Gefangene der Zeit

Januar 11, 2012

Vor nicht langer Zeit las ich den Eintrag eines Mannes, der 59 Jahre alt wurde. Geboren wurde er im Jahre 1595. Was mag jener alles erlebt haben? Herausragend war sicherlich der 30jährige Krieg, den er nicht nur er- sondern auch überlebte. Er liebte, lachte, weinte, freute, litt und lebte. Wie wir heute noch. Gut 358 Jahre später las ich seinen Todeseintrag. Wer mag er gewesen sein? Und wie? Wie war er? Wie sah er aus? Und seine Familie? Seine Frau? Die Kinder? All das werde ich nie erfahren. Ich reihe ihn ein, in meinen Datenbestand von Tausenden Personen, die ich im Laufe der Jahre erfaßte. Tausende Unbekannte; Gesichtslose, die nicht zu meiner Familie zählen und nicht weniger Menschen, die zu meinen Vorfahren zählen. Nur die Namen. Geburts-, Heirats- und Sterbedaten. Selten mehr.

Wie gern würde ich sie alle kennenlernen, mehr erfahren. Doch sie sind Gefangene ihrer Zeit. Gefangen in einem Zeitalter, welches längst von dem unendlichen Nichts der Vergessenheit absorbiert wurde. Ja, so wie ich selbst ein Gefangener bin – gefangen in meiner eigenen Zeit. Genealogie. Eine meiner liebsten Beschäftigungen. Eintauchen und Versinken in die Vergangenheit. Und doch, und doch! Schlußendlich eine sinnlose Beschäftigung. Denn letzten Endes kratze ich nur an der Oberfläche toter Zeit, ohne wirklich tief in vergangene Leben eindringen zu können. Irrelevant, wie weit ich in die Geschichte zurückgehe. Was ist mit meinen Vorfahren vor 1000 Jahren? Vor 2000? Nirgends sind sie verzeichnet. Vergessen. Verflüchtigt in Raum und Zeit. Für immer und immer. Und ich? Ich werde ihnen irgendwann folgen, in das allumfassende Nichts. Ich werde das gleiche Schicksal teilen. Dereinst.

Vereint im Schwertarm der Geschichte

November 17, 2011

Derzeit konzentriere ich mich mehrheitlich auf jenen Zweig meiner Familie, der in die Provinz Posen führt. Mehr und mehr Personen sammeln sich in meiner Datenbank an und viele von ihnen identifizierte ich als Familienangehörige. Vor kurzem gewann ich die Erkenntnis, daß ein Vorfahre von mir 1798 dem „Königlichen Preußischen Füsilierregiment Prinz Heinrich von Preußen“ angehörte. Bemerkenswert war für mich seine damalige Funktion: Grenadier. Denn exakt 200 Jahre später war ich selbst Grenadier – wenn auch in keinem königlichen Regiment. Dennoch, so vereinen sich die Vor- mit den Nachfahren im Schwertarm der Geschichte. Das Leben wiederholt sich.

Mysterium Genealogie

November 3, 2011

Nicht viel später, nachdem mein genealogisches Anfangsinteresse für die Familie erwachte, gelang es mir, einen ersten Erfolg zu verzeichnen. In den Kirchenbüchern entdeckte ich Person x mit seiner Familie, die ich stolz zu meinen Vorfahren zählen durfte. Der Name der Person x war korrekt, ebenso der Herkunftsort – der alles andere als groß zu bezeichnen gewesen wäre. Ich erforschte mehr und mehr über diesen Zweig und das Wissen intensivierte sich. Bis zu jenem denkwürdigen Punkt, als ich eruierte, daß diese Person x gar nicht zu meinen Vorfahren zählt. Denn es gab einen Menschen, Person y, der explizit den gleichen Namen trug – in jenem sehr kleinen, beschaulichen Ort. Wer hätte das gedacht?

Freilich war ich damals noch ein absoluter Anfänger in der Familienforschung, was allerdings nicht als Entschuldigung gelten mag. In der Folge änderte ich meinen Stammbaum, Familie x verschwand; stattdessen kam Familie y zu ihrem Recht. Die gesammelten Informationen über die fälschlich vermuteten Vorfahren fristeten seitdem ihr trostloses Dasein in der Datenbank. Viele Jahre vergingen. Vor wenigen Tagen erlebte ich dann – einmal mehr – einen sogenannten Zufallstreffer, der mich immer noch überrascht wie fasziniert.

