Ruhet sanft ihr Lieben, droben gibt’s ein Wiedersehn

Juli 28, 2021

Ein trauriges Jubiläum weht auf den heutigen Tag finster hernieder – heute vor 78 Jahren wurde eine Familie mit ihren Kindern in Hamburg vernichtet, mit der ich weitläufig verwandt war – eine Verbindung über einen weit entfernten Seitenzweig; demungeachtet doch Familie.

Jene Menschen verstarben beim zweiten Großangriff der Royal Air Force im Rahmen der Operation „Gomorrha“ – 739 Bomber wurden damals eingesetzt, um die totale Vernichtung mittels eines Feuersturmes zu forcieren. In der Tat, eine militärische Meisterleistung – Unschuldige, Zivilisten wie Frauen und Kinder auszulöschen. Die Initiatoren und Ausführenden waren sicherlich eminent stolz auf ihr glorreiches Werk. Wahre Heldentaten zum Feiern und Auszeichnen. Und das leidvolle, brennende und alles verzehrende Schreien verhallte ungehört im allumfassenden Chor des Todes. Spezies Mensch. Ein evolutionärer Irrtum.

In Gedenken an:

Hans Walther, 12 Jahre
Harald Günther, 8 Jahre
Werner, 5 Jahre

an ihre Eltern und die unzähligen weiteren Opfer.

Ruhet sanft ihr Lieben!

Laura Amanda Giese

Juli 24, 2021

Gesucht werden Informationen und Hintergründe über Laura Amanda Giese, geboren im Jahr 1878 in Labenz, Kreis Briesen in Westpreußen. Sie schloß den Bund der Ehe an einem unbekannten Ort mit Johann Krafft – vermutlich 1898 oder 1899.

Aktuell sind acht Kinder von dem Paar bekannt; ihr Sohn Otto Emil heiratete in Stettin Irma Charlotte Gabriele Marquardt. Eine Tochter aus dieser Ehe wurde in Dessau geboren.

Gesucht werden in diesem Kontext jedwede Hintergründe zu Laura Amanda Giese, verehelichte Krafft; von etwaigen Nachfahren über ihren Lebensweg und persönlichen Verhältnissen und mehr. Jeder noch so kleine Hinweis ist von Relevanz.

Von der Herausforderung um das Bestehen in der Heimat

Juli 17, 2021

Die harte Zeit in der Provinz Posen für die deutsche Bevölkerung nach dem ersten Weltkrieg ist seit langem für immerdar dem Vergessen anheim gefallen – das Wissen um das Erlebte ist wohl nur noch in wenigen Familien partiell existent. Am Beispiel von Alttomischel erläutert der nachfolgende Verweis, respektive höchst empfehlenswerte Artikel in interessanter Weise das damalige Geschehen und gibt einen seltenen Einblick in längst vergessene, vergangene Zeiten unserer Altvorderen.

Der schwere Kampf um die Scholle und engere Heimat

Glückliche Ungeschicklichkeit

Juli 10, 2021

Berlin. Es ereignete sich hier kürzlich eine interessante Scene in einer armen Familie bei Gelegenheit einer Zwangsvollstreckung. Die Leute, früher in recht guten Verhältnissen, sahen das Letzte auf den Möbelwagen laden und wollten selbigen Tages die Wohnung verlassen, um einzeln bei Verwandten ein vorläufiges Unterkommen zu finden.

Bei dem Transport der Möbel wurde durch Ungeschicklichkeit eines Arbeiters ein Spiegel, ein sogenannter Trumeau, zerschlagen, den die Frau vor einigen Jahren als Andenken ihres ganz plötzlich auf einem Spaziergange an einem Schlagfluß verstorbenen Vaters an sich genommen hatte, sicherlich ohne Ahnung davon, daß derselbe einen Schatz enthalte.

Beim Zusammensuchen der Trümmer fanden sich hinter dem Glase Werthpapiere im Gesammtbetrage von 5700 Mark, von deren Existenz die arme Familie bisher nichts wußte. Daß die Freude über den unerwarteten Fund groß war, brauchen wir nicht hinzuzufügen.

August 1880. (Schreibweise original)

Unwetter über Westpreußen. Akt II.

Juni 30, 2021

Die Nachrichten aus den Provinzen lauten in Bezug auf die Ueberschwemmungen täglich schlimmer. Nicht nur Schlesien, sondern auch Ost- und Westpreußen haben schrecklich gelitten. Die Ernte ist total ruinirt und die Lage ist so bedenklich, daß sogar die Divisions-Manöver in diesem Jahre nicht stattfinden werden. In einigen Gegenden hat es seit drei Wochen ununterbrochen geregnet.

Man kann von den Ernten in einigen Districten dieser Provinzen sagen, daß sie total zerstört wurden. Menschenleben sind zu Grunde gegangen und Flußdeiche weggeschwemmt, Brücken zerstört und Dörfer überschwemmt worden, Landgüter wurden unter Wasser gesetzt und ungeheure Strecken Getreidefelder durch die Regengüsse in Seen und Sümpfe umgewandelt. Man befürchtet eine große Hungersnoth in allen obengenannten Provinzen.

