Das Waisenmädchen aus Komorowo Hauland

Februar 25, 2014

Im Jahre 1787 erschien in Komorowo Hauland eine Frau mit einem etwa zweijährigen Mädchen, welches den Namen Beata trug; das Kind verblieb in jenem Ort und wurde von den dortigen Einwohnern erzogen. Pastor Gerlach konstatierte: „Sie wurde in der Folge von mir confirmiert und erwarb sich als Dienstmagd ihren Unterhalt.“ War die Frau, die sie dort zurück ließ ihre Mutter? Wie war ihr Name? Wo kam sie her? Wer war der Vater? Welches tragische Schicksal verbirgt sich hinter diesem Handeln? Viele Jahre später – 1822 – trat sie in den Stand der Ehe und heiratete Johann Gottfried Mücke aus Blumer Hauland, der ungefähr 13 Jahre älter als sie war. Diese Ehe währte nicht lange und im Jahre 1827 heiratete sie erneut.

Vielleicht hatte Beata in ihrem Leben das Glück, mehr über ihre Eltern zu erfahren und möglicherweise ist sie ihnen gar begegnet. Nachträglich würde ich ihr dies wünschen und vielleicht hat sie auch Liebe und Geborgenheit empfangen, so daß ihre temporäre Zeit auf diesem Planeten von Zufriedenheit und ja, auch von Glücklichsein geprägt wurde. Doch nach bald 230 Jahren weht der verblassende Nebel der Geschichte über jene einst schmerzvollen Momente, die das Leben mit melancholischer Feder niederschrieb. Möge dieser Artikel ein wenig die flüchtige Erinnerung an Beata hochhalten, jenem Waisenmädchen aus Komorowo Hauland.

Zufallsfund. Tod 1870. Käsebier.

Februar 11, 2014

Nachfolgend ein Zufallsfund. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Am 03.11.1870 verstarb in Powodowo in einem Alter von 68 Jahren Carl Friedrich Ludwig KÄSEBIER. Seine Eltern waren der Kunstgärtner Friedrich KÄSEBIER und Juliane Charlotte Sophie GODEFRED in Angermünde. Seit 1828 war er mit Louise MÜLLER verheiratet.

Eine Art Nachruf

Januar 4, 2014

Zu Beginn meiner genealogischen Forschung vor zehn Jahren trat ich in den Dialog mit einem anderen höchst kompetenten Forscher – einem der ersten überhaupt – da wir zwei gemeinsame Forschungsgebiete hatten: Posen und Westpreußen. Ungeachtet des interessanten Austausches konnten wir keine Verbindung etablieren. In den folgenden Jahren wurde der Forscherkontakt stets bekräftigt und mit der Zeit durfte ich nun Erhellendes beitragen und viel Wissen übermitteln. Im vergangenen Jahr brach jener Forscher sodann auf seine letzte Reise auf und betrat den vergänglichen Pfad der Altvorderen, den wir alle früher oder später beschreiten werden, um in das weite Land des wehenden Vergessens einzutreten. Ob wir wollen oder nicht – wir haben keine Wahl. Und zum Ende des Jahres 2013 gelang es mir unerwartet, die Verbindung herzustellen – zwischen unseren Familien; die Verbindung, die ich lange vermutete, war endlich gefunden. Allein, das Leben hat den forschenden Dialog im Zeichen der Genealogie zwischen uns jählings beendet, was ich als sehr betrüblich erachte. Ein Jammer.

Aber das ist das Leben. So war die Ordnung der Dinge und so wird sie immer sein. Die Zeit, das Leben war nicht damit einverstanden, daß jene Erkenntnisse ihn erreichen und so verhallt dieses Wissen nun ungehört in meinem Stammbaum. Alles hat seine Zeit. Nichts ist von Dauer. Vieles tritt zu früh ein, aber manches kommt einfach zu spät. Wer wüßte dies besser, als die forschende Zunft?

