Das Unglück der Kreuzer-Korvette „Augusta“. Teil II.

Januar 20, 2022

Am 10. August hatte bereits der amtliche „Reichsanzeiger“ die vom Kabel jetzt erst gemeldete Trauerkunde vom Untergange der deutschen Corvette „Augusta“ in folgender Weise gebracht: „Von S. M. Kreuzer-Korvette „Augusta“, Korvetten-Capitän v. Glöden, welche, mit den Ablösungs-Commandos für die australische Station an Bord, in der Nacht vom 1. zum 2. Juni d. J. die Insel Perim im Rothen Meere verlassen hat, um nach Albany, Westaustralien, zu gehen, sind seitdem Nachrichten hier nicht eingetroffen.

Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Schiff mit einem Cyclon, der am 3. Juni, von Bombay kommend, Aden erreichte, in Berührung gekommen ist. Wenn hieraus auch gefolgert werden muß, daß das Schiff durch widrige Umstände verhindert worden ist, seine Reise in der gewöhnlichen Weise durchzuführen, liegt noch kein Grund vor, anzunehmen, daß das Schiff nicht noch sein Reiseziel auf einer weiteren, die Zone des Südost-Monsuns südlich umgehenden Tour erreichen wird.

Die „Augusta“ führte 10 Geschütze und hatte eine etatsmäßige Besatzung von 238 Mann; außerdem hatte sie die Ablösungsmannschaft für die australische Station von Besatzungstheilen der Kreuzerfregatte „Gneisenau“, des Kreuzers „Albatroß“ und des Kanonenboots „Hyäne“ an Bord.

Auf der Ausreise befinden sich:

Commandant: Korvetten-Kapitän v. Glöden (* 1847 in Schwedt)
erster Offizier: Capt. Lieut. Rasche (* 1850 in Wittstock)
Capt. Lieut. Hilgendorff (für Albatroß) (* 1854 in Hammersdorf)
Lieut. zur See Habermaas (für Hyäne) (* 1859 in Hohenasperg)
Unter-Lieut. zur See Müller III. (für Gneisenau) (* 1859 in Frankfurt)
Schillbach (* 1861 in Landsberg a. M.)
von Rosenberg-Gruszczynski (* 1862 in Lecbitsch)
Stabsarzt Dr. Michaelis (* 1854 in Herzberg)
Marine Unter-Zahlmeister Schwencke (*1853 in Boizenburg)
Obermaschinist Lange.

Zur Heimreise sollen auf das Schiff kommen:

Commandant: Korvetten-Kapitän v. Glöden
erster Offizier: Capt. Lieut. Rasche
Lieutenants zur See Meyer I, v. Bredow
Krüger (alle drei v. d. Hyäne)
Saß (Albatroß)
erster Offizier vom Gneisenau Unter-Lieutenants zur See Schillbach, von Rosenberg-Gruszczynski
Stabsarzt Dr. Michaelis
Marine Unter-Zahlmeister Schwencke
Obermaschinist Gottschalk, außerdem:

Korvetten-Kapitän Plüddemann, Commandant des „Albatroß“ als Passagier.

Das Deplacement des Schiffes betrug 1825 Tonnen, die indizirten Pferdekräfte der Maschine 1300. Die „Augusta“ war ein Schwesterschiff der „Viktoria“ und eines der älteren Schiffe der deutschen Kriegsmarine, zu Anfang der sechsziger Jahre auf einer französischen Werfte zu Bordeaux gebaut. Das Schiff vermochte nicht so viele Kohlen zu fassen, um größere Fahrten unter Dampf zu machen. Auf Grund Dessen hat sie die Fahrt vom Rothen Meere aus unter Segel machen müssen. Ebenso konnte die weitere lange Fahrt nur in dieser Weise vollzogen werden, und daher erklärt sich die lange Zeit, welche seit dem Verlassen der Insel Perim im Rothen Meere verflossen ist und die im „Reichsanzeiger“ betonte schwache Möglichkeit, daß das Schiff sein Reiseziel noch erreichen werde.