Ein Correspondent, der bis an die äußersten Grenzen von Schlesien kam, berechnet, daß in einem Kartoffeldistrict allein ein Schaden von 150,000 Mark angerichtet wurde, während 2000 Morgen Acker- und Weideland durch das Überfließen der Oder unter Wasser gesetzt wurde. In der Gegend von Oppeln sind 3000 Morgen Kartoffelfelder mit Wasser bedeckt. Ganze Gruppen von Dörfern sind isolirt.

Der Regen war so heftig, daß innerhalb einiger Stunden mancher Fluß um sechs Fuß stieg. In Posen wurde eine ungeheure Fläche Wiesenland überschwemmt. Auf den Ackerfeldern wurde nicht nur das Getreide, sondern auch das Stroh verdorben. Man befürchtet, daß an einigen Plätzen die Feuchtigkeit des Bodens die Bearbeitung desselben für die nächste Saat in verhängnisvoller Weise verzögern oder ganz und gar verhindern werde. Im District von Kulm, Westpreußen, vernichtete ein 24stündiger Regen die Ernte, besonders den Weizen. In einigen Gegend von Ost- und Westpreußen sind die Felder so unpassirbar, daß es unmöglich ist, die Ueberreste der Getreideernte einzuheimsen. Die Kartoffeln fangen an zu verfaulen.

Es geht hieraus hervor, daß die amtliche Schätzung der deutschen Ernteaussichten, welche neulich veröffentlicht wurde, bedeutend heruntergesetzt werden muß. Der Roggen ist beinahe ganz zerstört. Weizen und Gerste behalten nur noch einen sehr geringen Marktwerth. Für die arbeitende Klasse ist das Zerstören der Kartoffelernte höchst verhängnisvoll und die Regierung wird bereits ernstlich um Hülfe anrufen.

August 1880. (Schreibweise original)

Zu spät – einfach zu spät

Juni 25, 2021

Ein trauriger Vorfall hat sich in Eisenach ereignet. Ein dort am 9. April angekommenes Brautpaar hatte in einem Hotel Wohnung genommen und eine Waldpromenade gemacht. Am Nachmittage hörten Passanten in der Landgrafenschlucht zwei Schüsse fallen und fanden im hinteren Theile der Schlucht an einer Buche ein Taschentuch mit einem Zettel angeheftet, worauf die Worte geschrieben waren: „Auf dem Felsen rechts liegen zwei Leichen“.

Man fand denn auch sofort ein junges Paar in seinem Blute schwimmend vor. Der junge Mann, ein 25jähriger Kaufmann, aus dem Kreise Ratibor stammend, hatte zuerst seine Braut und dann sich selbst mit einem sechsläufigen Revolver durch die linke Brust geschossen. Nach sofort herbeigerufener ärztlicher Hülfe wurden die Unglücklichen ins Krankenhaus übergeführt.

Ehehindernisse scheinen den Grund zu dieser traurigen Katastrophe gegeben zu haben, denn kurze Zeit nach dem Vorfalle lief ein Telegramm von dem Bruder der jungen stattlichen Dame an die Eisenacher Polizei ein, mit der dem Polizeiamt in Leipzig unterstützten Bitte, nach einem näher bezeichneten, sich mit Selbstmordgedanken tragenden Brautpaare zu forschen und dasselbe zur Rückkehr aufzufordern, da alle Hindernisse beseitigt seien und sich Alles zum Guten gewandt habe.

Leider kam das errettende Telegramm für das unglückliche Paar einige Stunden zu spät. Ob die jungen Leute, welche vereint zu sterben beschlossen, dem Leben erhalten werden, ist noch zweifelhaft, besonders bei dem Zustande der jungen Dame.

Mai 1880. (Schreibweise original)

Der Vaterländische Frauenverein in Culmsee

Juni 18, 2021

Culmsee. Der Vaterländische Frauenverein hielt am Montag seine Hauptversammlung ab. Nach dem Verwaltungsberichte schloß der Verein das Jahr 1911 mit 178 ordentlichen und 6 außerordentlichen Mitgliedern ab. Die Gesamteinnahme betrug einschließlich des Bestandes vom Vorjahre 15955,37 Mark, die Gesamtausgabe 12713,20 Mark. Außerdem besitzt der Verein noch ein Vermögen von 38142,08 Mark teils in Liegenschaften, teils auf der Sparkasse.

Die Unterhaltung des Siechenhauses erforderte 9549,56 Mark. Zur Vermehrung der Vereinsmittel hielt der Verein am 3. Dezember ein Wohltätigkeitsfest ab, das einen Reingewinn von 1629,13 Mark einbrachte. Bei der Weihnachtsbescherung wurde 80 Familien beschert.

