Archive for the ‘Vergangenheit’ Category

Eine Rekordgans und Erben gesucht

September 14, 2019

Von einer Rekordgans

Bomst. Daß Gänse ein hohes Alter erreichen, wenn sie nicht vor der Zeit dem Messer der Köchin zum Opfer fallen, dürfte bekannt sein. Den Rekord in der Erreichung eines höheren Alters wird jedoch sicher eine Gans aufgestellt haben, die dieser Tage bei dem Besitzer M. krepiert ist und die nach dessen durchaus glaubhafter Angabe das für eine Gans sehr stattliche Alter von 37 Jahren erreicht hat.

Aus dem Jahr 1910. (Schreibweise original)

Erben gesucht

Schneidermeister-Eheleute Gottlieb Friedrich Herkt und Anna Rosalie, geb. Marsitzke aus Kreutz oder Ruden, Post Schwenten und, der Johann Friedrich Herkt von dort sind vor etwa 50 Jahren wohin unbekannt verzogen. Diese Personen oder ihre Erben werden ersucht, sich bei dem Königlichen Amtsgericht Unruhstadt oder bei dem Unterzeichneten zu melden.

H. Kurz. Pfleger.

Aus dem Jahr 1911. (Schreibweise original)

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Ehekreuz

August 29, 2019

Nach einer 26 jährigen Geduld – finde ich mich endlich in die Nothwendigkeit versetzt – der Geduld einmal die längere Herrschaft über mich zu entsagen und mache hiermit dem Publikum bekannt, daß meine Frau Maria, eine geborne Reiter, sich so beträgt, daß ich nicht länger für ihr Betragen verantwortlich seyn kann und will. Ich werde daher Niemanden mit meiner Habe verantwortlich seyn, der durch ihre ungezähmte Zunge beleidigt und gekränkt, sich veranlaßt finden sollte, den Arm des Gesetzes gegen sie im Anspruch zu nehmen und sie mag, so oft sie es verdient, die von den Gesetzen auferlegte Strafe selbst ertragen, indem ich hiermit jederman erkläre, daß ich mich ihrer durchaus nicht annehme, und keine daraus erwachsenden Unkosten bezahlen werde.

Da sie ferner mir den als ihrem Ehemanne gesetzlich schuldigen Gehorsam versagt, mein Haus und Geschäft so oft verläßt als ihr gefällt – so untersage und warne ich hiermit jederman ihr nichts auf meinen Namen zu leihen oder borgen, indem ich von heutigem Dato an – nichts davon bezahlen werde. Meine Freunde, die mich kennen, wißen wie schmerzlich es mir geworden, obige Erklärung zu machen; allein sie wissen auch, daß die Noth um mein mit saurem Schweiße errungenes Eigenthum zu sichern, mich dazu gezwungen haben.

Philipp Reichardt, September 1835

Da mein Weib Doretha, geborne Mutschelknaus, ohne Grund und Ursache mein Tisch und Bett verlaßen hat, so warne ich hiermit jederman ihr nichts auf meinen Namen zu borgen oder leihen, in dem ich nichts für sie Bezahlen werde. Da sie schon verschiedene Mal von meinen Geräthschaften wegschleifte, so Warne ich hiermit jederman nichts von ihr abzunehmen oder Kaufen, indem ich sie sonst gesetzlich belangen werde.

J. Gerber, September 1835

(Schreibweise original)

Aus der Geschichte der Posener Post

August 14, 2019

Im Jahre 1793 wurde in Posen das erste preußische Postamt errichtet und seine Verwaltung dem Postdirektor Gericke aus Schneidemühl übertragen. 16 Postwärtereien wurden ihm unterstellt. Die Ereignisse des Jahres 1806 unterbrachen für kurze Zeit die preußische Aufbauarbeit, da von Napoleon ein Großherzogtum Warschau gegründet wurde, zu dem die ehemals preußischen Gebiete zugeschlagen wurden. 1815 erhielt die Stadt Posen ein preußisches Oberpostamt unter der Verwaltung des Postdirektors und Hofrats Espagne. Der gesamte postalische Verkehr mit Posen als Mittelpunkt nahm nun einen gewaltigen Aufschwung.

Auf neun Postkursen verkehrten nunmehr 9 fahrende und 4 reitende Posten. Alle diese Posten gingen wöchentlich zweimal hin- und zweimal herwärts, eine stattliche Verkehrsquote für die Verhältnisse der damaligen Zeit! Nach 1820 wurde auf dem Kurse nach Berlin eine Schnellpost und im Jahre 1838 die erste tägliche Personenpostverbindung zwischen Posen und Glogau eingerichtet. Acht Jahre darauf hatte Posen bereits täglich 13 ankommende und 13 abgehende Posten.

Die durch die Inbetriebnahme der Eisenbahnen zwischen Posen und Kreuz am 01. Oktober 1848, zwischen Kreuz und Bromberg im Jahre 1851, zwischen Posen und Breslau am 29. Oktober 1856, ferner durch die Eröffnung der Posen-Märkischen Eisenbahn am 26. Juni 1870 und der Posen-Bromberger Eisenbahn am 26. Mai 1872 herbeigeführten Umwälzungen im Transportwesen waren auch auf die Weiterentwicklung des Postwesens der Stadt Posen von wesentlichem Einfluß. 1848 gab es bereits täglich 30 ankommende und abgehende Posten und Transporte von und zu den Eisenbahnzügen, 1857 waren es bereits 36, 1864 stieg die Zahl auf 40, 1871 auf 55 und 1874 sogar auf 61. So belebend hatte die Eisenbahn auf den Verkehr gewirkt. Auch das Postpersonal war zahlenmäßig mit dem sich ständig vergrößernden Aufgabenkreis angewachsen. Während 1793 noch 3 Beamte genügten, waren 1859 bereits 25 tätig und 1864 hatten gar 46 alle Hände voll zu tun.

Stadtbriefkästen gibt es in Posen erst seit dem 1. September 1851. Mit der Landbriefbestellung wurden 1824 die ersten Anfänge gemacht. Eine regelmäßig Landbriefbestellung an den sechs Wochentagen besteht beim Posener Postamt seit dem 1. April 1856. Das alte Posthaus an der Ecke Post- und Wilhelmstraße wurde um 1795 gebaut und war das Eigentum des damaligen Postdirektors Gericke. Er verkaufte es im Jahre 1805 an den Staat. 1832 erfolgte der Ankauf des Nachbargrundstücks in der Wilhelmstraße, worauf die beiden Postgrundstücke vereinigt wurden.