Kreuzer-Korvette „Augusta“

Der gewöhnliche Weg, den die Schiffe vom Rothen Meere nach Australien einschlagen, bildet nahezu eine gerade Linie; es werden dabei die asiatischen Besitzungen Englands und Hollands nicht berührt. In Deutschland tröstete man sich eine Zeit lang noch mit Folgendem: „Sind die Monsune der Fahrt hinderlich, so nehmen die Schiffe eine direkt südliche Linie, etwa bis zum 35.-40. Grade südlicher Breite und suchen dann mit Westwind Australien zu erreichen. Oft finden sie auch da ungünstige Winde und verlieren dadurch viel Zeit“.

1885. (Schreibweise original)

Von einem Matrosen der Kreuzer-Korvette „Augusta“. Teil I.

Januar 12, 2022

Otto Ludwig Adolph Gebel, geboren im September 1866 in Westpreußen, diente in der 3. Compagnie (Kompanie) der I. Matrosen-Division in Kiel als Matrose. Er war Teil der Mannschaft der Kreuzer-Korvette „Augusta“, mit Heimathafen in Kiel. Seine Familie in der Heimat hat vermutlich länger nichts von ihm gehört, respektive brieflich gelesen.

Die „Augusta“ war zu seiner Zeit bereits veraltet und diente nur als Truppentransporter, um Ersatzmannschaften auf ausländische Stützpunkte zu transportieren. Ende April 1885 verließ sie Deutschland mit über 230 Personen an Bord und brach nach Australien auf – sie passierte den Suez-Kanal und ergänzte ihre Kohlenvorräte auf der Insel Perim. Am 02.06.1885 nahm die „Augusta“ wieder volle Fahrt auf – niemand ahnte wohl auf dem Kreuzer, daß dies der letzte Kontakt – das letzte Lebenszeichen sein sollte. Wer hätte es auch gewagt, solche endgültigen, schrecklichen Gedanken zu hegen?

Kreuzer-Korvette „Augusta“

Die Kreuzer-Korvette „Augusta“ sollte ihr Ziel nie erreichen. Nach Aufnahme der Kohlen verschwand sie für alle Zeiten. Eine spätere Untersuchung mutmaßte, daß die „Augusta“ im Juni 1885 in einen Zyklon geriet, um ihre letzte Ruhe auf dem Grund des Meeres zu finden.

Und so erreichte irgendwann jene Familie die folgende Nachricht: „Nach amtlicher Erklärung des Chefs der Admiralität vom 1. Oktober 1885 ist keine Hoffnung vorhanden, daß Seiner Majestät Kreuzer Korvette Augusta noch schwimmt und die Besatzung noch am Leben ist. Der Gebel befand sich seit dem 13. April 1885 an Bord der Augusta. Datum und Ort des Sterbefalles nicht bekannt.

Die Zeitungen verkündeten: „Im Beisein des Prinzen Heinrich, sämmtlicher Admirale und des Offizierskorps fand in der Marinegarnison-Kirche ein Trauergottesdienst aus Anlaß des Untergangs der Kreuzer-Korvette „Augusta“ statt. Für die Hinterbliebenen der mit der Korvette „Augusta“ untergegangenen Besatzung sind in Deutschland bei dem Komitee bis zum 28. d. Monats (Dezember 1885) im Ganzen 157,463,46 Mark eingegangen. Über die Vertheilung der Gaben wird das Gesammt-Komite in nächster Zeit Beschluß fassen.“ November/Dezember 1885. (Schreibweise original)

So ließ also der junge Matrose mit nur 19 Jahren sein Leben und fand sein ewiges Seemannsgrab auf dem Meeresboden; in der finsteren Tiefe. Seine Familie hat den schmerzlichen Verlust vermutlich nie verwunden. In Gedenken an Otto Gebel und seine Kameraden.