In den Vorstand wurden gewählt: Frau Bürgermeister Hartwich (Vorsitzerin), Frau Amtsrat Hoeltzel (Stellvertreterin), Herr Bürgermeister Hartwich (Schriftführer), Herr Rechtsanwalt Peters (Kassenführer).

Im Januar 1912. (Schreibweise original)

„Na, das ist aber nicht schlecht!“ oder Der Hauptmann von Köpenick

Juni 9, 2021

Die Sensation des Tages bildet noch immer die gelungene Raubaffaire in Köpenick, deren schon gemeldete Einzelheiten durch weitere Berichte vollkommen bestätigt werden. Hier ist thatsächlich kaum von etwas Anderem die Rede. Die Ausführung des genial erdachten Gaunerstückchens, dessen Held der Mann mit der Gardeoffiziers-Maske gewesen, war allein möglich einmal durch den Riesen-Bluff des Thäters, sodann aber kam ihm ein bedeutender Faktor zugute: die absolute Hülflosigkeit des Bürgermeisters Langerhans in Köpenick und des Kassenrendanten Wiltberg.

Beide müssen als die reinen Unschuldsperlen vom Lande nicht schlecht Spießruthen laufen. Daß der höchste Civilbeamte einer Stadt von mehr als 21,000 Einwohnern sich in völligster Unkenntnis der Befugnisse des Militärs befindet und dieses zur Vornahme von Verhaftungen berechtigt wähnt, erregt ein allgemeines Schütteln des Kopfes.

Köpenick muß es sich deshalb gefallen lassen, als modernes Schilda und Schöppenstedt ausgelacht zu werden. Den Gipfel der Komik aber erreichte ein Extrablatt der „Niederbarnimer Zeitung“, welches heiligen Ernstes meldete, daß auf allerhöchsten Befehl das Rathaus von Köpenick militärisch besetzt und der Bürgermeister der Stadt in Haft genommen worden sei.

Wie der Herr „Gardehauptmann“ es fertig bringen konnte, die Abtheilung Soldaten von Berlin nach Köpenick zu führen, ohne daß diese Lunte roch, ist auch noch ein ungelöstes Räthsel. Es hat sich herausgestellt, daß der falsche Offizier nicht nur durchaus vorschriftswidrig gekleidet war, sondern auch einen ganz unmilitärischen Eindruck machte. Trotzdem glückte der Bluff.

Die Soldaten, mit deren Hülfe der Gauner seinen Geniestreich vollführte, wurden heute Vormittag auf das Köpenicker Rathaus gebracht, um dort zu schildern, wie die ganze Geschichte, vor sich gegangen ist. Die Aussagen lauten widersprechend. Der Köpenicker Bürgermeister Dr. Langerhans ist infolge des eigenartigen Erlebnisses und der damit verbundenen gewesenen Aufregungen schwer erkrankt.

Kaiser Wilhelm soll, als ihm die Nachricht hinterbracht wurde, unwillkürlich gelacht und dabei: „Na, das ist aber nicht schlecht!“ gerufen haben. —

Die erste Spur, welche schließlich zur Entdeckung des Thäters, des 57 Jahre alten Schuhmachers Wilhelm Voigt, führte, gab ein Sträfling im Zuchthaus zu Rawitsch im Regierungsbezirk Posen an, wo auch der falsche Hauptmann lange Zeit einquartirt gewesen war. Er erzählte, daß Voigt wiederholt geäußert habe, „mit dem Militär könne man die schwierigsten Sachen machen“.

Voigt war nach Verübung seiner Köpenicker That ruhig in Berlin geblieben und nahm auch seine Verhaftung durchaus gemüthlich auf. Der Polizei, welche ihn hinter Schloß und Riegel brachte, lieferte er von der erbeuteten Summe noch über zweitausend Mark ab. Auf die im Gewahrsam an ihn gestellten Fragen antwortete er frank und frei. Er legte ohne Weiteres ein volles Geständnis ab. Er ist ein wohlbekannter Zuchthausvogel, der insgesammt 25 Jahre Gefängnis und Zuchthaus wegen Fälschungen, Schwindeleien und Einbruchs abgebüßt hat. Gefälschte Dokumente, mit denen er ja auch sein Köpenicker Räuberstückchen ausführte, waren seine Spezialität. Einen 15jährigen Straftermin hatte er erst im letzten Februar absolvirt.

Oktober/November 1906. (Schreibweise original)

Eine „Rabenmutter“

Juni 4, 2021

Aus der Tucheler Heide. Zur Rabenmutter geworden, ist die noch im jugendlichen Alter stehende Landarbeiterin Natalie Bredlau in Sehlen. Bredlau, welche unverehelicht war, hatte unbemerkt geboren und ihr Kind bald darauf beseitigt. Die angestellten Nachforschungen förderten dasselbe erfroren in einem Strohschober des Ansiedlers J. zutage.

Die Kindsmörderin, welche geständig ist, wurde verhaftet und dem Gerichtsgefängnis in Tuchel zugeführt.

