Nächtliche Verbrecherjagd in Wollstein

November 23, 2022

Feueralarm erschreckte in der Nacht zum Sonnabend unsere Bürger. Stadtfeuersignale, insbesondere zu nachtschlafender Zeit, erfüllen ihren Zweck, Menschen zur schnellen Hilfe herbeizurufen, in vollendeter Weise. Als in der Sonnabendnacht die Straßen sich mit fragenden Menschen füllten, erfuhren sie, daß ihre Hilfe nicht einer Feuersbrunst, sondern einer Verbrecherjagd dienstbar gemacht werden sollte.

Im Hause Bergstraße 7 hatte sich ein Diebeskonsortium von 4 oder 5 Verbrechern eingeschlichen, was in diesen Häusern, die alle mit ihren Höfen und Gärten an den Forst grenzen, einfach und ungefährlich ist. Ein Mieter des Hauses, der gegen 1 Uhr nach Hause kam und die Hoftür öffnen wollte, fand hierbei einen unerklärlichen Widerstand. Als er mit Gewalt die Tür aufdrückte, stand ihm eine Anzahl dunkler Gestalten gegenüber. In schnellem Erfassen der Situation griff der Mieter zum Revolver, was gleichzeitig die Verbrecher auch taten.

Die sich nun entwickelnde wilde Schießerei weckte nun die Bewohner dieses und der angrenzenden Häuser. Polizei und die durch Alarm geweckten Bürger nahmen sofort die Verfolgung der flüchtigen Verbrecher auf, die über Höfe und Gärten auf den angrenzenden Forst führte und deren Spuren sich dort verloren. Ein Einbrecher allerdings hatte das Pech, in einen tiefen Entwässerungsgraben zu fallen und es gelang zunächst, diesen festzunehmen. Auch umfangreiches Diebeshandwerkszeug fiel dabei in die Hände der Verfolger. Der bis an die Halskrause durchnäßte ortsunbekannte Einbrecher wurde von einem Wächter abgeführt. Leider gelang es dem gefährlichen Burschen, in der Kochstraße seinem Schicksal dadurch zu entgehen, daß er sich mit plötzlichem Ruck losriß und in rasender Flucht im Dunkel der Gassen verschwand.

Es ist dies natürlich sehr bedauerlich, daß durch diesen entlaufenden Kronzeugen die Ermittlung des Verbrecherkonsortiums sehr erschwert wird. Dieser groß angelegte Einbruchsversuch beweist jedoch, daß trotz der vielen Verhaftungen unsicherer Elemente die Gefahr nächtlicher Überraschungen noch keinesfalls ausgeschaltet ist und daß Vorsorge und Selbstschutz noch immer Aufgabe jedes Bürgers sind.

Aus dem Jahr 1933. (Schreibweise original)

Obacht! Mitnahme von Vieh durch abwandernde Optanten im Jahr 1925.

November 18, 2022

Das deutsche Generalkonsulat in Posen bittet uns, mitzuteilen, daß ein Merkblatt über die Mitnahme von Vieh durch Optanten erschienen ist, das in den nächsten Tagen bei den deutschen Konsulaten in Posen, Bromberg und Thorn zu haben sein wird und jedem Interessenten auf Wunsch zugeschickt werden kann.

Besonders wichtig ist, daß alles Vieh mit Ausnahme von Rindvieh durch Optanten nach Deutschland eingeführt werden kann und daß die veterinärpolizeiliche Untersuchung bei der Überschreitung der Grenze auf deutscher Seite stattfindet, so daß die hohen Kosten dafür, die von den hiesigen Veterinären erhoben werden, für die Optanten in Wegfall kommen. Die Genehmigung zur Vieheinfuhr wird für jeden Optanten einzeln durch das deutsche Generalkonsulat in Posen von dem Herrn Landwirtschaftsminister in Berlin eingeholt werden.

Es ist deshalb notwendig, daß jeder, der Vieh mitnehmen will, rechtzeitig einen kurzen schriftlichen Antrag an das deutsche Generalkonsulat richtet, in dem er folgendes angeben muß: Name und Vorname sowie Wohnort des Optanten, der Vieh mitnehmen will; Zielort in Deutschland; Art und Zahl des mitzunehmenden Viehs, Tag und Ort der Grenzüberschreitung, Angabe des Beförderungsmittels, mit dem das Vieh transportiert wird.