Aus dem Jahr 1943. (Schreibweise original; jedoch Passagen mit der NS-Ideologie der damaligen Zeit entfernt und dem aktuell herrschenden System angepaßt)

Alteingesessen

August 1, 2019

Volle 95 Jahre auf einer Stelle gewohnt zu haben und dann ausziehen zu müssen, ist gewiß schmerzlich. Dies passirte einer 95 Jahre alten Frau Dreier in der Schlachterstraße zu Hamburg. Die Matrone war in jenem Hause geboren, confirmirt, getraut, hatte Eltern und Mann verloren und hoffte, daselbst auch zu sterben.

Indeß mußte die Wohnung wegen Baufälligkeit geräumt werden. Die alte Frau verließ natürlich schweren Herzens das alte traute Heim.

Aus dem Jahr 1882. (Schreibweise original)

Gesucht wird

Juli 29, 2019

Harte Menschen schufen die Hauländereien

Juli 19, 2019

In den ersten Jahrhunderten der Neuzeit erlebte gerade das Wartheland eine neue gewaltige Siedlerwelle, die sogenannte zweite Kolonisation, die vom Ende des 16. bis weit in das 18. Jahrhundert hinein den größten Teil der hier vorhandenen ländlichen Siedlungen geschaffen und auch weit über die Grenzen des Warthelandes gewirkt hat. Eine gewaltige Volkswanderung von Niederländern angestoßen, dann hauptsächlich aus Pommern, der Neumark und auch aus Schlesien gespeist, hat – im wesentlichen aus Antrieben des Volklebens, ohne fördernde staatliche Eingriffe – die meisten deutschen Siedlungen der Grenzmark und des Warthelandes und die Volksinseln der Lubliner und Cholmer Landes sowie weiter bis ins einstige Sowjetwolhynien hinein entstehen lassen.

Alle diese deutschen Dörfer sind auf Böden entstanden, die sowohl die Polen als auch die vorangegangenen mittelalterlichen deutschen Siedler verschmäht hatten, in den sumpfigen Niederungen der Weichsel, Netze und Warthe, auf den kargen Sandflächen, besonders im Norden und Westen des Warthelandes, in dem dichten Urwald, der einst das heutige Litzmannstadt umgab. Auf diese Böden, riefen die polnischen Grundherren, um von ihnen Nutzen zu ziehen, deutsche Siedler, Holländische und friesische Niederungsbauern, die ihre umkämpfte Heimat im 16. Jahrhundert verließen, gaben in Ostpreußen und dem Danziger Werder die ersten Vorbilder und drangen von dort als Siedler und Deichbauern bis in die Warschauer Gegend vor. Auf sie gehen – mittelbar oder unmittelbar – die großen deutschen Niederungsdörfer der Kreis Hermannsbad, Leslau und Waldrode zurück, angefangen mit dem 1606 gegründeten Slonsk bei Hermannsbad.

In der gleichen Zeit trieb das Bestreben pommerscher und märkischer Adliger, Bauernhufen in Gutsland zu verwandeln und die Bauern erbuntertänig zu machen, diese oft über die Grenze, wo die polnischen Großgrundbesitzer Menschen suchten, die ihre Wälder rodeten und nutzbar machten. Wie in der mittelalterlichen Siedelzeit gründeten nun deutsche Schulzen auf neugerodetem Land deutsche Dörfer, die sogenannten Schulzendörfer, in der Grenzemark und dem Nordwesten des Posener Landes. Die beiden Siedlerströme begegneten sich und verschmolzen miteinander: Die Pommern und Neumärker nahmen Rechtsformen, Wirtschaftsart und Siedlungsweise der Niederländer an und auch nordschlesische Siedler folgten ihrem Beispiel.

Der Name „Holland“ bürgerte sich für solche Siedlungen ein, vom Volksmund bald in „Hauland“ sinnvoll abgewandelt..

Aus dem Jahr 1943. (Schreibweise mehrheitlich original; jedoch die NS-Ideologie der damaligen Zeit entfernt und dem aktuell herrschenden System angepaßt)

In dem der Archiv Wollstein-Mailingliste ist der komplette Artikel als PDF-Dokument abrufbar.

Das Zugunglück von Kohlfurt (Schlesien)

Juli 3, 2019

Dem von Breslau nach Berlin fahrenden Schnellzuge fuhr gegen 1 Uhr nach Mitternacht auf dem Bahnhofe zu Kohlfurt eine Rangirmaschine in die Flanke. 5 Todte, 3 schwer Verwundete. Materialschaden bedeutend.

Getödtet sind folgende fünf Passagiere:
1) Herr Hermann Schäfer aus Beuthen (Oberschlesien),
2) Herr Apothekenbesitzer Feodor Wiener aus Berlin, Kurstr. 34 35,
3) Herr Gustav (eher Christoph) Friedrich von Kardorff aus Breslau (Sohn des bekannten Abgeordneten Herrn von Kardorff),

4) Herr Rittmeister v. Böhm aus Lyck,
5) Herr Dr. jur. Paul Wolff aus Berlin, Behrenstr. 43 44.

Verletzt, jedoch nicht lebensgefährlich, sind drei Personen, ein Passagier und zwei Bahnbedienstete:
1) Herr v. Koczytzki, Lichterfelde,
2) der Lokomotivführer Tenner aus Breslau und
3) der Lokomotivheizer Zippel aus Breslau.

Das Unglück geschah am 19. Oktober 1891. (Schreibweise original)

Über die Posener Straßenbahn

Juni 30, 2019

In diesen Tagen jährt sich zum 45. Male der Tag, an dem die Posener Pferdebahn sehr zum Erstaunen der damaligen Bürgerschaft auf elektrischen Betrieb umgestellt wurde. Es gibt noch einige Bürger, die sich dieses Ereignisses sehr gut erinnern und aus der Hast unserer modernen Zeit mit einem wehmütigen Lächeln etwa von der merkwürdigen Pferdeumspannung erzählen, die zwischen Wilhelmplatz und dem Alten Markt vorgenommen wurde, wenn einer der uns heute wie ein Museumsstück anmutenden Wagen die steile Neue Straße bergauf oder bergab befördert werden mußte. Wir Heutigen können uns kaum ein Bild von der stolzen Aufregung machen, die damals die Posener Bürger beherrschte, als zum erstenmal die Straßenbahn ohne Pferdevorspann durch die Stadt schlenkerte.

