Wollsteiner Bürger. Fern der Heimat verstorben. Teil II.

Mai 18, 2018

In Anlehnung an den Vorgängerartikel Wollsteiner Bürger. Fern der Heimat verstorben. Teil I. folgt hier nun eine aktualisierte Namensliste:

Namen: Adam, Arlt, Becker, Bittner, Blümel, Bohr, Brauer, Bräuer, Degen, Druse, Eichler, Elsner, Fabiunke, Fechner, Fengler, Feyer, Gröger, Grunwald, Jacholke, Jänsch, Haake, Hecke, Heinrich, Hoffmann, Klose, Klisch, Knappe, Lehmann, Linke, Ludwig, Mankowski, May, Meinas, Müller, Ostrowski, Peschel, Rohde, Rau, Ruttig, Schädler, Schauer, Schobert, Schulz, Seiffert, Simon, Stein, Tepper, Werner, Wilhelm.

In der Wollstein-Mailingliste sind Detailanfragen in diesem Kontext ab sofort möglich.

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Wollsteiner Bürger. Fern der Heimat verstorben. Teil I.

Mai 14, 2018

Am 20. Januar 1945 traten über 7000 Deutsche aus dem Kreis Wollstein, Provinz Posen die Flucht gen Westen an – Mitte Februar 1945 erreichten sie den Ort Suhlendorf im Kreis Uelzen, Niedersachsen. Die Wurzeln in die alte Heimat sollten für immerdar gekappt sein – eine Vorstellung, die damals wohl niemand zu denken wagte. Ein Teil meiner Familie ereilte das gleiche Schicksal, wenngleich sie unabhängig von jener großen Fluchtgemeinschaft ihren Weg fanden. Es sollten 62 Jahre vergehen, bis ein Mitglied meiner Familie – ich selbst – die Heimstatt der Altvorderen, die Heimat wieder besuchte.

Zahlreiche Wollsteiner beschlossen ihr Leben nun fern der Heimat – viele in Niedersachsen. Die nachfolgenden Namen sind Teil einer Liste, welche die Verstorbenen von 1945-1952 thematisiert.

Namen: Arlt, Becker, Blümel, Bräuer, Degen, Druse, Elsner, Fechner, Fengler, Grunwald, Hein, Jänsch, Knappe, Lehmann, Linke, May, Meinas, Müller, Rohde, Schädler, Schauer, Schulz, Stein, Tepper, Werner, Wilhelm.

Drei Personen verstarben durch Kriegseinwirkung nicht in Deutschland, sind dennoch Teil der Liste. Die genealogische Herkunft der meisten Personen ist geklärt.

In der Wollstein-Mailingliste sind Detailanfragen in diesem Kontext ab sofort möglich.

Blattern auf der „Hertha“

Mai 12, 2018

England. London, 25. Jan. (1866). Vor Portsmouth liegt eine hamburgische Bark, die „Hertha“ vor Anker. Dieselbe war am 22. Oktober (1865) mit 300 Passagieren, deutschen Auswanderern, von Hamburg nach New-York ausgelaufen; heftige Stürme in der Nordsee aber verschlugen sie nach Leith, wo sie anlegen mußte, um einen Leck zu stopfen. Während des Aufenthaltes vor Leith brachen an Bord die Blattern aus; mehrere Kranke wurden zurückgelassen, als das Schiff wieder in See ging, und ein Arzt mitgenommen.

Mit vermehrter Heftigkeit trat die Krankheit von Neuem auf, als die „Hertha“ auf hoher See war, und ehe sie in Spithead anlangte, hatten schon 20 Todesfälle stattgefunden. Bei Spithead ankernd, wurde das Schiff bald nach seiner Ankunft am 15. d. M. (Januar 1866) in Quarantaine und die unglücklichen Auswanderer auf ein anderes zu ihrer Aufnahme eingerichtetes altes Schiff gebracht, da das frühere Lazareth aufgehoben worden war.

Aus dem Jahr 1866. (Schreibweise original)

Einblick in die Königliche Realschule zu Wollstein

Mai 4, 2018

In dem verflossenen Kalenderjahre hat sich die Schülerzahl der Königlichen Realschule in Wollstein dauernd über der im Anstaltsetat angesetzten Ziffer gehalten. Im letzten Vierteljahr besuchten 130 Schüler die Anstalt, darunter nicht weniger als 46 Auswärtige. Bei der Entlassungsfeier am 22. Dezember (1908) wurde drei Schülern die Freude zuteil, eine wertvolle Prämie zu erhalten: dem Untertertianer Georg Zerbe, dem Obertertianer Otto Bederke und dem Untersekundaner Hellmut Matzel.

Für die Anstalt und besonders für die Schüler der Untersekunda ist das bevorstehende Schulvierteljahr von besonderer Bedeutung, da in demselben die Schlußprüfung stattfindet, zum ersten Male seit der Errichtung der Königlichen Realschule. Den an den Ausfall dieser Prüfung geknüpften Hoffnungen ebensowohl für die Zukunft des einzelnen wie für die der aufblühenden Schule, ist die volle Erfüllung von Herzen zu wünschen.

