Der Posener Zoo

Oktober 18, 2019

Der Zoo von Posen verdankt seine Entstehung einem originellen Einfall einiger lebenslustiger Menschen. An der Stelle, an der sich jetzt der Tiergarten befindet, war der ehemalige Stargard-Posener Bahnhof, in dessen Gärtchen von den Mitgliedern einer Tafelrunde eine kleine Tierschau „zwecks Kurzweil und belehrender Erholung der Vereinsmitglieder“ eingerichtet wurde. Drei Jahre später, am 24. Februar 1874, wurde der ganze Tierbestand von einer Aktiengesellschaft übernommen. Einen besonderen Aufschwung nahm der Garten unter der Leitung von Robert Jaeckel, der 1881 mit dem Aufbau des Gartens begann.

Im Jahre 1907 übernahm M. Meißner die Leitung des Gartens. Ihm folgte Hans Lackmann. Sein Nachfolger führte den Posener Zoo aus allen Verfallserscheinungen der Kriegs- und Nachkriegszeit, sowie aus der Septemberkrise 1939 heraus, so daß der noch gegenwärtig unter seiner fachkundigen Leitung stehende Zoologische Garten nunmehr einen neuen Aufschwung nehmen kann.

Im Jahre 1912 besaß der Posener Zoo 696 Tiere, die zu 342 verschiedenen Gattungen gehörten. Im Jahre 1913 waren es 431 Tiere bei 192 Gattungen. Im Vorkriegsjahr 1914 stieg die Zahl der Tiere auf 470, wobei aber die Zahl der Gattungen 192 herabsank. Der gegenwärtige Bestand an Tieren ist nicht kleiner als der durchschnittliche der Vorkriegsjahre. Allein der Bestand an Säugetieren ist mit rund 110 Exemplaren angegeben.

Der Posener Zoo besitzt: 2 Elefanten, 2 kleinere Bisam, Kamele, Lamas, verschiedene Hirscharten wie: lappländische Rentiere, eine seltene Hirsch-Ziegen-Antilopenart. Der Raubtierbestand ist nicht klein, schon allein an „kleinen Räubern“ weist er eine Mannigfaltigkeit auf, die einem Zoologischen Unternehmen einer Weltstadt Ehre gemacht hätte. Zu den marderartigen Tieren gehören: der Musang, der Ichneumon, die Mangusten, die Tibetkatze, die Genette und der Ozelot. Wölfe und Füchse sind im Zoo in genügender Anzahl vorhanden. Von den großen Raubtieren besitzt der Zoo: vier Löwen, 2 Tiger, ein Prachtexemplar von einem schwarzen Jaguar, 2 Panther, Leoparden, sowie ein Puma-Pärchen. Weiter gehören zum Zoo drei riesige Braunbären, ein Eisbär und ein Kragenbär.

Eine große Anzahl kleinerer Vogelarten, darunter mannigfaltige Papageien wie Aras, Raubvögel wie Seeadler, Gänsegeier, Mönchsgeier, Kondore und Steinadler. Auch schwarze australische Schwäne gehören dem Posener Zoo.

Aus dem Jahr 1940. (Schreibweise original). Partiell gekürzt.

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Starkes Leben pulsiert im Kreise Grätz

Oktober 10, 2019

Auf dem Marktplatz in Grätz steht der heute versiegte, wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stammende St. Bernhard Brunnen, der den Grätzern jahrhundertelang das Wasser für die Bierherstellung geliefert hat. Der Sage nach ist im Jahre 1594 der später heiliggesprochene Benediktinermönch Bernhard nach Grätz gekommen, der die Einwohner in großer Verzweiflung antraf, da der Brunnen versiegt war. Bernhard segnete den Brunnen, der daraufhin reichlicheres und besseres Wasser als früher spendete. Wahrscheinlich wird es aber so gewesen sein, daß die guten Grätzer den Brunnen haben verschlammen lassen und daß Bernhard ihnen den Rat gab, eine Aufgrabung und Reinigung vorzunehmen.