Im Januar 1912. (Schreibweise original)

In Gedenken an die Opfer der „Bismarck“

Mai 27, 2021

Der 27. Mai 2021. Heute vor 80 Jahren wurde das Schlachtschiff „Bismarck“ in sein letztes Gefecht verwickelt; was mit der Versenkung – wer auch immer dafür kausal verantwortlich zeichnete – im Nordatlantik seinen tragischen, endgültigen Schlußakt fand. Über 2000 Menschen wurden für alle Zeiten in die kalten Tiefen gezogen; traurig weinend, sanken sie verzweifelt für immerdar in ihr nasses Grab hernieder.

Schlachtschiff Bismarck

So auch mein Verwandter Heinz – der an dieser Stelle stellvertretend für seine Kameraden genannt sein mag – er durfte 21 Jahre alt werden. „Gefallen vor dem Feinde“, heißt es lapidar in seiner Akte. Heute sei an all jene Seeleute gedacht, deren Leben damals in der finsteren Meerestiefe beschlossen wurden. Wie noch jeder Tod unserer unzähligen Kriege, so seid auch ihr alle umsonst gestorben, euer Tod war per se sinnlos. In Gedenken an die Seeleute der Bismarck.

Juliane Friederike Lange

Mai 22, 2021

Am Freitag, den 17. April 1896 um sechs Uhr Morgens starb an Altersschwäche Frau Juliane Friederike Lange, geb. Gäde, im Hause ihrer Tochter, Frau Valentin Seibert. Das Begräbnis fand am Sonntag, den 19. April vom Trauerhause aus statt – etwa 55 Wagen mit Leidtragenden folgten der Leiche, ein Beweis, in welch hoher Achtung die Verstorbene stand.

Sie wurde am 06. November 1815 in Fiehlene in der Provinz Posen in Deutschland geboren; im Jahre 1837 verehelichte sie sich mit Samuel Lange aus Marienwalde. Dieser Ehe entsprossen neun Kinder, von denen vier ihr bereits früher im Tode vorangingen. Im Jahre 1873 wanderte sie mit ihrem Gatten und den Kindern nach Amerika aus, wo sie sich in Fond du Lac, Wisconsin, niederließen. Dort wohnte sie bis 1883. Ihr Gatte siedelte im Jahre 1882 nach Süd-Dakota über und nahm Wohnung bei der Tochter Frau Valentin Seibert nahe Tea.

Im Jahre 1883 folgte sie ihm dorthin nach und blieb bis zu ihrem Tode bei der erwähnten Tochter wohnen. Ihr Gatte ging ihr am 03. September 1884 im Tode voran. Sie hinterläßt fünf Kinder, wovon zwei Töchter, Frau Julius Meyer und Frau Fritz Kobs in Fond du Lac und ein Sohn, Herr Karl Lange, in Oshkosh, Wisconsin wohnen, während die andere, vorerwähnte Tochter Frau Valentin Seibert, 1 ½ Meilen südlich von Tea in Lincoln County, Süd-Dakota, und ein Sohn, Herr Wilhelm Lange, in Sioux Falls, Süd-Dakota wohnt. Ihre jüngere Nachkommenschaft zählt 27 Großkinder und zwei Urgroßkinder.

Die Verstorbene war eine treue Gattin und liebende Mutter und Großmutter, eine echte deutsche Hausfrau, deutsch im vollsten und besten Sinne des Wortes. Sie war in weiter Umgegend, auch in Sioux Falls, bekannt und beliebt; wer je mit ihr in Berührung kam, lernte sie hochachten.

April 1896. (Schreibweise original)

Deutsche Auswanderungsstatistik. Teil III. Verlorener Reichtum.

Mai 18, 2021

Seit 1877 ist freilich, wie schon angedeutet, die Flut wieder im Steigen; das Procentverhältniß der Gruppen gestaltet sich wie 33 zu 41, wofür die Gründe aber unschwer in der herrannahenden geschäftlichen Krisis, der Enttäuschnug über den Milliardensegen und der Furcht vor neuen Kriegsereignissen zu erkennen sind. Besonders bemerkenswerth und für den Werth der Auswanderung sprechend ist der Umstand, daß beinahe drei Viertel aller Auswanderer erwachsene waren und daß von den letzteren fast zwei Drittel dem männlichen Geschlechte angehörten. Wird dies Verhältnis auf die amtlich ermittelte Auswanderung seit 1841 angewandt, so ergiebt sich ein Abzug von mehr als 400,000 streitbaren Männern – die körperlich untüchtigsten ziehen bekannntlich am wenigsten weg – allein aus Preußen. Hierzu sind noch alle diejenigen zu rechnen, die in den amtlichen Listen keine Aufnahme gefunden haben, wenigstens 100,000.

