Desertion

Im Jahr 1745 beschließt der Soldat Andreas Schulz – aus welchen Gründen auch immer – sein Dragoner-Regiment unerlaubt zu verlassen; ergo zu desertieren. Was mag ihn zu dieser Tat bewogen haben? In jener Zeit? Die unabwendbaren Konsequenzen wird er gewiß nicht negiert haben. So verließ er also seine Truppe und flüchtete in eine nebulöse, zweifelhafte Zukunft. Wie lange mag seine Flucht gedauert haben? Und wie stellte er sich sein weiteres Leben vor? Seine Hoffnung mag groß gewesen sein; der gnadenlose Weltgesang höchstselbst goutierte sein Vorhaben indessen nicht.

In einer Herbstnacht fand seine Fahnenflucht den dramatischen Schlußakt und so heißt es noch heute lapidar in dem Kirchenbuch:

„… in der Desertion verfolget, erschoßen worden und auf unserem Acker beigesetzt worden“.

Weder die Eltern, noch sein Alter wurden festgehalten – ebensowenig der Herkunftsort. An dieser Stelle darf vermutet werden, daß er in fremder Erde bestattet wurde – vielleicht fern der Heimat. Seine Angehörigen wurden wahrscheinlich unterrichtet, doch haben sie je die wahren Gründe für sein Handeln erfahren? Der unendliche Nebelschleier der Vergangenheit hat sich längst für immerdar hernieder gesenkt; jegliches Wissen ist verloren. Die ungerührte Zeit hat alle Erinnerungen ausgelöscht – so möge er also hier letztmalig erwähnt werden, ohne über ihn zu urteilen – der Dragoner Andreas Schulz.

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