Krieg, immer nur wieder Krieg

September 12, 2014

Vor einiger Zeit wurde das Projekt zur Erfassung der Verlustlisten aus dem ersten Weltkrieg abgeschlossen und selbige sind für Genealogen freilich eine wahre Fundgrube. An dieser Stelle meinen Dank und meine Hochachtung an jene, die daran beteiligt waren. Ich selbst habe Dutzende Familienangehörige in den Verlustlisten gefunden und ja, ein zutiefst trauriges Bild aus der Vergangenheit wird damit lebendig. Vorfahren und Mitglieder aus der Familie, die an diesem unsäglichen Gemetzel teilnehmen mußten, bekommen ein temporär lebendiges Gepräge und lassen meine Gedanken in jene blutige Zeit reisen.

Von einer Familie aus einem Seitenzweig mußten gar drei!!! Söhne in den Krieg ziehen, doch offenkundig hatten sie Glück – alle drei wurden nur leicht verwundet und überlebten wahrscheinlich. Viele andere erfuhren nicht dieses Glück; ein Verwandter von mir (und viele mehr) wurde zuerst schwer verwundet, war sodann vermißt und verstarb schlußendlich. Wie viele Menschen teilten dieses Schicksal und gaben ihr Leben für – – – ja, wofür eigentlich? Wo lag der Sinn von diesen Abermillionen Toten? Nun, die Antwort ist höchst banal – es gab keinen Sinn. Kriege sind per se sinnlos. Wahrscheinlich wird nur ein eklatant tief in der Spezies Mensch verankerter Trieb ausgelebt, die Lust am Töten, Morden, Foltern und Vergewaltigen. Das gleiche alte Lied. Wieder und wieder. Seit Jahrtausenden.

Und wir edlen, hochmoralischen Menschen dieser Zeit, die wir die Ethik hochleben lassen und die heutige Zivilisation preisen, lernen noch immer nicht. Wir lernen einfach nicht. Wir investieren weiter in Waffentechnologie und bemühen uns von Herzen, noch perfidere Tötungsmethoden zu entwickeln. Ja, das treibt uns an. Nuklearwaffen und biologische Kampfmittel um halbe Welten zu vernichten – was sind wir eigentlich für degenerierte Wesen? Unsere Geschichte offenbart nur eine Ansammlung von Kriegen und unermeßlichem Leid. Und ja, ich gestehe es gerne hiermit ein, ich bin ein Unmensch, denn ich verstehe das nicht. Ich kann und werde diese kriegsgeile Rasse nie verstehen. Irrelevant, welche Gründe wir auch angeben, ob aus Geldgeilheit, Eroberungsgier, Religion oder weiß ich was.

Der Kreis der Gewalt schließt sich, wenn man ein Auge auf die militärischen Konflikte unserer Zeit wirft und auch hier gilt wieder – wir lernen es nicht. Krieg statt Frieden. Morden statt Lieben. Vernichtung statt Mitgefühl. So war es immer und so wird es immer sein. Achtung, oh du scheinbar friedliches Europa in deiner kurzsichtigen Arroganz und ignoranter Überheblichkeit; die führenden, verantwortlichen Narren in den Regierungen forcieren ohne Not einen Weg, der ganz schnell zu einem großen Krieg führen könnte – wie vor 100 Jahren. Ob bewußt oder unbewußt sei dahingestellt. Doch irrelevant, wie sich die kommenden Kriege mit ihren Massakern entwickeln werden, dieses Sterben ist und wird immer sinnlos bleiben.

Wir sollten alle Waffen vernichten – wozu benötigen wir Waffen? – und zur Abwechslung einmal versuchen, in Frieden zu leben. Ja, das Leben zu ehren und als immens wertvoll zu achten und nicht den Tod anbeten. Ist das denn so schwer? Doch nun bin ich der Narr, denn dieser naive Gedanke wird nie wahr werden; dafür fehlen unserer Spezies jegliche Ansätze von Intelligenz. Und so bleibt mir nur die liebliche Hoffnung auf eine friedliche Zukunft nach der Auslöschung der Menschheit, in der sich dieser wunderbare Planet von uns erholen kann, von den seltsamen Episoden unter dem Zeichen jener Spezies, die sich einst „Mensch“ – „Homo sapiens“ nannte und alles andere als einsichtsvoll war. Es mag dauern, aber manche evolutionäre Fehler korrigiert die Natur von allein. Dum spiro, spero.