Sonach hätte Preußen in 33 Jahren mehr als eine halbe Million rüstiger Männer verloren und ganz Deutschland hat an die Ver. Staaten allein seit 1820 weit mehr als eine volle Million abgegeben. Was diese Arbeitskraft für die Union gethan und wie weit sie für den Aufschwung des Ackerbaus, der Industrie und des Handels der Ver. Staaten verantwortlich ist, wäre ein anderes interessantes Feld der Untersuchung. Wenn Texas von dieser Masse Muskeln und Sehnen nur den zehnten Theil erhalten hätte, wie ganz anders würden sich unsere Verhältnisse gestaltet haben!

Nimmt man an, daß die Erziehung eines Menschen bis zum ausgewachsenen Manne nur $200 kostet, so hätten 100,000 Männer ein Betriebskapital von $20,000,000 in das Land gebracht. Und rechnet man weiter, daß eine gute Arbeitskraft für Texas jährlich $500 werth ist, so würden diese 100,000 Männer den Nationalreichthum des Staates in einem Jahre um 50 Millionen, in zehn Jahren um 500 Millionen vermehrt haben. Das sollte den engherzigen Grangern rnit ihrer feindseligen Einwanderungspolitik zu denken geben.

Von 1879. (Schreibweise original)

Deutsche Auswanderungsstatistik. Teil II. Auswanderungsjahre.

Mai 15, 2021

Die Jahre 1867-1877 können in Preußen geradezu als Auswanderungsjahre bezeichnet werden. 427,021 Personen verließen während derselben das Staatsgebiet, während auf den doppelt so langen Zeitraum vom 1. October 1844-1866 nur 394,012 Auswanderer kommen. Allerdings zählen in jener Periode 84,771 Auswanderer aus den neuen Provinzen mit, immerhin stellt sich aber das Verhältnis so, daß für die sechs östlichen Provinzen reichlich so viele Personen auswanderten als früher: 223,440 gegen 220,263. Ungleich günstiger gestaltet sich das Verhältniß für die westlichen Provinzen indem den 173,749 Auswanderern der ersten Periode nur 62,161 der zweiten gegenüber stehen. Im einzelnen gestalten sich die Zahlen besonders günstig für die Provinzen Preußen, Posen und Pommern, normal für Brandenburg und allenfalls Schlesien, sehr günstig für Sachsen.

Fassen wir das letztere Jahrzehnt, welches wegen der größeren Sicherheit der Ermittlungen vorzugsweise das entscheidende ist und deßhalb auch für die weiteren nachfolgenden Erörterungen als Norm dienen kann, noch näher ins Auge und unterscheiden wir dabei aus naheliegenden Gründen die Zeiten vor und während und nach dem französischen Kriege, so ist es abermals die östlichste Provinz, welche die erheblichste Zunahme der Auswanderung aufweist, während die drei neu erworbenen Provinzen ein günstiges Bild bieten.

Das bei Weitem ungünstigste Jahr in diesen Perioden und überhaupt seit 1844 ist das Jahr 1872. Indessen schon im folgenden Jahre besserte sich das, woran dann ein völliger Umschlag eintrat, indem von 1874 an die Anzahl der Auswanderer rasch fiel. Diese fallende Richtung zeigt sich im einzelnen bei allen Provinzen, am stärksten bei den sechs östlichen, dann bei den drei neu erworbenen, am schwächsten bei den zwei westlichen; in den ersteren sank sie auf den vierten Theil herab. Die Wirkungen des österreichischen wie des französischen Krieges waren eben in Hinsicht der Auswanderung bedeutend abgeschwächt und in ihrem Eldorado America hatten sich die Verhältnisse derartig umgestaltet, daß sie Vieles von ihrem verlockenden Wesen verlieren mußten.

Zweifelsohne haben aber auch die Milliarden hier stark mitgewirkt, wie die auffallende Thatsache beweist, daß die 1872 gar starke Auswanderungsbewegung an den Großindustriebezirken beinahe spurlos vorübergegangen ist. Während sie aus den spärlich bevölkerten Bezirken Danzig, Marienwerder und Bromberg gegen 19,000 Menschen fortbewegte, vermochte sie aus Berlin, Arnsberg, Düsseldorf, Köln mit mehr als der doppelt sogroßen Einwohnerzahl keine 1800 Personen mit sich wegzureißen. Und während im Jahre 1873 die Provinzen Preußen, Pommern und Posen mit 53 Procent an der Gesammt-Auswanderung betheiligt waren, kommen auf die mit einer hochentwickelten Industrie gesegneten Rheinlande, Westfalen. Sachsen, Brandenburg und Schlesien nur 20 Procent.

Von 1879. (Schreibweise original)
Fortsetzung folgt.

Deutsche Auswanderungsstatistik. Teil I. Eine klaffende Wunde.