Zufallsfunde. Tod 1833. Roediger. Tod 1878. Von Knobelsdorff.

Dezember 4, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Am 25.05.1833 verstarb in Wollstein im Alter von 24 Jahren der Tischlergeselle Johann Wilhelm Matthaeus ROEDIGER aus Ilmenau in Thüringen.

Am 20.07.1878 verstarb in Wollstein im Alter von 70 Jahren Ernst Ludwig von KNOBELSDORFF. Sein Eltern waren Carl Joseph Sigismund von KNOBELSDORFF und Juliane von TIPPELSKIRCH. Er war verheiratet mit Wilhelmine von WEGEN und wurde am 12.02.1808 in Königsberg in Ostpreußen geboren.

Zufallsfunde. Heirat 1851. Preuß-Jungnick. Heirat 1854. Grottke-Krüger

November 18, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Carl Friedrich Albert PREUß (27), Kunstgärtner, Sohn von Ferdinand PREUß und Marie Lisette GESERICH aus Rathenow in der Mark Brandenburg.

heiratete 1851:

Amalie Auguste JUNGNICK (23), Tochter von Tuchmachermeister Christian Benjamin JUNGNICK und Johanne Eleonore DONKE.

2.

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Friedrich Wilhelm August GROTTKE (25), Sohn von Oberbuchhalter A.D. August GROTTKE und Auguste KRÜGER aus Breslau.

heiratete 1854:

Eleonore JÄKEL (24), Tochter von Carl Samuel JÄKEL und Johanne Eleonore ZEIDLER.

Zufallsfunde. Heirat 1849. Holzbecher-Müller. Heirat 1850. NOAK-HEDELT

November 12, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Carl Emanuel Theodor HOLZBECHER (29), Kreisgerichts-Bürgervorsteher zu Reichenbach in der Oberlausitz, Sohn des Drechslermeisters Emanuel David HOLZBECHER und Caroline Helene KABISCH in Gurau.

heiratete 1849:

Susanne Amalie MÜLLER (30), Tochter von Johann Gottlieb MÜLLER und Johanne Eleonore JACHNIK.

2.

Johann Wilhelm Robert NOAK (28), herrschaftlicher Förster, Sohn des herrschaftlichen Försters Gottfried NOAK und Christiane KULKE in Stensch.

heiratete 1850:

Hedwig Louise HEDELT (24), Tochter des verstorbenen Gutspächters zu Goschütz Neudorf bei Polnisch Wartenberg und Hedwig KOHLMANN.

Zufallsfund. Heirat 1849. Hartung-Prittsch

November 11, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Leopold HARTUNG (43), Stadt- und Polizeidiener, Witwer von Florentine Hoffmann, Sohn des Gutsbesitzers Valentin HARTUNG in Wisborin bei Pillkallen in Ostpreußen und Louise HEIDEMANN.

heiratete 1849:

Johanne Christiane PRITTSCH (33), Tochter von Christian PRITTSCH zu Glogau und Anna Rosina FRANK.

Zufallsfund. Heirat 1854. Birk-Knuth

November 10, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Johann Friedrich Wilhelm BIRK (28), Sohn von Christian BIRK und Elisabeth DEUTSCHMANN.

heiratete 1854:

Caroline KNUTH (26), Tochter von Zimmermann Michael KNUTH und Anna PACZKOWSKA aus Camin in Westpreußen.

Zufallsfund. Heirat 1854. Ackermann-Osterland

November 10, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Ernst Friedrich Leopold ACKERMANN (24), zur Zeit in Weidenvorwerk bei Bentschen, Sohn von Ernst Friedrich Leopold ACKERMANN und Caroline Wilhelmine GROSSMANN.

heiratete 1854:

Maria Regina Friederike OSTERLAND (31), Dienstmädchen in Tuchorze, Tochter von Krämer Christian Friedrich OSTERLAND und Magdalena Maria Johanna KUHLOW aus Canzow in Mecklenburg-Strelitz.