Weitere Details folgen in der Fortsetzung.

Weshalb sollen wir zurückbleiben?

Januar 7, 2022

Aus Schwetz in Westpreußen schreibt man – Fast täglich passiren die Bahnhöfe zu Prust, Terespol und Laskowitz Auswanderer, an Sonntagen fast nie unter 30 Personen auf jedem dieser Bahnhöfe. Nach dem Grunde ihrer Auswanderung gefragt, geben die Leute immer wieder die stereotype Antwort: „Schlechter, wie hier kann es uns dort nicht ergehen. Die drüben sind, schreiben doch, daß es ihnen besser ergehe, wie hier. Weshalb sollen wir also zurückbleiben?“

Die polizeiliche Kontrolle bei den Auswanderungsagenten ist eine sehr scharfe geworden.

Im Jahr 1881.
(Schreibweise original)

Helene Marie Neudeck

Januar 1, 2022

Gesucht werden jegliche Informationen, Teildaten und Hinweise im Kontext der nachfolgenden Personen.

Helene Marie Neudeck – sie wurde im Jahr 1885 in Greiz geboren und trat 1906 in den Stand der Ehe mit Robert Paul Horlbeck, welcher ebenso im Jahr 1885 geboren wurde.

Folgende Kinder sind bekannt:

Martha Rosa Horlbeck, 1906 geboren.
Martha Jenny Horlbeck, 1910 geboren.

Möglicherweise wurde 1904 eine Tochter unehelich geboren; zwei weitere Kinder sind früh verstorben. Die Familie lebte mutmaßlich um 1910 in Caselwitz, Greiz in Thüringen.

Jedwede Information, Verbleib und Lebenswege der oben genannten Personen sind willkommen, explizit auch ein Kontakt mit möglichen Nachfahren.

Das gleiche alte Lied

Dezember 28, 2021

Das Jahr ist noch neu, gleichwohl wird es mit eisernen Schritten wie alle anderen zuvor vergehen. Unausweichlich wird es für immerdar in den Strudel der Zeit gesogen und am Ende werden wir uns erneut fragen, wo die schönen Momente des Jahres nur geblieben sind. Dann beginnt es von vorn, das Spiel des Lebens. Immer wieder. Nur die Spieler können sich einer beständigen Ablösung sicher sein. So war die Ordnung der Dinge und so wird sie immer sein.

Menschen kommen, gehen. Das Jahr weht ungerührt in die Vergangenheit – wir unbedeutenden Menschen folgen. Heute oder morgen; die Zeit wird es lehren. In der Erinnerung ausgewählter Personen leben wir weiter, bis auch sie lächelnd, tanzend von der unerbittlichen Lehrmeisterin in den Tod gefällt werden. Das gleiche alte Lied. Genießen wir jeden Moment des Lebens, an dem wir temporär daran partizipieren dürfen. Es ist dies ein einzigartiges Geschenk. In diesem Sinne, wir Wollsteiner wünschen:

Tempus fugit

Dezember 23, 2021

„Den Einfluß der Verstorbenen auf ihre Nachlebenden an das Tageslicht zu ziehen, ist rechts eine Seligkeit und links eine Erlösung für beide Teile.“

(Karl May)

In diesem Sinne, ich wünsche ein harmonisches Weihnachtsfest, geboren in Liebe und Frieden und immerdar in Gedenken an die verehrten Altvorderen.

Münzfund in der Rheinprovinz

Dezember 17, 2021

Auf einer Ziegelei bei Kevelaer fand ein Arbeiter beim Graben ein Thontöpfchen, enthaltend circa 300 noch scharf geprägte Gold-, Silber- und Kupfermünzen von nicht geringem Werthe, von welchen viele eine Jahreszahl aus dem 15. und 16. Jahrhundert tragen. In jener Zeit hat an der betreffenden Stelle eine Schanze gestanden, welche von den Kroaten zerstört worden ist.