Dieser Brunnen war für die damaligen Bewohner von außerordentlicher Bedeutung, gründete sich doch der Wohlstand der Bürger auf der Herstellung von Bier, das von den im 15. Jahrhundert eingewanderten Böhmen und Mähren zuerst erzeugt wurde. Sie hatten auch die besondere Eigenschaft des Wassers erkannt, das dem Bier eine lange Haltbarkeit verleiht. Der besondere Rauchgeschmack und diese Haltbarkeit haben das Grätzer Bier so bekannt werden lassen. Das Brunnengebäude auf dem Marktplatz, das unter Denkmalschutz gestellt wurde, soll nach dem Krieg restauriert werden.

Zur preußischen Zeit zerfiel das Gebiet in die Kreise Grätz und Neutomischel und in einen nordwestlichen Zipfel, der 1918 vom Kreise Meseritz an Polen gefallen war. Dieser Zipfel und der ganze Kreis Neutomischel wiesen eine starke deutsche, der Kreis Grätz aber eine überwiegend polnische Bevölkerung auf. Wie alle Kreise im Wartheland ist aber auch der Kreis Grätz landwirtschaftlich ausgerichtet. Im Norden und Nordwesten trifft man auf sehr reizvolle Landschaftsbilder, die durch Hügelzüge bis zu 143 m Höhe unterbrochen werden. Angebaut werden in der Hauptsache Roggen und Kartoffeln, doch ist auch der Weizen- und Zuckerrübenanbau ziemlich bedeutend.

In der Umgegend von Neutomischel ist auch der Korbweidenanbau zu Hause, der auf einer Fläche von 680 ha betrieben wird. In den letzten Jahren ist auch die Weidenverwertungsindustrie in Neutomischel stark ausgebaut worden. Im Kreis befindet sich das Gut Hermannstal, das sich rühmen darf, eine Einrichtung zu beherbergen, die es zum zweitenmal im ganzen Reich nicht gibt. Und zwar ist dort ein Pferdedepot der Schutzpolizei eingerichtet worden. Zieht man das Fazit aus dem bisher Erreichten, so ergibt sich das Bild eines rege pulsierenden Lebens, das auf allen Gebieten der Wirtschaft, der Kultur, der Kommunalpolitik und der Volkstumspolitik spürbar ist.

Aus dem Jahr 1943. (Schreibweise original). Partiell gekürzt.

Greiz – Perle des Vogtlandes

Oktober 4, 2019

Ein Zweig meiner Familie stammt aus Greiz und endlich beschloß das unwägbare Leben, mich in jenen Ort zu führen – durchaus auf den Spuren meiner Vorfahren, die dort schon lange nicht mehr anzutreffen sind. Greiz. Eine wahrhaft schöne Stadt – meine australische Verwandte sagte diesbezüglich: „soooo viel Geschichte!“. In der Tat, dem pflichte ich bei. Als Besucher absolvierte ich das entsprechende touristische Programm mit Begeisterung; aber als Gast mit familiärer Verbindung in diese Gegend gewahrte ich den Ort freilich in einem anderen Kontext. So besuchte ich einige Friedhöfe und stand vor den Häusern, die einst meiner Familie gehörten – wie stets generiert dies ein seltsam surreales Gefühl, Empfinden.

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Die Häuser existieren noch, die einstigen Eigentümer sind in das weite Land der Vergangenheit geweht worden. Und dennoch traf ich eine Frau, die die letzte entfernte Verwandte noch persönlich kannte und wohl sogar weitläufig mit mir verwandt ist. Welch eine bemerkenswerte Begegnung! Sodann spürte ich alten Photos nach und setzte sie aktuell in Szene – nur mit der heutigen Generation – auch dies war ein besonderer Moment; nach vielen Jahrzehnten ein Bild zu wiederholen – am gleichen Aussichtspunkt, nur mit aktuellen Familienmitgliedern, den Nachfahren.