Die Umstellung auf den Strombetrieb ist nicht von heute auf morgen erfolgt. Sorgfältig wurde das Für und Wider erwogen. Man befürchtete starke Störungen des Telegraphenverkehrs durch die Anlage der Hochspannungsleitung und besondere Schwierigkeiten machte die enge Einmündung der Breiten Straße in den Alten Markt bei der Linienführung zur Gerberstraße. Nach vielem Kopfzerbrechen fand man endlich die Lösung, so wie sie heute noch ist: eins Gleis wurde in die Wasserstraße, das zweite durch die Breite Straße verlegt. Nachdem auch der Kampf gegen die „Feinde des Fortschritts“, die damals meist aus egoistischen Gründen gegen die Elektrifizierung der Straßenbahn Sturm liefen, siegreich beendet war, konnte der Geschäftsbericht pro 1897 stolz melden:

„Die überaus milde Witterung des Winters hat es dennoch ermöglicht, daß der Gleisbau nahezu ganz und die Kontaktleitung zum Teil noch vor Jahresschluß hergestellt werden konnten, während die Gebäude auf dem Depot und dem Grundstück der Kraftstation bereits im Laufe des Sommers und die Montage der Kessel, Dampf- und Dynamomaschinen bis zum Jahresschluß fertiggestellt waren“.

Im März 1898 wurden die Strecken vom Bahnhof zum Dom und von Jersitz (Saarlandstraße) zum Wildator (Halbdorfstraße) unter Strom genommen und befahren. Im Mai 1898 folgte ein Teil der Linie vom Alten Markt bis Gurtschin (Glogauer Vorstadt). Mit 25 Motorwagen wurde der Betrieb eröffnet. Erst im Laufe des Sommers und Herbstes kamen die Anhängewagen in Verkehr. Es waren das die alten Wagen der Pferdebahn, die in den eigenen Werkstätten umgebaut waren. Besonders stolz war die Posener Straßenbahn damals auf ihr eigenes Kraftwerk und den Ausbau des Depots, das eine Reparaturwerkstatt und sogar eine Lackiererei erhielt.

Nachdem Erstaunen und Vorurteil der Bevölkerung sich gelegt hatten, nahm der Andrang zu den Wagen derart zu, daß z. B. auf der Linie Bahnhof-Wildator der Fünf-Minutenverkehr eingeführt werden mußte. Die anderen Linien wurden in Abständen von 10 und 20 Minuten befahren, doch gab es noch einen besonderen Sonn- und Feiertags-Fahrplan, der auch hier eine schnellere Wagenfolge vorsah. Ende 1898 wurden fünf weitere Motorwagen in Dienst gestellt und 13 geschlossene Wagen der alten Pferdebahn auch für die Winterbenutzung umgebaut. Es ging also mit großen Schritten aufwärts.

Das ersah man auch aus einer Steigerung der Fahrgeldeinnahme im Jahre 1898 um 130.000 Mark gegenüber 1897. Wie glücklich werden damals die Leiter der Straßenbahn über diese Erhöhung der Einnahmen gewesen sein, da die Gesamtkosten der Neuanlagen mit genau 1.470.679 Mark und 12 Pfennig ihnen schwer auf dem Herzen lagen!

Mancher Unfall hat sich um Laufe der Zeit ereignet, mancher erfreuliche Erfolg und Fortschritt ist zu verzeichnen. Und wenn sich auch im Augenblick die weitere Entwicklung nicht genau übersehen läßt, die Posener Straßenbahn hat alle Maßnahmen getroffen und vorbereitet, um alle Forderungen und Aufgaben der Gegenwart zu entsprechen. Aber an gewissen Erinnerungstagen darf man auch einen Blick in die Vergangenheit tun. Wie jetzt in jene Zeit, als man in Posen vor 45 Jahren die Pferde von den Straßenbahnwagen ausspannte.

Aus dem Jahr 1943. (Schreibweise original)

Verschollen und für tot erklärt

Juni 23, 2019

In der Sitzung vom 15. Mai 1914 ist im Namen des Königs für Recht erkannt: Die verschollenen

1) Arbeiter Wilhelm Scheibner aus Paprotsch,
2) Anna Marie Leuschner aus Bukowiec,
3) Eheleute August Gutsche und dessen Ehefrau Johanne Luise Gutsche, geborene Schulz, sowie
4) deren Sohn Gustav Hermann Gutsche, zu 3 und 4 aus Komorowo Hauland,
5) Müller Gottlob Gaetke (alias Jetke und Gaedke) aus Neu Borui

werden für tot erklärt.

Als Zeitpunkt des Todes wird festgestellt:

1) für den Arbeiter Wilhelm Scheibner aus Paprotsch der 31. Dezember 1901,
2) für die Anna Marie Leuschner aus Bukowiec der 31. Dezember 1913,
3) für die Ehefrau Johanne Luise Gutsche, geborene Schulz,
4) für deren Ehemann August Gutsche,
5) für deren Sohn Gustav Hermann Gutsche, aus Komorowo Hauland, zu 3) und 4) der 31. Dezember 1884,
zu 5) der 31. Dezember 1903,
6) für den Müller Gottlob Gaetke aus Neu Borui der 31. Dezember 1894.

Aus dem Jahr 1914. (Schreibweise original)

Wer Angaben über den Verbleib der Personen machen kann, bitte melden.

Die gefährlichen Eisgänge der Weichsel

Juni 5, 2019

Die strenge Januarkälte hat wieder einmal zu einer starken Vereisung der Weichsel geführt. Das wäre an sich nichts Besonderes, wenn dieser Strom nicht geradezu berüchtigt wegen seines gefährlichen Eisganges wäre, der in der Regel dadurch entsteht, daß Tauwetter im Quellgebiet der Weichsel, das etwa 5 Grad südlicher als die Mündung liegt, meist schon eintritt, wenn über dem Weichseldelta noch strenger Frost herrscht. Die Eisschollen schwimmen dann stromabwärts, schieben sich unter- und übereinander und verstopfen so die Fahrrinnen, die Gefahr von Überschwemmungen und Dammbrüchen heraufbeschwörend.

So jährt sich in diesen Tagen zum hundersten Male der große Weichseldurchbruch im Januar 1840, der ungeheure Schäden verursachte und die ganze Bevölkerung der Weichselniederung tage- und nächtelang in Angst und Schrecken hielt. Auch damals war im Oberlauf des Stromes durch ein rasch eintretendes Tauwetter die Eisdecke geborsten und trieb nun in mächtigen Schollen abwärts. Vor der alten Mündung bei Danzig türmten sich die Eismassen zu hohen Bergen, immer höher und höher stieg das Wasser und ein ohrenbetäubendes Klirren und Poltern erfüllte die Luft. Panikartig verließen die Bewohner ihre Häuser.