Unmittelbar in der Nähe zeigt ein Denkmal aus Stein in Form eines Kreuzes dem Wanderer noch die Stätte, wo im Jahre 1630 mehrere hundert Menschen durch die Kroaten ums Leben gekommen sind, woran noch sehr oft durch Auffindung von Überresten menschlicher Körper und anderen Gegenständen erinnert wird.

Vor mehreren Jahren noch ist in der Nähe ein schwerer Cavallerie-Säbel gefunden worden. Muthmaßlich ist das aufgefundene Geld von den Leuten, die zur Zeit, wo jene wilden Horden ihr Unwesen trieben, an der Stelle wohnten, vergraben worden.

Im Jahr 1879.
(Schreibweise original)

Helene Rietzke

Dezember 8, 2021

Gesucht werden Informationen, primär der Geburtseintrag (evangelisch) von Helene/Helena Rietzke, verehelichte Giese. Ihre Familie lebte nachweislich noch im Jahr 1805 in Lemberg, Kreis Strasburg in Westpreußen.

Sie wurde im Jahr 1808 geboren – gemäß ihrem Heiratseintrag. Nach ihrem Todeseintrag wurde sie im Jahr 1807 in Lemberg, Kreis Strasburg in Westpreußen geboren. Das hier genannte Geburtsjahr aus dem Standesamtseintrag ist identisch mit dem Eintrag im Kirchenbuch.

Allein ist ihre Geburt in dem entsprechenden Kirchenbuch nicht zu finden; vermutlich verzog ihre Familie. Wohin?

Jedwede Information dieser Person ist willkommen, explizit auch ein Kontakt mit möglichen Nachfahren.

Ein gewaltiger Strom. Hochwasser in Schwetz. 1880.

Dezember 6, 2021

Zwischen Schwetz und Kulm war Mitte März eine einzige Wasserfläche und die Weichsel bildete mit dem Schwarzwasser einen gewaltigen Strom von fast einer Meile Breite. Die auf das Bollwerk gebrachte Schwarzwasserbrücke ist von den herandrängenden Eismassen gesprengt worden und hat nur noch mit großer Mühe abgeschwenkt und in Sicherheit gebracht werden können.

In der katholischen Kirche zu Schwetz stand das Wasser 4 Fuß hoch, der Verkehr in der Altstadt geschah auf Kähnen. Das Hochwasser hat, seit die Altstadt zum großen Theile abgebrochen ist, an Interesse verloren, da es jetzt nicht mehr Hab und Gut bedroht, Handel und Gewerbe unterbricht und zahlreichen Familien Noth und Elend bereitet.

Noch vielleicht ein Jahr, und außer den beiden Kirchen dürfte jede menschliche Wohnung verschwunden sein.

Im Jahr 1880.
(Schreibweise original)

Ein gewaltiger Strom. Hochwasser in Schwetz. 1879.

Dezember 1, 2021

Aus Schwetz in Westpreußen wird Folgendes berichtet: „Von den verheerenden Überschwemmungen der Weichsel ist unser Altstadt am schwersten heimgesucht. Vor mehr als 300 Jahren am Ausflusse des Schwarzwassers in die Weichsel zwischen diesen Flüssen unter der Schutze der ehemaligen Ordensburg erbaut, hat sie fast alljährlich durch Überschwemmungsgefahren zu leiden.

Die wohlhabenden Bewohner haben deshalb die Wohnstätten ihrer Väter verlassen, ihre Häuser abgebrochen und sind nach der höher belegenen Neustadt übergesiedelt; den ärmeren Hausbesitzern ist dies trotz der von dem Staate bewilligten Überbauungsprämie aber nicht möglich, und so stehen denn jetzt seit dem 18. Februar des Jahres außer 135 Häusern, bewohnt von 1769 Seelen, die hauptsächlich dem ärmeren Handwerker- und Arbeitsstande angehören, auch die beiden Kirchen und die Synagoge unter Wasser.

