Die Versenkung der Barbarossa

Die alte Barbarossa, dereinst Flaggenschiff der seligen deutschen Flotte von 1848-50, hätte es sich wohl schwerlich träumen lassen, daß sie dereinst einmal ihr Ende als Zielobjekt der von der Flotte des „neuen deutschen Reiches“ entsandten Torpedos – einer damals noch ganz unbekannten Fischart – finden werde.

Und doch war es so; die Barbarossa nachgerade auch als Casernenschiff selbst den bescheidensten Ansprüchen gegenüber nicht mehr verwendbar und deshalb ausrangirt, ist am Nachmittag des 28. Juli durch einen wohlgezielten Torpedoschuß vom Zieten aus, an dessen Bord sich der Kronzprinz mit seinem Sohne und Schwiegersohn befand, rasch und schmerzlos vom Leben zum Tode befördert worden; der Torpedo traf das alte Schiff an der richtigen Stelle, mitten ins Herz, nach wenigen Minuten existirten von demselben nur noch wenige über die Oberfläche des Wassers hinausragende Trümmer.

Barbarossa ist todt – des deutschen Kaiserthrones Erbe aber war der Erste unter den Leidtragenden; dem alten Rothbart wird, wie die Erde, so auch jetzt das Wasser leicht werden.

August 1880. (Schreibweise original)

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