Januar 1909. (Schreibweise original)

Das erste Familientreffen seit 300 Jahren

April 30, 2018

Im Jahr 1715 schloß ein Großelternteil von mir den Bund der Ehe – der unendliche Strom der Zeit fügte einige „Ur“ davor ein, die ich hier an dieser Stelle getrost übergehe. Ich hoffe und wünsche ihnen von Herzen, daß es eine Verbindung aus und in Liebe war und daß sie ihr gemeinsames Leben mehrheitlich in Harmonie verbrachten. Die Jahre traten rasant in die Vergangenheit ein und bald zählte diese Familie neun Kinder – und auch dieser Nachwuchs spielte eifrig mit – im Spiel des Lebens und sorgten ihrerseits für eine beachtliche Nachkommenschaft. Ob sich alle Nachfahren untereinander verstanden haben, darf bezweifelt werden und ob die einzelnen Zweige den Kontakt hielten, läßt sich heute nicht mehr wirklich eruieren. Tag um Tag verging; die Welt, das Leben änderte sich – „gewichtige“ Kriege kamen und gingen, politischer Wandel und wechselvolle alternierende Systeme beeinflußten nachhaltig die Menschen in ihrem Weltgesang.

Vor kurzem erhielt ich die Nachricht einer Forscherin, welche ihre Vorfahren in meinem Fachgebiet lokalisiert hat. Nach einer schnellen Prüfung war evident, das oben besagtes Großelternpaar auch ihre direkten Großeltern sind; sie entstammt einem 1726 geborenen Sohn und ich von der 1721 geborenen Tochter ab. Nach einem herzlichen schriftlichen Austausch erfolgte gestern unsere erste persönliche Begegnung und so wurde die Verbindung wieder hergestellt – die Nachfahren zweier Linien, die sich vor vielen, vielen Jahrzehnten im wabernden Nebel der Vergänglichkeit trennten und möglicherweise seitdem nie in Kontakt standen. Viel ist passiert in den letzten drei Jahrhunderten und noch mehr gab es zu bereden und das Konstrukt der Zeit tat das seine und lebte eine atemberaubende Geschwindigkeit.

Unsere Zusammenkunft war wahrhaftig herzlicher Natur und manchmal trifft man auf Fremde, die als Freunde von dannen ziehen. Doch dies war mitnichten so in jenem Fall – hier trafen zwei Vertreter e i n e r Familie aufeinander und entsprechend war unsere Begegnung. Die gemeinsame Verbindung ist weit, weit entfernt, doch um so näher sind wir heute verbunden. Wie würden wohl unsere gemeinsamen Großeltern das erste Familientreffen nach dieser langen Zeit bewerten?

Über das Unglück der „Gollnow“

April 25, 2018

Von einem schweren Schiffsunglück wurde der Dampfer „Gollnow“, Capitän Steingräber, betroffen. Derselbe unterhielt eine regelmäßige tägliche Verbindung zwischen Stettin und Gollnow und hat besonders an den Tagen vor den Stettiner Wochenmärkten sehr starke Ladung von Fahrgästen, Vieh und landwirthschaftlichen Artikeln. Auch war dies neulich der Fall, als der Dampfer Nachmittags 2 Uhr Gollnow verließ. Nach einstündiger Fahrt machte sich etwa eine Meile von Gollnow, zwischen Redlin und Fürstenflagge, bei dem sog. „Schneckenhorst“ Wasser im Schiffsraum bemerkbar und das Schiff legte sich nach Backbord über, weshalb angeordnet wurde, daß die Fahrgäste, etwa 50, sich mehr auf der anderen Seite halten sollten.

Nun drängte plötzlich alles nach der Steuerbordseite, diese wurde zu stark belastet, der Dampfer schlug plötzlich nach dieser Seite um und kenterte. Die meist aus Kartoffeln bestehende Ladung und das Vieh schoß in’s Wasser, den größten Theil der Fahrgäste mit fortreißend. Wenn es die Nähe der Ufer auch möglich machte, daß sich die Menschen retteten, so wurden doch eine Frau und zwei junge Mädchen vermißt. Die Leiche der ersteren wurde bald gefunden, während die beiden letzteren wohl unter der Ladung liegen.

Als Ursache des Unfalls wird angenommen, daß Fahrgäste unbefugter Weise die im Bug des Schiffes dicht über dem Wasserspiegel liegenden Fenster, die sog. „Bullenaugen“, geöffnet haben und dadurch Wasser in den Raum geströmt ist.

So geschehen im Jahre 1893. (Schreibweise original)

Detailsuche: Fechner.

April 20, 2018

01. Gesucht werden jegliche Informationen und Hinweise im Kontext nachfolgender Personen mit dem Namen Fechner aus Dorf Borui im Kreis Bomst in der Provinz Posen.

* 1871 – Fechner, Anna Wilhelmine Auguste
* 1872 – Fechner, Gustav Adolph

Eltern: Johann Gottlieb Fechner und Johanna Eva Rosina Hirte.

Die genealogische Herkunft der Eltern ist geklärt, doch der Verbleib und Lebensweg der Kinder und Eltern ist von Interesse. Jedwede Information ist willkommen, explizit auch ein Kontakt mit möglichen Nachfahren.

02. Gesucht werden jegliche Informationen und Hinweise im Kontext nachfolgender Personen mit dem Namen Fechner aus Dombrofker Hauland im Kreis Bomst in der Provinz Posen.

* 1875 – Fechner, Amalie Martha
* 1885 – Fechner, Alma

Die genealogische Herkunft der Eltern ist geklärt. Wie sah der weitere Lebensweg dieser Damen aus?

03. Gesucht werden jegliche Informationen und Hinweise im Kontext des nachfolgenden Ehepaares: Johann Wilhelm Fechner und Johanne Wilhelmine Pauline Spieweg, die im Jahr 1874 in Komorowo Hauland, im Kreis Bomst in der Provinz Posen lebten. Von Interesse ist jedwede Information wie Verbleib und Lebensweg dieser Familie und ihrer Nachfahren.