Die Stadt bietet ein Bild des Grauens und der Verwüstung, wenn man die Häuser bis an das Dach von den Fluthen umspült und theilweise von Eisschollen umgeben, hier Wände und Schornsteine eingestürzt, dort ein Haus dem Einsturz nahe, und dann auf den Hausböden durch die in das Dach gemachten Öffnungen jene Unglücklichen frierend und hungernd, den Einwirkungen der Elemente Preis gegeben, hervorlugen sieht, Angst und Verzweiflung oder Resignation in ihren Zügen.

Sehr viele haben, da das Wasser auch die Hausböden erreichte, ihre Wohnungen unter Zurücklassung ihrer Habe ganz verlassen müssen, um ihr nacktes Leben zu retten. Nahe an 600 Menschen obdachlos, welche in der Neustadt größtentheils in den Räumen des Kreishauses und der Schule Unterkommen gefunden haben“.

Im Jahr 1879.
(Schreibweise original)

Ein gewaltiger Strom. Hochwasser in Schwetz. 1871.

November 27, 2021

Aus Schwetz am Einfluß des Schwarzwasser in die Weichsel schreibt man am 2. März: „Ein trauriges Bild bietet Schwetz dar. Seit gestern ist die ganze alte Stadt überschwemmt. In den tiefer gelegenen Straßen ragen nur die Dächer der Häuser aus dem Wasser empor. Eisschollen von bedeutender Stärke treiben in den Straßen und erschweren die Passage der Kähne.

Lebensmittel werden in Körben durch die Fenster hinaufgezogen. Die einstöckigen Häuser sind zum Theil von den Bewohnern verlassen, da selbst ein Verweilen in den Bodenräumen durch das Einstürzen der Schornsteine gefährlich wird. Das Elend unter der armen Bevölkerung ist groß“.

Im Jahr 1871.
(Schreibweise original)

Detailsuche: Strehlau, Westpreußen.

November 18, 2021

Gesucht werden jegliche Informationen, Teildaten und Hinweise im Kontext der nachfolgenden Personen.

01. Jacob Strehlau (Strelau) & Catharina Wendtland. Sie lebten wahrscheinlich in Milewo im Kreis Schwetz, Westpreußen und wurden mutmaßlich um 1760 geboren. Weitere relevante Namen in der Kombination sind Prigan und Maerker. Jedwede Information, Verbleib und Lebenswege der oben genannten Personen sind willkommen, explizit auch ein Kontakt mit möglichen Nachfahren.

02. Strehlau, Caroline, geboren zwischen 1867 und April 1871, mutmaßlich in Rondsen, Kreis Graudenz, Westpreußen.

Jedwede Information, wie Verbleib und Lebenswege dieser Personen sind willkommen, explizit auch ein Kontakt mit möglichen Nachfahren.

Scheidung durch „höchster Instanz“

November 13, 2021

In Wiener Neustadt hat eine erschütternde Ehescheidung Aufsehen erregt. Ein katholischer Ehemann, in Wiener Neustadt angestellt, lebte seit Jahren mit seiner rechtmäßigen braven Gattin in stetem Unfrieden, dagegen mit einer „jungen Freundin“ auf sehr friedlichem liebreichem Fuße.

Nun machte er große Anstrengungen, um die gesetzliche Scheidung zu erlangen. Ein Sühneversuch vom Pfarrer erhöhte die Erbitterung des Pflichtvergessenen, so daß er sowohl mündlich, als auch später brieflich, ganz sicher erklärte, am 2. Januar seine Gattin fortjagen und jene andere Frauensperson zu sich nehmen zu wollen.

Am Vorabende des genannten Tages trank er übermäßig und ward im Rausche während derselben Nacht vom Schlage getödtet. Die Ehescheidung war somit an dem von ihm angesetzten Termine, und zwar von „höchster Instanz“ und endgiltig vollzogen.

