Rühmliche Auszeichnungen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871. Teil VII.

(Schreibweise original)

Übersicht derjenigen preußischen Unteroffiziere und Mannschaften der III. Armee, welche sich durch hervorragend tapferes Benehmen vor dem Feinde oder durch besondere Waffenthaten rühmlichst ausgezeichnet haben.

5. Armee-Korps. 1. Fuß-Abtheilung Niederschlesischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 5.

Kanonier August Postweiler erhielt in der Schlacht bei Wörth durch einen Granatschuß eine sehr schmerzhafte Wunde in den rechten Oberschenkel. Trotz der Schmerzen und des bedeutsamen Blutverlustes war er nicht zu bewegen, die Batterie zu verlassen; er erfüllte vielmehr seine Funktionen als Nr. 3 des Geschützes (Richten und Auswischen) so lange, bis er vom Blutverlust erschöpft, ohnmächtig zusammenbrach.

Unteroffizier Jüttner. In der Schlacht bei Wörth schlug eine feindliche Granate in dem Augenblicke, als das 2. Geschütz der 4. schweren Batterie gerade abgefeuert werden sollte, unter diesem Geschütze ein und warf die ganze Bedienung desselben und den Geschützführer, Unteroffizier Jüttner, zu Boden. Letzterer sprang sofort wieder auf, sah mit aller Ruhe die Richtung des Geschützes nach, ergriff, da die abfeuernde Nummer noch betäubt war, die Abzugsschnur und feuerte auf das Kommando des Zugführers das Geschütz ab, so daß die Feuerordnung keinen Augenblick gestört wurde.

In der Schlacht bei Sedan zeichnete sich der Unteroffizier Jüttner noch besonders dadurch aus, daß er, als eine feindliche Granate Nr. 1. und Nr. 3 seines Geschützes verwundete und die übrigen Leute am Geschütz mit Erde bedarf, der Nr. 4 die schon mit der Zündschraube versehende Granate abnahm und dadurch einem größeren Unglück verbeugte. Außerdem bediente er nach diesem Vorgange das Geschütz mit dem Rest seiner Leute fast eine Stunde lang mit großer Ruhe und Ordnung, wobei er seinen Leuten das schönste Beispiel gab.

Unteroffizier Tamaschke, Kanonier Glantz. Zu der Schlacht bei Wörth wurde dem Unteroffizier Tamaschke der 3. leichten Batterie durch eine Granate, welche durch den Achssitz des 1. Geschützes hindurchschlug und dann explodirte, die rechte Ferse weggerissen. Der Unteroffizier Tamaschke, während er sich am Geschützrade festhielt, legte zunächst vorschriftsmäßig seine Zündschrauben… ab, übergab Richtung und Elevation seinem Nachfolger und entfernte sich lautlos und mit Zurückweisung jeder Hülfe aus der Batterie, wo ihn alsdann die herbeieilenden Krankenträger sofort zu Empfang nahmen. Die Bedienung des Geschützes, obgleich bei dieser Gelegenheit noch ein anderer Mann schwer verwundet wurde, ging ruhig weiter, und war dabei noch besonders anerkennswerth und bemerkenswerth, daß der soeben die Richtung nehmende Kanonier Glantz sich durchaus nicht aus der Fassung bringen ließ, so daß das Geschütz gleich darauf einen wohlgezielten Schuß abgeben konnte.

Der Unteroffizier Tamaschke, geboren zu Scharzendorf, Kreis Grünberg in S., ist dafür später mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse dekorirt worden; der Kanonier Glantz, geboren zu Albertinenhof, Kreis Saatzig wurde zum Obergefreiten befördert.

Unerwähnt bleiben die Erlebnisse von den nachfolgenden Soldaten – können bei Interesse jedoch hier angefragt werden.

Kanonier Kolodzici
Kanonier Emmrich
Kanonier Gründel
Unteroffizier Kleiber
Lazarethgehülfe Chmilewski

Fortsetzung folgt.

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