Die Mitnahme von Rindvieh ist wegen der in Polen herrschenden Lungenseuche verboten, da ein wirksamer Schutz gegen die Verschleppung der Seuche nicht besteht.

(Schreibweise original)

Von einer unglücklichen Heldin

November 11, 2022

Am Dienstag nachmittag (02.07.1935) ereignete sich in dem kleinen Dorfe Cierplewo ein furchtbares Unglück. Die beiden 5 und 8 alte Jahre alten Söhne des Landwirts Radtke badeten in dem in der Nähe liegenden See und gerieten plötzlich in eine tiefe Stelle. Sie riefen verzweifelt um Hilfe und versuchten sich über Wasser zu halten. Auf die Rufe hin eilte die 14jährige Schwester Pelagia an den See und sprang unverzüglich ins Wasser, um ihre Brüder zu retten.

Wahrscheinlich klammerten sich die Ertrinkenden so fest an die Retterin, daß sie auch diese in die Tiefe zogen. Man alarmierte sofort das ganze Dorf, und es gelang nach einiger Zeit, die drei Kinder zu bergen, jedoch blieben alle Wiederbelebungsversuche erfolglos. Die an den Unglücksort gerufene gerichtsärztliche Kommission aus Bromberg hat nach Feststellung der Todesursache die Leichen freigegeben. Die Anteilnahme an dem entsetzlichen Unglück, durch das das Ehepaar Radtke seine drei Kinder verloren hat, ist allgemein.

(Schreibweise original)

Einebnung von Gräbern in Bentschen

November 4, 2022

Die Pfarrkanzlei der katholischen Kirchengemeinde Bentschen gibt bekannt, daß Gräber, für die nicht ordnungsgemäß gesorgt wird und die länger als 30 Jahre bestehen, eingeebnet werden, falls Angehörige der Verstorbenen hiergegen keine Einsprüche erheben. Großdenkmäler, die sich auf diesen Gräbern befinden, werden entfernt werden.

Wir bringen dies zur Kenntnis, da es viele Gräber von deutschen Katholiken gibt, deren Angehörige nach Deutschland verzogen sind und vielen wohl daran liegt, daß die Gräber ihrer Angehörigen nicht eingeebnet werden.

1933. (Schreibweise original)

Der älteste Deutsche – zum 106. Geburtstag.

Oktober 26, 2022

Am 21. Dezember (1934) feiert in Neu Borui, Kreis Wollstein, der Altsitzer Heinrich Heinze seinen 106. Geburtstag. Er ist somit der älteste Deutsche in Polen. Herr Heinze stammt aus Sekowo, Kreis Neutomischel. Trotz seines selten hohen Alters ist er noch recht rüstig und verrichtet allerhand leichte Arbeiten in der Wirtschaft seines Schwiegersohnes.

Für die jetzigen Geschehnisse in der Welt sowie für die neueren Errungenschaften wie Radio, Flugzeug usw. findet er nur ein ungläubiges Kopfschütteln. Im vorigen Jahre hat dem hochbetagten Manne, der als Soldat zwei Jahre beim 2. Garde-Regiment zu Fuß in Berlin gedient hat, der verewigte Reichspräsident von Hindenburg zum 105. Geburtstage kameradschaftliche Grüße und Glückwünsche sowie ein Bild mit eigenhändiger Unterschrift übersandt. Auch der greise General von Kries übersandte als alter Regimentskamerad alljährlich seine Glückwünsche.

Anmerkung. Johann Carl Heinrich Heinze heiratete in erster Ehe in meine Familie ein.

(Schreibweise original)

Luftpost

Oktober 21, 2022

Ein Kinderluftballon wurde am 11. Oktober (1938) auf dem Felde des Landwirts Oswald Joachim in Scherlanke gefunden. Auf dem Ballon war ein Brief mit einer Photographie befestigt, dessen Absender ein Frl. Irmgard Schmidtchen aus Dessau war. Trotz der schweren Belastung hat der kleine Ballon die weite Luftreise gut überstanden.