Zu allem Unglück kam noch ein mächtiger Sturm auf, der gegen die Eisberge drückte und sie gegen die Dämme schob. In einer dunklen Nacht ereignete sich dann die unausbleibliche Katastrophe. Ein explosionsartiger Knall ließ die Erde erbeben, dem ein unheimliches Rauschen folgte. Die Weichsel hatte den Dünenwall bei dem Fischerdorf Neufähr, 14 Kilometer von Danzig entfernt, gesprengt und sich einen zweiten Ausgang zur Ostsee verschafft. Eine Reihe kleiner Fischerhäuser wurde von der Gewalt des Stromes und der polternden Eismassen zerdrückt und hinweggeschwemmt. Die Bewohner, die die Gefahr frühzeitig erkannt hatten, hatten schon Tage vorher die Flucht ergriffen und das Notwendigste mit sich genommen.

Es dauerte viele Jahre, bis alle Schäden beseitigt werden konnten. Weitere Dammbrüche durch Eisgänge ereigneten sich im Winter 1855, wobei viele Menschen und Tiere den Tod fanden; ferner in den Jahren 1879 und 1888. Die Eindeichung der Weichsel geht schon auf viele Jahrhunderte zurück und reicht bis in die Anfänge des 13. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit wurden die Dämme bedeutend verstärkt. Um eine Wiederholung einer ähnlichen Katastrophe wie vor 100 Jahren zu verhindern, wird im Winter auch bei starkem Frost eine etwa 10 Meter breite Wasserrinne im Strom durch Eisbrecher offengehalten. Dadurch finden die vom Oberlauf der Weichsel kommenden Eisschollen einen freien Weg und gefährliche Verstopfungen werden auf ein Mindestmaß reduziert. Ein eigener Warndienst hält die vereiste Weichsel andauernd in Beobachtung.

Von 1940. (Schreibweise original)

Ein unbekannter Bettler?

Mai 21, 2019

Am 21. Januar 1877 ist zu Gloden, Kreis Bomst, ein unbekannter Bettler gestorben, der wahrscheinlich mit einem gewissen Wilhelm Wagner identisch ist; derselbe hat früher in Schwenten, Kreis Bomst, gelebt, ist seit vielen Jahren von dort verzogen, soll hierauf in Schindelmühl (oder Schneidemühl) bei Paradies gelebt haben, wo seine Ehefrau gestorben sein soll. Es sollen 2 Töchter von ihm leben, wovon eine (wahrscheinlich verheirathet) in der Gegend von Berlin einen Milchhandel treiben soll.

Es wird zur Sache um Nachricht ersucht – ob über den Verbleib des Wagner etwas bekannt ist; wo derselbe früher sich dauernd aufgehalten hat und ob über seine Hinterbliebenen etwas zu ermitteln ist?

Aus dem Jahr 1877. (Schreibweise original)

Anmerkung. In Gloden ist kein Sterbeeintrag in dem genannten Zeitraum vermerkt.

Grätzer Bier

Mai 19, 2019

Eigenartig ist der Geschmack des Grätzer Bieres. Wer es zum ersten Male trinkt, der kann den starken und ausgeprägten Rauchcharakter nicht vertragen, an den man sich erst gewöhnen muß. Allgemein verbreitet ist die Ansicht, daß dieser Rauchgeschmack im Grätzer Wasser liegt und daß deshalb das Rauchbier nur in dieser Stadt hergestellt werden kann. Das ist ein großer Irrtum, der schon dadurch widerlegt ist, daß einige große Brauereien des Reiches gleichfalls Rauchbier herstellen. Allerdings hat das Grätzer Wasser sehr viel mit der Güte des Bieres zu tun. Es besitzt die sonst noch nirgends festgestellte Eigenschaft, das Bier fast unbegrenzt haltbar und es ohne Pasteurisierung genießbar zu machen. Das Grätzer Bier wird nicht wie alle anderen hellen Biere aus Gersten- sondern aus Weizenmalz hergestellt, der Rauchgeschmack wird dadurch erzielt, daß Gerstenmalz zusammen mit Eichenholz gedarrt wird.

Interessant und wechselvoll ist die Geschichte der Brauerei und des Bieres in Grätz. Vor Jahrhunderten hatten Einwanderer aus Böhmen, die an das Pilsener Bier gewöhnt waren, das Brauverfahren mitgebracht, das sich sehr schnell einbürgerte und bald in vielen Haushalten und schließlich gewerblich hergestellt wurde. In enger Verbindung mit dem Bierbrauen stand von jeher bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts (19.) der St. Bernhardbrunnen auf dem Grätzer Marktplatz, der ausschließlich als Wasserspender in Frage kam.

Der Brunnen wurde am Ende des 16. Jahrhunderts nach dem heiligen Bernhard benannt, der der Sage nach das versiegte Wasser wieder zum Fließen brachte. Wahrscheinlich hat er aber den Brauern nur den Rat gegeben, den Brunnen aufzugraben und zu reinigen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schritt man auf Grund einer Fehde zum Graben neuer Brunnen, deren Wasser sich als ebenso geeignet zur Herstellung des Grätzer Bieres erwiesen, wie aus dem Bernhard-Brunnen.

Seit 1839 war die Brauerei in Grätz nur in privaten Brauereien betrieben, die später zu einer deutschen Aktiengesellschaft zusammengeschlossen wurden. Diese Aktiengesellschaft bestand bis zum Jahre 1921, worauf sie an ein polnisches Bankkonsortium verkauft wurde. Während bis zum Ausbruch des Weltkrieges bei einem Absatz nach ganz Europa, nach Asien, Afrika und Amerika 122.000 hl hergestellt wurden und die Erzeugung im Jahre 1919 immer noch 42.000 hl betrug, fiel sie bis zum Jahre 1939 auf knapp 3000 hl. Heute wird das Grätzer Bier wieder im ganzen Reich getrunken. (Schreibweise original)

Zum 200. Geburtstag von Guminitz im Kreis Krotoschin

Mai 8, 2019

„Kund und zu wissen allen, insbesondere vorzüglich aber den Leuten deutscher Herkunft, daß ich als erblicher Besitzer des eine halbe Meile von Kobylin gelegenen Dorfes Gumienice nebst Gebäuden, in denen jetzt die Menschen ausgestorben sind, nebst Aeckern, Wiesen, Hutungen, Nadel- und Laubholzwäldern, Gemüse- und Obstgärten, Teichen und überhaupt allem Zubehör mir vorgenommen und unabänderlich beschlossen habe, dasselbe mit lauter deutschen und ehrbaren Hauländern zu besetzen und emporzurichten“. Mit diesem Ausschreiben, das vom 26. Oktober 1737 datiert, lädt der Grundherr der Herrschaft Pogorzela, Thomas Olessin Olewinski zur Besiedlung des in den Pestjahren 1708/11 völlig entvölkerten Dorfes Gumienice ein und gibt „allen denen, die das genannte Dorf beziehen wollen, die schriftliche Versicherung, daß er sie mit denjenigen Freiheiten und unantastbaren Rechten und Privilegien, Zinsen und Abgaben niederzusetzen sich verpflichtet, mit denen sie anderwärts, an den Grenzen von Brandenburg oder bei anderen Herren, fundiert sind“.

