Das Drama der Schiller. Teil II. Weitere Details.

Das Alles überschattende Ereigniß der letzten Tage bildet der Untergang des deutschen Dampfers „Schiller“, welcher in der Nacht des letzten Freitag auf der Reise von New York nach Hamburg an einem Felsenriff bei den Scilly Inseln scheiterte (am 07.05.1875).

Die Ladung bestand aus 800 Ballen-Baumwolle, 2513 Fäßern Harz, 4000 Bushel Korn und einer bedeutenden Consignation Blättertabak. Der Werth der Ladung ist auf $150,000 geschätzt. Das Schiff führte ferner, die Ver. Staaten Post mit sich, bestehend aus 32 Beuteln mit Briefen und Zeitungen für London, 11 desgleichen für Liverpol, 8 desgleichen für Glasgow, 11 desgleichen für Dublin, 12 für Cherbourg und Paris, 17 desgleichen für Hamburg; die Gesammtzahl der Briese belief sich auf 36,000. Außerdem befand sich an Bord die ganze regelmäßige transcontinental Post von Australien und Neuseeland, in 162 Beuteln. Endlich hatten Bankiers sechs Fässer mit $300,000 Gold aufgegeben, welche für ihre Pariser Korrespondenten bestimmt waren. Der größte Theil der Ladung inclusive des Goldes ist versichert.

Die Reise ging glücklich bis zum 4. Mai, in den letzten drei Tagen war es des Sturmes wegen unmöglich, Beobachtungen anzustellen und das Schiff war eine halbe Meile außer dem Cours gerathen. Am 7. Mai bereits näherte sich der Dampfer den am Eingang des Canals, westlich von Falmouth und von dem Landsend liegenden Scilly Inseln, eine Gruppe von 145 felsigen Eilanden, einst wohl mit dem Festland verbunden, jedoch durch die Wellen des andringenden Oceans von diesem getrennt. Nur fünf dieser Inseln sind von Fischern bewohnt. Jeder, der die Reise nach den Ver. Staaten gemacht hat, wird sich dieser Inseln lebhaft erinnern; sie sind das letzte Markzeichen von Europa, welches er erblickt und sobald die Schiffe dieselben hinter sich haben, treten sie in den atlantischen Ocean ein.

Die Scilly Inseln waren von jeher gefahrvoll für die in ihre Nähe kommenden Schiffe; in den unzähligen bei der Hochfluth mit Wasser bedeckten und daher unkenntlichen Felsenriffen sind schon manche Schiffe zu Grunde, tausende von Menschenleben verloren gegangen. In neuerer Zeit sind auf verschiedenen Inseln von der britischen Regierung Leuchttürme und Signalstationen errichtet worden, um die bei Nacht und Nebel herankommenden Schiffe vor der Nähe der Inseln zu warnen. Ueber die Katastrophe selbst gaben der zweite Offizier des Schiller, Poleman, und einige der geretteten Passagiere, einem Berichterstatter folgende Auskunft:

Am Abende des 7. Mai war der Nebel ungemein dicht, und wurden um 7 Uhr Abends die Segel eingezogen, die Dampfmaschine auf halbe Kraft reduzirt und die Nebelglocken geläutet. Capitän Thomas war seit vier Tagen Tag und Nacht auf dem Verdeck gewesen und stand auch jetzt auf seinem Posten. Das Licht von dem Leuchtthurme aus Bishop’s Rock wurde nicht gesehen, trotzdem das Schiff nur eine halbe Meile von demselben entfernt war. Um 10 Uhr fuhr der Dampfer auf ein Riff auf, das unter dem Namen „Retarriere Klippe“ bekannt ist, und saß nach vier heftigen Stößen fest. Die See ging hoch, die Fluth war im Steigen und die Finsterniß eine dichte. Viele der männlichen Passagiere waren wach, und erfolgte der gewöhnliche Sturm auf die Boote.

(Schreibweise original)
Fortsetzung folgt.

Das Drama der Schiller
Teil I. Der Untergang.
Teil II. Weitere Details.
Teil III. Rettungsversuche.
Teil IV. Die Geretteten.
Teil V. Inquest über die Opfer.
Teil VI. Verschiedenes.

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