Vater, erschieß mich doch mal!

Seine Tochter erschossen hat beim unseligen Spiel mit dem Revolver der Conditor von Braun in Berlin, Müllerstraße 162. Er brachte sein Terzerol in Ordnung, und seine Tochter Margarethe, ein zwölfjähriges Mädchen, sah seiner Hantirung zu.

„Vater, erschieß mich doch mal!“ – rief ihm neckend das Kind zu. Braun zielte scherzend und drückte ab. Da tönt ein Schuß, und entseelt stürzt das Kind zu des Vaters Füßen nieder. Im Lauf hatte eine vergessene Patrone gesteckt und hatte ihre Kugel dem Kinde mitten ins Herz gesandt. Als Braun aus seiner Betäubung wegen des von ihm angerichteten Unheils erwacht war, stürzte er von der Leiche hinweg zum Polizeirevier, um sich dort selbst zu stellen. Braun, der in zweiter Ehe verheirathet ist, war zu Haus geblieben, da seine Frau mit dem jüngsten Kinde auf einige Tage verreist war.

Das getödtete Mädchen ist das jüngste Kind aus Brauns erster Ehe und galt als des Vaters Liebling.

Berlin, im Jahr 1902. (Schreibweise original)

Anmerkung. Margarethe Anna Marie, 26.09.1889-10.03.1902, Eltern: Max Friedrich Rudolf von Braun, 1857-1925 und Emilie Louise Jeanette Hedwig Grabbe, 1861-1895. Der Tod des Vaters im Jahr 1925 gab Anlaß zu polizeilichen Ermittlungen. Auch ist das „von“ zweifelhaft – im Jahr 1904 wurde gerichtlich vermerkt, daß der Vater „Braun“ und nicht „von Braun“ heißt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: