15 Tage Arrest

Februar 2, 2016

Karl Heinrich B. erhielt im ersten Weltkrieg die Strafe von fünf Tagen Arrest, weil er in leichtsinniger Weise mit einer unbekannten Frauenperson verkehrt und sich bei derselben angesteckt hat.

Bei dieser einen Strafe sollte es nicht bleiben. B. erhielt 10 Tage Arrest, weil er sich bereits im Wiederholungsfalle durch selbst verschuldete Krankheit dem Dienst entzogen und hartnäckig falsche Angaben gemacht hat.

Strafe

Nun, eine interessante Randnotiz in dem großen, lustigen Krieg. Ich frage mich, was besser ist – krank im Arrest zu liegen oder sich in zutiefst sinnloser Weise abschlachten zu lassen.

Fünfzigjähriges Amtsjubiläum für Immanuel Gotthilf Jungnick im Jahr 1896

Januar 10, 2016

Rakwitz. „Der emeritierte Lehrer Imanuel Jungnik feierte hier sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum. Dem Jubilar wurde bei der im hiesigen Schützenhause veranstalteten Feier von dem Kreisschulinspector Pastor Flatau, Jablone der Adler der Inhaber des Hohenzollernschen Hausordens überreicht.“

jungnick

Quelle: Scranton Wochenblatt im Jahr 1896

Seine zu dem Zeitpunkt längst verstorbene Ehefrau durfte dieses besondere Jubiläum leider nicht mehr erleben. Immanuel Gotthilf Jungnick war der Sohn von dem Bürger und Tuchmachermeister Christian Benjamin Jungnick und Johanne Eleonore Donke. Eine seiner Schwestern heiratete in meine Familie ein.

Jagdunglück, 1902, Jaromierz & Münzenfund, 1914, Chwalim

Januar 8, 2016

„Der Wirth Jeske zu Jaromierz schickte seinen 15jährigen Dienstjungen auf´s Feld mit dem Auftrage, von den an einem Teiche stehenden Korbweiden etliche zu holen. Der Knabe war seitdem verschwunden. Jetzt hat der Jagdinhaber Lange das Geständnis abgelegt, daß er den im Schilfe sich bewegenden Jungen für ein Stück Wild gehalten und erschossen habe. Um die That zu verbergen, hat Lange die Leiche in den Teich geworfen, später aber im Walde vergraben.”

Quelle: Scranton Wochenblatt im Jahr 1902

„Einen Münzenfund machte der Landwirt Kliem in Chwalim beim Abbrechen eines alten Badofens. Er fand dabei einen Topf mit 11 Silbermünzen, die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen.”

Quelle: Scranton Wochenblatt im Jahr 1914

Brandstiftung, 1888, Kreis Meseritz & Knabenrettung, 1897, Wollstein

Januar 5, 2016

„In dem Dorf Hochwalde im Kreis Meseritz brach in einem Stalle des Wirths Johann Päch Feuer aus, welches in kurzer Zeit 11 Wirtschaften mit 21 Gebäuden einäscherte. Als Brandstifterin ist ein 12jähriges Hütemädchen ermittelt, welches den Stall anzündete, damit das Vieh verbrenne und sie es nicht mehr zu hüten brauche.“

Quelle: Hermanner Volksblatt im Jahr 1888

“Der Tagearbeitersohn Reinhold Neumann aus Karpitzko rettete zwei Knaben auf dem Wollsteiner See vom Tode des Ertrinkens. Später wurde er mit 20 Mark belohnt und der öffentlichen Bekanntmachung.”

Quelle: Der fortschritt im Jahr 1897

Alltagsgeschehen aus der Heimat fern der Heimat

Januar 4, 2016

Der nachfolgende Link führt zu digitalisierten Zeitungen in den USA, welche online einsehbar sind – in einem Zeitraum von 1836 bis 1922. Mehrere deutsche Zeitungen führten eine Rubrik, in der Meldungen aus der Heimat erschienen, beispielsweise aus den Provinzen Posen, Westpreußen, Pommern, Thüringen und andere.