Brudermord

August 14, 2014

An einem Mittwoch im November 1885 verstarb in Groß Nelke im Kreis Wollstein um 15:30 Uhr Johann Friedrich S. in einem Alter von nur 30 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt war Friedrich noch nicht verheiratet. Bemerkenswert ist in diesem Kontext die Todesursache, denn Johann Friedrich “war von seinem 33 Jahre alten Bruder Wilhelm mit einem Messer – fünf Stich in den Hals – erstochen worden.“ Der Vater zeigte den Tod an und die Beerdigung fand am Sonntag mit Erlaubnis des Gerichtes statt. Wer weiß, welche Motivation hinter diesem Mord, dieser Tragödie stand. Mit Sicherheit wird diese Tat nachhaltig auf die Familie gewirkt haben und vielleicht wurde das dunkle Ereignis in der Familiengeschichte auch weiter gegeben. Diese finstere Stunde ist lange, lange in der Geschichte vergessen und dieser Eintrag wird hier temporär daran erinnern, wozu wir Menschen doch fähig sind.

Der Fremde aus Posen

Mai 27, 2014

“Der Gerichts Scholz Johann George Kernchen und der Wirth George Nicolaus, beide in Tloker Hauland und zeigten uns an, daß am 31.01. dieses Jahres (1812), Nachmittags gegen vier Uhr in dem Hause des ersten Anzeigenden, ein Fremder, welcher krankheitshalber auf dem Transport zu ihm gebracht wurde, verstorben sey. Aus einem bei demselben vorgefundenen Entlassungs Schein geht hervor, daß der jetzt Verstorbene Johann Friedrich Malko hieß, daß er aus Posen gebürtig war, und daß er bis zum 25. April 1811, drei Monate lang bei dem Brandweinbrenner Lewin Abraham in Neu Tirschtiegel als Brennknecht in Diensten stand. Dem Aussehen nach ist er ungefähr vierzig Jahr alt. Bei näherer Untersuchung des Leichnams fand sich nach Aussage der Anzeigenden nichts von Gold oder Geldes wert vor, außer einer ganz ordinären Bekleidung von gemeinem Tuch.”

Quelle: Kirchenbuch Wollstein, 1812

malko

Ein Postkartenhandel als genealogische Fundgrube

Mai 24, 2014

Durch einen banalen Zufall leitete mich das unwägbare Leben auf die Seite eines Postkartenhandels im Internet, welcher unzählige Postkarten offeriert – das Gros beschrieben – in längst vergangenen Zeiten von lange verstorbenen und möglicherweise vergessenen Menschen. Nachdem ich die formidable Ortsliste prüfte, fand ich tatsächlich eine Karte, die zu meiner Familie gehört, was mich gleichermaßen erstaunte wie zutiefst erfreute. Als Adressatin handelte es sich um eine Nichte meines Urgroßvaters, die die Karte vor 100 Jahren erhielt. Mich dort zu registrieren und das kostbare Schriftstück erwerben, war ein Gedanke und einige Tage später kehrte die wertvolle Postkarte in die Familie zurück und überraschte mich nun zusätzlich mit ihrer Qualität – ich war geneigt anzunehmen, jene Karte wurde erst gestern versandt.

Selbst einige neue genealogische Informationen konnte ich dem Inhalt entnehmen, doch die Frage, wie sie zu dem Handel kam, ließ sich nicht klären. Vielleicht im Rahmen einer Haushaltsauflösung. Ich hätte nicht im Traum damit gerechnet, daß ich bei diesem Versandhandel einen derart bedeutenden Glücksfund realisieren könnte, was einmal mehr beweist – in der Genealogie ist alles möglich. So kehrt ein altes Schriftstück aus meiner Familie – zurück in die Familie und erfreut sich höchster Wertschätzung. Und jenen Postkartenhandel als genealogische Fundgrube kann ich nur empfehlen.

Das Waisenmädchen aus Komorowo Hauland

Februar 25, 2014

Im Jahre 1787 erschien in Komorowo Hauland eine Frau mit einem etwa zweijährigen Mädchen, welches den Namen Beata trug; das Kind verblieb in jenem Ort und wurde von den dortigen Einwohnern erzogen. Pastor Gerlach konstatierte: „Sie wurde in der Folge von mir confirmiert und erwarb sich als Dienstmagd ihren Unterhalt.“ War die Frau, die sie dort zurück ließ ihre Mutter? Wie war ihr Name? Wo kam sie her? Wer war der Vater? Welches tragische Schicksal verbirgt sich hinter diesem Handeln? Viele Jahre später – 1822 – trat sie in den Stand der Ehe und heiratete Johann Gottfried Mücke aus Blumer Hauland, der ungefähr 13 Jahre älter als sie war. Diese Ehe währte nicht lange und im Jahre 1827 heiratete sie erneut.