Aus dem Jahr 1869.
(Schreibweise original)

Rosiges Westpreußen?

November 5, 2021

Die Zustände in Westpreußen sind nichts weniger als rosig, schreibt ein radicales Blatt aus Marienwerder. Das Kreisgericht Schwetz verfolgt 22, Kreisgericht Straßburg 196, Kreisgericht Thorn 226 Heerespflichtige, welche durch unerlaubtes Verlassen des Bundesgebietes sich dem Eintritt in den Dienst des stehenden Heeres oder der Flotte entzogen haben.

Ein Seitenstück hierzu ist: daß nach der letzten Volkszählung sich vermindert hat die Bevölkerung von Marienwerder von 7472 im Jahre 1867 auf 7285 Seelen, Mewe von 4349 auf 4130. Sterblichkeit und Auswanderung waren sehr stark, namentlich nimmt Letztere immer größeren Umfang an.

Trotz der Maßregeln, welche die deutsche Bundesregierung gegen die Auswanderung ergriffen, nimmt die Letztere in Deutschland und besonders in Preußen fortwährend zu. Seit mehreren Tagen sind unsere Straßen wieder von Auswandererzügen aus Westpreußen belebt, denen, nach Aussage dieser Leute, im Frühjahr noch größere Schaaren folgen werden.

Aus dem Jahr 1872.
(Schreibweise original)

Menschen!

November 1, 2021

Reichenbach u. d. Eule. Einen Act abscheulichster Bosheit begingen zwei 14jährige Fabrikarbeiter in Langenbielau. Es gelang ihnen, ein Stück giftigen Farbestoff aus der Fabrik, in der sie beschäftigt waren, fortzuschmuggeln und nun forderten sie einen 12jährigen Knaben, der ihnen begegnete, auf, das Gift zu essen.

Als er sich weigerte, drohten sie ihn zu schlagen, dagegen versprachen sie ihm, wenn er das Stück esse, ihm fünf Pfennig zu geben. Hierdurch ließ sich der Knabe bewegen, den Giftstoff zu verzehren, doch schon auf dem Wege nach Hause trat Erbrechen ein, und obgleich bald ärztliche Hilfe eintraf, mußte er nach stundenlangen, schweren Leiden seinen Geist aufgeben.

Aus dem Jahr 1896.
(Schreibweise original)

Eine Unterlassungssünde mit endgültigen Konsequenzen

Oktober 25, 2021

In Berlin ist die 28jährige Frau des Schneidermeisters Busch, Kochstr. 20, an der Trichinosis gestorben und ihr Mann liegt schwer erkrankt darnieder, trotz der kostspieligen und mühevollen Fleischschau, die mit so viel Sorgfalt und Strenge in Berlin durchgeführt wird. Allerdings war das Fleisch von auswärts eingeschleppt. Der bei Kulmsee wohnende kleine Besitzer Wilhelm Zink hatte zwei Schweine schlachten, das Fleisch aber nicht untersuchen lassen.

Eine Schwester Zinks ist nach dem Genusse des Fleisches gestorben, ebenso sein in Stargard beim Leib-Husaren-Regiment stehender Sohn, dem er von dem Fleisch gesandt hatte. Acht Kameraden dieses Soldaten, die gleichfalls von dem Fleisch gegessen hatten, sind schwer erkrankt, ebenso zahlreiche andere Verwandte. Zink hatte auch an seinen Bruder nach Berlin von diesem Fleische gesandt; dieser Bruder wohnt bei den Eheleuten Busch – so kam es, daß auch diese von dem trichinösen Fleische aßen.

Die dort zum Besuch anwesende Martha Janke ist gleichfalls nach dem Genusse des Fleisches, respektive der daraus hergestellten Wurst erkrankt und hat lange in der Charitee gelegen, bis sie als geheilt in ihre Heimath, nach Thorn, entlassen werden konnte.

