Das Unglück der Kreuzer-Korvette „Augusta“. Teil II.

Am 10. August hatte bereits der amtliche „Reichsanzeiger“ die vom Kabel jetzt erst gemeldete Trauerkunde vom Untergange der deutschen Corvette „Augusta“ in folgender Weise gebracht: „Von S. M. Kreuzer-Korvette „Augusta“, Korvetten-Capitän v. Glöden, welche, mit den Ablösungs-Commandos für die australische Station an Bord, in der Nacht vom 1. zum 2. Juni d. J. die Insel Perim im Rothen Meere verlassen hat, um nach Albany, Westaustralien, zu gehen, sind seitdem Nachrichten hier nicht eingetroffen.

Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Schiff mit einem Cyclon, der am 3. Juni, von Bombay kommend, Aden erreichte, in Berührung gekommen ist. Wenn hieraus auch gefolgert werden muß, daß das Schiff durch widrige Umstände verhindert worden ist, seine Reise in der gewöhnlichen Weise durchzuführen, liegt noch kein Grund vor, anzunehmen, daß das Schiff nicht noch sein Reiseziel auf einer weiteren, die Zone des Südost-Monsuns südlich umgehenden Tour erreichen wird.

Die „Augusta“ führte 10 Geschütze und hatte eine etatsmäßige Besatzung von 238 Mann; außerdem hatte sie die Ablösungsmannschaft für die australische Station von Besatzungstheilen der Kreuzerfregatte „Gneisenau“, des Kreuzers „Albatroß“ und des Kanonenboots „Hyäne“ an Bord.

Auf der Ausreise befinden sich:

Commandant: Korvetten-Kapitän v. Glöden (* 1847 in Schwedt)
erster Offizier: Capt. Lieut. Rasche (* 1850 in Wittstock)
Capt. Lieut. Hilgendorff (für Albatroß) (* 1854 in Hammersdorf)
Lieut. zur See Habermaas (für Hyäne) (* 1859 in Hohenasperg)
Unter-Lieut. zur See Müller III. (für Gneisenau) (* 1859 in Frankfurt)
Schillbach (* 1861 in Landsberg a. M.)
von Rosenberg-Gruszczynski (* 1862 in Lecbitsch)
Stabsarzt Dr. Michaelis (* 1854 in Herzberg)
Marine Unter-Zahlmeister Schwencke (*1853 in Boizenburg)
Obermaschinist Lange.

Zur Heimreise sollen auf das Schiff kommen:

Commandant: Korvetten-Kapitän v. Glöden
erster Offizier: Capt. Lieut. Rasche
Lieutenants zur See Meyer I, v. Bredow
Krüger (alle drei v. d. Hyäne)
Saß (Albatroß)
erster Offizier vom Gneisenau Unter-Lieutenants zur See Schillbach, von Rosenberg-Gruszczynski
Stabsarzt Dr. Michaelis
Marine Unter-Zahlmeister Schwencke
Obermaschinist Gottschalk, außerdem:

Korvetten-Kapitän Plüddemann, Commandant des „Albatroß“ als Passagier.

Das Deplacement des Schiffes betrug 1825 Tonnen, die indizirten Pferdekräfte der Maschine 1300. Die „Augusta“ war ein Schwesterschiff der „Viktoria“ und eines der älteren Schiffe der deutschen Kriegsmarine, zu Anfang der sechsziger Jahre auf einer französischen Werfte zu Bordeaux gebaut. Das Schiff vermochte nicht so viele Kohlen zu fassen, um größere Fahrten unter Dampf zu machen. Auf Grund Dessen hat sie die Fahrt vom Rothen Meere aus unter Segel machen müssen. Ebenso konnte die weitere lange Fahrt nur in dieser Weise vollzogen werden, und daher erklärt sich die lange Zeit, welche seit dem Verlassen der Insel Perim im Rothen Meere verflossen ist und die im „Reichsanzeiger“ betonte schwache Möglichkeit, daß das Schiff sein Reiseziel noch erreichen werde.

Kreuzer-Korvette „Augusta“

Der gewöhnliche Weg, den die Schiffe vom Rothen Meere nach Australien einschlagen, bildet nahezu eine gerade Linie; es werden dabei die asiatischen Besitzungen Englands und Hollands nicht berührt. In Deutschland tröstete man sich eine Zeit lang noch mit Folgendem: „Sind die Monsune der Fahrt hinderlich, so nehmen die Schiffe eine direkt südliche Linie, etwa bis zum 35.-40. Grade südlicher Breite und suchen dann mit Westwind Australien zu erreichen. Oft finden sie auch da ungünstige Winde und verlieren dadurch viel Zeit“.

1885. (Schreibweise original)

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