Denn nun stellte sich heraus, daß Familie x von einst, die erst in meinem Stammbaum weilte, bis ich sie gefühllos verbannte, doch! – und doch! zu meiner Familie gehört. Ich darf sie zu meinen direkten Vorfahren zählen, wenngleich in einem anderen Zweig. Welch Überraschung! Zwei identische Namen im gleichen Ort zur gleichen Zeit. Glücklicherweise befanden sich alle diesbezüglichen Daten wohlbehalten in meiner Datenbank, so daß das entsprechende Einpflegen unverzüglich begonnen werden konnte. Und jener Zweig stellt nun sogar meine Spitzenahnen dar. Nach Jahren der unwissenden, verbannten und ignorierten Ruhe. Genealogie. Immer wieder ein Mysterium.

Identifikation Hochzeitsbild, 1931, Provinz Posen

August 12, 2011

Wer erkennt Personen auf diesem Bild und kann sie identifizieren? Das Hochzeitsphoto entstand im Juni 1931 in der Provinz Posen. Sehr wahrscheinlich in Dombrofker Hauland (Wolfsau), Barloschen, Tuchorzer Hauland, Komorowo Hauland, Blumer Hauland oder Karpitzko oder Umgebung – nahe Wollstein im Kreis Bomst.

Ein Blick in das Vergessen

Juli 1, 2011

In Kindertagen. Vergangene Zeiten. Während einer Familienfeier geistert plötzlich ein altes Photoalbum durch die Reihen der zahllosen Gäste. Die älteren und ältesten Gäste betrachten die uralten Bilder mit wehmütigen Blicken, versinken in fast schon vergessene Welten, betreten im Geiste das Land ihrer eigenen Kindheit und lächeln ob ihrer schönen Erinnerungen. Ein reger Austausch findet statt, vielleicht verklärter Art. Die Protagonisten jener alten Photos werden sofort mit Namen erkannt, „das hier ist …!, und da!, das ist Onkel …! – und auf dem Bild hier erkennt man meine Großmutter …!“. So oder so ähnlich spielten sich diese Szenen in vielen Familien ab. In meiner Familie war das einst so.

Allein, ich selbst war ein Kind. Von wahrhaftem Interesse kann keine Rede sein. Entsprechend blieben die Erläuterungen der vergilbten Aufnahmen nicht in meinem Gedächtnis haften. Und heute? Die alten und ältesten Gäste, Verwandten sind längst verstorben – aber nicht vergessen. Nicht, solange ich lebe. Doch ihr Wissen, ihr hervorragendes Wissen ist seit langem dem Vergessen anheim gefallen. Die ehemals bekannten Darsteller besagter Bilder wurden zu namenlosen Personen. Ob sie nun lächelten, lachten oder ernst in die Kamera blickten; ihre Namen haben sich verflüchtigt. Und damit auch die Menschen selbst, die einst ihr Leben lebten. Für immer und immer.

Mir ist bewußt, daß es fast schon Unfug ist, hier alte Bilder zu veröffentlichen, um möglicherweise gewisse Personen zu identifizieren. Doch ich habe gelernt, daß so ziemlich nichts im Leben unmöglich ist. Und mein Weg innerhalb der Genealogie bestätigt diese Einstellung. In jedem Fall gedenke ich meiner Vorfahren und solange ich lebe, leben sie auch noch. Bis die letzten Erinnernden in das unendliche Reich des unvorstellbaren Nichts eingetreten sind, dann, erst dann ist das Vergessen absolut. Dann ist es so, als ob sie nie gelebt hätten. Der Weg allen Lebens.

Identifikation einer lustigen Gesellschaft

Juni 27, 2011

Ein Photo einer lustigen Gesellschaft aus den 30er Jahren (geschätzt); vermutlich in Brandenburg an der Havel aufgenommen. Sehr wahrscheinlich waren einige Musiker unter den Gästen. Wer erkennt Personen und kann nähere Angaben machen?

Identifikation Gruppenbild

Juni 13, 2011

Ein Gruppenbild aus den 30er Jahren (geschätzt); vermutlich in Greiz (Thüringen) aufgenommen. Sehr wahrscheinlich einige Musiker. Wer erkennt Personen und kann nähere Angaben machen?

Identifikation Gruppenbild

Juni 6, 2011

Ein Gruppenbild aus den 30er Jahren (geschätzt); vermutlich in Brandenburg an der Havel aufgenommen. Sehr wahrscheinlich einige Musiker. Wer erkennt Personen und kann nähere Angaben machen?

Oh Leben, was bist Du für ein Leben!

Mai 7, 2011

Ein Geburts- respektive Taufeintrag einer verwandten Person in meiner Familie. Für mich sehr spannend zu lesen und ja, mit einer gewissen Freude verbunden. Aber wie groß muß erst die Freude meiner Familie gewesen sein? Über ihre süße, kleine Tochter. Sicherlich wurde der Tag groß gefeiert, innerhalb der Familie, mit Freunden und Verwandten. Ein wichtiger Tag, ein würdiges Ereignis. Gerne wäre ich dabei gewesen und hätte mitgefeiert, allein ich erhielt keine Einladung. Ich wurde nicht bedacht. Wie auch?