Primär werden alltägliche Geschichten thematisiert, als da wären Unglücke, Inbetriebnahmen von Eisenbahnteilstrecken, Morde oder auch Silberne und Goldene Hochzeitsjubiläen. Ein mit mir verwandtes Ehepaar feierte 1886 das bedeutende Jubiläum der „Goldenen Hochzeit“, welches tatsächlich in einer Zeitung in den USA publiziert wurde. Soll heißen, eine Prüfung dieser Bestände ist durchaus empfehlenswert, da die “schnöden Forscherdaten” mit “Leben” ergänzt werden können.

Wollsteiner Brände

Oktober 16, 2015

Der große Brand in Wollstein im Jahr 1810 fand hier bereits Eingang, gleichwohl handelte es sich mitnichten um eine einzigartige Begebenheit. Schwere Brände gab es jeher. Besonders herausragend war die Feuerbrunst vom 27.08.1727, welche in der Nacht zwischen 23 und 0 Uhr in Wollstein ausbrach und entsprechend tobte. Durch die Unvorsichtigkeit eines katholischen Bürgers – welcher sich dem Branntwein brennen hingab – entwickelte sich ein alles verzehrendes Feuer. Der beste Teil der Stadt: der Markt, die Gasse nach der katholischen Kirche und die Entengasse wurden von den Flammen vernichtet. Die wohlhabenden Bürger verloren ihr Hab und Gut.

Unter ihnen war Kantor Johann Heinrich Specht, der nur sechs Stunden zuvor den Tod seiner Ehefrau zu beklagen hatte. Seine dahin geschiedene Gemahlin mußte in der Glut mitverbrennen – auch verlor er sein ganzes, schönes Vermögen. Dieser Brand war nicht viel anders, als jene, die in der Vergangenheit ungestüm wüteten; in den Jahren: 1548, 1611, 1634, 1668 und 1696. Wie immer traf es die oben erwähnten Stadtteile und wie immer – traf es nie die katholische Kirche, nie – bis auf vereinzelte Ausnahmen den weißen Berg und nie die evangelische Kirchengasse. Für die armen Abgebrannten wurden Spenden gesammelt; sie erhielten bedeutende Geschenke aus vielen Städten. Dennoch regierte bei einzelnen Empfängern der Neid und der Pfarrer – Pastor von Geißler erntete nur Undank.

1728_Tod_Schiller

Das kommende Jahr sollte nicht viel besser werden. Zu Beginn des Jahres 1728 griff eine ansteckende Krankheit um sich und auch häufigere Diebereien erzeugten eine allgemeine Furcht. Zudem zerstörten eine hohe Anzahl von Raupen und Heuschrecken die Garten- und Feldfrüchte und sorgten für eine schwere Bedrückung. Weiterhin wirkten gewaltige Gewitter und ein fürchterlicher Orkan tobte im Juli 1728 und vernichtete an einem Mittwoch gar den Turm der Stadt Rawitsch. Die Menschen hatten es noch nie leicht – eine Regel, die zu allen Zeiten ihr Recht einfordert.

Quelle: Heinrich Gerlach: „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839“.

Emilie Amanda Molzahn

Oktober 4, 2015

Am 29.02.1892 heiratete in Berlin die Schneiderin Emilie Amanda Molzahn (Malzahn). Sie wurde im Mai 1869 in Labenz, im Kreis Briesen in Westpreußen geboren. Sie heiratete den Klempner Hermann Paul Heinrich Pürschel (1863-1912), von dem sie sich im Jahr 1905 scheiden ließ. Bisher sind zwei Kinder aus dieser Verbindung bekannt; möglicherweise lebte ihr Sohn Reinhold Friedrich Pürschel bis 1959.

Sie schloß ihre zweite Ehe in Berlin am 15.11.1915 mit Johann Friedrich Plönzke, geb. 1880 und zu jener Zeit Unteroffizier im Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 4, in der 15. Kompanie.

Gesucht werden in diesem Kontext jedwede Hintergründe zu Emilie Amanda Molzahn; von etwaigen Nachfahren über ihren Lebensweg und persönlichen Verhältnissen und mehr. Jeder noch so kleine Hinweis ist von Relevanz.

Molzahn

Aktualisierung

September 7, 2015

Der Unterpunkt Suchanzeigen wurde mit weiteren Anfragen ergänzt.

Dies gilt auch für die Namensliste, welche mit zahlreichen Namen ergänzt wurde. Man nehme explizit jenen Artikel zur Kenntnis.

Zufallsfund, Tod 1867, Dachwitz.

