Erbschaft in Wien. Akt V. Der finale Vorhang senkt sich.

Endlich hat die Martin Ott’sche Millionen-Erbschaft Ruhe. Wie nämlich bekannt wurde, hat bei dem Amtsgenchte Tauberbischofsheim aIs Vormundschaftsbehörde der Ott’fchen Erbinteressenten dieser Tage die Schlußverhandlung über das Theilungsobjekt stattgefunden. Bei derselben waren Regierungsrath Dr. Arnold Pann aus Wien, sowie ein Comite der Erben anwesend. Dr. Pann erhielt für das ihm vorgelegte Rechnungs-Elaborat, welches bei seinem kolossalen Umfange eine Revisionsdauer von mehreren Monaten seitens der betreffenden Behörden erfordert hatte, das Absolutorium, sowie außerdem von Seite des Erben-Comites ein warmes Dankschreiben für die außerordentlich glückliche Führung der Angelegenheit.

Damit ist dieses Prozeß-Monstrum aus der Geschichte des Abhandlungsverfahrens definitiv seiner Beendigung zugeführt. Bei diesem Anlasse mag als interessant erwähnt werden, daß folgende Summen des Ott’schen Vermögens nicht nach dem Auslande gewandert sind: Die Forderung der Masse an den Juwelier Schön von mehr als 100,000 Gulden, welche durch das Entgegenkommen der Erben im Wege des Vergleiches aus der Welt geschafft wurde; mehr als 300,000 Gulden an Erbsteuer, nicht viel weniger als Honorar für die Vertreter, mehr als 5000 Gulden als Expensen fur den Curator, ferner viele Tausende von Gulden an Gebühren anläßlich der im Laufe des Verfahrens eingetretenen Sterbefälle einzelner Erben.

November 1884. (Schreibweise original).

Nach mehr als fünf Jahren fand das gierige Theater dieser geldgeilen Spezies seinen Schlußpunkt. Ob der Erblasser je mit so einem Zirkus gerechnet hat?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: