Helden des Meeres

Der Dampfer „Bulgaria“ wurde 1898 in Dienst gestellt, nur ein Jahr später sollte das Schiff für eine große Aufregung verantwortlich zeichnen. Auf der Rückfahrt von New York aus, geriet sie in einen schweren Sturm und wurde im Verlauf dessen manövrierunfähig. Drei Schiffe in der Nähe reagierten auf die abgeschossenen Notraketen, unter anderem der Tanker „Weehawken“, der einige Passagiere übernahm (25 Frauen und Kinder) und im Anschluß in Ponta Delgada dem sicheren Land zuführte. Die Überlebenden berichteten, daß sich „der Kargo der „Bulgaria“ verschob und das Schiff auf die Seite legte. Trotzdem ein Theil des Kargos über Bord geworfen wurde, gelang es der Mannschaft nicht, das Fahrzeug wieder auszurichten. Während des Sturmes kamen 150 Pferde um’s Leben, und ein Boot mit fünf Seeleuten wurde in’s Meer verschlagen.

Der „Weehawken“ traf die „Bulgaria“ am 5. Februar, 800 Meilen westlich von den Azoren, und blieb bei ihr bis zum Mittag des 6. Februar. Der havarirte Dampfer trieb schließlich außer Gesichtsweite und der „Weehawk“ setzte dann seine Fahrt fort.“ Später wurde unter Eid ausgesagt: „…brach am 2. Februar während eines heftigen Nordweststurmes das Steuer der „Bulgaria“ und acht Boote wurden von Sturzwellen fortgerissen. Das Schiff wurde leck und am 3. Februar stand das Wasser acht Fuß hoch im vierten Compartement. Das Schiff legte sich auf die Seite und konnte nicht mehr aufgerichtet werden, trotzdem ein großer Theil des Cargos auf die andere Seite übertragen wurde. Am 5. Februar erschien der „Weehawken“ in Sicht und die „Bulgaria“ signalisirte um Hülfe. Das erste Boot, welches herabgelassen wurde, nahm zehn Personen an Bord und wurde von den Wogen fortgerissen, ehe weitere Personen einsteigen konnten. Das zweite Boot, welches von dem zweiten Offizier Scherges und vier Seeleuten bemannt war, wurde ebenfalls fortgerissen, ehe es Passagiere aufnehmen konnte.

Der „Weehawken“ setzte zwei Boote aus. Eines derselben kenterte und das andere rettete acht Personen. Der „Weehawken“ blieb in der Nähe bis zum Mittag des 6. Februar, zu welcher Zeit der havarirte Dampfer aus dem Gesichtskreis verschwunden war. Zwei andere Dampfer befanden sich in der Nähe der „Bulgaria“ allein die Geretteten wissen nicht, ob dieselben irgend welche Hülfe leisteten.

Berechtigte Verwunderung hat in der ganzen civilisirten Welt der Heldenmuth erregt, mit welchem die Bemannung des Dampfers „Bulgaria“ von der „Hamburg-Amerika-Linie“ wochenlang mit den entfesselten Elementen kämpfte, um das auf das Aeußerste gefährdete Schiff vor dem Untergang zu retten. Unter der Führung des Capt. Schmitt trat die „Bulgaria“ mit 41 Passagieren, voller Ladung und einer aus 98 Köpfen bestehenden Bemannung von New York die Reise nach Hamburg an. Während eines furchtbaren Orkans schoß ein Theil der Ladung über, das Schiff legte sich auf die Seite und trotz allen Anstrengungen war die Mannschaft außer Stande, dasselbe wieder in die richtige Lage zu bringen.

Während Capitän Schmitt und seine Leute in dieser gefahrvollen Situation einen Verzweiflungskampf mit den Elementen führten, nahten die Dampfer „Antillian“, „Koordistan“ und „Weehawken“, aber das Unwetter war so furchtbar, daß keiner derselben der bedrängten „Bulgaria“ Hilfe zu bringen vermochte. Allgemein galt das Schiff für verloren und diese Besorgnis erhielt neue Nahrung, als der Dampfer „Victoria“ mit 4 Mann von der Besatzung der „Bulgaria“, die während des Sturmes von ihrem Schiff weggetrieben waren, in Baltimore eintraf. Aber unter der Führung des wackeren Capt. Schmitt hatte die Bemannung der „Bulgaria“ den Kampf mit den Elementen nicht aufgegeben und unter unsäglichen Schwierigkeiten gelang es, das Schiff in den Hafen von Ponta Delgada auf den Azoren zu bringen.

Während der furchtbaren Fahrt erlitten viele Passagiere und Matrosen Verletzungen, aber nur ein Menschenleben ging verloren. Die Rettung der „Bulgaria“ unter so schwierigen Umständen ist eine That, welche in der Seegeschichte kaum ihres Gleichen haben dürfte, und welche den deutschen Seeleuten zu unvergänglicher Ehre gereicht“.

(Schreibweise original, aus dem Jahr 1899).

Im Jahr 1917 wurde die „Bulgaria“ von den USA beschlagnahmt und sieben Jahre später abgewrackt.

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