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Greiz gilt als „Perle des Vogtlandes“. Nun, landschaftlich betrachtet, von der Architektur her, den Schlössern, den zahlreichen anderen Sehenswürdigkeiten und überhaupt – die gesamte Lage – ich unterschreibe das gerne. Und nicht zu vergessen, die kulinarischen Aspekte – das Angebot in den dortigen Restaurants – ich erwähne stellvertretend nur die selbstgemachten Thüringer Klöße, die nicht in lächerlichen drei oder 15 Minuten zu bekommen sind; ein Jammer, wahrlich ein Jammer, daß ich kein Restaurantkritiker bin; mein Fazit wäre mehr als positiv.

Doch die wahre Perle – sind die Menschen in jener Gegend. Selten habe ich eine greifbare Freundlichkeit und solche sympathischen, herzlichen Menschen getroffen; irrelevant, ob alte oder junge Personen. Nur leider existiert keine familiäre Verbindung mehr dorthin – längst sind sie alle eingetreten, in das allumfassende große Vergessen der Vergänglichkeit. Ein Hoch auf Greiz!

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Memento mori!

Detailsuche: Fechner. IV.

September 28, 2019

Gesucht werden jegliche Informationen, Hinweise und mehr über Johann Friedrich Herrmann Fechner, geboren im Jahr 1856 in Dombrofker Hauland, Kreis Bomst, in der Provinz Posen.

Im Jahr 1888 wanderte er nach Australien aus und kehrte einige Jahre später nach Deutschland zurück, um ca. 1895 erneut nach Australien zu reisen; mutmaßlich in Begleitung einer Dame. Er verstarb in Australien, doch wann und wo?

Gesucht werden jegliche Informationen, Hinweise und mehr über Carl Heinrich Fechner, geboren im Jahr 1858 in Dombrofker Hauland, Kreis Bomst, in der Provinz Posen.

Angeblich wanderte er 1891 nach Australien aus. Nach einigen Jahren kehrte er nach Deutschland zurück. War er verheiratet, wenn ja – mit wem? Wo lebte er und wie sah sein Lebensweg aus? Wo starb er?

Die genealogische Herkunft beider Personen ist geklärt, doch der detaillierte Verbleib und die Lebenswege, sowie die Existenz etwaiger Kinder von Carl Heinrich Fechner sind von Interesse. Jedwede Information ist willkommen, explizit auch ein Kontakt mit den möglichen Nachfahren.

Heirat in Neu Borui

September 22, 2019

Das nachfolgende Photo einer Hochzeitsgesellschaft entstand im April 1938 in Neu Borui, Kreis Bomst in der Provinz Posen. Leider währte die Ehe nur sechs Jahre – der Bräutigam fiel 1944 für „Führer, Volk und Vaterland“.

Ich bin geneigt anzunehmen, daß alle Personen in dieser Momentaufnahme in die unendliche Vergänglichkeit eingetreten sind. Auf dieser Seite leben sie weiter und möglicherweise findet sich jemand, der einige der namenlosen Gäste identifizieren kann. Jedweder Hinweis in diesem Kontext ist willkommen.

Lebenszahlen

September 18, 2019

Im Jahr 1911 erblickte ein süßes Mädchen das temporäre Licht dieser Welt; sie wurde zu einer wundervollen Dame, die ich noch kennenlernen durfte, welche ich sehr geschätzt habe. Ihre späteren Lebenszahlen sind wahrlich bemerkenswert. Mit 22 Jahren schloß sie den Bund der Ehe und zwar im Jahr 1933 – leider währte ihre Liebe nur 11 Jahre, die Dämonen des Krieges nahmen ihren Ehegatten im Jahr 1944 aus dem Spiel des Lebens. Abermals 11 Jahre später heiratete sie erneut, im Jahr 1955, sie war zu dem Zeitpunkt 44 Jahre alt.

Solche kuriosen wie interessanten Lebensdaten sind in meinem Archiv einzigartig und um jenen Fall adäquat abzuschließen, sei noch ihr Lebensende angeführt – im Jahr 1999 verließ sie diesen Planeten in einem Alter von 88 Jahren. Sei mir herzlich gegrüßt, meine Liebe!