August 10, 2015

Am 06.04.1867 verstarb in einem Alter von 79 Jahren, zwei Monaten und fünf Tagen Anna Christina Dachwitz in Wollstein. Ihre Eltern waren Martin Dachwitz und Marie Gartig aus Radliner Hauland bei Mierzkowo. Sie war verheiratet mit dem Kantor und Lehrer Daniel Balde in Mierzkowo.

125 Jahre Australien

Juli 30, 2015

Vor 125 Jahren beschlossen vier Brüder meines Urgroßvaters ihre Heimat zu verlassen und nach Australien auszuwandern. Und tatsächlich setzten sie ihren Vorsatz in die Tat um und verabschiedeten sich für immerdar von Dombrofker Hauland bei Wollstein in der Provinz Posen. Heute vor 125 Jahren erreichte der erste Bruder Australien – und betrat australischen Boden.

Die Zeit verging, das hoffnungsvolle Leben trat gnadenlos in die endgültige Vergangenheit ein und in dem allgewaltigen Zeitenstrom der folgenden Jahre wurde die Vergänglichkeit gepriesen. Irgendwann riß der Kontakt zu den weit, weit entfernten Verwandten ab. Jene Auswanderung wurde zu einem Gerücht in der Familie – nur zu dem Hauch von einem Gerücht. Schlußendlich ging dieses Wissen endgültig verloren.

Im Rahmen meiner Forschung stieß ich 2014 durch einen banalen Zufall auf jene Namensträger in Australien und nach kurzer Recherche konnte ich der unausweichlichen Vergessenheit doch ein wenig verlorenes Wissen abtrotzen. Und so schrieb ich nach 124 Jahren die Nachfahren von jenen Auswanderern in Australien an, welche auch zeitnah antworteten und höchst überrascht waren. Dieser neuerliche Kontakt besteht bis heute; erst heute gratulierte ich zu jene 125 Jahre dieses Familienzweiges in Australien, der einst dort begründet wurde. Wie mögen sich diese Verwandten damals gefühlt haben? Allein in der Fremde?

Ungehalten vergeht die Zeit und das Leben in diesem fragilen Weltgesang Tag für Tag. Ungeachtet der Entfernung fühle ich mich diesem Teil der Familie sehr verbunden und ja, ich bin geneigt anzunehmen, daß sie umgekehrt ähnlich empfinden. Familie bleibt Familie. Auch hinweg über nebulöse Jahrhunderte. Ich bin davon überzeugt, daß meine Vorfahren stolz und glücklich wären, wenn sie wüßten, das nach all dieser langen Zeit wieder ein Kontakt besteht, daß die familiären Bande wieder neu geknüpft wurden und ja, zukünftig vielleicht noch intensiver werden. Familie bleibt Familie.

Ein tragisches Ende

Juli 21, 2015

Am 09.01.1878, Mittwoch, am Abend um 19 Uhr starb in Tloker Hauland die Jungfrau Johanne Auguste Pauline Nitschke, die Tochter von Johann Gottfried Nitschke und Johanne Caroline Semmler in einem Alter von 17 Jahren. Sie wurde 1860 in Chorzemin geboren.

Sie hat sich an einem Balken im Hausflur (in der Betrunkenheit?) aufgehängt.

Ein tragisches Unglück, II.

Juli 18, 2015

Am 27.08.1880, Freitag um 08:00 Uhr starb in Kielkowo der Zimmermann und Junggeselle Johann Gottlieb Knapp aus Mlynsker Hauland in einem Alter von 42 Jahren. Er verunglückte beim Bau des Schulhauses, indem er von einer Leiter in den Keller fiel und das Genick brach.

Johann Gottfried Klähre, Cantor und Conrector

Juli 14, 2015

Am 28.06.1859 verstarb zu Zodyn an einer Unterleibskrankheit der Conrector Johann Gottfried Klähre aus Meseritz. Derselbe war geboren am 17.02.1784 zu Dahme bei Jüterbog, sein Vater war Mühlenbesitzer. Der Verstorbene studierte in Leipzig Theologie und wurde im Jahre 1817 als Conrector an die evangelische Bürgerschule zu Meseritz berufen, in welchem Amte er 42 Jahre mit Treue wirkte. In einem Urlaub in dem Kreise seiner Kinder, seines Schwiegersohnes des Gutsbesitzers Herrn Jänsch auf Zodyn und dessen Gattin, seiner Tochter traf er vor vier Wochen daselbst ein, erkrankte hier an einem Unterleibsleiden, an welchem er verstarb. Der Heimgegangene war seit dem Jahr 1828 in glücklichem Ehestande mit seiner nachgelassenen Witwe Louise, geb. Grabow. In dieser Ehe wurden ihm vier Kinder geschenkt, von denen zwei vorangegangen sind, die genannte Tochter und ein Sohn leben.

