Nächtliche Verbrecherjagd in Wollstein

Feueralarm erschreckte in der Nacht zum Sonnabend unsere Bürger. Stadtfeuersignale, insbesondere zu nachtschlafender Zeit, erfüllen ihren Zweck, Menschen zur schnellen Hilfe herbeizurufen, in vollendeter Weise. Als in der Sonnabendnacht die Straßen sich mit fragenden Menschen füllten, erfuhren sie, daß ihre Hilfe nicht einer Feuersbrunst, sondern einer Verbrecherjagd dienstbar gemacht werden sollte.

Im Hause Bergstraße 7 hatte sich ein Diebeskonsortium von 4 oder 5 Verbrechern eingeschlichen, was in diesen Häusern, die alle mit ihren Höfen und Gärten an den Forst grenzen, einfach und ungefährlich ist. Ein Mieter des Hauses, der gegen 1 Uhr nach Hause kam und die Hoftür öffnen wollte, fand hierbei einen unerklärlichen Widerstand. Als er mit Gewalt die Tür aufdrückte, stand ihm eine Anzahl dunkler Gestalten gegenüber. In schnellem Erfassen der Situation griff der Mieter zum Revolver, was gleichzeitig die Verbrecher auch taten.

Die sich nun entwickelnde wilde Schießerei weckte nun die Bewohner dieses und der angrenzenden Häuser. Polizei und die durch Alarm geweckten Bürger nahmen sofort die Verfolgung der flüchtigen Verbrecher auf, die über Höfe und Gärten auf den angrenzenden Forst führte und deren Spuren sich dort verloren. Ein Einbrecher allerdings hatte das Pech, in einen tiefen Entwässerungsgraben zu fallen und es gelang zunächst, diesen festzunehmen. Auch umfangreiches Diebeshandwerkszeug fiel dabei in die Hände der Verfolger. Der bis an die Halskrause durchnäßte ortsunbekannte Einbrecher wurde von einem Wächter abgeführt. Leider gelang es dem gefährlichen Burschen, in der Kochstraße seinem Schicksal dadurch zu entgehen, daß er sich mit plötzlichem Ruck losriß und in rasender Flucht im Dunkel der Gassen verschwand.

Es ist dies natürlich sehr bedauerlich, daß durch diesen entlaufenden Kronzeugen die Ermittlung des Verbrecherkonsortiums sehr erschwert wird. Dieser groß angelegte Einbruchsversuch beweist jedoch, daß trotz der vielen Verhaftungen unsicherer Elemente die Gefahr nächtlicher Überraschungen noch keinesfalls ausgeschaltet ist und daß Vorsorge und Selbstschutz noch immer Aufgabe jedes Bürgers sind.

Aus dem Jahr 1933. (Schreibweise original)

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