Vielleicht hatte Beata in ihrem Leben das Glück, mehr über ihre Eltern zu erfahren und möglicherweise ist sie ihnen gar begegnet. Nachträglich würde ich ihr dies wünschen und vielleicht hat sie auch Liebe und Geborgenheit empfangen, so daß ihre temporäre Zeit auf diesem Planeten von Zufriedenheit und ja, auch von Glücklichsein geprägt wurde. Doch nach bald 230 Jahren weht der verblassende Nebel der Geschichte über jene einst schmerzvollen Momente, die das Leben mit melancholischer Feder niederschrieb. Möge dieser Artikel ein wenig die flüchtige Erinnerung an Beata hochhalten, jenem Waisenmädchen aus Komorowo Hauland.

Zufallsfund. Tod 1870. Käsebier.

Februar 11, 2014

Nachfolgend ein Zufallsfund. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Am 03.11.1870 verstarb in Powodowo in einem Alter von 68 Jahren Carl Friedrich Ludwig KÄSEBIER. Seine Eltern waren der Kunstgärtner Friedrich KÄSEBIER und Juliane Charlotte Sophie GODEFRED in Angermünde. Seit 1828 war er mit Louise MÜLLER verheiratet.

Eine Art Nachruf

Januar 4, 2014

Zu Beginn meiner genealogischen Forschung vor zehn Jahren trat ich in den Dialog mit einem anderen höchst kompetenten Forscher – einem der ersten überhaupt – da wir zwei gemeinsame Forschungsgebiete hatten: Posen und Westpreußen. Ungeachtet des interessanten Austausches konnten wir keine Verbindung etablieren. In den folgenden Jahren wurde der Forscherkontakt stets bekräftigt und mit der Zeit durfte ich nun Erhellendes beitragen und viel Wissen übermitteln. Im vergangenen Jahr brach jener Forscher sodann auf seine letzte Reise auf und betrat den vergänglichen Pfad der Altvorderen, den wir alle früher oder später beschreiten werden, um in das weite Land des wehenden Vergessens einzutreten. Ob wir wollen oder nicht – wir haben keine Wahl. Und zum Ende des Jahres 2013 gelang es mir unerwartet, die Verbindung herzustellen – zwischen unseren Familien; die Verbindung, die ich lange vermutete, war endlich gefunden. Allein, das Leben hat den forschenden Dialog im Zeichen der Genealogie zwischen uns jählings beendet, was ich als sehr betrüblich erachte. Ein Jammer.

Aber das ist das Leben. So war die Ordnung der Dinge und so wird sie immer sein. Die Zeit, das Leben war nicht damit einverstanden, daß jene Erkenntnisse ihn erreichen und so verhallt dieses Wissen nun ungehört in meinem Stammbaum. Alles hat seine Zeit. Nichts ist von Dauer. Vieles tritt zu früh ein, aber manches kommt einfach zu spät. Wer wüßte dies besser, als die forschende Zunft?

Zufallsfunde. Tod 1833. Roediger. Tod 1878. Von Knobelsdorff.

Dezember 4, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Am 25.05.1833 verstarb in Wollstein im Alter von 24 Jahren der Tischlergeselle Johann Wilhelm Matthaeus ROEDIGER aus Ilmenau in Thüringen.

Am 20.07.1878 verstarb in Wollstein im Alter von 70 Jahren Ernst Ludwig von KNOBELSDORFF. Sein Eltern waren Carl Joseph Sigismund von KNOBELSDORFF und Juliane von TIPPELSKIRCH. Er war verheiratet mit Wilhelmine von WEGEN und wurde am 12.02.1808 in Königsberg in Ostpreußen geboren.

Zufallsfunde. Heirat 1851. Preuß-Jungnick. Heirat 1854. Grottke-Krüger

November 18, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Carl Friedrich Albert PREUß (27), Kunstgärtner, Sohn von Ferdinand PREUß und Marie Lisette GESERICH aus Rathenow in der Mark Brandenburg.

heiratete 1851:

Amalie Auguste JUNGNICK (23), Tochter von Tuchmachermeister Christian Benjamin JUNGNICK und Johanne Eleonore DONKE.

2.

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Friedrich Wilhelm August GROTTKE (25), Sohn von Oberbuchhalter A.D. August GROTTKE und Auguste KRÜGER aus Breslau.

heiratete 1854:

Eleonore JÄKEL (24), Tochter von Carl Samuel JÄKEL und Johanne Eleonore ZEIDLER.