Mai 9, 2021

In der deutschen Reichstagssitzung vom 8. März dieses Jahres bezeichnete der Abgeordnete Lingens die Auswanderung als eine klaffende Wunde Deutschlands, als eine Krankheitserscheinung, mit deren Untersuchung sich die leitenden Staatsmänner ernstlich zu beschäftigen hätten. Diese Worte waren auf keinen steinigen Boden gefallen. Man muß indeß der preußischen Regierung gerecht werden und die Thatsache anerkennen, daß diese es sich schon seit Mitte der vierziger Jahre hat angelegen sein lassen, über die Aus- und Einwanderung zuverlässige Daten zu sammeln. Wenn uns nun auch keine Statistik über die Auswanderung aus dem gesammten Deutschland vorliegt, so haben wir doch an der Statistik über die Auswanderung aus den preußischen Provinzen einen Anhaltepunkt, der uns eine annähernde Zahl von der Gesammtauswanderung aus den deutschen Gauen zu bilden gestattet.

Es ergibt sich daraus, daß in dem Zeitraume vom 1. October 1844 bis zum Schlusse des Jahres 1877 nicht weniger als 821,033 Personen das Gebiet des jetzigen preußischen Staates verlassen haben. Auf die einzelnen Provinzen waren sie auf folgende Prozentsätze vertheilt: Preußen 15,9, Rheinland 13,1, Schlesien 11,6, Hannover 11,1 (seit 1867 einschließlich), Schleswig-Holstein 10,3, Posen 11,1, Pommern 6,8, Brandenburg 6,6, Sachsen 5,9, Hessen-Nassau 4,2, Westfalen 3,9, Hohenzollern 0,5. Berücksichtigt man, daß diese Ziffern im Wesentlichen nur den Austritt aus dem preußischen Unterthanenverbande, soweit derselbe von den Behörden zur Zahl gebracht ist, erkennen lassen, daß die Tabellen für den Zeitraum von 1844 bis 1854 die Zahl der ohne förmliche Entlassungs-Urkunden Ausgewanderten nicht enthält, sodann daß die Ermittlungen für die neugewordenen Gebietstheile erst seit dem Jahre 1877 anheben, so erhellt, daß die wirkliche Auswanderung eine ungleich größere gewesen sein muß. Obige Gesammtsumme vertheilt sich auf die einzelnen Provinzen wie folgt: Preußen 77,905, Rheinland und Hohenzollern 150,359, Schlesien 52,103, Hannover 67,407, Schleswig-Holstein 39,640, Posen 64,774, Pommern 118,386, Brandenburg 60,768, Sachsen 69,766, Hessen-Nassau 34,373, Westfalen 85,551.

In Gruppen eingetheilt ergeben sich 443,703 für die sechs östlichen Provinzen, 235,910 für die beiden westlichen, 141,420 für die neu erworbenen drei mittleren. Die selbstredend für jeden einzelnen Regierungsbezirk oder Landdrostei ausgemittelten Jahreszahlen ergeben, daß die Flut der Auswanderung im Westen beginnend, sich in ziemlich regelmäßiger Bewegung nach dem Osten fortgesetzt hat, daß sie ihren ersten Höhepunkt in der Mitte der fünfziger Jahre in den westlichen Provinzen, ihren zweiten gegen Ende der sechziger Jahre in den mittleren und ihren dritten zu Anfang der siebziger Jahre in den östlichen Provinzen erreichte, wo die Flut zwar abläuft, sich anscheinend aber von Neuem zu erheben beginnt.

Eben so läßt sich erkennen, daß der Strom der Auswanderung seit 1867 stellenweise ein ungleich heftigerer gewesen ist als je zuvor, daß also die von Westen heraufgekommene Flut an Kraft nicht nachgelassen, vielmehr gewonnen hat; eine um so beachtenswerthere Erscheinung, als die Auswanderung in dem östlichen Theile der Monarchie eine dünnere Bevölkerung betroffen, als um so größere Lücken gerissen hat.

Von 1879. (Schreibweise original)
Fortsetzung folgt.

Lebendig begraben

Mai 5, 2021

Aus Oberwaldsee bei Müglitz berichtet man: Mittwoch, den 24. vorigen Monats gingen zwei Einwohner unseres Dorfes, als es bereits dunkelte, von Müglitz nach Hause. Als sie am Spritzwirthshause, welches zwischen unserem Dorfe und Müglitz liegt, vorüberkamen, vernahmen sie aus einer Schlucht ein leises Wimmern. Einer von ihnen stieg in die Schlucht hinab, der Andere zündete inzwischen ein Streichholz an, damit der unten Befindliche besser sehe.

Dieser entdeckte denn auch beim Lichtscheine frisch aufgeworfene Erde. Da die beiden Männer allein jedoch Nichts unternehmen wollten, liefen sie erst ins Dorf, von wo mehrere Leute mit ihnen zum Hohlwege hinauszogen. Da man keine Schaufeln oder sonstige Werkzeuge mitgenommen hatte, grub man mit den Händen die frisch aufgeworfene Erde auf.