Ein Ehepaar auf Zeit

April 18, 2018

In Wellington, Neu-Seeland, hat soeben eine Untersuchung stattgefunden, welche ein eigenthümliches Licht auf das Gebahren gewisser Auswanderungs-Agenten auf dem Continent wirft. Ein junger Deutscher, welcher nach Neu-Seeland auswandern wollte, wandte sich an einen von der englischen Regierung accreditirten Agenten in Bremen oder Hamburg und trug ihm sein Anliegen mit der Bitte um die nöthige Unterstützung vor. Der Agent fragte den Auswanderungslustigen ob er verheirathet sei. Als diese Frage verneint wurde, bedauerte der Agent, dem Gesuch nicht willfahren zu können; er sei angewiesen, nur Verheirathete die Auswanderung durch freie Fahrt zu erleichtern. Jedoch, fügte er hinzu, wenn der junge Mann auf seinen Vorschlag eingehe, so ließe sich Rath schaffen.

Ein lediges Frauenzimmer wolle auch nach Neu-Seeland auswandern; sobald der junge Mann sich nur pro forma als dessen Ehegatte einschreiben ließe, so sei allen beiden geholfen. Der Deutsche willigte ein. Als das Schiff die Reise antrat, sah er an Bord desselben zum erstenmale die Person, für deren Ehemann er galt. Sie scheint keinen besonders guten Eindruck auf ihn gemacht zu haben, denn als man Beiden eine Cabine, welche sie als Eheleute theilen sollten, anwies, protestirte der junge Mann entschieden dagegen.

Dies half jedoch Nichts. Capitän und Schiffsarzt erklärten ihm, er und die Frauensperson seien als Mann und Frau eingeschrieben, und für Eheleute werde nur eine Cabine bewilligt. Der unglückliche Auswanderer mußte gegen seinen Willen die Rolle des Ehemannes während der ganzen langen Fahrt weiter spielen. Kaum in Wellington an´s Land gestiegen, begab sich der Deutsche zu dem Consul seines Landes und führte Beschwerde. Die Untersuchung, welche von Seiten des Consuls angestrengt wurde, hat nun ergeben, daß die Frauensperson, deren Ehemann der junge Auswanderer spielen mußte, eine höchst anrüchige Vergangenheit hinter sich hat, und daß für sie von der Gemeinde, welcher sie angehörte und welche sich ihrer durch die Auswanderung entledigen wollte, das volle Geld für die Ueberfahrt dem Agenten bezahlt worden ist.

Im Juli 1876. (Schreibweise original)

Ein eigentümliches Unglück

April 15, 2018

Thorn. Ein eigenthümliches Unglück hat sich jüngst in Mocker ereignet. In einer Familie wurde Kindstaufe gefeiert; als Gast wurde auch ein Soldat eingeladen. Dieser stürzte in der Dunkelheit auf dem Hofe in den Brunnen. Auf seine Hilferufe war sofort die Festgesellschaft zur Stelle, eine Leine wurde hinuntergeworfen, der Soldat band sie sich um die Hüfte; schon war er so hoch gezogen, daß man ihn hätte fassen können, da riß die Leine und nochmals stürzte der Soldat in die Tiefe. Hierbei fiel er so unglücklich, daß er das Genick brach und sofort todt war.

So geschehen im Jahr 1894. (Schreibweise original)

Symbolkraft

April 13, 2018

Vereint! Das obige Photo mit den vereinten Händen ist ungefähr 85 Jahre alt und betrifft jenen Familienzweig, der einige Mitglieder viele Jahre zuvor für immerdar in die Ferne verabschieden mußte und sie sehr wahrscheinlich nie wieder in die Arme schließen durfte. Der untere Handschlag repräsentiert zwei aktuelle Familienzweige auf zwei Kontinenten – die jeweiligen Nachfahren, welche sich temporär vereinen durften und für immerdar im Herzen tief verbunden bleiben. Welche Symbolkraft!

Chronologie

125 Jahre Australien.

Familiäre Vereinigung.

Familiäre Vereinigung. Der Akt der Tränen.

Familiäre Vereinigung. Das Wiedersehen.

Familiäre Vereinigung. Das Wiedersehen.

April 8, 2018

So bleiben also nur die Erinnerungen an diese einzigartige Begegnung, die mich immerdar lächeln lassen. Und die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen. Familie bleibt Familie. Dies waren einst meine Worte, nachdem das wundervolle Zusammentreffen mit den Nachfahren meiner Australien-Auswanderer ungerührt in die Vergangenheit eingetreten war. So floß sie also dahin, die gnadenlose Zeit und die Hoffnung auf ein Wiedersehen materialisierte sich täglich stärker und intensivierte sich mehr und mehr und ja; vor kurzem verwandelte sich die Hoffnung in die freudvolle Realität. Ich durfte meine geliebten Aussies wieder in die Arme schließen und viel kostbare Zeit mit ihnen verbringen.

Und wie schon bei der ersten Zusammenkunft fragte ich mich, was hätten wohl die Auswanderer und ihre Eltern gedacht und gesagt, wenn sie diesen Moment hätten beobachten dürfen? Was hätte jetzt dein Vorfahre zu dir gesagt? – in diesem Augenblick – fragte ich meine Verwandte und sie antwortete: „Nichts, denn er konnte kein Englisch“. Nun, damit hat sie recht, denn drei Generationen genügten, um die deutsche Sprache aus dem Erbe zu tilgen. Unsere nächste Begegnung ist bereits in Planung und auch die familiären Kontakte weiten sich aus – zunächst wurde der genealogische Kreis geschlossen und die lange verlorene Verbindung wiederhergestellt. Mittlerweile habe ich drei Kontakte nach Down Under und ich bin geneigt anzunehmen, es könnten weitere folgen.