Zufallsfund. Heirat 1853. Böttcher-Schiller

November 10, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Heiraten aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Friedrich August BÖTTCHER (47), Sohn des verstorbenen Pastors BÖTTCHER in Dissen bei Kottbus und Caroline Friederike Theodore ANGERSTEIN. Über den Pastor steht hier mehr:

heiratete 1853:

Amalie Bertha SCHILLER (21), Tochter von Johann August SCHILLER und Susanna Dorothea MARKWART.

Identifikation Hochzeitsbild, Provinz Posen, 30er Jahre. II.

September 19, 2013

Wer erkennt Personen auf diesem Bild und kann sie identifizieren? Das Hochzeitsphoto entstand ungefähr zu Beginn oder Mitte der 1930er Jahre in der Provinz Posen. Wahrscheinlich in der Region um Borui oder Wollstein; möglicherweise aber auch nahe Rothenburg an der Obra. Namenlose Menschen aus längst vergangenen, aber nicht vergessenen Zeiten. Eingetreten in das allumfassende, weite Nichts der Vergänglichkeit.

Vorfahren

Eine miserable Person

September 9, 2013

Im November 1719 starb ein Mann, den der Pfarrer in seinem Kirchenbuch mit den Worten „… eine miserable Person“ würdigte. Ich bin geneigt anzunehmen, daß der Terminus „miserable“ hier an dieser Stelle nicht als „schicksalhaft“ gedeutet werden darf, sondern vielmehr in einer negativen Art und Weise. Und selbst noch im Tod und darüber hinaus offenbart sich das Wesen der Kirche, die weder vergeben kann noch will. Nicht einmal im Tod. Ein bemerkenswerter Eintrag. Nachtrag: Wahrscheinlich muß die Bezeichnung “miserable Person” anders interpretiert werden – man beachte die Kommentare.

1719

Der alte Greis

Juli 31, 2013

Im April des Jahres 1738 starb in Karpitzko bei Wollstein Johann Klement, der in seinem Todeseintrag als „alter Greis“ tituliert wurde. In der Tat erscheint sein Alter bemerkenswert, vor allem für damalige Verhältnisse: 106 Jahre wurde er alt – angeblich. Ob das der Wahrheit entsprach, ist freilich ungewiß, dennoch, er wird ein hohes Alter erreicht haben. Was mag dieser Mensch alles gesehen haben? Wie viele Menschen lernte er in seinem langen Leben kennen? Und manche von ihnen gar lieben. Ein Jahrhundert Leben, voller Erlebnisse, Begebenheiten und Wissen. Möge er ein schönes Leben gehabt haben.

Tod_Klement_1738

Ein trauriges Schicksal

Juli 27, 2013

Am 05.10.1819 hauchte der Dienstjunge Gottfried Kutzner aus Rothenburg an der Obra sein kurzes Leben viel zu früh aus. Er starb in einem Alter von nur 15 Jahren an den Folgen erlittener Mißhandlungen. Welch schreckliche Taten mußte dieses arme Kind über sich ergehen lassen? Wie exzessiv mußte dieser Junge einst gequält worden sein, um an den Folgen dieser Marter gar zu sterben? Vielleicht erfuhr er diese Ungeheuerlichkeiten von seinem Dienstherrn, der ihn möglicherweise als Sklaven betrachtete? Ein trauriges Schicksal, vom Leben in den Tod geschrieben von Menschenhand. Gottfried Kutzner ist lange vergessen, seine Mörder ebenso. Die erbarmungslose Zeit weht uns dereinst alle in jenes Reich der Vergessenheit.

05.10.1819

Identifikation Hochzeitsbild, Provinz Posen, 30er Jahre

Juli 15, 2013

Wer erkennt Personen auf diesem Bild und kann sie identifizieren? Das Hochzeitsphoto entstand ungefähr zu Beginn oder Mitte der 1930er Jahre in der Provinz Posen. Wahrscheinlich in der Region um Borui oder Wollstein; möglicherweise aber auch nahe Rothenburg an der Obra. Namenlose Menschen aus längst vergangenen, aber nicht vergessenen Zeiten. Eingetreten in das allumfassende, weite Nichts der Vergänglichkeit.