Der Zustrom ist nicht groß. Als Sprecher der Deutschen erscheint Andreas Fiedler, in dessen Gefolge sich etwa fünf deutsche Familien befinden: der Händler Valentin Kodler, die Wirte Johann Kuta, Adelbert Jakulka, Martin Sobek und Andreas Kwidok. Die Herkunft dieser Siedler und auch ihr späterer Verbleib ist nicht bekannt. Nach einem Jahrzehnt schon verschwinden ihre Namen wieder. Das Kolonisationswerk kommt auch nicht recht voran, und darüber stirbt Olewinski 1739. Seine kinderlose Witwe und Erbin der Pogorzeler Güter findet in Roch Rola Zbijewski einen unternehmungsfreudigen Partner. Der Kolonisationsgedanke wird wieder aufgenommen. Gegen 40 deutsche Familien finden sich nun unter drei Führern, Michael Kirsch, Johann Kambel und Johann Georg Fiedler, ein „Nach reiflicher Ueberlegung und Beratung in Gemäßheit des früheren Kontraktes“ verkauft er diesen „zur Vermehrung dieser Güter das Dorf Gumienice nebst allem Zubehör, ohne alle Herren- und Frondienste gegen einen Grundzins von 50 Tümpfen für jede Hufe“.

Der Brief datiert aus dem Herrensitz Gluchowo vom 25. September 1743 und ist zur Geburtsurkunde des Dorfes geworden. Das Angebot ist günstig: freies Eigentum gegen einen herrschaftlichen Zins von 50 Tümpfen jährlich pro Hufe und gegen einen mäßigen Zins in bar und an Meßgetreide für die Kirche Pogorzela, freie Religionsübung, Errichtung eines Gasthauses und einer Windmühle, Anstellung eines Lehrers und Unterhalt einer Schule, freie Lieferung von Bauholz, Lieferung von Brennholz und die Gewähr der Hutung in den herrschaftlichen Wäldern gegen einen mäßigen Zins, vor allem aber Gewährung einer bäuerlichen Selbstverwaltung. An der Spitze der Verwaltung soll ein Schulze stehen, der jährlich gewählt und von der Grundherrschaft bestätigt wird.

Die Schulzenlade von Guminitz

Ihm zur Seite stehen die Gerichtsmänner. Sie handhaben gleichzeitig die niedere Gerichtsbarkeit. Michael Kirsch wird der erste Schulze. Die Herrschaft fertigt auf Pergament die noch vorhandene Gründungsurkunde aus. Das Dorf führt sein eigenes Siegel und von nun an den deutschen Namen „Guminitz“ Fast die Hälfte der Neusiedler von 1743 hat sich im Mannesstamm bis zum heutigen Tage auf der gleichen Scholle erhalten. Die Familie des ersten Schulzen Kirsch ist im Mannessstamme in Guminitz erloschen. Sein Blut fließt aber noch heute in den Adern vieler anderer Namensträger.

Der zweite Sprecher, Johann Georg Fiedler, kam bereits mit Weib und Kind nach Guminitz, das seiner heute noch dort blühenden Familie zur Heimat werden sollte. Seine einzige Tochter wird durch ihre Ehe mit dem aus Freyhan in Schlesien stammenden Matheus Eckner die Stammutter des heute noch in Guminitz blühenden Geschlechtes. Die Daunke, Gohl und Hoffmann, die Lämmchen, Mühlnickel und Krug, die Reich, Reimann und Zapke haben neben den bereits erwähnten Fiedler und Eckner vor nunmehr 200 Jahren Guminitz als erste besiedelt und ihren Namen seitdem im Dorfe erhalten. Durch 200 Jahre haben sie den von ihren Vätern erworbenen Boden die Treue bewahrt und diesen gegen alle Stürme einer bewegten Zeit verteidigt und behauptet.

Obgleich man den Siedlern schon nach sieben Jahren den weiteren Besuch der deutschen Kirche in Kobylin verbot und sie in die polnische Kirche zu Pogorzela zwang, hat während dieses ein Vierteljahrhundert anhaltenden Druckes doch kein einziger sein Deutschtum aufgegeben.

Aus dem Jahr 1943. (Schreibweise original)

200 Jahre Bestehen von Stodolsko/Friedheim bei Wollstein

April 28, 2019

Das kleine Dorf Friedheim im Kreise Wollstein kann auf sein 200jähriges Bestehen zurückblicken. Unweit des Fleckens Rothenburg an der Obra liegt es etwas abseits von der Durchgangsstraße Wollstein-Posen. Ein echtes, altes deutsches Bauerndorf, die Höfe weiträumig mit ihren schönen Bauerngärten, dazu die Lauben mit den Blumenbeeten und den Fliederbüschen. Etwas traumverloren auf den ersten Blick und doch überall voll von pulsierendem Leben…

Der komplette Artikel ist in der Wollstein-Mailingliste als PDF-Dokument abrufbar.

100 Jahre Obra-Meliorations-Verband

April 26, 2019

Im Zuge des Warschau-Berliner Urstromtales erstreckt sich von Moschin an der Warthe über Kosten bis zur Gaugrenze bei Wollstein und darüber hinaus bis zur Oder das Obra-Tal. Die im Reichsgau Wartheland liegende Obra-Niederung bildete den „Großen Obrabruch“, der südöstlich von Wollstein bis zu 9 km breit ist. Dieser Bruch war in der Vorzeit in große Seebecken und noch vor 150 Jahren ein Sumpf mit Schilf, Rohr, Erlen und Weiden. Wasser und Morast erzeugten in den angrenzenden Ortschaften verheerende Krankheiten unter Menschen und Vieh. Die am Rande des großen Sumpfes befindlichen Wassermühlen in Kiebel, Klosterwiese, Paulswiese, Kopnitz, Bentschen, Altkloster, Karge und Moschin sorgten für die Erhaltung des unwirtlichen Zustandes.