Zufallsfunde. Heirat 1849. Holzbecher-Müller. Heirat 1850. NOAK-HEDELT

November 12, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Carl Emanuel Theodor HOLZBECHER (29), Kreisgerichts-Bürgervorsteher zu Reichenbach in der Oberlausitz, Sohn des Drechslermeisters Emanuel David HOLZBECHER und Caroline Helene KABISCH in Gurau.

heiratete 1849:

Susanne Amalie MÜLLER (30), Tochter von Johann Gottlieb MÜLLER und Johanne Eleonore JACHNIK.

2.

Johann Wilhelm Robert NOAK (28), herrschaftlicher Förster, Sohn des herrschaftlichen Försters Gottfried NOAK und Christiane KULKE in Stensch.

heiratete 1850:

Hedwig Louise HEDELT (24), Tochter des verstorbenen Gutspächters zu Goschütz Neudorf bei Polnisch Wartenberg und Hedwig KOHLMANN.

Zufallsfund. Heirat 1849. Hartung-Prittsch

November 11, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Leopold HARTUNG (43), Stadt- und Polizeidiener, Witwer von Florentine Hoffmann, Sohn des Gutsbesitzers Valentin HARTUNG in Wisborin bei Pillkallen in Ostpreußen und Louise HEIDEMANN.

heiratete 1849:

Johanne Christiane PRITTSCH (33), Tochter von Christian PRITTSCH zu Glogau und Anna Rosina FRANK.

Zufallsfund. Heirat 1854. Birk-Knuth

November 10, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Johann Friedrich Wilhelm BIRK (28), Sohn von Christian BIRK und Elisabeth DEUTSCHMANN.

heiratete 1854:

Caroline KNUTH (26), Tochter von Zimmermann Michael KNUTH und Anna PACZKOWSKA aus Camin in Westpreußen.

Zufallsfund. Heirat 1854. Ackermann-Osterland

November 10, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Ernst Friedrich Leopold ACKERMANN (24), zur Zeit in Weidenvorwerk bei Bentschen, Sohn von Ernst Friedrich Leopold ACKERMANN und Caroline Wilhelmine GROSSMANN.

heiratete 1854:

Maria Regina Friederike OSTERLAND (31), Dienstmädchen in Tuchorze, Tochter von Krämer Christian Friedrich OSTERLAND und Magdalena Maria Johanna KUHLOW aus Canzow in Mecklenburg-Strelitz.

Zufallsfund. Heirat 1853. Böttcher-Schiller

November 10, 2013

Nachfolgend einige Zufallsfunde. Heiraten aus Wollstein, Rothenburg an der Obra oder Borui. Jeweils eine Person stammte nicht aus jener Umgebung und bildet den Grund der Veröffentlichung.

Friedrich August BÖTTCHER (47), Sohn des verstorbenen Pastors BÖTTCHER in Dissen bei Kottbus und Caroline Friederike Theodore ANGERSTEIN. Über den Pastor steht hier mehr:

heiratete 1853:

Amalie Bertha SCHILLER (21), Tochter von Johann August SCHILLER und Susanna Dorothea MARKWART.

Identifikation Hochzeitsbild, Provinz Posen, 30er Jahre. II.

September 19, 2013

Wer erkennt Personen auf diesem Bild und kann sie identifizieren? Das Hochzeitsphoto entstand ungefähr zu Beginn oder Mitte der 1930er Jahre in der Provinz Posen. Wahrscheinlich in der Region um Borui oder Wollstein; möglicherweise aber auch nahe Rothenburg an der Obra. Namenlose Menschen aus längst vergangenen, aber nicht vergessenen Zeiten. Eingetreten in das allumfassende, weite Nichts der Vergänglichkeit.

Vorfahren

Eine miserable Person

September 9, 2013

Im November 1719 starb ein Mann, den der Pfarrer in seinem Kirchenbuch mit den Worten „… eine miserable Person“ würdigte. Ich bin geneigt anzunehmen, daß der Terminus „miserable“ hier an dieser Stelle nicht als „schicksalhaft“ gedeutet werden darf, sondern vielmehr in einer negativen Art und Weise. Und selbst noch im Tod und darüber hinaus offenbart sich das Wesen der Kirche, die weder vergeben kann noch will. Nicht einmal im Tod. Ein bemerkenswerter Eintrag. Nachtrag: Wahrscheinlich muß die Bezeichnung “miserable Person” anders interpretiert werden – man beachte die Kommentare.