Heirat_1

Der große Brand in Wollstein am 19.09.1810

Mai 20, 2013

Am 19.09.1810 gegen 17 Uhr – ein warmer Tag – nach Wochen ohne Regen kündigte sich Unheil an, als vom östlichen Teil der Judengasse eine Rauchwolke aufstieg. Ein Teil der Bewohner von Wollstein war verreist, während viele andere der Feldarbeit nachgingen. Schnell eilten die Einwohner zur Löschung des Brandes, doch die Flammen griffen bereits auf das Haus der Fleischerwitwe Ulrich über. Die brennenden Speckseiten stiegen in Rauchwolken auf, breiteten sich über die ganze Stadt aus und fielen wie ein Feuerregen hernieder. Bald darauf erfaßte das Feuer das Rathaus und dem Bäckermeister Schulz gelang es nur mit höchster Mühe, die neue Feuerspritze aus dem angrenzenden Schuppen zu retten, deren größter Teil allerdings verbrannte – wodurch nun an ein Löschen nicht mehr zu denken war.

Indessen eroberten die Flammen mehr und mehr Terrain. Gegen 19 Uhr wurde die evangelische Kirche ein Opfer des Feuers. Später kam ein Teil der Bürger aus Karge mit ihrer Spritze, um zu helfen, was auch für einige adelige Herren galt, die dort auf dem Markt weilten. Obwohl der Giebel des Hauses von Schmied Dohnke bereits rauchte, konnte selbiges vor der Feuermacht gerettet werden. Doch der Gasthof „Zum grünen Baum“ stand in vollen Flammen und das Feuer war im Begriff, das frühere Schießhaus zu ergreifen, was von einem adeligen Herren verhindert wurde. Mittlerweile wurden die Kirchenbücher unter Lebensgefahr des Pfarrers in Sicherheit gebracht. Nur 61 Häuser von 225 überstanden das große Feuer. Insgesamt verbrannten 164 Gebäude, wie die evangelische Kirche, der katholische Kirchturm, das Rektor- und Glöcknerhaus, das Rathaus, die Synagoge und das Brauhaus der Stadt. Während dieser schrecklichen Momente der Angst wurden die verarmten Bewohner noch von einigen boshaften Mitbewohnern bestohlen. Nicht wenige alte Menschen fielen später als Folge der Aufregung dem Tod anheim.

Quelle: Heinrich Gerlach: „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839“.

Der Mordanschlag auf Pfarrer Wittke am 23.05.1684

April 26, 2013

Anno 1684, am 23.05. – zu Pfingsten – in der vermutlich ruhigen Nacht gegen ein Uhr klopfte es lauthals lärmend am Pfarrhaus. Der Pfarrer Samuel Wittke wird dringend gebeten, die urplötzlich erkrankte Frau Pietsch zu besuchen, schallt es durch die Dunkelheit. Dem Bittenden wird der Einlaß nicht verwehrt und der arglose Pfarrer, welcher im Nebenzimmer schläft, wird geweckt. Als dem Bittsteller nun Bescheid gegeben werden soll, finden sich im Hausflur mehrere mit Gewehren und Säbeln bewaffnete Männer. Die Tür wird prompt zugeworfen, verriegelt und der Pfarrer wird sofort informiert. Doch ehe er sich nur angemessen ankleiden kann, wird die Tür krachend aufgebrochen. Sodann versucht der Mann der Kirche durch das Hinterfenster zu flüchten, was indessen scheitert. Brutal an den Haaren ergriffen, wird er auf die Straße gezogen. Barfuß und nur im Hemde, welches man ihn auch noch entreißt, steht er in der Nacht und empfing gnadenlos zahlreiche Peitschenhiebe.