Bereits im Jahr 1936 wurde bei dem Eigentümer Herbert Franke in Cichagora in seinen Hopfenanlagen ein Kinderluftballon aufgefunden, an dem eine Postkarte befestigt war. Dieselbe enthält die Bitte, die Karte, versehen mit der Adresse des Finders und des Fundortes, unfrankiert in den Postkasten zu werfen, welcher Bitte auch entsprochen wurde.

Abgeschickt wurde der Ballon aus Freystadt in Niederschlesien, woselbst vom 5. bis 13. September eine Heimatfestwoche stattfand, wobei ein Ballonfliegen veranstaltet wurde.

(Schreibweise original)

Lebendig begraben. Akt II.

Oktober 14, 2022

Einem grauenhaften Verbrechen ist die belgische Kriminalpolizei auf die Spur gekommen. Vor einigen Tagen entdeckten in Maria Kerke, einem Vorort von Ostende, Kinder beim Spielen in den Dünen einen Frauenkörper, der tief im Sande vergraben war. Die von den Kindern sofort alarmierte Polizei stellte fest, daß es sich um die Leiche einer jungen Modistin aus Ostende handelt, die seit Anfang Juli als vermißt gemeldet worden war.

Die Leiche zeigte keinerlei Verletzungen. Bei der Leichenöffnung fand man Sand in den Lungen und erkannte, daß die Unglückliche lebend begraben worden ist. Nach einem Streit mit ihrem ehemaligen Verlobten, einem Marineoffizier, der auf belgischer Seite an den Kämpfen in Deutsch-Ostafrika teilgenommen hatte und der der Sohn eines bekannten belgischen hohen Beamten ist, begaben sich die beiden in die nahegelegenen Dünen, wo sich das Drama vollzogen haben muß.

Nach Feststellungen der Polizei hat der Täter das junge Mädchen in einer von Kindern aufgeworfenen Grube mit dem Gesicht in den Sand gedrückt und sie mit den Knien festgehalten, und das Loch, während das Opfer bei vollem Bewußtsein war, mit der Hand zugeschüttet. Unter einer einen Meter hohen Sandschicht ist die Unglückliche nach vergeblichen Bemühungen, sich zu befreien, unter furchtbaren Qualen erstickt. Der Marineoffizier und dessen Freund wurden in Haft genommen.

1933. (Schreibweise original)

Vergebens ist nun alles Hoffen

Oktober 6, 2022

Vom Teufel besessen

Oktober 1, 2022

Die Polizeibehörden haben dieser Tage, wie gemeldet wird, im Kreis Jarotschin, eine furchtbare Entdeckung gemacht. In einem dem Landwirt Antoni Konczak gehörigen Schweinestall wurde eine fast ganz nackte Frau gefunden, die auf einem schmutzigen Strohlager gebettet lag. Beim Eintreten der Polizeibeamten zeigte sie keine Furcht und gab nur unverständliche Laute von sich. Als die Polizei sie aufforderte, sich zu erheben, reagierte sie nicht darauf, und zwar, wie sich später herausstellte, deshalb nicht, weil sie keinen Körperteil zu bewegen vermochte, mit Ausnahme der rechten Hand, mit der sie Nahrung zu sich nahm.

Die Frau brachte man ins Krankenhaus, worauf dann die Untersuchung eingeleitet wurde. Man stellte fest, daß die Unglückliche Katarzyna S. heißt, 42 Jahre alt ist und schon 22 Jahre im Schweinestall zugebracht hat. Grund ihrer Einsperrung war ihr anormaler Geisteszustand. Man hielt sie für vom Teufel besessen. Wie ihre Schwester erzählt, ist die Unglückliche von einem falschen Verlobten verführt worden und begann seit dieser Zeit über Kopfschmerzen zu klagen, so daß sie nicht arbeiten konnte und oft den Dienst wechselte. Nach einiger Zeit kehrte sie nach Hause wieder zurück, da sie meinte, daß sie durch Ausspannen wieder gesund würde, aber ihr Zustand verschlimmerte sich.