1719

Der alte Greis

Juli 31, 2013

Im April des Jahres 1738 starb in Karpitzko bei Wollstein Johann Klement, der in seinem Todeseintrag als „alter Greis“ tituliert wurde. In der Tat erscheint sein Alter bemerkenswert, vor allem für damalige Verhältnisse: 106 Jahre wurde er alt – angeblich. Ob das der Wahrheit entsprach, ist freilich ungewiß, dennoch, er wird ein hohes Alter erreicht haben. Was mag dieser Mensch alles gesehen haben? Wie viele Menschen lernte er in seinem langen Leben kennen? Und manche von ihnen gar lieben. Ein Jahrhundert Leben, voller Erlebnisse, Begebenheiten und Wissen. Möge er ein schönes Leben gehabt haben.

Tod_Klement_1738

Ein trauriges Schicksal

Juli 27, 2013

Am 05.10.1819 hauchte der Dienstjunge Gottfried Kutzner aus Rothenburg an der Obra sein kurzes Leben viel zu früh aus. Er starb in einem Alter von nur 15 Jahren an den Folgen erlittener Mißhandlungen. Welch schreckliche Taten mußte dieses arme Kind über sich ergehen lassen? Wie exzessiv mußte dieser Junge einst gequält worden sein, um an den Folgen dieser Marter gar zu sterben? Vielleicht erfuhr er diese Ungeheuerlichkeiten von seinem Dienstherrn, der ihn möglicherweise als Sklaven betrachtete? Ein trauriges Schicksal, vom Leben in den Tod geschrieben von Menschenhand. Gottfried Kutzner ist lange vergessen, seine Mörder ebenso. Die erbarmungslose Zeit weht uns dereinst alle in jenes Reich der Vergessenheit.

05.10.1819

Identifikation Hochzeitsbild, Provinz Posen, 30er Jahre

Juli 15, 2013

Wer erkennt Personen auf diesem Bild und kann sie identifizieren? Das Hochzeitsphoto entstand ungefähr zu Beginn oder Mitte der 1930er Jahre in der Provinz Posen. Wahrscheinlich in der Region um Borui oder Wollstein; möglicherweise aber auch nahe Rothenburg an der Obra. Namenlose Menschen aus längst vergangenen, aber nicht vergessenen Zeiten. Eingetreten in das allumfassende, weite Nichts der Vergänglichkeit.

Heirat_1

Der große Brand in Wollstein am 19.09.1810

Mai 20, 2013

Am 19.09.1810 gegen 17 Uhr – ein warmer Tag – nach Wochen ohne Regen kündigte sich Unheil an, als vom östlichen Teil der Judengasse eine Rauchwolke aufstieg. Ein Teil der Bewohner von Wollstein war verreist, während viele andere der Feldarbeit nachgingen. Schnell eilten die Einwohner zur Löschung des Brandes, doch die Flammen griffen bereits auf das Haus der Fleischerwitwe Ulrich über. Die brennenden Speckseiten stiegen in Rauchwolken auf, breiteten sich über die ganze Stadt aus und fielen wie ein Feuerregen hernieder. Bald darauf erfaßte das Feuer das Rathaus und dem Bäckermeister Schulz gelang es nur mit höchster Mühe, die neue Feuerspritze aus dem angrenzenden Schuppen zu retten, deren größter Teil allerdings verbrannte – wodurch nun an ein Löschen nicht mehr zu denken war.

Indessen eroberten die Flammen mehr und mehr Terrain. Gegen 19 Uhr wurde die evangelische Kirche ein Opfer des Feuers. Später kam ein Teil der Bürger aus Karge mit ihrer Spritze, um zu helfen, was auch für einige adelige Herren galt, die dort auf dem Markt weilten. Obwohl der Giebel des Hauses von Schmied Dohnke bereits rauchte, konnte selbiges vor der Feuermacht gerettet werden. Doch der Gasthof „Zum grünen Baum“ stand in vollen Flammen und das Feuer war im Begriff, das frühere Schießhaus zu ergreifen, was von einem adeligen Herren verhindert wurde. Mittlerweile wurden die Kirchenbücher unter Lebensgefahr des Pfarrers in Sicherheit gebracht. Nur 61 Häuser von 225 überstanden das große Feuer. Insgesamt verbrannten 164 Gebäude, wie die evangelische Kirche, der katholische Kirchturm, das Rektor- und Glöcknerhaus, das Rathaus, die Synagoge und das Brauhaus der Stadt. Während dieser schrecklichen Momente der Angst wurden die verarmten Bewohner noch von einigen boshaften Mitbewohnern bestohlen. Nicht wenige alte Menschen fielen später als Folge der Aufregung dem Tod anheim.

Quelle: Heinrich Gerlach: „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839“.


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