Jene Person, über die ich hier schreibe und die ihr ganzes Leben vor sich hatte, war eine unmittelbare Verwandte von mir. Ihre Niederkunft fand 1781 statt; sie wurde weit über 80 Jahre und hat ihr Leben gelebt. Niemand lebt mehr aus dieser Zeit, alle Festteilnehmer sind längst in die Vergangenheit eingetreten, ebenso ihre Kinder, Enkel und Urenkel. Sie hat ihr – wahrscheinlich mehr oder weniger hartes – Leben gelebt, mit Freude und Leid, mit Lachen und Weinen, in Liebe und Trauer. Wenn ich diese Kirchenbucheinträge lese, in denen über die Geburt berichtet wird, ist es mir, als ob es eben erst passiert wäre. Die klare, gut lesbare Schrift scheint noch nicht einmal getrocknet zu sein und doch liegen ganze Leben, Zeiten dazwischen.

Wie gern hätte ich sie und andere kennengelernt. Aber das ist das Leben. Menschen kommen und gehen. Was sind 80, 90 Jahre in dieser unseren Menschenwelt? Nichts. Ein Wimpernschlag im Hauch der Äonen im großen nebelhaften See des allumfassenden Vergessens. Heute lebe ich, atme die einzigartige Lebensenergie ein und bald – in diesem Moment in Raum und Zeit – bin ich längst vergessen. Für immer und immer. Für alle Zeiten. Wie das süße, kleine Mädchen – eben erst geboren und doch ganze Menschenalter tot. Oh Leben, was bist Du doch für ein Leben!

Im Wandel der Zeiten

April 11, 2011

Ich recherchiere und forsche, sammele Informationen, werte Daten aus und beschäftige mich intensiv mit Kirchenbüchern und alten Urkunden. Somit gewinne ich neue Erkenntnisse über meine Familie und über meine Vorfahren. Und das weite Internet ermöglicht gar einen Kontakt mit Nachfahren, deren Linien sich von meinen direkten Vorfahren vielleicht vor 150 oder 200 Jahren trennten. Über neue Erkenntnisse freue ich mich und bin natürlich fasziniert. Aber sind diese Informationen wirklich neu? Ja. Doch nur für mich. Nur für mich.

Für Familienmitglieder, die lange verstorben sind, wären das keine neuen Zusammenhänge. Für jene war das einst selbstverständlich. Man kannte sich. Sie haben die verwandtschaftlichen Verhältnisse und nicht nur diese mehr oder minder gepflegt, bis irgendwann ignorante Nachkommen in die Welt traten, die sich für derlei nicht mehr interessierten. Mit anderen Worten, was ich heute mühsam recherchiere, wußte einst jeder in der Familie. Das war banales Allgemeinwissen.

Ein sehr geschätztes Familienmitglied von mir, seines Zeichens 85 Jahre alt – erzählte mir vor kurzem, daß er in dem Ort, wo er geboren wurde jeden einzelnen Menschen mit Namen kannte und heute noch weiß. Jedes einzelne Haus. Er wußte, wo sie herkamen und sogar, wen sie heirateten und woher diese stammten – sie kannten sich einfach; alle miteinander. Und heute? Wer kennt heute noch seine Nachbarn? Oder weiß gar, wie die Ehepartner heißen und wo sie herkamen? Und dann die eigene Familie. Wer kennt noch alle fernen Verwandten? Die Zusammenhänge? Wer interessiert sich dafür heute noch? Oh welch Wandel der Zeiten!

In meiner Familie bin ich der einzige, der sich mit dieser Thematik beschäftigt. Mir gelang es, ein wenig Licht in ein Dunkel zu bringen, was früher klar und einleuchtend war. Allerdings nur in einem reduzierten Rahmen von partiell 300 Jahren. Wenn meine unbedeutende temporäre Existenz für immer und immer ausgehaucht sein wird, wird dieses Wissen vermutlich erneut begraben werden. Und wer weiß, vielleicht lebt in 150 Jahren – sofern es dann noch Menschen gibt – erneut ein Familienforscher, der dann Erkenntnisse an den Tag bringt, „neues“ Wissen, was mir heute selbstverständlich erscheint. Das ist das Leben.

Greizer Schulkinder

April 6, 2011

Ein Photo von Schulkindern, aus Greiz/Thüringen. Längst sind sie für alle Zeiten in das unendliche Reich des Vergessens eingetreten. Vielleicht existieren dennoch Menschen, die Personen auf dem Bild wiedererkennen. Das Bild entstand vermutlich um 1925 oder früher.

Der unbekannte Soldat

April 5, 2011

Einmal mehr ein namenloser Mensch aus längst vergangenen Zeiten. Wer erkennt diese Person? Wahrscheinlich wurde das Photo 1939/1940 aufgenommen.