Man nahm an ihr die verschiedensten „ärztlichen“ Experimente vor, die von Wunderdoktoren empfohlen wurden, aber dadurch verschlimmerte sich ihr Gesundheitszustand nur noch mehr. Mit der Zeit bekam sie Tobsuchtsanfälle, was die Familie in der Überzeugung festigte, daß Katarzyna wirklich vom Teufel besessen sei, um so mehr, als sie sich auf keine Art und Weise in die Kirche bringen ließ und die Kleider von sich riß. Da man sich schließlich mit ihr keinen Rat wußte, um so mehr, als die damaligen deutschen Behörden, sich ihrer als Geisteskranken nicht annehmen wollten, sperrten sie die Eltern in den Schweinestall ein, in dem sie dann 22 Jahre zubrachte.

Das Drama fand sein Auftakt im Jahr 1909 und “endete” 1931.
(Schreibweise original)

Rakwitzer Laubenhäuser

September 23, 2022

Die meisten Posener Städte, mögen sie im 13. und 14. oder im 17. und 18. Jahrhundert entstanden sein, sind nach einem regelmäßigen Plane erbaut. Die sich rechtwinklig kreuzenden Straßen gehen von einem im Geviert angelegten Markte aus, welcher ursprünglich rings von Lauben umschlossen war. Die in gleicher Breite abgesteckten Häuser kehrten dem Markt ihren Giebel zu; das Erdgeschoß unter diesem nahm eine offene Laube ein, welche von drei oder vier Holzpfosten getragen wurde, denn allgemein waren diese Häuser aus Holz hergestellt, die Wände in Blockbauweise, der Giebel aus einem mit Brettern verkleideten Fachwerk.


Nur wenige dieser gefälligen Laubenhäuser sind heute noch in Städten erhalten. Die meisten dürfte bis in die Neuzeit das Städtchen Rakwitz besessen haben, welches 1662 von zugewanderten Deutschen gegründet wurde. Sie lagen hier an der Westseite des Marktes, sind aber vor wenigen Jahren leider größtenteils ein Raub der Flammen geworden. Wie die Jahreszahl 1669 in einem der Häuser bekundete, gingen diese zum Teil noch in die Zeit der Gründung der Stadt zurück.

(Schreibweise original)

Die evangelische Kirche zu Rakwitz – 275 Jahre.

September 14, 2022

Die Kirchengemeinde in Rakwitz versammelte sich zu einer Gemeindefeier anläßlich des 275jährigen Bestehens in der Kirche in Rakwitz. Herr Pastor Schulz schilderte die wichtigsten Begebenheiten unserer Kirche. Einzelne Stellen aus der Festpredigt anläßlich des 100jährigen Bestehens der Kirche, die der damalige Pastor Krumbholtz im Jahre 1762 gehalten hatte, wurden vorgelesen. 1763/1764 mußte die erste Kirche wegen Baufälligkeit durch die jetzige ersetzt werden. Namentlich in den Jahren 1703/05 hatte die Gemeinde durch den Einfall der Schweden sehr zu leiden. 1708 wütete eine Feuersbrunst, die den größten Teil der Häuser vernichtete. Der gleichzeitig wütenden Pest entgingen nur fünf Bürger in der Stadt.

Es wurde auch erwähnt, daß 1812 während des Rückzuges aus Rußland Kaiser Napoleon durch Rakwitz zog. Im Jahre 1860 wurde unter Pastor Bürger der erste Gemeinderat gewählt. Besonders hervorgehoben wurden die Schenkungen, die die Kirchengemeinde erhielt. Durch eine hochherzige Spende von Hermann Porth aus Hamburg wurde im Jahre 1911 die Kirche in Wielichowo gebaut. Der Freigutsbesitzer Robert Kliem schenkte im Jahre 1927 durch Testament sein Gut.

Im ganzen wirkten zwanzig Pastoren an der Kirche; der jetzige Pastor ist der einundzwanzigste. Der erste wirkte nur drei Jahre, Pastor Kliche dagegen von 1806 bis 1847, also 41 Jahre. Aus den ersten Kirchenbüchern ist zu ersehen, daß die Namen Gellert, Horn, Müller, Heinrich und Grunwald, die heute noch in der Gemeinde vorkommen, schon damals oft genannt wurden. Durch Mitwirkung des Kirchenchors und Vorführung des Laienspiels „Das Zeugnis“ wurde die Gemeindefeier verschönt.