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Johann Gottfried Klähre, Cantor und Conrector, Sohn des Müllermeisters und Mühlenbesitzers in Heinsdorf heiratete 1828 Marie Louise Grabow, Tochter des Bäckermeisters zu Berlin, Johann Gottlieb Grabow.

Am 19.11.1829 wurde die Tochter Marie Therese Elisabeth Klähre geboren, welche 1852 Hermann Jänsch ehelichte.

Zwei Söhne für den Krieg

Mai 31, 2015

Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 93 meldet: Gotthold Nischalke, Grenadier in der 5. Kompanie ist im Juli 1915 in einem Alter von 30 Jahren gefallen.

Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 1 meldet: Reinhold Nischalke, Gefreiter in der 11. Kompanie ist im Juli 1916 bei den Kämpfen am Serwetsch in einem Alter von 35 Jahren gefallen.

Welch schreckliche Nachrichten für die Hinterbliebenen. Erfahren zu müssen, daß zwei der eigenen Kinder in so kurzer Zeit für eine sinnlose und zutiefst absurde wie groteske Posse einer stets kriegsgeilen Spezies ihr Leben geben mußten. Es gilt wie immerdar für alle Kriege – für nichts. Sie gaben ihr kostbares Leben für nichts. Welch ein Schmerz! Wie viele Familien mußten derlei erfahren…

Gotthold war fünf Jahre verheiratet, Reinhold 11 Jahre. Die Familie stammt ursprünglich aus Rothenburg an der Obra in der Provinz Posen und zog zwischen 1880 und 1885 nach Ketzin in das Havelland in Brandenburg. Die Urgroßmutter der beiden Kriegsteilnehmer war die ältere Schwester meiner 4x Urgroßmutter. Der Name Nischalke ist eigentlich inkorrekt, in anderen Zeiten wurde er Nizalke geschrieben. Ein Trauerspiel par excellence. Und was haben wir primitiven Menschen aus solchen Beispielen bis heute gelernt? Richtig – nichts! Menschen ändern sich nicht.

Ein tragisches Unglück

Mai 23, 2015

Auf schriftlicher Anzeige des königlichen Distrikts Commissarius wird mitgeteilt, daß die unverehelichte Johanne Wilhelmine Rosenau, geboren am 13.12.1866 in Neu Borui, Tochter des Eigentümers Christian Rosenau und dessen Ehefrau Johanne Florentine, geborene Grieger am gestrigen Tage (24.03.1881) Nachmittags auf dem Grundstück Alt Borui Nr. 7 Todt aufgefunden wurde, war sie von den Flügeln im Gange befindlichen Windmühle erschlagen wurde. – Ein trauriges – viel zu frühes Ende für ein hoffnungsvolles Leben. Ihre Eltern heirateten am 17.01.1862.

Eine Waisenanstalt für Mädchen in Wollstein

April 30, 2015

Im Januar 1830 machte Konsistorialrat Dr. Jacob zu Posen dem Wollsteiner Pfarrer das „höchst gütige Anerbieten“, daß er bereit wäre, bei der Gründung einer Mädchenwaisenanstalt 150 Reichstaler spenden zu wollen. Die Etablierung einer solchen Einrichtung kam jedoch nicht zustande, gleichwohl es dem Pfarrer „sehr drückend auf dem Herzen lag“. Erst im September 1836 wurde ein Statut und eine Hausordnung für die zu errichtende „Marienstiftung“ entworfen; Herr Dr. Jacob erhöhte seine Spende auf 200 Reichstaler und zahlte selbige im Juli 1837 aus. Der Land- und Stadtgerichtsrat Wenzel aus Wollstein übernahm die sichere und zinstragende Unterbringung des Geldes.

