Unwetter in Antweiler

Antweiler an der Ahr bei Adenau, 18. Juni. Nachdem bereits am 16. mehrere leichte Gewitter über uns hergangen, fiel in der Nacht auf den 17. ein sechsstündiger heftiger Regen, welcher die Ahr und deren Nebenflüßchen aus den Ufern treten ließ und mit dem Heu aufräumte. Obschon es gewiß für die armen Eifelbewohner schmerzlich war, das Heu noch von den Wellen des wilden Gewässers fortgeschwemmt zu sehen, hätten wir dies noch gern ertragen, wäre uns das Unglück des gestrigen Tages erspart geblieben. Gegen 6 Uhr Abend verfinsterte sich der Himmel, ein Gewitter kam von Osten, ein anderes sehr tief hängendes von Nord-Westen; sie vereinigten sich um die Kuppen des Ahrenberges herum und blieben dort hängen.

Um neun Uhr erfolgte Schlag auf Schlag; es wurde fast stockfinster, der Regen verdichtete sich von Minute zu Minute, bis daß es kein Regnen, aber ein Gießen zu nennen war. Fast eine Stunde dauerte das Wüthen des Unwetters. Der durch Antweiler fließende Hühnerbach, ein Bächlein, das höchstens 20 Minuten Weges von seiner Quelle bis zur Ahr zu fließen, aber ganz bedeutendes Gefälle hat, wurde uns zum Verderben.

In drei Arme getheilt, deren jeder mannstief war, stürzte sich der Bach über das unglückliche Dorf, mit sich führend die Ackerkrume unserer Fluren. Die so schrecklich überraschten Bewohner hatten Mühe und Noth, sich, die Ihrigen und das Vieh zu retten, während das Wasser unaufhaltsam in die Wohnungen drang. Eingestürzt ist kein Haus, aber es sind die Wände herausgerissen, Fundamente unterwühlt und manche so zugerichtet, daß sie völlig neu gebaut werden müssen. Die Möbel sind theils fortgerissen, theilweise Ackergeräthe sind vielfach fortgetrieben.

In der Kirche stand das Wasser über vier Fuß hoch, der daneben liegende Kirchhof ist ebenfalls furchtbar mitgenommen; fast kein Kreuz, kein Grabhügel ist unversehrt geblieben; ein Stück des Kirchhofes ist nebst den dort begrabenen Leichen völlig weggeschwemmt. Die Gewalt des Wassers war so furchtbar, daß es Löcher von sechs bis 25 Fuß Tiefe in den unterhalb Antweiler liegenden Weg gerissen. Viele Familien, deren Acker in der am meisten mitgenommenen Flur liegen, sind auf Jahre hinaus ruinirt; denn nicht nur die diesjährige Ernte ist total vernichtet, sondern der gute Boden ist ganz fortgeschwemmt, so daß die Felder des Anbaues nicht mehr werth sind.

Das in einem Glase aufgefangene Wasser zeigte einen Bodensatz von fast einer Linie Höhe. Hoffentlich finden sich edele Menschenfreunde, welche den Betroffenen ihr Scherflein nicht versagen. Auch in Eichenbach, besonders aber in Lommersdorf, wo man Wände einschlugen mußte, um das Vieh zu retten, soll dasselbe Gewitter furchtbar gehaust haben. Gottlob sind keine Menschen verunglückt, wenn auch mehrere in Gefahr waren.

Aus dem Jahr 1875.
(Schreibweise original)

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