So sehr ich die Genealogie liebe und mich nur zu gern in der Vergangenheit verliere, um mit ihr zu ringen, um ihr neue Erkenntnisse abzutrotzen, besteht sie doch mehrheitlich aus schnöder Datenerfassung und dem Verwalten unzähliger Personen – doch das Beweisen nebulöser Gerüchte und dem damit verbundenen Errichten neuer, familiärer Brücken, um schlußendlich im wahren Leben echte Menschen – Familie zu treffen – liebe und herzliche Verwandte – als Ergebnis der Forschung; ja, das ist für mich die absolute Krönung der Genealogie. Meine Lieben, wir sehen uns wieder!

Chronologie

125 Jahre Australien.

Familiäre Vereinigung.

Familiäre Vereinigung. Der Akt der Tränen.

Der geraubte Brillantring

April 1, 2018

Der Sohn einer zu Fürstenwalde wohnenden Hauseigenthümerin ließ am 6. April seinen Brillantring auf einem Fensterbrette des gedachten Hauses liegen. Das Fenster stand offen und plötzlich bemerkte man, wie mehrere Dohlen, die dem gedachten Grundstücke gegenüber auf der Spitze des Kirchthurmes nisteten, das Fenster umschwärmten und wie eine der Dohlen auf den im Sonnenscheine strahlenden Brillantring zustürzte und diesen im Fluge in ihrem Schnabel entführte. Der auf diese Weise von den Dohlen Bestohlene, ein Vorturner des Fürstenwalder Turnvereins, machte sich alsbald daran, sein Eigenthum zurückzuerobern.

Er bestieg den Thurm, erklomm dessen über 200 Fuß hohe äußerste Spitze, erreichte das Nest der Dohlen und fand darin zu seiner Freude nicht allein den Ring, sondern auch andere glänzende Metallstücke von Messing, Kupfer, Eisen, Zink, welche die Dohlen gestohlen hatten. Mit Lebensgefahr ließ sich der kühne Turner, am Blitzableiter des Thurmes sich anklammernd, zur Erde nieder und wurde von der inzwischen angesammelten staunenden Volksmenge mit Jubel begrüßt.

Im Mai 1880. (Schreibweise original)

Die Gründe für das Auswandern aus Deutschland

März 26, 2018

Ueber diesen Gegenstand hat der Landrath Boediker in Gladbach auf Grund amtlicher Quellen eine Arbeit veröffentlicht, worin er zwar, wie es von einem preußischen Beamten in diesem Falle nicht anders zu erwarten ist, sein Thema nicht erschöpfend behandelt, die aber in mehrfacher Beziehung ganz interessante Aufschlüsse gibt. Danach ist es festgestellt, daß jedesmal nach einem Kriege die Auswanderung zunimmt. Ganz besonders ist die Auswanderung nach dem letzten französischen Kriege gestiegen, obwohl in den Jahre 1871-1872 die Industrie einen riesigen Aufschwung genommen und die Arbeitslöhne in die Höhe gegangen waren.

Daneben dürfe nicht, außer Acht gelassen werden, daß die letzten Kriege in Verbindung mit der fortschreitenden Entwickelung und der Möglichkeit lohnenden Verdienstes dazu beigetragen haben, die allgemeine Wehrpflicht mit dreijähriger Dienstzeit Manchem als etwas Drückendes erscheinen zu lassen. Nicht nur in den neuen Provinzen, sondern auch in den alten habe die Auswanderung junger Männer beträchtlich zugenommen. Wichtiger noch als diese politischen Motive, welche naturgemäß bei nachlassender Kriegsfurcht und festerer Consolidation der politischen Verhältnisse zu wirken aufhören, sind die wirthschaftlichen Gründe der Auswanderung. Bei der gegenwärtigen ökonomischen Lage des deutschen Volkes und der herrschenden Zeitströmung gehen zur Auswanderung über:

1) der Handwerker in den kleinen Städten;
2) der kleine Grundbesitzer auf dem Lande;
3) Handwerksgesellen, Gehülfen und Fabrikarbeiter;
4) der ländliche Arbeiter;
5) das kleinstädtische und gewerbliche Gesinde; mithin keineswegs
allein die besitzlose Klasse.

Besonders aber sind es die ländlichen Arbeiter, welche sich nach Amerika wenden, weil ihr Verlangen nach eigener Scholle, in vielen Gegenden Deutschlands so schwer zu befriedigen ist. Nicht mit Unrecht ist die seit 1851 mehr als 120.000 Menschen umfassende mecklenburgische Auswanderung größtenteils auf eben dieses Moment zurückgeführt worden; in den östlichen Provinzen Preußen treibt die Schwierigkeit, sich ansässig zu machen und zu einigem Wohlstand zu gelangen, seit geraumer Zeit ebenfalls Viele über die See. Während in den Industriegegenden der Arbeiter wenigstens die Aussicht hat, bei dauernder Gesundheit zum Werkmeister und noch weiter zu avanciren, besteht diese Aussicht für den ländlichen Arbeiter so gut wie gar nicht.

Er lebt in den Verhältnissen seiner Eltern und Großeltern weiter, aus deren Banne es für ihn kaum einen Ausweg gibt. Und selbst wenn er es zu einem kleinen Besitz bringe, so nährt derselbe ihn entweder nicht oder nur kümmerlich bei den alles Maß übersteigenden Steuern. Die nordamerikanische Regierung unterstützt nach Boediker den Zuzug von Einwandern auf’s Lebhafteste und befödert somit auch ihrerseits nicht wenig die Auswanderung. Hierzu kommt die Billigkeit,
Gefahrlosigkeit und Bequemlichkeit der Auswanderung. Man sieht hieraus, das der Landrath des Pudels Kern wohl erkannt hat, wenn er die drückende Militärpflicht, welche den Bürger des deutschen Reichs von seinem 20. bis zu seinem 38. Lebensjahr, in eisernen Banden hält, als die Haupttriebfeder der Auswanderung bezeichnete.