Nach der Übernahme des Gebietes in die preußische Verwaltung wurde im Jahre 1793 durch die Posensche Kriegs- und Domänenkammer die erste Anregung zur Urbarmachung des großen Obrabruches gegeben, nachdem die Versuche der früheren polnischen Regierung zur Beseitigung des schädlichen Sumpfes durch Abbruch von 6 Wassermühlen nicht zum Erfolg führte. Man begann sofort mit Vermessungen und 1796 auch mit Nivellierungsarbeiten im heutigen Gebiete von Wollstein, Bentschen und Schwerin. Trotz der schwierigsten Verhältnisse konnte 1799 mit dem Kanalbau begonnen werden, und 1804 waren bereits zwei damals sehr wichtige Verbindungskanäle fertiggestellt. Schon im August 1806 waren ein Teil des Kostener Obra-Kanals, der Moschiner Kanal, der Obra-Süd- und Obra-Nordkanal vollendet, obwohl sich die Arbeiten in dem unzugänglichen Sumpf ungewöhnlich schwierig gestalteten und man erst Vorgräben auswerfen, das Herausquellen des sandigen Seegrundes in den Kanälen bannen und einzelne Bezirke umwallen mußte.

Mit Beginn des Krieges im Jahre 1806 kamen die Entwässerungsarbeiten ins Stocken, die Kanäle verschlammten und versandeten, Komitees versuchten eine Räumung durchzuführen, doch erst 1825 nahm man den Bau von Kanälen wieder auf. Mit dem Ergebnis der langjährigen, heute kaum noch vorstellbaren Bemühungen der Urbarmachung des großen Moorgebietes war man jedoch wegen zu geringer Querschnitte der Kanäle nicht zufrieden, weshalb im Dezember 1841 auf Veranlassung des Oberpräsidenten in Posen die Generalversammlung der beteiligten Landwirte eine Kommission wählte, die den Wasserbaumeister Henning mit der Aufstellung eines umfangreichen Entwurfes beauftragte, dessen Kosten später aus Staatsmitteln bestritten wurden.

Der großzügige Plan dieses Sachverständigen, der damals ein hervorragendes Werk darstellte, lag am 17. Mai 1843 fertig vor. Die Bauarbeiten sollten in 6 bis 8 Jahren vollendet werden und wurden von der preußischen Staatsregierung finanziell unterstützt. In dieser Zeit erfolgte eine Maßnahme, die nicht nur für das rd. 30000 ha große Obra-Meliorationsgebiet, sondern für alle nachfolgenden Landesmeliorationen in der ehemaligen Provinz Posen von grundlegender Bedeutung war. Am 16.08.1842 wurden durch König Friedrich Wilhelm von Preußen in Sanssouci durch Allerhöchste Kabinetts-Ordre die Interessenten des Obra-Bruches zu einer Sozietät „verpflichtet“ und ein Statut: „Allgemeine Kanal- und Grabenordnung für die Meliorationen der im Großherzogtum Posen gelegenen Obrabruchgegend“ herausgegeben.

Die älteste und größte, selbständig verwaltete Wassergenossenschaft des heutigen Reichsgaues Wartheland war damit gegründet. Die Verfassung des Obra-Verbandes war so hervorragend ausgearbeitet, daß sie bis zum 1. Februar 1939, also 97 Jahre gültig war und immer wieder als Muster für später durchgeführte, großzügige Entwässerungsmaßnahmen unseres Gaues diente. Hevorzuheben ist der Umstand, daß man durch diese Satzung des Wasserverbandes einen Mangel bei früheren Meliorationen beseitigte, indem eine zielbewußte Verwaltung und eine örtliche, hauptamtliche Aufsicht in sieben Aufsichtsbezirken, von denen sechs im Wartheland liegen, statutarisch begründet wurde, welche die regelmäßige Unterhaltung der 284 km langen Kanäle, 93 Verbandsbrücken und 60 Stauschleusen in 96 Gemeinden auf auf 63 Gutsbetrieben mit 5566 Einzelmitgliedern bis heute sicherte.

Stauschleuse und Uferabbruch am Kostener Obra-Kanal

Das umfangreiche Kanalsystem, das mit Einsatz von Strafgefangenen aus Posen und Schlesien im Jahre 1863 vollendet wurde und heute noch als hervorragende technische Leistung zu bezeichnen ist, erfaßte auch das Seitental der Obra von Kosten südwärts bis in den Kreis Gostingen, den Bau des Altklosterkanals und ermöglichte außer der Entwässerung der großen Niederungsmoorgebiete auch ihre Anfeuchtung bei eintretender Dürre. Heute genügen jedoch diese Anlagen des Obra-Verbandes den hohen Ansprüchen der neuzeitlichen Bodenkultur nicht mehr.

Nach Übernahme der von jeher in vorwiegend in polnischen Händen befindlichen Verwaltung des Obra-Verbandes sind seit 1940 großzügige Planungen teils in Arbeit und teils schon fertiggestellt, um eine Beherrschung des Wassers bei Winter- und Sommerhochwasser zu erwirken, den Überfluß an wertvollem Wasser bei Fluten lange Zeit aufzuspeichern, um die Kulturpflanzen in Dürrezeiten mit dem köstlichen Naß zu tränken. Auch eine einheitliche, sachgemäße, systematische Binnenentwässerung ist vorgesehen, weil diese bis dahin an Besitzgrenzen gebunden war und aus vielen Einzelsystemen bestand, die ihren Zweck nicht erfüllen konnten.

Die Durchführung der wasserwirtschaftlichen Baumaßnahmen muß jedoch während des Krieges auf die allerdringlichsten Arbeiten, insbesondere auf die Behebung der durch Kriegshandlungen und Hochwasser entstandenen Schäden beschränkt bleiben. Ferner sind die heute oft unpassierbaren Wirtschaftswege zu befestigen, damit die Ernte mit neuzeitlichen Fahrzeugen leichter und sicherer eingebracht werden kann. Die umfangreichen Naturwiesen, die schon heute auf dem wertvollen, kalkreichen Niederungsmoorboden erhebliche Erträge, leider vielfach geringwertigen Heues für die vielen umliegenden landwirtschaftliche Betriebe und für andere wichtige Zwecke abringen, sind in ertragreichste, hochwertige Kulturwiesen, Viehweiden und Gemüsekulturen umzuwandeln.