Eine Rekordgans und Erben gesucht

September 14, 2019

Von einer Rekordgans

Bomst. Daß Gänse ein hohes Alter erreichen, wenn sie nicht vor der Zeit dem Messer der Köchin zum Opfer fallen, dürfte bekannt sein. Den Rekord in der Erreichung eines höheren Alters wird jedoch sicher eine Gans aufgestellt haben, die dieser Tage bei dem Besitzer M. krepiert ist und die nach dessen durchaus glaubhafter Angabe das für eine Gans sehr stattliche Alter von 37 Jahren erreicht hat.

Aus dem Jahr 1910. (Schreibweise original)

Erben gesucht

Schneidermeister-Eheleute Gottlieb Friedrich Herkt und Anna Rosalie, geb. Marsitzke aus Kreutz oder Ruden, Post Schwenten und, der Johann Friedrich Herkt von dort sind vor etwa 50 Jahren wohin unbekannt verzogen. Diese Personen oder ihre Erben werden ersucht, sich bei dem Königlichen Amtsgericht Unruhstadt oder bei dem Unterzeichneten zu melden.

H. Kurz. Pfleger.

Aus dem Jahr 1911. (Schreibweise original)

Schwarzschlachtung

September 9, 2019

Bisher entdeckte ich drei Familienmitglieder, welche sich einem „Verbrechen der Kriegswirtschaftsordnung“ im Rahmen des Zweiten Weltkrieges schuldig gemacht hatten, heißt: Schwarzschlachtung. Ein Ehepaar aus Stodolsko (Friedheim) in der Provinz Posen wurde im Juli 1941 zu sieben, bzw. zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Mann aus Neu Borui saß im Mai 1941 in Grätz in Untersuchungshaft und erhielt acht Monate Haft und eine Geldstrafe von 200 Mark. Wahrscheinlich hatten sie noch „Glück“ mit diesen Strafen, da auch die Todesstrafe möglich war.

Weniger Glück hatten offenbar polnische Bürger – sie wurden weitaus härter bestraft.

Josef T. aus Posen kaufte 13 Pfund Schweinefleisch für 105 Reichsmark. Urteil: Ein Jahr und sechs Monate Straflager.

Landwirt K. aus Margonin schlachtete ein Kalb von etwa 30 Kilogramm am Silvesterabend. Urteil: Zwei Jahre Straflager.

Landwirt J. aus Augustenhof verkaufte Schweinefleisch, Butter und zwei Hühner. Urteil: Vier Jahre Straflager.

Bolislaw L. aus Sonnenfeld schlachtete ein Schwein von 45 Kilogramm. Urteil: Vier Jahre Straflager.

Stanislawa L. aus Pfalzhof schlachtete ein Schwein von 35 Kilogramm. Urteil: Vier Jahre Straflager.

Antoni W. und Stanislawa K. aus Spandorf schlachteten ein Schwein von 35 Kilogramm, welches der K. gehörte. W. außerdem ein eigenes Schwein. Urteile: Vier Jahre Straflager für die Frau und sechs Jahre für den Mann.

Detailsuche: Strehlau. III.

September 4, 2019

Gesucht werden jegliche Informationen, Teildaten und Hinweise im Kontext der nachfolgenden Personen.

01. Strelau (Strehlau), Dorothea, geboren um 1805, vermutlich in Milewo oder Neuenburg, Kreis Schwetz, Westpreußen.

oo:

02. Prigan (Prigann), Johann

Jedwede Information, wie Herkunft, Eltern, gemeinsame Kinder, Verbleib und Lebenswege der oben genannten Personen sind willkommen, explizit auch ein Kontakt mit möglichen Nachfahren.

03. Strehlau, Caroline, geboren zwischen 1867 und April 1871, mutmaßlich in Rondsen, Kreis Graudenz, Westpreußen.

04. Strehlau, Emma Luise, geboren 1881 in Rondsen, Kreis Graudenz, Westpreußen.

Jedwede Information, wie Verbleib und Lebensweg dieser Personen sind willkommen, explizit auch ein Kontakt mit möglichen Nachfahren.