Freilich stellt er dies als nur vorübergehend hin, aber wundern kann er sich eigentlich nicht darüber, wenn diese Auswanderung jetzt noch stärkere Dimensionen annimmt, als früher, besonders nach so überraschenden Enthüllungen, wie in den deutschen Kasernen, die Rekruten gedrillt werden.

Im Juli 1879. (Schreibweise original)

Zurückweisung und Mord

März 22, 2018

Polizei-Inspektion zu Demmin, zurückgewiesene und über die Grenze des hiesigen Regierungs-Departements transportirte Person:

Johann Nicolaus, Schmidtgesell, aus Wollstein bei Posen, Alter 43 Jahr, Größe 5 Fuß 3 Zoll, Haare braun, Augen braun, Nase gebogen, Mund proportionirt, Bart blond, Kinn rund, Gesicht oval, Statur klein, wegen Vagabondieren nach Wollstein bei Posen.

Im Jahr 1823. (Schreibweise original)

Stettin. In dem benachbarten Dorfe Nemitz kam neulich Abend der vor wenigen Tagen aus dem Zuchthause entlassene Zimmermann Schäfer in die Wohnung des Arbeiters Wachtmeister, mit dessen Tochter er vor seiner Bestrafung ein Liebesverhältniß unterhalten hatte. Wachtmeister verbat sich jeden Verkehr, aber Schäfer wußte das 23jährige Mädchen zu bewegen, ihn vor das Dorf zu begleiten. Am nächsten Morgen wurde das Mädchen auf dem Felde todt mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Schäfer wurde verhaftet und gestand ohne Zeichen der Reue die That.

Im Jahr 1894. (Schreibweise original)

Erneute Überschwemmungen in der Weichsel-Niederung

März 17, 2018

Im Jahr 1855 wurden die Bewohner der Weichsel- und Nogat-Niederungen dramatisch von extremen Überschwemmungen heimgesucht, welche unendliches Leid mit sich brachten. Fast 30 Jahre später erlebten die dort heimischen Menschen eine leidvolle Fortsetzung beachtlichen Ausmaßes und so war 1884 zu lesen…

Aufruf zur Hülfe.

Die so oft durch Überschwemmungen verheerten Weichsel- und Nogat-Niederungen sind in den Tagen des 26. bis 28. Juni d. J. wiederum durch eine Fluth heimgesucht worden, wie sie zur Sommerzeit in gleicher Höhe in diesem Jahrhundert nicht stattgefunden hat. Dadurch sind nicht nur sämmtliche Außendeiche, sondern auch die meisten der nur durch Sommer- und Staudeiche eingewallten Niederungen unter Wasser gesetzt worden. Auch haben die vollständig eingedeichten Niederungen unterhalb Thorn und Kulm Deich- und Schleusenbrüche erlitten.

Die Gesammtgröße des überschwemmten landwirthschaftlich benutzten, größtentheils sehr fruchtbaren Bodens ist auf 15,000 Hektaren und der verursachte Schaden auf 3 bis 4 Millionen Mark geschätzt. Da das Wasser nur langsam abgeflossen ist und auf manchen Ländereien bis zu 8 Tagen und länger gestanden hat, so sind die überströmten Feldfrüchte durchweg vernichtet, was um so empfindlicher ist, als der schöne Stand der Saaten nach einer Reihe geringer Erndten die besten Hoffnungen erweckte. Noch keine Hochfluth ist zu so ungünstiger Zelt eingetreten.

Die Heu- und Kleeerndte war kaum begonnen. Alles gemähte Heu ist fortgeschwemmt, das ungemähte verschlickt oder verfault. Waizen und Sommergetraide, Kartoffeln und Zuckerrüben sind gänzlich verloren, von Roggen nur ein sehr unbedeutender Bruchtheil noch verwerthbar. Die vorgeschrittene Jahreszeit gestattet nicht, von Futtergewächsen abgesehen, dem Boden eine neue Erndte abzugewinnen. So gehen denn die betroffenen Niederungsbewohner einer schweren Zeit entgegen. Zwar haben sich in allen betheiligten Kreisen Hilfsvereine gebildet und die Grundbesitzer der Höhe und der verschont gebliebenen Niederungen sind mit dankenswerther Bereitwilligkeit bestrebt gewesen, ihren Nachbarn über die ersten Schwierigkeiten hinwegzuhelfen.

Aber diese Hülfe reicht nicht aus. Es handelt sich darum, eine große Zahl meist kleiner Grundbesitzer und Pächter vor bitterer Noth und wirtschaftlichem Verfall zu schützen. Die Unterzeichneten, beauftragt von einer aus allen Theilen der Provinz beschickten zahlreichen Versammlung, wenden sich daher an den in ähnlichen Fällen oft bewährten Mildthätigkeitssinn ihrer Landsleute mit der dringenden Bitte, nach Kräften zur Linderung der Noth beizusteuern.