Bald stieß man auf die nackten Füßchen eines kleinen Kindes. Man grub rasch weiter und zog ein dem Anscheine nach bereits mehrere Wochen altes Kind, das ganz nackt war, hervor. Da man noch Leben in dem Kinde entdeckte, wickelte man dasselbe in ein Tuch und trug es in ein Haus, woselbst es nach den Anordnungen des herbei geholten Arztes warm gebadet und genährt wurde. Das Entsetzen über die grausige That war ein allgemeines.

Im Dezember 1880. (Schreibweise original)

Kamele in der Berliner Straßenbahn?

April 28, 2021

Im August des Jahres bestieg eine Dame mit einem kleinen Kinde, welches eben geimpft worden war, einen Wagen der Ringbahn und bat einen ihr gegenübersitzenden Herrn, der sich später als der Redakteur Cuno, Herausgeber des „Apollo“, erwies, mit Rücksicht auf ihr Kind doch das Fenster zu schließen, da es im Wagen stark zog. Der also Angesprochene lehnte diese Bitte mit brüsken Worten rundweg ab; die Dame rückte bescheiden in eine Ecke, äußerte aber ihren Mißmuth, als der Herr sie gar noch weiter mit spitzen Redensarten behelligte.

Herr Cuno wurde dadurch gewaltig gereizt, schrie der Dame entgegen: „Sie sind ein Kameel!“ und zog gleichzeitig noch einige Vergleiche zwischen „Frauenzimmern und Kameelen“ im Allgemeinen. Die Dame sah sich in Folge Dessen genöthigt, den Wagen zu verlassen, aber auch der Störenfried mußte auf Intervention des Condukteurs den Wagen verlassen, nachdem seine Rache festgestellt war.

Herr Cuno war aus Anlaß dieses Vorfalls in eine Polizeistrafe von 5 Mark genommen, beruhigte sich dabei aber nicht, sondern sorgte durch seine Berufung an das Schöffengericht für möglichste große Publizität dieses unerquicklichen Vorfalls. Das Schöffengericht faßte die Sache ernster auf und verurtheilte den Angeklagten nicht nur wegen Straßenpolizei-Contravention zu 5 Mark, sondern auch wegen groben Unfugs zu 50 Mark Geldbuße, welche Strafe mit Hinweis darauf motivirt wurde, daß sich der Angeklagte gegen die schutzlose Frau in recht brutaler Weise vergangen habe.

Im Dezember 1880. (Schreibweise original)

Mord im Düttchenkrug

April 24, 2021

Auf dem östlichen Ende der zwischen Wormditt und Hellsberg belegenen Launauer Haide, in Pommern, steht vereinsamt ein Krug, bekannt unter dem Namen „Düttchenkrug“. In diesem waren am 18. Februar Abends zwei Männer eingekehrt. Der eine von diesen veranlagte den Krugwirth, mit ihm zur nächsten Stadt zu fahren, während der andere im Kruge übernachtete. Als nun der Zurückgebliebene die Hausgenossen im Schlaf versunken wußte, raffte er sich still von seinem Strohlager auf, schlich an das Bett der in demselben Zimmer schlafenden Krügerin und verlangte von ihr, unter Androhung, sie im Weigerungsfalle zu tödten, Geld.

Während die geängstigte Frau äußerte, kein Baargeld zu besitzen, rief das neben ihr im Bette liegende kleine Töchterchen: „Ja Mutter, in der andern Stube ist ja Geld.“ Sofort riß der Räuber das Kind aus dem Bette und ging mit ihm in die andere Stube, um sich die Stelle zeigen zu lassen, wo das Geld verwahrt sei. Die Mutter sprang nach, schloß die Thüre ab, rief ihren gerade auf Urlaub anwesenden Sohn zu Hilfe und beide drangen nun gerüstet ins Zimmer ein.

Dort fanden sie das Kind ermordet in einer Blutlache liegen. Der junge Soldat zog sein Seitengewehr und zerschmetterte dem Unhold den Kopf. Bis jetzt ist der Krugwirth noch nicht zurückgekehrt und ist anzunehmen, daß hier noch ein zweiter Mord vorliegt und beide vorbezeichnete Personen im Einverständnis gehandelt haben.

Im April 1873. (Schreibweise original)

Die Cholera auf dem Vormarsch

April 18, 2021

Aus Thorn in Westpreußen meldet man vom 7. Juli: Die Cholera schreitet hier immer noch vor, wenn auch in der innern Stadt bis jetzt sehr unbedeutend. Im städtischen Lazarethe haben bis gestern fünfzig Kranke Aufnahme gefunden, von denen ungefähr zwei Drittel gestorben sind. Außerdem ist aber auch nicht ganz kleine Zahl Leichen auf polizeiliche Veranlassung direct von den Flößen aus beerdigt worden.

Sachsen hat von der Epidemie ebenfalls zu leiden; so schreibt man aus Dresden: Die Cholera gewinnt in der Umgebung Dresdens an Verbreitung. Die Dörfer Gorlitz, Wölfnitz, Pesterwitz, Löbtau u.a. stellen dem unheimlichen Gaste ein nicht unbeträchtliches Contingent an Opfern: und nicht weniger als 50 Prozent der Cholerafälle verlaufen mit tödtlichem Ausgang.