Ehekreuz

August 29, 2019

Nach einer 26 jährigen Geduld – finde ich mich endlich in die Nothwendigkeit versetzt – der Geduld einmal die längere Herrschaft über mich zu entsagen und mache hiermit dem Publikum bekannt, daß meine Frau Maria, eine geborne Reiter, sich so beträgt, daß ich nicht länger für ihr Betragen verantwortlich seyn kann und will. Ich werde daher Niemanden mit meiner Habe verantwortlich seyn, der durch ihre ungezähmte Zunge beleidigt und gekränkt, sich veranlaßt finden sollte, den Arm des Gesetzes gegen sie im Anspruch zu nehmen und sie mag, so oft sie es verdient, die von den Gesetzen auferlegte Strafe selbst ertragen, indem ich hiermit jederman erkläre, daß ich mich ihrer durchaus nicht annehme, und keine daraus erwachsenden Unkosten bezahlen werde.

Da sie ferner mir den als ihrem Ehemanne gesetzlich schuldigen Gehorsam versagt, mein Haus und Geschäft so oft verläßt als ihr gefällt – so untersage und warne ich hiermit jederman ihr nichts auf meinen Namen zu leihen oder borgen, indem ich von heutigem Dato an – nichts davon bezahlen werde. Meine Freunde, die mich kennen, wißen wie schmerzlich es mir geworden, obige Erklärung zu machen; allein sie wissen auch, daß die Noth um mein mit saurem Schweiße errungenes Eigenthum zu sichern, mich dazu gezwungen haben.

Philipp Reichardt, September 1835

Da mein Weib Doretha, geborne Mutschelknaus, ohne Grund und Ursache mein Tisch und Bett verlaßen hat, so warne ich hiermit jederman ihr nichts auf meinen Namen zu borgen oder leihen, in dem ich nichts für sie Bezahlen werde. Da sie schon verschiedene Mal von meinen Geräthschaften wegschleifte, so Warne ich hiermit jederman nichts von ihr abzunehmen oder Kaufen, indem ich sie sonst gesetzlich belangen werde.

J. Gerber, September 1835

(Schreibweise original)

Ein Schalk zu Schalke trieb ein Schalk

August 26, 2019

Zu Schalke hat ein Schalk die Schalker auf folgende Weise in den April geschickt. Die „Schalker Zeitung“ brachte nämlich am 1. April Nachmittags die telegraphische Nachricht, daß der König der Belgier per Extrazug um halb sieben Uhr eintreffen werde, um die Glas und Spiegel-Manufactur zu besichtigen. In hellen Haufen trabte nun alles, was eben Zeit hatte, kurz nach sechs Uhr zum Bahnhofe: Bergleute und Arbeiter, mit frischen Ehemisetten und rothen Plüsch-Pantoffeln, Handwerker und Schülerinnen, Alle gingen zum Bahnhofe, um den „König der Beiger“ zu sehen.

Ein Bürger, Präses eines Vereins, soll sogar sich eiligen Schrittes zum Amte begeben haben, die polizeiliche Genehmigung nachzusuchen, mit den Vereins-Mitgliedern vor dem „König der Belgier“ Spalier bilden zu dürfen. Mit Ungeduld harrte die Menge auf die Ankunft des Extrazuges. Wer aber nicht kam, war der Monarch. Die Schalker waren einfach in den April geschickt, und mit langen Gesichtern kehrten die Gefoppten, als es bereits dunkel geworden war, nach Hause zurück.