Weiterhin wurde ein Gesuch an die königlichen Beamten des Ortes und an die hiesige Bürgerschaft und an die wohlhabenderen Bewohner der Umgebung ausgesprochen. Herr Rittmeister von Dziembowski versprach ein Geschenk von 20 Reichstalern und auch aus Widzim und Karge wurden fortlaufende Beträge zugesichert. Als bisheriger Leiter der Angelegenheit zog sich der Arzt Dr. Schneider zurück – seine Stellung als Arzt forderte ihren Tribut – und so übernahm der Rentier Kunze den Vorstand der Marienstiftung. Sodann trat am 31. Oktober 1837 die Anstalt endlich in das Leben und zwar im evangelischen Schulhaus in der obersten Giebelstube, welche extra angemietet wurde.

Als Waisenmutter wurde die Witwe von Müllermeister Franke, geborene Päch bestimmt und die ersten Waisen der Einrichtung waren: Johanne Juliane Becker, Tochter des verstorbenen Gottfried Becker und Wilhelmine Helm, die jüngste uneheliche Tochter von Frau Helm, geborene Schmidt. Letztere wurde jedoch Anfang September 1838 von Frau Helm wegen einer „wohlverdienten, mäßigen Züchtigung zurückgenommen“. Stattdessen wurde Mathilde Block, jüngste Tochter des verstorbenen Gärtners Martin Block und dessen Witwe, nun verehelichte Richter aus Wollstein aufgenommen. Am 14. Dezember 1838 wurde die komplett verwaiste Friederike Charlotte Doyl (wohl Deul) als dritter Zögling aufgenommen. Im Februar 1839 wurde die Marienstiftung durch Verfügung der königlichen Regierung bestätigt.

Bis März 1839 war das Kapital der Stiftung auf 300 Reichstaler angewachsen. Am 12. April wurde nun das vierte Mädchen willkommen geheißen: Eleonore Hoffmann, Tochter des verstorbenen Hauptmannes Hoffmann aus Groß Nelke, welcher seine Witwe „mit sieben unerzogenen Knaben in der drückensten Armut hinterlassen hat“. – – – Wahrscheinlich hat das Waisenhaus im Zeitenrad der Geschichte noch weitere Mädchen aufgenommen und in entsprechender Weise aufgezogen und in das Leben entlassen.

Quelle: „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839. Von Pfarrer Heinrich Gerlach.

Von Posen nach Berlin

April 8, 2015

Mein Fachgebiet liegt bekanntlich in der Provinz Posen und trotz sorgfältigster Recherche lassen sich zu manchen Personen oder gar Familien keine weiteren Daten eruieren. Von manchen Familien habe ich beispielsweise zehn geborene Kinder erfaßt, aber keines dieser Kinder starb oder heiratete in jenem Areal. Sie verschwanden einfach von der Bildfläche.

Durch einen Zufall habe ich mich mit den Standesamtsunterlagen von Berlin näher beschäftigt und ich war nach einer ersten oberflächlichen Prüfung sehr erstaunt respektive irritiert, welche hohe Anzahl von Personen aus meinem Fachgebiet in Berlin zu finden ist. Die oben erwähnten zehn Kinder sind geschlossen in Berlin in den Stand der Ehe getreten und sehr viele Altsitzer verstarben in Berlin. Aktuell habe ich zahlreiche Nachnamen meiner Namensliste geprüft und bisher fand ich über 400 relevante Einträge (600, (17.04.)) in Berlin. Diese derart hohe Personenanzahl erstaunt mich nach wie vor.

Ich spreche hier von den Heiratsregistern 1874-1920, Sterberegister 1874-1920 und Geburtsregister 1874-1899 von Berlin. Gerade viele Kinder, die zwischen 1830-1850 geboren wurden, sind in den Berliner Heiraten zu finden und wenn erst ein Kind dort lebte, besteht die Möglichkeit, daß später die Eltern oder ein Elternteil ebenso dorthin verzog und später entsprechend dort verstarb.

Ich kann jene Unterlagen als formidable Quelle nur empfehlen. Wahrscheinlich trafen dort alle Regionen zusammen; ich habe mich bisher nur auf die typischen Namen aus meinem Fachgebiet konzentriert, fand aber in dem Kontext Personen aus Pommern, Schlesien, West- und Ostpreußen, sowie dem restlichen Deutschland. Kurzum, hierbei handelt es sich um eine genealogische Goldgrube.

