Eine strenge Kälte

Die strenge Kälte, die wir auch hier (Wollstein) empfindlich spüren, hat in vielen Gegenden eine Höhe erreicht, die seit Jahren nicht verzeichnet worden ist. Im Eisenbahn-, Telegraphie- und Telephonverkehr hatte die Kälte mehrfache unliebsame Störungen zur Folge. In Berlin wurde am Montag früh 6 Uhr die größte diesjährige Kälte von 20 Grad bei scharfem Ostwind festgestellt.

In der Eifel und auf den sonstigen Rheinhöhen herrscht eine Kälte bis zu 30 Grad. Infolge des Eisganges auf dem Rhein müssen in Köln und anderen Orten die Schiffbrücken ausgefahren werden. Wie aus Bonn gemeldet wird, mußte auch das Eisenbahntrajekt Bonn-Oberkassel den Betrieb einstellen.

Aus Köln wird gemeldet: Infolge der Kälte sind durch Drahtbruch zahlreiche Störungen der Fernsprechleitungen nach allen Richtungen eingetreten, was den Betrieb erschwert.

Aus Hamburg berichtet man: Der Eisenbahnverkehr hat infolge der strengen Kälte von 16 Grad mehrfach Störungen zur Folge. Die Züge trafen teilweise mit mehrstündigen Verspätungen ein. Bei einigen Zügen sind die Heizvorrichtungen eingefroren und die Verbindungsrohre geplatzt. Auch in Kiel und anderen Orten Schleswig-Holsteins herrscht starke Kälte. Das Thermometer sank an einigen Orten auf 24 Grad. Die Passage im Kaiser-Wilhelm-Kanal ist nur noch für starke Dampfer möglich, schwache Dampfer sitzen seit drei Tagen im Kanal fest. In der Kieler Bucht liegt festes Eis bis Langeland, 5 bis 12 Zoll dick. Vor der Förde sitzen drei Dampfer im Eise fest und bitten um Hilfe. Die Postdampfer Kiel-Korfoer verkehren noch.

Von einer kalten Welt im Februar 1912. (Schreibweise original)

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