Anmerkung. Bertha Louise Hauser, verehelichte Busch verstarb mit nur 28 Jahren am 20.01.1888 in Berlin. Der oben erwähnte Bruder – Jakob Eduard Zink – meldete auch ihren Tod; er selbst überlebte den “Fleischgenuß” und verstarb 11 Jahre später mit 41 Jahren.

Aus dem Jahr 1888.
(Schreibweise original)

Des schnöden Mammons nicht genug!

Oktober 18, 2021

Schildberg. Kürzlich sollte hier die Verheirathung des Kaufmanns B. aus Ostrowo, mit Frl. Br., der Tochter einer Kaufsmannswittwe, stattfinden. Kurz vor der Trauung sollte dem Bräutigam die Mitgift behändigt werden, 6000 Mark.

B. hatte aber 8000 Mark erwartet und verzichtete nun auf die Heirath. Er reiste ab und ließ die Braut im Hochzeitskleid zurück.

Diese skandalöse Anekdote ereignete sich im Jahr 1896.
(Schreibweise original)

Die diesjährige Auswanderung (1870)

Oktober 13, 2021

Wie man unlängst erfahren hat, unterscheidet sich die diesjährige Auswanderung nach Amerika in auffallendem Maße von denen früherer Jahre dadurch, daß fünf Sechstel der Auswanderer Leute sind, welche mit Kapital versehen in den Vereinigten Staaten eine neue Heimath aufsuchen. Außerdem weist die große Mehrzahl der Auswanderer viel Kenntnisse auf.

Bisher waren es namentlich Bauern und Tagelöhner aus Pommern, Westpreußen und Posen, die das eigentliche Kontingent der Auswanderung stellten, zum großen Theil also Personen, die ohne jede Kenntniß der Verhältnisse der Union dorthin gingen und bis zu ihrer Ansiedelung den mannigfachsten Gefahren ausgesetzt waren.

In diesem Jahre ist es besonders der intelligentere Handwerker und Kaufmann, der sein Glück drüben versuchen will. Außer den genannten Distrikten stellt namentlich auch die Priegnitz eine bedeutende Menge von Auswanderern, die früher ausgewanderten Landsleuten folgen. Viele Priegnitzer sind, was nicht uninteressant ist, Mitbegründer von Chicago und darum sehr reich gewordene Leute.

Juni 1870.
(Schreibweise original)

Ein verheerendes Element

Oktober 6, 2021

Die Chronik der Feuersbrünste liefert immerfort schreckliche Beiträge. Aus Dramburg, in Pommern wird berichtet: Ein fürchterliches Brandunglück hat am 13. Mai die Gemeinde Schönfeld betroffen; 19 Gehöfte sind vollständig sammt der Schule in Asche gelegt und 31 Familien dadurch obdachlos geworden.

Sämmtliche Familien haben nur das nackte Leben gerettet, die Habe ist fast vollständig verbrannt. Viele Einwohner liegen an den erhaltenen Brandwunden darnieder, versichert ist nichts.

Von dem ganzen Dorfe sind von dem verheerenden Elemente nur zwei größere Besitzer und 6 kleinere, die Letzteren nur Tagelöhner, verschont geblieben.

Aus dem Jahr 1874.
(Schreibweise original)

Ein kleines Glück – geboren in großer Trauer

September 29, 2021

In Gumin wurde den alten Schuhmacher Wollin´schen Eheleuten in diesen Tagen eine große Überraschung zu Theil. Ein Sohn, welcher 1873 nach Amerika auswanderte, dort sein Glück fand, aber seit Jahren nichts von sich hören ließ, ist jetzt gestorben und hat den alten braven Eltern den ganzen Nachlaß zugedacht.

In diesen Tagen kam vom Konsulat die Nachricht, daß die Eltern nach unserem Gelde 30,000 Mark und ein Haus zugefallen sind. Die alten Leute gedenken jetzt ihre letzten Jahre in Amerika zuzubringen.

Im Jahr 1893.
(Schreibweise original)