Lebendig begraben

Aus Oberwaldsee bei Müglitz berichtet man: Mittwoch, den 24. vorigen Monats gingen zwei Einwohner unseres Dorfes, als es bereits dunkelte, von Müglitz nach Hause. Als sie am Spritzwirthshause, welches zwischen unserem Dorfe und Müglitz liegt, vorüberkamen, vernahmen sie aus einer Schlucht ein leises Wimmern. Einer von ihnen stieg in die Schlucht hinab, der Andere zündete inzwischen ein Streichholz an, damit der unten Befindliche besser sehe.

Dieser entdeckte denn auch beim Lichtscheine frisch aufgeworfene Erde. Da die beiden Männer allein jedoch Nichts unternehmen wollten, liefen sie erst ins Dorf, von wo mehrere Leute mit ihnen zum Hohlwege hinauszogen. Da man keine Schaufeln oder sonstige Werkzeuge mitgenommen hatte, grub man mit den Händen die frisch aufgeworfene Erde auf.

Bald stieß man auf die nackten Füßchen eines kleinen Kindes. Man grub rasch weiter und zog ein dem Anscheine nach bereits mehrere Wochen altes Kind, das ganz nackt war, hervor. Da man noch Leben in dem Kinde entdeckte, wickelte man dasselbe in ein Tuch und trug es in ein Haus, woselbst es nach den Anordnungen des herbei geholten Arztes warm gebadet und genährt wurde. Das Entsetzen über die grausige That war ein allgemeines.

Im Dezember 1880. (Schreibweise original)

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