Aus dem Jahr 1879. (Schreibweise original)

Familiäre Militärstatistik

August 21, 2019

Der Unterpunkt Familie & Militär nimmt durchaus einen bedeutenden Platz innerhalb meiner Chronik ein und bei allem Wahnsinn, Absurdität, tiefer Trauer und Dramatik ist es interessant zu recherchieren, wie die Altvorderen im Zeitenfluß der Jahrhunderte daran Anteil nahmen respektive nehmen mußten. Von Musketieren, Ulanen und Garde-Husaren, Mitglieder im Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1, einfachen Gefreiten, Angehörige in Landwehr-Regimentern, über Unteroffiziere und Offiziere, in SS-Totenkopfverbänden, Feldgendarmerie der Wehrmacht, NVA bis hin zur Bundeswehr – wie schlußendlich ich selbst – ist alles vertreten. Meine Familie war vertreten in allen Gattungen; sie fuhren auf der Bismarck (und starben), auf der Blücher, Karl Galster und sogar auf der Wilhelm Gustloff.

Nicht zuletzt waren Familienmitglieder im Zweiten Weltkrieg auch auf der Gegenseite vertreten – in der Australian Army und in der U.S. Army. Der Krieg ist ein wahnsinniges Konstrukt des menschlichen Geistes, welches wir leider nur zu gerne nähren und pflegen und frißt selbige Narren höchst engagiert auf.

Nachfolgend sei der gefallenen Kriegsteilnehmer meiner Familie gedacht. Zwar gab es unzählige mehr, doch derzeit sind 177 bekannt, wovon 94 fielen:

1806 im Vierten Koalitionskrieg,
(Doppelschlacht Jena/Auerstedt) – 01 Person

1866 im Deutschen Krieg – 04 Personen

1870/1871 im Deutsch-Französischen Krieg – 01 Person

1. WK – 56 Personen

2. WK – 32 Personen

Sie starben alle für Nichts, wo sie doch leben, leben sollten. Der nächste Krieg wird folgen…

Aus der Geschichte der Posener Post

August 14, 2019

Im Jahre 1793 wurde in Posen das erste preußische Postamt errichtet und seine Verwaltung dem Postdirektor Gericke aus Schneidemühl übertragen. 16 Postwärtereien wurden ihm unterstellt. Die Ereignisse des Jahres 1806 unterbrachen für kurze Zeit die preußische Aufbauarbeit, da von Napoleon ein Großherzogtum Warschau gegründet wurde, zu dem die ehemals preußischen Gebiete zugeschlagen wurden. 1815 erhielt die Stadt Posen ein preußisches Oberpostamt unter der Verwaltung des Postdirektors und Hofrats Espagne. Der gesamte postalische Verkehr mit Posen als Mittelpunkt nahm nun einen gewaltigen Aufschwung.

Auf neun Postkursen verkehrten nunmehr 9 fahrende und 4 reitende Posten. Alle diese Posten gingen wöchentlich zweimal hin- und zweimal herwärts, eine stattliche Verkehrsquote für die Verhältnisse der damaligen Zeit! Nach 1820 wurde auf dem Kurse nach Berlin eine Schnellpost und im Jahre 1838 die erste tägliche Personenpostverbindung zwischen Posen und Glogau eingerichtet. Acht Jahre darauf hatte Posen bereits täglich 13 ankommende und 13 abgehende Posten.

Die durch die Inbetriebnahme der Eisenbahnen zwischen Posen und Kreuz am 01. Oktober 1848, zwischen Kreuz und Bromberg im Jahre 1851, zwischen Posen und Breslau am 29. Oktober 1856, ferner durch die Eröffnung der Posen-Märkischen Eisenbahn am 26. Juni 1870 und der Posen-Bromberger Eisenbahn am 26. Mai 1872 herbeigeführten Umwälzungen im Transportwesen waren auch auf die Weiterentwicklung des Postwesens der Stadt Posen von wesentlichem Einfluß. 1848 gab es bereits täglich 30 ankommende und abgehende Posten und Transporte von und zu den Eisenbahnzügen, 1857 waren es bereits 36, 1864 stieg die Zahl auf 40, 1871 auf 55 und 1874 sogar auf 61. So belebend hatte die Eisenbahn auf den Verkehr gewirkt. Auch das Postpersonal war zahlenmäßig mit dem sich ständig vergrößernden Aufgabenkreis angewachsen. Während 1793 noch 3 Beamte genügten, waren 1859 bereits 25 tätig und 1864 hatten gar 46 alle Hände voll zu tun.