Aus dem Jahr 1937. (Schreibweise original)

Dem Fußball ein Veto

September 10, 2022

Die neugepflasterte und mit gelbem Sande beschüttete östliche Marktseite hat es der Fußball spielenden Jugend angetan. Alle Nachmittage um die dritte Stunde sammelt sich hier eine sportbeflissene Knabenschar, um sich mit Hallo dem Spiel hinzugeben. So lange es sich nur um die kleinen, harmlosen Kinderbälle handelte, konnte jeder Beschauer des lustigen Treibens nur Freude empfinden.

Nunmehr hat sich jedoch der improvisierte Spielklub mit einem regelrechten Fußball bewaffnet, der ohne Rücksicht auf Passanten und Schaufenster seine Kurven fliegt – bis eines Tages ein Schaufenster in Trümmer gehen oder einem Fußgänger der Hut vom Kopfe gefußballt sein wird.

Am Sonnabend hat bereits ein Radfahrer den Ball mitten ins Gesicht bekommen, und aus seinen Worten konnte man entnehmen, daß ihm dies nicht sonderlich angenehm gewesen ist. Es wäre im vielseitigen Interesse, wenn diesem Sport auf dem dafür nicht geeigneten Stadion des Marktplatzes bald ein Veto geboten würde.

1933. (Schreibweise original)

Familie Tepper tagt in Sontop

September 7, 2022

Am Sonntag, 4. Juli (1937) fand in dem alten deutschen Bauerndorf Sontop eine interessante Familientagung statt. Etwa 80 Namensträger der alteingesessenen Familie Tepper hatten sich im schön mit Eichenlaub geschmückten Rausch´schen Saale eingefunden. Mit Absicht war Sontop als Tagungsort gewählt worden, hatte doch der Vorfahr des hiesigen Zweiges der Familie, Christoph Tepper, im Jahre 1736 das Dorf gegründet; das Stammhaus ist noch wohlerhalten. Der bekannte Sippenforscher Dr. Herrmann Tepper (Berlin), war als Vertreter des dortigen Familienverbandes, der über 1100 Mitglieder zählt, zugegen, um den hiesigen Zweig der Sippe kennenzulernen und an ihrer Tagung teilzunehmen.

Der Obmann des hiesigen Familienverbandes, der sich um die Sammlung und Erfassung der Mitglieder sehr bemüht hat, Herr Kaufmann Otto Tepper (Neutomischel), begrüßte die große Familie von Vettern und Basen mit herzlichen Worten. Nach einer Kaffeetafel wurde die Tagung eröffnet. Nachdem Herr Dr. Tepper dem als Gast anwesenden Herrn Pastor Tauber (Sontop) für seine wertvolle Unterstützung durch Beschaffung von kirchlichen Urkunden und Auszüge aus Kirchenbüchern, die für die Anlegung der Geschlechtstafeln benötigt wurden, gedankt hatte, gab er in einem zweistündigen Vortrag einen Überblick über den Stand der heutigen Sippenforschung, sowie über Zweck und Ziele derselben.

Dann gab er ein Bild des Gesamtgeschlechts, das sich bin in das 15. Jahrhundert nachweisen läßt. Bereits im Jahre 1447 wird ein Bürger Tepper, der Bier ausschenkte, in den Urkunden des Orts Rüthen in Westfalen erwähnt, und von Westfalen oder dem Rheinland hat das Geschlecht auch wohl seinen Ausgang genommen. Ein Zweig der Familie bestand auch in Warschau und hatte bedeutende Reichtümer, wie noch heute in Warschau ein Palais Tepper vorhanden ist. Die Nachkommen von Christoph Tepper, des Begründers von Sontop, waren Schäfer, Eigentümer und Windmüller, später dann Hopfenbauern, Landwirte und Kaufleute. So gibt es heute allein in Sontop 5 Hofbesitzer namens Tepper. Am Schluß seiner Ausführungen machte Dr. Tepper die Anwesenden mit der bereits herausgegebenen Tepperschen Familienzeitschrift bekannt, die dem hiesigen Zweig ebenfalls zugänglich gemacht werden soll.