Sodann wird erstrebt, die großen Kanäle für den Kanusport herzurichten. Schließlich sollen in dem zeitweise unter Landschaftsschutz zu stellenden großen Obrabruch, die heute vielfach recht kahl und öde aussehenden, kilometerweiten Grünflächen nicht nur fruchtbares Kulturland, sondern auch durch Landschaftsgestalter in zweckdienlicherweise mittels Windschutzanlagen in einen für jeden Naturliebhaber gern aufgesuchten großen Naturpark verwandelt werden, die den Obrabruch für viele Bewohner der Stadt Posen zu dem macht, was der Spreewald landwirtschaftlich und landschaftlich für den Berliner ist.

Aus den 1940er Jahren. (Schreibweise original)

Gaststätte Schwanenweiher niedergebrannt

April 23, 2019

Großfeuer in den Morgenstunden des Montags vernichtet Posener Gartenlokal. In den frühen Morgenstunden des gestrigen Montags wurde die reizvoll am Schwanenweiher in Kuhndorf gelegene Gaststätte „Schwanenweiher“ von einem Großfeuer heimgesucht, das die wichtigsten Gebäudeteile dieses beliebten Ausflugslokals restlos vernichtete.

Als der Löschzug der Wache 2 der Posener Feuerschutzpolizei an der Brandstelle eintraf, standen der mittlere Fachwerkbau sowie die Veranda in ihrer ganzen Ausdehnung in Flammen, so daß sofort Großalarm gegeben wurde. Die Bekämpfung des Brandes, an der sich daraufhin weiter die Löschzüge 1 und 6 beteiligten, wurde mit 9 C- und 5 B-Rohren vorgenommen. Das benötigte Löschwasser wurde dem Teich entnommen. Trotz schnellsten und umsichtigsten Einsatzes konnten nur der linke und rechte Flügel der Gaststätte vor der Vernichtung bewahrt werden; der mittlere Teil, die Veranda und ein Teil der Wirtschaftsanlagen sind dem Feuer leider zum Opfer gefallen.

Sofort nach Bekanntwerden begaben sich der höhere SS- und Polizeiführer Warthe, SS-Obergruppenführer Koppe, Oberbürgermeister Dr. Scheffler und Polizeipräsident von Malsen-Ponickau an die Schadensstelle. Die Gaststätte „Schwanenweiher“, die städtischer Besitz ist, war eins der wenigen, landschaftlich wirklich reizvoll gelegenen, bequem zu erreichenden Gartenlokale der Gauhauptstadt.

Oberbürgermeister Dr. Scheffler hat noch am Montagvormittag angeordnet, daß alles getan werden soll, um möglichst bald wenigstens einen provisorischen Wirtschaftsbetrieb am Schwanenweiher einzurichten, um der deutschen Bevölkerung diese schöne Erholungsstätte am Stadtrand wieder zugänglich zu machen. Der Ausfall der Gaststätte wird hoffentlich also nur vorübergehend sein.

16.06.1942 (Schreibweise original)

100 Jahre Pelzwarenhaus in der Stadt Posen

April 12, 2019

Posener Geschäft 100 Jahre alt. Inhaber gleichzeitig 50 Jahre im Beruf. Das bekannte Pelzwarenhaus B. Schulz, Leo-Schlageter-Straße 16, begeht am 1. April die seltene Doppelfeier des 100 jährigen Geschäftsjubiläums und des 50 jährigen Berufsjubiläums. Von Johann Gottlieb Schulz im Jahre 1840 gegründet, führte nach dessen Tode der Vater des jetzigen Inhabers Carl August die Firma weiter, übergab sie 1871 seinem Bruder Hermann, übersiedelte nach Leipzig und gründete dort Brühl 45 eine Rauchwarenhandlung, wo auch der jetzige Inhaber Benno Schulz aufgewachsen ist.

1890 trat der jetzige Inhaber in die Lehre, zuerst um den Rauchwarenhandel und sodann um das Kürschnerhandwerk zu erlernen. Im Jahre 1899 übernahm er die Leitung der Firma, um sie 1902 käuflich zu erwerben. 41 Jahre hat Herr Schulz, der Weltkriegsteilnehmer ist, das alte Familiengeschäft durch alle Fährnisse, Krieg, Inflation und Polenherrschaft sicher gesteuert und die führende Stellung im Pelzhandel behauptet. Wir wünschen dem Jubilar noch eine recht lange erfolgreiche Tätigkeit.

Aus dem Jahr 1940. (Schreibweise original)

Wie die Hauländereien im Kreis Grätz entstanden

April 3, 2019

Während Polen im 16. und 17. Jahrhundert den Protestantismus bekämpfte und daher den hier ansässigen Deutschen viele Rechte verlorengingen, zeigte es sich neuen Einwanderern gegenüber von großer religiöser Duldsamkeit und versprach den einwandernden Bauern die persönliche Freiheit, die sie in der Heimat nicht besaßen. So kamen zuerst die Böhmischen Brüder in dieses Land und gründeten 1547 Lissa, auch nach Bentschen kamen sie, dann die unter religiösem Druck abwandernden Holländer, die sich von der Weichselniederung, in der sie zuerst angesetzt wurden, weiter nach Süden zogen, wo sie 1593 im Warthegau ihre ersten Siedlungsplätze schlugen. Seit 1550 kamen auch brandenburgische und pommersche Bauern ins Wartheland.

Je nach ihrer Herkunft hatten die Zugewanderten eine andere Art zu siedeln. Entweder lebten sie in geschlossenen Schulzendörfern, die auf schon kultiviertem Boden bestanden, wie die Brandenburger und pommersche Bauern, oder sie errichteten sich wie die Holländer Einzelhöfe in Sumpf- und Waldgebieten, die sie allmählich urbar machten. Entsprechend ihrer schweren Arbeit erhielten sie mehr Freiheiten und Rechte; mußten aber auch Besitz und Vermögen mitbringen und waren daher wohlhabender als die Bewohner der Schulzendörfer. In späterer Zeit waren nicht mehr alle Bewohner der Holländereien Holländer. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wandelte sich die Bezeichnung „Holländer“ in „Hauländer“.

In der Umgebung von Tirschtiegel wurden die Hauländer zuerst geduldet und später mit Privilegien ausgestattet. Durch Zuzug entstand in Tirschtiegel eine deutsche Neustadt, und im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde die Stadt vorwiegend deutsch. Auch in und um Kirschneustadt (Neustadt/Pinne) setzten sich deutsche Kolonisten fest, und seit 1672 siedelten hier vor allem Sachsen, Lausitzer, Schlesier und später Bauern aus der Neumark und allmählich entstanden immer mehr Hauländereien um Neustadt, die nach Birnbaum eingepfarrt wurden. 1709 erhielten Roßfelde, später Jägersheim ein Privilegium vom Grafen Opalenski, die Hauländerei Ziegenkrug entstand aus einem Gasthaus, das der Sage nach vom Grafen Opalenski errichtet wurde – als Dank für die Errettung aus dem Urwald, in dem er sich auf der Jagd nach einem Hirsch verirrt hatte.

