Eine Unterlassungssünde mit endgültigen Konsequenzen

In Berlin ist die 28jährige Frau des Schneidermeisters Busch, Kochstr. 20, an der Trichinosis gestorben und ihr Mann liegt schwer erkrankt darnieder, trotz der kostspieligen und mühevollen Fleischschau, die mit so viel Sorgfalt und Strenge in Berlin durchgeführt wird. Allerdings war das Fleisch von auswärts eingeschleppt. Der bei Kulmsee wohnende kleine Besitzer Wilhelm Zink hatte zwei Schweine schlachten, das Fleisch aber nicht untersuchen lassen.

Eine Schwester Zinks ist nach dem Genusse des Fleisches gestorben, ebenso sein in Stargard beim Leib-Husaren-Regiment stehender Sohn, dem er von dem Fleisch gesandt hatte. Acht Kameraden dieses Soldaten, die gleichfalls von dem Fleisch gegessen hatten, sind schwer erkrankt, ebenso zahlreiche andere Verwandte. Zink hatte auch an seinen Bruder nach Berlin von diesem Fleische gesandt; dieser Bruder wohnt bei den Eheleuten Busch – so kam es, daß auch diese von dem trichinösen Fleische aßen.

Die dort zum Besuch anwesende Martha Janke ist gleichfalls nach dem Genusse des Fleisches, respektive der daraus hergestellten Wurst erkrankt und hat lange in der Charitee gelegen, bis sie als geheilt in ihre Heimath, nach Thorn, entlassen werden konnte.

Anmerkung. Bertha Louise Hauser, verehelichte Busch verstarb mit nur 28 Jahren am 20.01.1888 in Berlin. Der oben erwähnte Bruder – Jakob Eduard Zink – meldete auch ihren Tod; er selbst überlebte den “Fleischgenuß” und verstarb 11 Jahre später mit 41 Jahren.

Aus dem Jahr 1888.
(Schreibweise original)

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