Der Familientag soll alljährlich wiederholt werden. Auf einer über 12 Meter langen ausliegenden Geschlechtstafel konnten alle Mitglieder der Familie bis zum Jahre 1721 ersehen werden. Nach 8 Uhr abends war die Tagung, die um 2 Uhr begonnen hatte, zu Ende.

(Schreibweise original)

Bojanowo. Ein- und Auswanderung.

September 3, 2022

Ernst Waetzmann veröffentlichte „26 Tuchmacherfamilien in Bojanowo“, wo er die Schicksale einer Tuchmacherstadt in ihrem Niederschlage im Wohl und Wehe ihrer Bürger schilderte. Er behandelt die Zeit von 1670 bis etwa 1820, manchmal etwas weiter, doch liegt der Nachdruck auf dem 18. Jahrhundert. Wir wollen im folgenden die Dynamik der örtlichen Bevölkerungsbewegung betrachten – aber weniger gelehrt als Ein- und Auswanderung benannt.

1. Südposen. Die wichtigsten Orte für die Einwanderung sind hier Lissa (15 Einwanderer), Rawitsch (13), Fraustadt (10). Dies sind die Orte, aus denen sich die jungen Bojanowoer ihre Frauen holen, von hier kommen die Gesellen, denen es gelingt, in Bojanowo eine Meisterstochter zu freien und sich dann dort niederlassen. Daneben erscheinen noch Punitz und Storchnest je 3 mal, Schlichtingsheim, Zduny, Schwetzkau, Reisen, Schmiegel, Kobylin je 2 mal, Kröben, Görchen, Gostyn, Oberpritschen, Brätz, Unruhstadt, Tirschtiegel je 1 mal. Dieselben Orte erscheinen auch für die Auswanderung. Fast alle diese Orte waren Tuchmacherstädte und hatten somit ein kräftiges Deutschtum.

2. Aber stärker noch als mit Südposen waren die Beziehungen mit Schlesien. Zwar ist uns der erste Einwandererschub (1638) nur sehr lückenhaft bekannt, da die Kirchenbücher erst 1670 beginnen, aber es erfolgten viele Nachwanderungen im 17./18. Jahrhundert. An der Spitze steht hier Tschirnau, manchmal auch als Ober- oder Groß-Tschirnau bezeichnet. Es stellt 13 Einwanderer. Dann folgte Raudten mit 3, Görlitz, Winzig, Guhrau, Herrnstadt, Schlaube, Schlawa, Breslau, Freistadt, Festenberg mit je 2. Je einer oder eine kommt aus Grünberg, Grotke bei Öls, Herrenlauerwitz, Lauban, Klein Mortschen, Freiburg, Wassermühle bei Sagan. Betrachten wir die Auswanderung nach Schlesien. Auch hier steht Tschirnau an der Spitze mit 6 Auswanderern. Wie viele Familienfäden verbanden damals die beiden Städte! Überhaupt schien die Staatsgrenze zwischen ihnen nicht zu bestehen, auch Herrnstadt und Guhrau empfangen je 5 Bojonowoer. Die folgenden schlesischen Orte begnügen sich je mit einem oder einer: Striegau, Triebusch, Naumdorf, Grünberg, Goldberg, Breslau.

3. Aus Nordposen sind nur folgende Eintragungen zu melden: 2 Einwanderungen aus Margonin, einer bekannten Tuchmacherstadt, Schwerin und Rogasen je eine Einwanderung. Nach Posen und Schwersenz wandern je zwei aus, nach Bromberg einer. Zwei Bojanowoerinnen heiraten in Hauländereien ein. Terespotockie Hauland liegt bei Grätz. Die Beziehungen zum übrigen Polen sind fast gleich Null, es gibt keine Einwanderungen und nur zwei Auswanderungen: nach Kalisch und Lublin.

4. Stärker sind die Beziehungen mit der Mark. Aus Züllichau kommen 3, aus Freienwalde, Gartz an der Oder, Driesen, Friedeberg, Dittmannsdorf je einer. Diese Einwanderung von der Neumark her ist bedeutsam. Gleichzeitig erfolgt auch eine Auswanderung von Südwestposen nach der Neumark. Doch nicht aus Bojanowo, nur eine Person wandert in die Mark aus und das nach Lüben.