Im August 1884. (Schreibweise original)

Eine traurige Beobachtung

März 12, 2018

Im Jahr 1906 ereignete sich eine betrübliche Begebenheit auf dem evangelischen Friedhof in Wollstein. Bäckermeister Günther wohnte direkt gegenüber und wurde Zeuge jener Tat, wie sie das gnadenlose Leben höchstselbst in traurigen Lettern niederschrieb. Der Handelsmann Johann Traugott M., 68 Jahre alt, besuchte das Grab seines Sohnes – und ließ sich mutmaßlich von der greifbaren Trauer und der allumfassenden Verzweiflung mitreißen und beschloß in seinem tiefen Kummer – dem Schmerz endgültig zu entfliehen und seinem Leben ein Ende zu bereiten.

In unmittelbarer Nähe des Grabes stand ein Baum, welcher sein dunkles Vorhaben ungerührt goutierte und so erhängte sich Johann Traugott und entsagte damit für immerdar dieser seltsamen Menschenwelt. Bäckermeister Günther zögerte nicht lange und eilte stante pede zum Ort des Geschehens und zerschnitt beherzt den Strick. Doch die Mühe war vergebens – der Tod war längst eingetreten.

Den Einwohnern von Wollstein wurde später verkündet: „An dem Grabdenkmal seines Sohnes auf dem evangelischen Kirchhofe erhängte sich der Händler und Hauseigenthümer Traugott M. in einem Anfall geistiger Umnachtung“.

Nun, die publizierte „geistige Umnachtung“ wage ich zu bezweifeln. Ein unfaßbarer Schmerz, eine Trauer, die einem die Luft zum Atem nimmt – mitnichten. Nur zwei Jahre nach diesem Ereignis betrat auch seine Frau jenen Pfad ohne Wiederkehr und vollzog die Vereinigung mit ihrer Familie im unendlichen Reich des Nichts. Und heute? Was bleibt? Nichts. Jene tragischen Personen sind seit langem für alle Zeiten vergessen; es ist fraglich, ob es Nachfahren gab oder gibt, die in manchen Stunden daran noch Anteil nehmen. Doch an dieser Stelle, in diesem Moment möge an jene Familie erinnert werden.

Von Galizien nach Brasilien?

März 9, 2018

In der letzten Zeit trafen aus Galizien Meldungen über stürmische Szenen ein, welche sich auf den Bahnhöfen von Tarnopol, Lemberg und Krakau abspielten. Es handelte sich um ganze Gruppen von bäuerlichen Auswanderern, welche, nachdem sie Haus und Hof verkauft hatten, die Reise nach Brasilien antraten und auf den oben genannten Bahnhöfen von den Polizeiorganen an der Weiterreise verhindert wurden. Schließlich mußten die Polizeiorgane diesen Leuten die Fahrt gestatten, da kein gesetzlicher Grund vorlag, die Reise derselben ins Ausland zu hindern. Es wandern nämlich nur alte, nicht militärpflichtige Familienväter mit ihren Weibern und Kindern aus. Die Ursachen des Auswanderungsfiebers der ruthenischen Bauern in Galizien sind noch nicht klar, allein jedenfalls wird es nothwendig sein, daß sich die Regierung mit der Auswanderungsfrage beschäftigt, weil dieselbe zu einer öffentlichen Misere sich umzugestalten droht.

Auch in Wien riefen die ruthenischen Auswanderer kürzlich an verschiedenen Orten stürmische Szenen hervor, welche wir im Nachstehenden schildern: Vor einigen Tagen trafen aus der Umgebung von Tarnopol gegen 140 ruthenische Familien ein. Am Nordbahnhofe wurden sie von den hiesigen Polizeiorganen verständigt, daß laut einer Mittheilung des österreichischen Konsulats in Genua die unentgeltliche Weiterbeförderung der galizischen Auswanderer nach Brasilien eingestellt wurde. Es wurde ihnen daher der Rath ertheilt, nach Galizien zurückzukehren. Die Bauern befolgten diesen Rath nicht und traten trotzdem die Reise nach Genua an. In der Grenzstation Cormons angelangt, theilte ihnen der dort amtierende österreichische Polizeikommissär mit, daß laut eingelangter Verständigung seitens der italienischen Regierung das letzte Schiff, welches in diesem Winter unentgeltlich Auswanderer nach Brasilien beförderte, am 27. Januar bereits abgegangen sei, und da sie keine Schiffskarten besäßen, so
müßten sie über Wien nach Galizien zurückkehren.

Viele Auswanderer hatten genügende Geldmittel mit sich und sagten, sie würden sich schon in Genua Schiffskarten kaufen. Es wurden ihnen aber bedeutet, daß die italienische Regierung ohne Schiffskarten keinen Auswanderer die Grenze passieren lasse. Es wurden nun in Cormons aus den Mitteln der Auswanderer Eisenbahnfahrkarten nach Wien gekauft und alle – gegen 200 Personen – nach Wien zurückbefördert. Diese Auswanderer trafen nun mit der Südbahn in Wien ein und boten ein schreckliches Bild des Elends und der Verzweiflung. Mit schwerem Gepäck beladen, die Mütter mit ihren Säuglingen an der Brust, kleine Knaben und Mädchen, ihren Eltern weinend folgend, entstiegen sie den Coupes. Die Menge wurde in die Gepäckhalle des Südbahnhofes gebracht. Es herrschte dort begreiflicherweise eine ungeheure Verwirrung, da die Polizisten sich nur schwer mit den Auswanderern in ihrer Muttersprache verständigen konnten. Mütter suchten ihre Kinder, die Männer schleppten ihre schweren Koffer und riesig großen Bündel, und die Kinder trugen Blechkannen mit Wasser gefüllt.

