erwachsene Töchter im Hause waren, so war für diese bereits eine gute Aussteuer in Wäsche und Betten besorgt worden, auch sie ist verbrannt. Das baare Geld, wohl an 400 Mark, fand ein gleiches Schicksal.

1910. Der frühere Besitzer des Wittenberger Gasthauses Deuble hat auf der Chausseestrecke von Bahrendorf nach Briesen eine Banknotentasche mit 7 Tausendmarkscheinen, einen großen Theil des Erlöses für das Gasthaus, verloren.

(Schreibweise original)

Tochtermord

Januar 17, 2019

Die Kindersterblichkeit war in alten Zeiten stets relativ hoch und ich kenne Fälle, in denen alle 14, 12 oder 10 Kinder eines Paares in jungen Jahren verstarben. Und subjektiv betrachtet, empfinde ich die Kindersterblichkeit bei unehelichen Kindern noch ausgeprägter, doch nur selten fand ich Einträge wie der nachfolgende, wo der traurige Sachverhalt explizit festgehalten wurde.

Im Jahr 1832 wurde ein Mädchen – ungetauft – begraben und der Pfarrer hielt fest, daß es sich um eine „ermordete Tochter“ der unverehelichten Julianne L. handelte. Zudem notierte er: „von der Mutter und Großmutter ermordet“.

Ich will dies nicht weiter bewerten, sie hatten ihre Gründe und doch ist es mehr als traurig, wenn ein kleines und unschuldiges Wesen seines Lebens beraubt wurde.