5. Sachsen machen sich viermal in Bojanowo seßhaft, sie kommen aus Grätz im Vogtlande, Dippoldiswalde, Schönau, Loebichau bei Halle, eine Auswanderung ist nicht bemerkt. Ein Tuchmachergesell aus Liebemühl in Ostpreußen macht sich 1801 in Bojanowo seßhaft, 1817 ein anderer aus Mährisch Trübau, dagegen zieht 1839 ein Tischler nach Paris.

Doch beschränken sich fast alle diese Beziehungen auf das schlesisch-posensch-märkische Gebiet. Und in diesen Gebieten leben noch heute viele der Nachfahren der in der genannten Schrift erwähnten Familien, gegen 1820 erfolgte allerdings eine starke Auswanderung nach Mittelpolen. Überhaupt läßt die im 18. Jahrhundert zu beobachtende sehr starke Seßhaftigkeit im 19. Jahrhundert nach, je mehr das Jahrhundert fortschreitet, um so mehr, und das 20. Jahrhundert hat ja im Posenschen eine wahre Völkerwanderung gesehen.

Aus dem Jahr 1937. (Schreibweise original)

Eine seltene Familienfeier

August 31, 2022

Am 24. Mai ist es dem Zwillingspaar, Eigentümer Gottlieb Winter in Lenker Hauland und Altsitzer Wilhelm Winter in Sliwno vergönnt, gemeinsam den 77. Geburtstag zu begehen. Die Jubilare wurden am 24. Mai 1862 in Neurose bei Neutomischel geboren, und mußten gleich nach der Geburt die Nottaufe erhalten, da sie schwächlich und nicht lebensfähig erschienen.

Nichtsdestoweniger erfreuen sie sich jetzt nach 77 Jahren noch bester Rüstigkeit und Gesundheit. Herr Wilhelm Winter sieht noch in der Landwirtschaft seines Schwiegersohnes Ernst Steinke in Sliwno nach dem Rechten; auch Herr Gottlieb Winter (+ 1941) ist noch rührig; letzterer hatte über 30 Jahre in Berlin einen großen Molkereibetrieb und kam erst nach Beendigung des Weltkrieges in die alte Heimat zurück. Leider sind die Lebensgefährtinnen schon gestorben.

1939. (Schreibweise original)

Der Knabe des Knäbleins

August 27, 2022

Am Montag brachte der Landwirt Sperling aus Neu Scharke seine 40jährige Magd zur Stadt, um sie der Entbindungsstelle des Kreiskrankenhauses zuzuführen. Da jedoch die Aufnahme gewisse Formalitäten erforderte, begaben sich sowohl der Wirt als auch die Magd zur Stadt. Als letztere bis zum Markt kam, wurde sie plötzlich von ihrer schweren Stunde überrascht, die in diesem Fall nur wenige Minuten währte.

Auf den Steinstufen des Hauses Nr. 16 schenkte sie, während die Passanten gar nichts bemerkten, einem tatkräftigen Knaben das Leben und ging gleich darauf mit dem Kinde, das sie notdürftig in ihren Mantel wickelte, zum Arzt. Die Wöchnerin wurde nunmehr im Lazarett aufgenommen. Der Vater des munteren Knäbleins ist selbst noch ein munterer Knabe von 15 Jahren, während die Mutter 40 Lenze zählt. Wo die Liebe hinfällt!

So geschehen im Jahre 1933. (Schreibweise original)

Die achte Nachfolge

August 26, 2022

Am Sonntag, dem 06. Februar des Jahres (1938) ist es dem Altsitzer Wilhelm Bruck in Kuschlin vergönnt, im Kreise seiner großen Familie sein 80. Lebensjahr zu vollenden. Seit dem Jahre 1923 hat der Jubilar seine Landwirtschaft seinem jüngsten Sohne Otto übergeben. Das ist nun schon die achte Nachfolge auf dem bäuerlichen Besitz, seitdem der Urahn Matthias Bruck um 1750 herum aus der Landsberger Gegend kam, um sich in Kuschlin anzusiedeln. Damals hatte Graf Nigolewski deutsche Siedler auf seine Herrschaft gerufen, die ihm sein Moor- und Buschland urbar machten.