Die Hauländer hatten an den Grundherrn einen jährlichen Pachtzins zu zahlen, der in Bentschen zehn Taler für die Hufe = 30 Morgen, die jeder Hauländer zugeteilt erhielt; in Alttomischel sechs Taler, dazu noch zwei Taler für freie Hütung des Viehs im Walde, betrug. Während der ersten sieben Jahre wurde der Pachtzins erlassen, dann versuchten die Hauländer Geld zu verdienen und stellten Pottasche, Holzkohle, Holzteer, Mulden, Schaufeln, Tröge, Schwingen, Brechen u. a. m. aus Holz her. Der Wohlstand setzte erst Ende des 18. Jahrhunderts durch den Hopfenanbau ein, den die Bauern von den Hussiten um Zisker Hauland gelernt hatten.

Seit 1750 wurden die Freiheiten und Rechte der Hauländer stark beschnitten und sie erhielten an Stelle der verbrieften Selbstverwaltung Schulzen, die immer mehr die Wünsche der Grundherren in den Vordergrund stellten. Im Zusammenhang damit zogen mehrere Bauern gemeinsam aus den Kreisen Grätz und Wollstein in die Wälder von Kalisch ab.

E. Schulemann, 1945.

Fahnenweihe des Kriegervereins Wollstein & 3. Kreiskriegerverbandsfest in Wollstein. Teil II.

März 18, 2019

Fortsetzung von Teil I.

Mit einem poetischen Glückwunsch überreichte danach Frl. Bongscho ein von den Damen gestiftetes Fahnenband und die Vertreter einer größeren Anzahl Vereine Fahnennägel. Auch vom Provinzial-Landwehrverband, dem Kreiskriegerverbande, dem Landwehrverein Grätz, Herrn Landtagsabgeordneten v. Wentzel waren Fahnennägel gestiftet worden. Gesang des Seminar-Chors beschloß die wirkungsvolle Feier.

Nun setzte sich der imposante Zug, der 25 Kriegervereine mit 22 Fahnen und über 1000 Mitglieder umfaßte, wieder in Bewegung, durchzog die Posener, Fraustädter, Bergstraße und gelangte über den Markt gegen 2 ¼ Uhr nach dem Schützengarten, wo die verschiedenen Trinkstätten von den in der Sonnenglut fast verschmachteten Teilnehmern gestürmt wurden. Um 3 Uhr begann das offizielle Festessen im Saale des „Viktoria-Hotels“, an dem etwa 100 Herren teilnahmen. Den Kaisertoast brachte hier Herr Landtagsabgeordneter v. Wentzel-Belencin aus, den Dank der Gäste stattete Herr Landrat v. Pommer-Esche aus Grätz ab, während Herr Hauptmann Lämmerhirt den städtischen Vertretern für ihr Erscheinen und für die pekuniäre Beihilfe zu dem Fest dankte, worauf Herr Beigeordneter Krause erwiderte und auf den Festverein sein Glas leerte.

Das Essen, bei dem die Rawitscher Regimentskapelle konzertierte, nahm dank der guten Speisen und Getränke, einen animierten Verlauf. Inzwischen war ½ 5 Uhr geworden und die höchste Zeit zum Beginn des großen Gartenkonzertes im Schützenhause, zu dem sich ungezählte Besucher eingefunden hatten, sodaß sich bald ein toller Trubel entwickelte, in dem leider manch schönes Musikstück der braven Fünfziger verloren ging. Nach dem Regen wurde das Konzert fortgesetzt und beendet und das Fest mit dem üblichen Tänzchen beschlossen, das erst in früher Morgenstunde sein Ende fand.

Die Fahne ist aus der Fahnenfabrik in Bonn am Rhein hervorgegangen und zeigt auf der Vorderseite von blauem Sammet den Namen des Vereins in Seidenstickerei, auf der Rückseite von weißem Atlas die Germania ebenfalls in Seidenstickerei. Auch das kostbare Fahnenband hat die Bonner Fahnenfabrik geliefert.

1910. (Schreibweise original)

Der Zeppelin läßt auf sich warten…

März 12, 2019

Die vielen Verehrer Zeppelins, die sich bereits für die Fahrt nach Breslau gerüstet haben, um das Luftschiff, sei es in seinem stolzen Fluge oder gar gelandet, zu sehen, werden ihre Ungeduld noch einige Zeit die Zügel anlegen müssen, da die Fahrt Friedrichshafen-Wien-Dresden verschoben ist. Durch die Presse geht nämlich folgende Meldung: Wie die Luftschiffbau-Gesellschaft Zeppelin mitteilt, haben die Versuchsfahrten mit dem „Z. 6“ mit verschiedenen Neuerungen notwendige Aenderungen ergeben.

Der Zeppelin über Berlin

Es erscheint dem Grafen Zeppelin deshalb vorsichtiger, eine Fernfahrt nicht zu unternehmen, bis noch eine gründlichere Erprobung erfolgt ist. Die Fahrt nach Wien und Dresden muß daher zurzeit abgesagt werden. Graf Zeppelin selbst teilte der Redaktion der „Wiener Neuen Freien Presse“ mit, daß der Motor des Luftschiffes nicht einwandfrei funktionierte und er die Reise nicht unternehmen kann, da er für den Erfolg nicht einstehen könne. Vor dem Spätherbst könne er jedenfalls nicht daran denken, die Reise nach Wien anzusetzen.

Die Zeitungen gaben bereits ausführlichste Ratschläge, wo man das Schiff am besten beobachten könne. Der Kommandant der Luftschifferabteilung sandte gestern nachmittag einen genauen meteorologischen Bericht nach Friedrichshafen. In Hofkreisen will man wissen, Fürst Fürstenbergs Reise nach Berlin hänge mit der Angelegenheit zusammen. Kaiser Wilhelm wünsche selbst bei Zeppelins Ankunft in Wien zugegen zu sein. Der Zeitpunkt der künftigen Fahrt sei schon bestimmt.

Graf Zeppelin & Kaiser Wilhelm II.

Im Juni 1910. (Schreibweise original)

Chronologie

Der Zeppelin kommt

Lotterie für Graf Zepplin