Die Auswanderer erklärten, daß sie nach Galizien nicht mehr zurückkehren wollen. Sie hätten dort ihr Haus und ihr Feld verkauft, den Erlös für die Fahrkarten nach Genua ausgegeben, sie seien jetzt mittellos; sie wollten entweder nach Brasilien fahren oder in Wien bleiben, denn zu Hause würden sie Hungers sterben. Nach einer Weile traten die Männer zu einer Berathung zusammen, und es wurde beschlossen, eine Deputation, bestehend aus 27 Männern, zum Kaiser zu entsenden. Die Deputation wurde sofort gewählt und machte sich auf den Weg in die Hofburg. Als die 27 Delegirten auf dem Burgplatz kamen, wurden sie um ihr Begehren befragt. Sie erklärten, sie wollten zu ihrem Kaiser, welcher sowohl
über Wien, als auch über Galizien herrsche, damit er ihnen gestatte, entweder nach Brasilien zu reisen oder in Wien zu bleiben. Es wurden vier von den Auswanderern thatsächlich in die Kabinettskanzlei geführt, wo sie vom Regierungsrathe Sawicki empfangen wurden.

Dieser befragte sie umständlich um ihr Begehren, sagte ihnen aber, daß es Sache der Polizei sei, ob sie in Wien bleiben können. Diesen Bescheid brachten die vier harrenden 23 Bauern. Die Bauern verließen nun die Hofburg, von wo aus sie von Polizisten in die Polizeiwachstube in die Regierungskasse geführt wurden. Dort verblieben sie bis 12 Uhr Mittags und wurden mittelst Schubwagen auf den Nordbahnhof gebracht. Inzwischen spielten sich auf dem Südbahnhofe herzzerreißende Szenen ab. Die Frauen und die Kinder der 27 Delegierten jammerten und wehklagten um ihre Männer und Väter. Sie glaubten, man habe diese in eine Falle gelockt, um sie von ihren Familien zu trennen. Da die Unglücklichen seit früh im Gepäckraume froren, wurde ihnen gegen 11 Uhr Vormittags der Militärwartesaal geöffnet. Die Gepäckträger auf der Südbahn, von Mitleid gerührt, veranstalteten unter sich eine Geldsammlung, um für die kleinen Kinder, welche nichts zu essen hatten, Milch zu kaufen. Einer von den Gepäckträgern eilte in die Steierische Milchmeierei um fünfzig Liter Milch. Als die Steierische Milchgenossenschaft die Bestimmung der Milch erfuhr, stellte sie den Auswanderern achtzig Liter Milch unentgeltlich zur Verfügung.

Das Jammern der Frauen und Kinder der siebenundzwanzig abwesenden Delegierten, welche, wie bereits erwähnt, noch Mittags auf den Nordbahnhof gebracht wurden, dauerte unterdessen fort. Um halb fünf Uhr Nachmittags fuhren am Südbahnhofe zwei offene Streifwagen vor, um die Auswanderer zum Nordbahnhofe zu befördern. Diese weigerten sich aber ganz einschieben, die Wagen zu besteigen Ebenso weigerten sie sich auch, die zwei angekommenen Schubwagen zu besteigen. Die Szenen, die sich hier abspielen, sind schwer zu schildern; die Frauen warfen sich unter Jammern und Schreien zu Boden und erklärten, sie würden sich nicht vom Flecke rühren, und auch die Kinder leisteten verzweifelten Widerstand und mußten von den Wachmännern förmlich in die Wagen getragen werden. Schließlich gelang es der Polizei, alle Auswanderer in die Wagen zu bringen.

Auf dem Nordbahnhofe wurden die ersten 27 Auswanderer, welche die Deputation zum Kaiser gebildet hatten, in die Arbeiterkantine, unterhalb des Nordbahn-Postamtes gebracht. Auch diese jammerten um ihre Frauen und Kinder. Weder das Zureden des Polizei-Oberkommissärs Kalinowicz, welcher sich mit ihnen in ihre Muttersprache verständigte, noch die beruhigenden Worte des Polizei-Bezirksleiters Oberkommissärs Kenda und des Polizeikommissärs Semek vermochten die Leute zu beruhigen. Die Männer weigerten sich, Speise oder Trank zu sich zu nehmen, und erst, nachdem der erste Transport vom Südbahnhofe mit den Auswanderern eingetroffen war, beruhigten sie sich einigermaßen.

Das Bild, welches sich in den Nachmittagsstunden in der weiten, aber niedrigen und dumpfen Arbeiterkantine am Nordbahnhofe darbot, spottete jeder Beischreibung. Der Raum war mit Auswanderern überfüllt, der Fußboden war mit allerlei Gepäck bedeckt, auf demselben hockten weinende Kinder, wehklagende Weiber und jammernde Männer, die stets nur immer wieder sagten: „Wir werden doch nach Brasilien gehen!“ In einem anderen Winkel des Saales, an einem langen nichtgedeckten Tische saß der Polizei-Oberkommissär Kalinowicz, Polizeikommissär Semek und ein Zivilwachmann. Dort wurde von denjenigen, welche noch Geld hatten, Geld für Fahrbillets nach Tarnopol, denn alle Auswanderer stammen aus der Tarnopoler Gegend, in Empfang genommen und ihre Namen aufgeschrieben. Dann besorgte der Zivilwachmann den Ankauf der Fahrkarten. Mit großer Umsicht leitete der Bezirksleiter der Leopoldstadt, Polizeirath Kenda, die Aktion, und seiner Intervention ist es zu danken, daß alle Auswanderer mit dem um halb 8 Uhr abgehenden Krakauer Zuge nach Galizien befördert werden konnten.