Stadtbriefkästen gibt es in Posen erst seit dem 1. September 1851. Mit der Landbriefbestellung wurden 1824 die ersten Anfänge gemacht. Eine regelmäßig Landbriefbestellung an den sechs Wochentagen besteht beim Posener Postamt seit dem 1. April 1856. Das alte Posthaus an der Ecke Post- und Wilhelmstraße wurde um 1795 gebaut und war das Eigentum des damaligen Postdirektors Gericke. Er verkaufte es im Jahre 1805 an den Staat. 1832 erfolgte der Ankauf des Nachbargrundstücks in der Wilhelmstraße, worauf die beiden Postgrundstücke vereinigt wurden.

Aus dem Jahr 1943. (Schreibweise original; jedoch Passagen mit der NS-Ideologie der damaligen Zeit entfernt und dem aktuell herrschenden System angepaßt)

Neue Liste: Ahnenforschung im Kreis Briesen, WPR

August 7, 2019

Für den Kreis Briesen in der Provinz Westpreußen hat die entsprechende Interessengemeinschaft ab sofort einen Ort des Austausches geschaffen. In der Beschreibung heißt es:

„Die Briesen-Mailingliste bietet allen Interessierten die Möglichkeit für einen genealogischen Austausch im Kontext der Familienforschung in dem Kreis Briesen in der Provinz Westpreußen. Die Zeit, das Leben hat jene Menschen, Vorfahren – die dort geboren wurden in die weite Welt hinaus gesandt und wer eine Verbindung in die alte Heimat sucht, kann sich hier entsprechend austauschen.“

Ahnenforschung im Kreis Briesen, WPR.

Das Abonnieren der Liste erfolgt unter dieser eMail-Adresse.

Eine bemerkenswerte Nachkommenschaft

August 3, 2019

Fürwahr, Todeseinträge, in denen die Nachkommen explizit erwähnt werden – sei es namentlich mit Ehepartnern oder nur die Anzahl selbiger – sind wahrlich keine Besonderheit. Natürlich hatten viele Vorangegangene zahlreiche Nachfahren und 30 Enkel oder mehr finde ich nicht mehr erwähnenswert. Doch nun sticht ein Eintrag durchaus heraus und verdient, hier entsprechend gewürdigt zu werden.

Im Dezember des Jahres 1851 verstarb eine Anna Maria, welche 1758 geboren wurde und sie hinterließ: „11 Kinder, 84 Enkel und 125 Urenkel“.

Nun, selbst wenn diese Zahlen nicht korrekt sind, so wird der wahre Wert von jenen Zahlen nicht weit entfernt sein. Dieses Beispiel nimmt ab sofort in meiner langjährigen Forschung den Spitzenplatz ein.

Alteingesessen

August 1, 2019

Volle 95 Jahre auf einer Stelle gewohnt zu haben und dann ausziehen zu müssen, ist gewiß schmerzlich. Dies passirte einer 95 Jahre alten Frau Dreier in der Schlachterstraße zu Hamburg. Die Matrone war in jenem Hause geboren, confirmirt, getraut, hatte Eltern und Mann verloren und hoffte, daselbst auch zu sterben.

Indeß mußte die Wohnung wegen Baufälligkeit geräumt werden. Die alte Frau verließ natürlich schweren Herzens das alte traute Heim.

Aus dem Jahr 1882. (Schreibweise original)

Gesucht wird

Juli 29, 2019

Harte Menschen schufen die Hauländereien

Juli 19, 2019

In den ersten Jahrhunderten der Neuzeit erlebte gerade das Wartheland eine neue gewaltige Siedlerwelle, die sogenannte zweite Kolonisation, die vom Ende des 16. bis weit in das 18. Jahrhundert hinein den größten Teil der hier vorhandenen ländlichen Siedlungen geschaffen und auch weit über die Grenzen des Warthelandes gewirkt hat. Eine gewaltige Volkswanderung von Niederländern angestoßen, dann hauptsächlich aus Pommern, der Neumark und auch aus Schlesien gespeist, hat – im wesentlichen aus Antrieben des Volklebens, ohne fördernde staatliche Eingriffe – die meisten deutschen Siedlungen der Grenzmark und des Warthelandes und die Volksinseln der Lubliner und Cholmer Landes sowie weiter bis ins einstige Sowjetwolhynien hinein entstehen lassen.