Hernach versuchte man, ihn auf ein Pferd zu binden, was nicht wirklich gelang, da der Pfarrer sich mit großer Kraftanstrengung partiell losmachen konnte. Das Pferd, nun scheu geworden, warf ihn zu Boden. Über den mißlungenen Versuch wütend geworden, vergriffen sich die Gewalttäter erneut an seiner Person und stopften ihm Sand in Mund und Augen, weiterhin erhielt er Schläge in das Gesicht. Auf dem Weg zur Nelker Wassermühle setzten sie ihre Versuche fort, den Pfarrer auf das Pferd zu binden, was nicht gelingen sollte. Im Anschluß nahmen ihn zwei Reiter zwischen die Rösser und schleppten ihn über die Brücke, der Gottesmann selbst konnte auf Grund der vielen Mißhandlungen nicht mehr alleine gehen. Hinauf ging es den Berg auf den Kielpiner Weg. Just an dieser Stelle gewahrten die Männer, daß sie von der Stadt aus verfolgt wurden und überlegten, ob sie den Pfarrer töten sollten. Bald wurde ihm der Säbel, bald das Schießgewehr auf die Brust gesetzt, doch schlußendlich erhielt er weitere heftige Peitschenhiebe – nicht nur auf den Rücken, sondern auch auf die Brust und in das Gesicht. Wie tot ließen sie ihn liegen, in einem Zustande von rohem Fleisch – und so wurde der Pfarrer von Bürgern seiner Gemeinde gefunden.

Jener Mordzug soll seinen Ursprung im Kloster Obra gehabt haben. Neben einigen katholischen Geistlichen (Religionshaß) waren die Hauptverantwortlichen ein Propst aus Thorn, ein Fähnrich aus Preußen und ein Blutschänder, der einst zur evangelischen Gemeinde Wollstein gehörte und der, um sich seiner Strafe zu entziehen – in das Kloster Obra geflüchtet war. Im hiesigen Gefängnis saßen auf den Tod wegen Blutschande und Kindesmord die Mutter und Schwester jenes genannten Blutschänders, welche durch die katholischen Geistlichen zur Verleugnung ihres eigenen Glaubens und Übernahme des katholischen gebracht wurden (dadurch Straffreiheit). Pfarrer Wittke hatte durch treue Ermahnungen den Erfolg, daß die Tochter tiefe Reue empfand und die verdiente Todesstrafe erdulden wollte und auch die Mutter wollte nun dem katholischen Glauben wieder abschwören. – – Wie ein Wunder erschien es, daß Pastor Wittke überlebte und nicht an seinen Verletzungen verstarb. Seine Frau Elisabeth Wittke, geborene Grottke, Tochter des Magisters David Grottke, Pastor zu Driebitz entband zwei Wochen später einen gesunden Knaben.

Pfarrer Wittke weilte noch acht Wochen in Wollstein, obwohl immer noch mehrfach versucht wurde, sich seiner Person zu bemächtigen. Erst als die Gemeinde die notwendigen Nachtwachen nicht mehr leisten konnte, verließ er sein Amt und begab sich zu seiner Familie nach Fraustadt. Selbst hier wurde ihm zugesetzt, bis er später nach Griesel bei Crossen in das Pfarramt berufen wurde.

Quelle: Heinrich Gerlach: „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839“.

Wittke_Taufe

Ein ungeklärtes, tödliches Schicksal

April 5, 2013

Am 09.07.1805 erblickte einer meiner Vorfahren das Licht der Welt. Seine stolzen Eltern ließen ihr Kind taufen und auch der Vater erschien bei diesem feierlichen Ereignis und alle blickten hoffnungsfroh in die Zukunft. Jener Mann war eigentlich Handwerker und zum Zeitpunkt der Taufe beurlaubter Soldat. Er war Musketier in der Compagnie (Kompanie) des Herrn Major von Niebelschütz im Infanterie Regiment von Tschepe und weilte damals wohl nur selten bei seiner lieben Familie. Das Leben, nein, die kriegsgeilen Menschen sollten sodann dafür sorgen, daß er nicht erleben durfte, wie sein Sohn aufwuchs und sein Leben lebte. Er durfte ihn nicht begleiten, aufwachsen sehen, mit ihm spielen, miteinander lachen und weinen, umarmen oder einfach nur für ihn da sein. Nichts von alldem wurde ihm zuteil. War es denn zu vermessen, sich eine derart f r i e d l i c h e Zukunft zu wünschen?