Aus dem Jahr 1873. (Schreibweise original)

Eine kluge Frau?

April 14, 2021

In einem benachbarten Dorfe von Wollstein spielten zwei Mädchen das sogenannte Schwenkspiel, sich gegenseitig nur an einer Hand festhaltend. Ein Mädchen fiel und verletzte sich einen Arm im Schultergelenk. Anstatt nun einen Arzt zu Rate zu ziehen, suchten die Eltern mit der Verunglückten eine „kluge Frau“ auf, welche den Arm wieder einrenken sollte.

Die Behandlung war aber derartig, daß nach einigen Tagen das Mädchen starb. Die Angelegenheit befindet sich bereits in der Hand des Staatsanwaltes.

Aus dem Jahr 1904. (Schreibweise original)

Herzlichen Dank an Gudrun Tabbert, Tomischler Hauland
für die Übersendung dieser Meldung.

Das Eisenbahnunglück bei Halle an der Saale. Akt II. Tragische Details.

April 7, 2021

Am 20. März, 4 Uhr 30 Minuten Nachmittags. Fast zu gleicher Zeit treffen auf unserem Bahnhofe zwei Züge ein, der eine, welcher von Magdeburg kommt, um 9 Uhr 59 Minuten Vormittags, der andere aus Halberstadt eine Minute später. Für beide Züge war das Einfahrtssignal gegeben, der Magdeburger Zug war bereits auf das Mittelgleis eingelaufen, als der eine Minute später fällige Halberstädter Zug auf dem rechts gelegenen Hauptgleis in den Bahnhof einlief; doch der Zug blieb hier nicht stehen, eine Weiche war falsch gestellt und über ein in das Mittelgleis auflaufendes Seitengleis bog der Halberstädter Zug ein, gerade auf den Magdeburger Zug.

Eine Katastrophe schien unvermeidlich, ein schriller, klagender Pfiff, der Lokomotivführer gab Contredampf, doch – das Grausige war nicht mehr abzuwenden, der Zusammenstoß der beiden Züge erfolgte, der Halberstädter Zug streifte noch den Passagierzug. Mit solch gewaltiger Wucht stießen die Personenzüge aufeinander, daß beide sofort aus den Geleisen gehoben wurden. Rechts und links stürzten die Waggons auf die Geleise, hier waren die Seitengewände vollständig auseinander gerissen, dort die Trittbretter abgerissen, die Fenster zertrümmert; ein entsetzlicher, furchtbarer Anblick.

Ein markerschütterndes herzzerreißendes Wehgeschrei erhob sich, aus den Waggons drangen die lautesten erschütterndsten Hülferufe, ein entsetzlich fürchterlicher Anblick bot sich dar. Hier sah der Gatte seine Gattin blutend unter den Trümmern des eingestoßenen Waggons liegen, dort mußte der Vater, welcher nach seinem kleinen Sohne rief, des grausigen Anblick erleben, daß sein Liebling mit dem Kopfe unter ein Maschinenrad gerathen und so sein jugendliches Leben hatte aushauchen müssen. Hier lag wieder eine Frau, welcher die beiden Beine abgefahren waren. Schnelle Hülfe war bei der Hand, sofort begannen die Rettungsarbeiten, viel Mühe und Schweiß war nothwendig; aus den schrecklichsten, erbarmenswerthen Situationen wurden die Unglücklichen so schnell, als möglich befreit und in Sicherheit gebracht.

Getödtet sind: Marie Amelang, Kind, Arthur Wiechmann, Handelsfrau Witwe Voß und ein unbekannter Mann; in der Klinik starben noch: Friedrich Hecht und Auguste Reiche.

Schwer verwundet sind: Gottfried Ruprecht, Marie Sommer, Friederike Schoch, Friederike Ermisch, Amalie Debitzsch, Robert König, Louis Krüger, Albert Wilke, Marie Asche, geborene Wilke, Frau Schliebe, Otto Asche, Sohn der Frau Asche, Marie Koch aus Wettin, 10 Jahre alt.

Leicht verwundet: Franz Thiele, Auguste Wiechmann, geborene Preuße, Käsefabrikant Brecher, Gelbgießer Friedrich Jacob.

Die Polizei war außerordentlich thätig und hatte eilends ihre Mannschaften gestellt, sämmtliche Droschken waren zur Unglücksstelle dirigirt, die Klinik entsandte die bequemsten Tragebahren für den Transport der Verletzten. Der Weichensteller Schrader, der sich später erhängte, welcher die Weiche falsch gestellt, wurde sofort von seiner Stellung suspendirt.

Seitens des Reichseisenbahn-Amtes ward behufs Aufklärung des Sachverhaltes und Mitwirkung bei Feststellung des Thatbestandes ein Commissär nach Halle abgesandt.

März 1880. (Schreibweise original)