Identifikation Gruppenbild

März 15, 2011

Wer erkennt Personen auf diesem Bild und kann sie identifizieren? Das Photo entstand 1926 in Essen und zeigt Gäste einer (silbernen) Hochzeitsfeier.

Geheimnis Familie

Februar 12, 2011

Ahnensuche. Die Beschäftigung mit der Genealogie. Konzentriert auf die Vorfahren, die längst nicht mehr leben; der Vergessenheit anheim gefallen sind. Aufgesogen von dem omnipotenten Raubtier Zeit, welches uns alle früher oder später auffressen wird. Sie lebten, liebten, lachten, weinten – und starben. Nicht anders als wir heute. Die Kinder und Kindeskinder erinnern sich ihrer, bis auch sie in das große Nichts aufbrechen. Nur wenig von ihnen überdauert die Zeiten; Erinnerungen vergehen. Und irgendwann existiert in der weiten Familie vielleicht jemand, der sich mit den Ahnen beschäftigt. Das Nachforschen seiner Herkunft zum Hobby erhebt und neue Personen findet, völlig unbekannte Zweige entdeckt, Kontakte mit Nachkommen herstellt, deren Linien sich vor 200 Jahren trennten, in alten Kirchenbüchern oder entsprechenden Mikrofilmen recherchiert.

Anschließend wird das neu erworbene Wissen über die Vorfahren stolz der Familie präsentiert, sofern sich jemand dafür interessiert. Erkenntnisse, über die manche Vorfahren nur schmunzeln würden, schließlich waren ihnen die Zusammenhänge mehr als vertraut, die ich heute mühsam durch Forschung herleite. Immer treten die zentralen Fragen auf, wie lebten sie einst? Wo kamen sie her? Wie sahen ihre Wanderungen aus? Welch spannende Thematik! Um sie zu verstehen, muß man früher oder später die Orte, die Heimat der Vorfahren besuchen. Zu den Wurzeln reisen.

Welch ein Gefühl, an dem gleichen Platz zu stehen, wie in dem Photo, welches vor 70 Jahren aufgenommen wurde. Besonders surreal wirkt ein Fenster auf dem alten Bild, in einem bestimmten Winkel gekippt – und nach 70 Jahren hat es die gleiche Stellung wie damals – einen Krieg und wechselnde politische System überdauert – doch heute stehe ich davor und die Familie von damals? Lange verstorben. Ambivalente Gefühle treten auf. Ein merkwürdiges Beispiel von vielen. Sich auf die Vorfahren zu konzentrieren, bewirkt in jedem Fall interessante Gefühle – man bricht in eine vergangene Welt voller Geheimnisse und Überraschungen auf. Die Rückkehr zu den Wurzeln. Die eigene Familie, welch ein Schatz!

Identifikation Hochzeitsbild

November 4, 2010

Wer erkennt Personen auf diesem Bild und kann sie identifizieren? Das Hochzeitsphoto entstand vermutlich in den 30er Jahren, in der Provinz Posen. Vielleicht in Dombrofker Hauland (Wolfsau) oder Umgebung, nahe Wollstein.

Identifikation Gruppenbild

November 3, 2010

Bei den folgenden Personen handelt es sich vermutlich um einen Chor respektive Angehörige einer musikalischen Verbindung. Wahrscheinlich in den 30ern Jahren, Ort unbekannt.

Identifikation Hochzeitsbild

August 21, 2010

Wer erkennt Personen auf diesem (leider unscharf) Bild und kann sie identifizieren? Das Hochzeitsphoto entstand vermutlich in den 30er Jahren, in der Provinz Posen. Vielleicht in Dombrofker Hauland (Wolfsau) oder Umgebung, nahe Wollstein.

Artillerieeinheit, letzter Weltkrieg, Frankreich oder Rußland

Juni 22, 2010

Folgendes Photo entstand im letzten unsäglichen Weltkrieg. Es zeigt Personen einer Artillerieeinheit, entweder 1942 in Frankreich oder 1943 in Rußland. Wer kann Soldaten auf diesem Photo identifizieren?

Das Bild läßt sich zwecks Vergrößerung – wie immer – anklicken.

Greizer Schulkinder von 1919

Mai 4, 2010

Folgende Aufnahme jener Schulkinder entstand im Jahr 1919 in Greiz/Thüringen. Vielleicht existieren noch Menschen, die Personen auf dem Bild wiedererkennen.

Personenidentifikation, bei Wollstein, Provinz Posen

April 20, 2010

Folgendes Photo entstand in den 30er Jahren, vermutlich in Dombrofker Hauland oder Barloschen, nahe Wollstein in der Provinz Posen. Wer kann Angaben zu den Personen machen?


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