Der Weinanbau im Posener Land

Der viel geschmähte Posener Wein hat seine Geschichte, eine Geschichte, die weit in das Mittelalter hineinreicht. Wie der brandenburgische und schlesische Weinbau geht auch der Posener wahrscheinlich auf das süd- oder westdeutsche, auf fränkische Kolonisten zurück, die im 13. Jahrhundert die Rebenkultur in die Bomster Gegend einführten.

Nach der Posener Urkunde aus dem Jahre 1373 hatte der Bürger Martin nicht nur eine bestimmte Geldsumme, sondern auch ein gewisses Quantum Wein als jährlichen Zins zu liefern. Wir dürfen wohl annehmen, daß sich der Posener Wein mit dem westpreußischen Gewächs messen konnte und dem berühmten Thorner Wein, an Güte nicht nachstand.

Im eigentlichen Weingebiet Posens bei Bomst, tritt nur eine Ortsbezeichnung auf, die an den Weinanbau erinnert: „Weinberge-Komorowo“. In manchen Posener Städten hat sich der Name Weinberg für einzelne Stadtteile oder Grundstücke erhalten. Auch in der Gemeinde Gutehoffnung, einem im Jahre 1783 gegründeten Hauland südlich von Pleschen, war früher ein Weingarten, der jetzt ganz dem Obstbau dient. Es ist wohl anzunehmen, daß die in Gutehoffnung angesiedelten Deutschen dort den Weinbau eingeführt haben, stammten sie doch, wie die Chronik erzählt, aus der Gegend von Lissa, Wollstein, Karge und Sontop. Das Hauptweinbaugebiet Posens ist wahrscheinlich stets die Landschaft bei Bomst, Unruhstadt, Chwalim, Kopnitz und Wollstein gewesen.

Noch im Jahre 1902 trieben folgende Posener Orte Weinbau: Kopnitz, Bomst, Unruhstadt, Chwalim, Wollstein, Adamawo, Jablone und Tloker Hauland (Anmerkung. Hier auch meine Familie). Alle diese Orte hatten je über ein Hektar Weinland, die beiden erstgenannten über 40, Chwalim über 20 ha. Unter ein Hektar Rebgelände besaßen damals: der Gutsbezirk Bomst, Karpitzko und Friedenhorst. Die Posener Trauben werden zum Teil auf heimatlichen Boden gekeltert und liefern dann den Bomster Landwein, zum Teil wandern die Trauben in die Großstädte, zum größten Teil aber kommen sie in den Grünberger Kognak- und Sektfabriken zur Verwendung, und manch einer hat im Schaumwein Bomster Gewächs genossen, ohne es zu ahnen.

Als am 16. September 1894 die Posener Bismarck huldigten, da überreichten sie neben Zucker aus Opalenitza, Stärke aus Bentschen, Bier aus Grätz, Korn aus Seeheim, neben dem Neutomischeler Hopfenkranz auch eine Flasche Bomster Wein, Bomster Auslese, und der Sprecher bemerkte humorvoll, man nenne die Marke auch Lacrimae Petri, denn wer davon trinke, der gehe hinaus und weine bitterlich.

Pfarrer Hengstenberg aus Wetter in der Grafschaft Mark besang 1819 Bomst mit folgenden Zeilen:

Bomst macht des Weinbaus Proben
Zu weit nach Norden hin.
Sein Wein ist nicht zu loben
Viel Säure ist darin.

Aus dem Jahr 1934. (Schreibweise original).

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