Deutsche Auswanderungsstatistik. Teil II. Auswanderungsjahre.

Die Jahre 1867-1877 können in Preußen geradezu als Auswanderungsjahre bezeichnet werden. 427,021 Personen verließen während derselben das Staatsgebiet, während auf den doppelt so langen Zeitraum vom 1. October 1844-1866 nur 394,012 Auswanderer kommen. Allerdings zählen in jener Periode 84,771 Auswanderer aus den neuen Provinzen mit, immerhin stellt sich aber das Verhältnis so, daß für die sechs östlichen Provinzen reichlich so viele Personen auswanderten als früher: 223,440 gegen 220,263. Ungleich günstiger gestaltet sich das Verhältniß für die westlichen Provinzen indem den 173,749 Auswanderern der ersten Periode nur 62,161 der zweiten gegenüber stehen. Im einzelnen gestalten sich die Zahlen besonders günstig für die Provinzen Preußen, Posen und Pommern, normal für Brandenburg und allenfalls Schlesien, sehr günstig für Sachsen.

Fassen wir das letztere Jahrzehnt, welches wegen der größeren Sicherheit der Ermittlungen vorzugsweise das entscheidende ist und deßhalb auch für die weiteren nachfolgenden Erörterungen als Norm dienen kann, noch näher ins Auge und unterscheiden wir dabei aus naheliegenden Gründen die Zeiten vor und während und nach dem französischen Kriege, so ist es abermals die östlichste Provinz, welche die erheblichste Zunahme der Auswanderung aufweist, während die drei neu erworbenen Provinzen ein günstiges Bild bieten.

Das bei Weitem ungünstigste Jahr in diesen Perioden und überhaupt seit 1844 ist das Jahr 1872. Indessen schon im folgenden Jahre besserte sich das, woran dann ein völliger Umschlag eintrat, indem von 1874 an die Anzahl der Auswanderer rasch fiel. Diese fallende Richtung zeigt sich im einzelnen bei allen Provinzen, am stärksten bei den sechs östlichen, dann bei den drei neu erworbenen, am schwächsten bei den zwei westlichen; in den ersteren sank sie auf den vierten Theil herab. Die Wirkungen des österreichischen wie des französischen Krieges waren eben in Hinsicht der Auswanderung bedeutend abgeschwächt und in ihrem Eldorado America hatten sich die Verhältnisse derartig umgestaltet, daß sie Vieles von ihrem verlockenden Wesen verlieren mußten.

Zweifelsohne haben aber auch die Milliarden hier stark mitgewirkt, wie die auffallende Thatsache beweist, daß die 1872 gar starke Auswanderungsbewegung an den Großindustriebezirken beinahe spurlos vorübergegangen ist. Während sie aus den spärlich bevölkerten Bezirken Danzig, Marienwerder und Bromberg gegen 19,000 Menschen fortbewegte, vermochte sie aus Berlin, Arnsberg, Düsseldorf, Köln mit mehr als der doppelt sogroßen Einwohnerzahl keine 1800 Personen mit sich wegzureißen. Und während im Jahre 1873 die Provinzen Preußen, Pommern und Posen mit 53 Procent an der Gesammt-Auswanderung betheiligt waren, kommen auf die mit einer hochentwickelten Industrie gesegneten Rheinlande, Westfalen. Sachsen, Brandenburg und Schlesien nur 20 Procent.

Von 1879. (Schreibweise original)
Fortsetzung folgt.

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