Und so zog er am 14.10.1806 in die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt als Mitglied der preußischen Armee unter Friedrich Ludwig zu Hohenlohe-Ingelfingen und Ernst von Rüchel gegen die französischen Einheiten unter Napoleon Bonaparte und Louis-Nicolas Davout. Wie stets in allen Kriegen tobte ein sinnentleertes, törichtes, albernes und blutiges Gemetzel mit dem Ergebnis, daß ca. 33.000 Menschen auf deutscher Seite und ca. 15.000 auf französischer unnötig abgeschlachtet wurden. Und für was sind all jene Menschen und nicht zuletzt mein Vorfahre gestorben? Für nichts. Nie wieder erhielt jemand aus dem Kreise seiner Geliebten eine Nachricht von ihm. So sollte er seine geliebte Familie niemals wiedersehen, seine letzten Minuten bleiben für immer ungeklärt. Nur daß er den Tod fand, das ist gewiß. Viel zu früh im Rahmen sinnloser Kriegsspiele von unsagbar blutgierigen Menschen, die nur für Mord und Zerstörung lebten – wie unsere gesamte Spezies.

Selbst im Todeseintrag seiner Mutter, die vier Jahre später ihr Leben aushauchte, wurde das ungeklärte Schicksal ihres Sohnes nochmals thematisiert. Welch Trauer muß sie empfunden haben, wie viel Tränen hat sie vergossen und selbst auf dem letzten Weg ihrer eigenen Lebensreise wehte die Ungewißheit finster hernieder über den Verbleib ihres Sohnes. So ist es geschehen. Die Kriege und die Mordindustrie wurden später weiter perfektioniert und noch mehr liebe Verwandte aus meiner Familie mußten ihr kostbares Leben – wie schon immer – sinnlos für nichts lassen. Menschen. Bei all dem unendlichen Leid, was wir in unserer Geschichte wieder und wieder erfahren haben, lernen wir nicht dazu. Wir lernen – nichts! Wir haben uns keinen Deut verändert. Der nächste Krieg kommt, ganz bestimmt – versprochen!

Ein melancholischer Tod

Dezember 9, 2012

Am 23.06.1819 beschloß der kinderlose Schäferknecht Johann George Martin aus Mlynsker Hauland seinem Leben mit 51 Jahren ein bewußtes Ende zu bereiten. In einem Anfall von Melancholie erhängte er sich und folgte damit seiner Frau in die Endlichkeit, welche längst verstorben war. Wer weiß, was für Beweggründe ihn zu diesem Entschluß getrieben haben; vielleicht war er allein und einsam, verlassen. Die Zeit, das Leben hat ihn für immer in die vergessene Vergänglichkeit verbannt, doch nach gut 200 Jahren wird dieser Artikel ein wenig an ihn gedenken.

Tod_1819

Identifikation Hochzeitsbild, 1931, Provinz Posen

November 27, 2012

Wer erkennt Personen auf diesem Bild und kann sie identifizieren? Das Hochzeitsphoto entstand im November 1931 in der Provinz Posen. Sehr wahrscheinlich in Dombrofker Hauland, Barloschen, Tuchorzer Hauland, Komorowo Hauland, Blumer Hauland oder Karpitzko oder Umgebung – nahe Wollstein im Kreis Bomst. Vielleicht aber auch in Borui und Umgebung. Namenlose Menschen aus längst vergangenen, aber nicht vergessenen Zeiten.


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