Alle diese deutschen Dörfer sind auf Böden entstanden, die sowohl die Polen als auch die vorangegangenen mittelalterlichen deutschen Siedler verschmäht hatten, in den sumpfigen Niederungen der Weichsel, Netze und Warthe, auf den kargen Sandflächen, besonders im Norden und Westen des Warthelandes, in dem dichten Urwald, der einst das heutige Litzmannstadt umgab. Auf diese Böden, riefen die polnischen Grundherren, um von ihnen Nutzen zu ziehen, deutsche Siedler, Holländische und friesische Niederungsbauern, die ihre umkämpfte Heimat im 16. Jahrhundert verließen, gaben in Ostpreußen und dem Danziger Werder die ersten Vorbilder und drangen von dort als Siedler und Deichbauern bis in die Warschauer Gegend vor. Auf sie gehen – mittelbar oder unmittelbar – die großen deutschen Niederungsdörfer der Kreis Hermannsbad, Leslau und Waldrode zurück, angefangen mit dem 1606 gegründeten Slonsk bei Hermannsbad.

In der gleichen Zeit trieb das Bestreben pommerscher und märkischer Adliger, Bauernhufen in Gutsland zu verwandeln und die Bauern erbuntertänig zu machen, diese oft über die Grenze, wo die polnischen Großgrundbesitzer Menschen suchten, die ihre Wälder rodeten und nutzbar machten. Wie in der mittelalterlichen Siedelzeit gründeten nun deutsche Schulzen auf neugerodetem Land deutsche Dörfer, die sogenannten Schulzendörfer, in der Grenzemark und dem Nordwesten des Posener Landes. Die beiden Siedlerströme begegneten sich und verschmolzen miteinander: Die Pommern und Neumärker nahmen Rechtsformen, Wirtschaftsart und Siedlungsweise der Niederländer an und auch nordschlesische Siedler folgten ihrem Beispiel.

Der Name „Holland“ bürgerte sich für solche Siedlungen ein, vom Volksmund bald in „Hauland“ sinnvoll abgewandelt..

Aus dem Jahr 1943. (Schreibweise mehrheitlich original; jedoch die NS-Ideologie der damaligen Zeit entfernt und dem aktuell herrschenden System angepaßt)

In dem der Archiv Wollstein-Mailingliste ist der komplette Artikel als PDF-Dokument abrufbar.

Die unbekannte Hochzeitsgesellschaft. Akt VIII.

Juli 12, 2019

Das nachfolgende Photo einer Hochzeitsgesellschaft entstand im Jahr 1934 wohl in Briesen, Kreis Briesen, in der Provinz Westpreußen.

Nur sieben Personen sind derzeit bekannt. Wer erkennt die anderen, bisher namenlosen Personen von der längst vergangenen Feierlichkeit, doch auf diesem Bild dokumentierten Zusammenkunft und kann sie identifizieren? Jedweder Hinweis in diesem Kontext ist willkommen.

Die unbekannte Hochzeitsgesellschaft. Akt VII.

Juli 6, 2019

Das nachfolgende Photo einer Hochzeitsgesellschaft entstand im Jahr 1934 wohl in Briesen, Kreis Briesen, in der Provinz Westpreußen.

Nur acht Personen sind derzeit bekannt. Wer erkennt die anderen, bisher namenlosen Personen von der längst vergangenen Feierlichkeit, doch auf diesem Bild dokumentierten Zusammenkunft und kann sie identifizieren? Jedweder Hinweis in diesem Kontext ist willkommen.