Vor fünf Jahren konnte Bruck mit seiner Ehefrau Bertha, geb. Mettchen das Fest der Goldenen Hochzeit feiern.

(Anmerkung)

Wilhelm Heinrich Erdmann Bruck, geb. 06.02.1858 in Kuschlin, Eltern: Wilhelm Bruck und Beate Louise Labsch, ehelichte am 01.11.1883 Anna Auguste Bertha Mettchen, geb. 16.08.1863, Eltern: Samuel Mettchen und Ernestine Furchheim.

Grippe-Epidemie in Wollstein

August 24, 2022

Die Grippe-Epidemie gewinnt in Wollstein und Umgebung immer mehr an Boden. Die allgemeine Auffassung, daß die Grippe ein besserer Schnupfen sei, den man durch Ignorierung am besten heilt, ist der Verbreitung dieser nicht leicht zu nehmenden tückischen Krankheit leider sehr förderlich. Auch wir haben in der diesjährigen Grippe-Epidemie das erste Opfer zu beklagen. Am 14. Februar verstarb an Grippe die allgemein beliebte Lehrerin der katholischen Volksschule, Fräulein Pietryzanka.

Dieses Menetekel mag die Augen der Öffentlichkeit auf die Gefährlichkeit dieser Krankheit richten, um so mehr, als man schon wieder von einigen schweren Erkrankungen hört. Bei Kindern beachte man die ersten Vorzeichen der Krankheit, die sich in Rücken-, Kopf- und Halsschmerzen und erhöhter Temperatur äußern, und halte sie vom Schulbesuch zurück. Unzählig ist die Zahl der Hausmittel, die den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen können, doch ist es immer das Beste, den Arzt zu Rate zu ziehen, da das Krankheitsbild und der Verlauf der Krankheit individuell sehr verschieden ist, und es nur dem Arzt möglich ist, die entsprechenden Maßregeln zu treffen.

Februar 1933. (Schreibweise original)

Zu spät – 137 Jahre zu spät

August 20, 2022

Auf einem Gutsbesitz bei Wirsitz wurden auf den Böden Renovierungsarbeiten durchgeführt. Dabei fand man in einem Schornstein eine Blechschachtel eingemauert, welche ein vergilbtes Dokument enthielt, auf dem die Schrift schon sehr unleserlich ist. Jedenfalls konnte aber entziffert werden, daß dieses Dokument ein im Jahre 1801 verfaßtes Testament des damaligen Gutsbesitzers Ignacy Lawinski ist. Nach dem Willen desselben sollte dessen Tochter Helene den Gutsbesitz nach seinem Tode erben, während Lawinski seinen einzigen Sohn Stefan enterbte, da er sich gegen den Willen seines Vaters verheiratet hatte.

Als aber nach dem Tode kein Testament von dem Verstorbenen vorgefunden wurde, übernahm rechtsmäßig Stefan Lawinski das Erbe. Weil sich dessen Frau nicht mit der Helene Lawinska vertragen konnte, wanderte letztere nach Frankreich aus, wo sie zwei Kinder zurücklassend in Armut gestorben sein soll. Dieses seltsame Testament ist also 137 Jahre alt, und es ist darum zu spät, das Unrecht wieder gut zu machen.

Aus dem Jahr 1938. (Schreibweise original)

Wildwest in Rothenburg

August 19, 2022

Blutiger Ausgang eines Vergnügens in Rothenburg an der Obra. Bei einem Vergnügen, das hier am 18. September stattfand, kam es zwischen mehreren Teilnehmern zu einem heftigen Streit. Dabei gab der amerikanische Staatsbürger Jan Blynskal aus Broken in Amerika, der sich jetzt in Rothenburg aufhält, mehrere Revolverschüsse ab.


Dabei wurde Stanislaw Godka in die Schulter und der sich auf Urlaub befindliche Unteroffizier Wincenty Blynskal in die Hand getroffen. Der Revolverheld wurde darauf von den Teilnehmern so verprügelt, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.

Aus dem Jahr 1938. (Schreibweise original)