Zum Tod von Prof. Dr. Dr. Siegwart-Horst Günther

März 3, 2015

Wie ich kürzlich erfuhr, verstarb Prof. Dr. Dr. Siegwart-Horst Günther am 16.01.2015 in Husum. Als junger Soldat verweigerte er sich den Verbrechen der Wehrmacht, wurde in den deutschen Widerstand involviert, um als unmittelbare Folge davon im Kontext des Attentats auf Adolf Hitler am 20.07.1944 kurz vor Ende des Krieges in das KZ Buchenwald interniert zu werden. Später studierte er Humanmedizin, Philosophie und Ägyptologie. Von 1963 bis 1965 arbeitete er bei seinem Vorbild Albert Schweitzer in Lambarene. Er war einer der Väter der Anti-Uranwaffen-Bewegung in Deutschland und engagierter Mitstreiter im Kampf zur Ächtung von Uranwaffen.

Leider durfte ich diesen großartigen Menschen nie kennenlernen – das Leben offerierte mir nie diese Möglichkeit, aber im Rahmen meiner genealogischen Forschung eruierte ich, daß sein 3x Urgroßvater und dessen älterer Bruder – mein 5x Urgroßvater Geschwister waren und somit haben wir die gleichen Vorfahren. Wenngleich die Option einer Begegnung für immerdar in das Reich der Unmöglichkeit eingegangen ist, so möchte meinen weit entfernten Verwandten dennoch hier diese Zeilen widmen. Alles hat seine Zeit.

Fehlerquelle: Standesamtsunterlagen

März 2, 2015

Bei der Prüfung von Standesamtsunterlagen fiel mir ein Sterbeeintrag auf, der von der Namenskonstellation her auf den ersten Blick meiner Familie zugerechnet werden konnte, aber die Eltern des Verstorbenen stimmten jedoch nicht überein. Nichtsdestotrotz befragte ich meine Datenbank – das anschließende Ergebnis war konträr zu den angegebenen Eltern. Da ich den Einträgen der Standesämtern seit Jahren mißtraue, zog ich das entsprechende Kirchenbuch zu einer Überprüfung heran und siehe da, die genannten Eltern waren wieder einmal inkorrekt – jene in meiner Datenbank hingegen richtig. Wie schon so oft. Ich habe mehrere Hundert Einträge in den Standesamtsunterlagen entdecken können, die von Fehlern dominiert wurden. Wer sich nun auf diese Daten verläßt, baut sich unabsichtlich Fehler in seinen Stammbaum ein und vielleicht gar tote Punkte, die man nicht überwinden kann. Wie auch, denn wie kann man etwas erforschen, was nie existierte?

Mitnichten handelt es sich hierbei um Kritik an die damaligen Standesbeamten. Sie notierten nur das, was ihnen gemeldet wurde. Und wenn der Sohn oder die Tochter den Tod meldete und keine oder völlig falsche Großeltern angab, so wurde das eben eingetragen. Die Kirchenbücher sind freilich auch nicht fehlerfrei, aber in der Regel kannte der Pfarrer seine Gemeinde – zudem konnte er in seine Bücher sehen, um etwaige Angaben zu verifizieren. Oder er schlug nach, um das korrekte Geburtsdatum und mehr anzugeben. So bilden die Standesamtsunterlagen, explizit die Todeseinträge eine formidable Fehlerquelle – das sollte sich jeder Genealoge bewußt machen. Ein Abgleich mit den Kirchenbüchern – so denn möglich – ist unabdingbar.

Vaterschaft

Februar 24, 2015

Am 20.12.1817 wurde in Alt Borui ein Mädchen geboren, welches sechs Tage später auf den Namen Johanne Juliane getauft wurde. Der Ehemann der Mutter erklärte hierzu: ”… da er erst seit dem 30. August dieses Jahres mit seiner Ehefrau verheiratet; so könne er nicht Vater des von derselben geborenen Kind seyn. Am 17. Januar 1818 erklärte der (Nachname), daß er als Vater sich des Kindes annehmen und erziehen wolle.”

Eine interessante Bemerkung, die für Nachfahren jener Linie sicherlich nicht ohne Bedeutung ist. Der Pfarrer sparte zu dieser Zeit nicht mit Randvermerken in diesem Stil; eine Haltung, die heute nur gelobt und gar nicht hoch genug bewertet werden kann.


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