Gegen zwanzig Bauern erklärten, daß sie ganz mittellos seien. Diese würden ins Polizeigefangenhaus gebracht und werden morgen per Schub nach Galizien befördert werden. Die Einwaggonierung der Auswanderer bot einige Schwierigkeiten. Einige Bauern erklärten, sie wollen durchaus in Wien bleiben und hier Arbeit suchen, andere sagten, sie hätten englisches Geld – was auch richtig war – und wollten es in Wien einwechseln; wieder andere, besonders die Frauen, klagten, daß sie ihr Reisegepäck nicht haben, es fehlten ihnen ihre Polster und der Bündel mit Brod. Es gelang schließlich, alle Auswanderer in vier Waggons unterzubringen und um halb 8 Uhr fuhren die Auswanderer in die Heimath!

Was werden sie dort in der Winterszeit anfangen? Um Spottpreise haben sie Haus und Hof verkauft, der Erlös des Verkaufes ist auf die Reisen von Tarnopol nach Wien, von da nach Cormons und von dort retour nach Wien und Tarnopol aufgegangen. Wie es kam, daß die Bauern sich zur Auswanderung entschlossen, illustriert die Mittheilung mehrerer Bauern aus dem Dorfe Bucnow. Der dortige Gemeindeschreiber Martin Kloc sei, so sagen sie, von Haus zu Haus gegangen, um im Auftrage der Bezirkshauptmannschaft, diejenigen zu konskribieren, welche nach Brasilien auswandern wollen. Er sagte ihnen, „der Kaiser habe befohlen, daß die ärmeren Bauern ihr Haus verkaufen und nach Brasilien auswandern mögen“.

In einem andern Dorfe wurde mit mittelst Trommelschlages bekannt gemacht, daß man ungehindert nach Brasilien auswandern könne. Die Bauern sagten auch, daß „Herren“ in Lemberg die Auswanderer unterstützten. Wahrscheinlich meinten sie den „St. Rafael Vereins.“ Die Bauern klagten auch über einen gewissen Trubacki aus Lemberg, welcher von ihnen per Familie 50 Gulden verlangte, um sie über die Grenze zu bringen. Da sie ihm diesen Betrag nicht zahlen wollten, so habe er deren Zurücksendung von Cormons nach Galizien bewirkt. Die Bauern erklärten bei der Abreise: „Wir kommen bald wieder hierher; wir müssen nach Brasilien, wir haben zu Hause nichts mehr zu thun, wir werden dort Hungers sterben.“

Im Jahre 1896. (Schreibweise original).

Von Pommern nach New York

März 5, 2018

Unterzeichnete Passagiere des Dampfers „Kätie“ erkennen hiermit an, daß sie sowohl mit der Behandlung als auch mit der Beköstigung während der Ueberfahrt nach New York in jeder Hinsicht zufrieden gestellt sind und nehmen hieraus Veranlassung, dem Herrn Direktor Schultz, sowie dem Kapitän und den Offizieren des Schiffes ihren herzlichen Dank abzustatten, indem sie gleichzeitig jedem Amerika-Reisenden die Benutzung dieser Linie empfehlen.

Gez.: A. Hasert aus Greifswald. Otto Wiegener aus Stettin. Frau Petermann nebst Kindern aus Stettin. Rudolph Werner nebst Familie aus Stettin. Carl Haase aus Dorotheenwalde bei Loecknitz. Willy Hasse aus Flatow. Laura Holzhauer aus Wolgast. Carl Wolter aus Pyritz. Max Weber, Tischlermeister aus Stettin. Carl Frank, Tuchmacher aus Anclam. Robert Schulz, Bauunternehmer, Grabow und Stettin. Rudolph Sell aus Springfield, Illinois (früher Bremer Linie gefahren). Elise Rolf aus Cammin in Pommern. G. Ebeling aus Stettin. Jacob Leib, Kaplan aus Rußland. Wilhelm Borchardt aus Grabow a. O.

Am Board des Stettiner Llyod Dampfers „Kätie“, den 27. August 1881.

Im Jahre 1881. (Schreibweise original).

Die Auswanderung nach Amerika nimmt in der Provinz Pommern in diesem Jahre gegen früher einen noch nie dagewesenen Umfang an. Wie aus Stettin berichtet wird, sind von Ende März bis zum 20. April aus Hinterpommern über Stettin ungefähr 5000 Personen nach Hamburg und Bremen behufs Auswanderung gereist. Von Stettin aus per Llyoddampfer „Kätin“ (korrekt: „Katie“) sind 600 Menschen nach New York abgegangen. Noch täglich passiren 100 bis 300 Auswanderer Stettin. Die meisten davon sind schon mit Freikarten versehen, die ihnen von ihren Anverwandten in Amerika übersandt wurden.

Im Jahre 1882. (Schreibweise original).

Einschulung in Greiz, 1919

Februar 28, 2018

Das sich anschließende Photo wurde im Jahr 1919 in Greiz in Thüringen für die Angehörigen jener Kinder aufgenommen, die in diesem Jahr ihre Einschulung feierten. Wer kann einzelne Personen identifizieren oder besitzt ähnliche Bilder mit den gleichen Personen? Jedweder Hinweis in diesem oder erweiterten Kontext ist willkommen.

Ein Vermächtnis

Februar 24, 2018

Der am 10. Oktober v. J. verstorbene Ausgedinger und früher gewesene Pferdehändler Christian Schulz zu Bomst hat die dasige evangelische Kirche letztwillig mit einem Geschenke von 10 Rthlr. bedacht, welcher Betrag auch von dem Universalerben desselben, dem Gastwirth und Stadtverordneten Gottlob Bensch bereits zur Kirchen-Kasse gezahlt ist. Wir bringen dieses Vermächtniß hiermit zur öffentlichen Kenntniß.

Im Jahre 1840. (Schreibweise original).