Eine unnatürliche Tochter

Ein geradezu unmenschliches Verbrechen hat unlängst vor der Suprema Corte zu Neapel seinen Abschluß gefunden. In Monopoli in Unter-Italien lebte eine 65jährige Wittwe, Victoria Manfredi, welche sich allgemeinster Achtung erfreute. Dieselbe hatte eine Tochter von außerordentlicher Schönheit. Das junge Mädchen liebte einen Kutscher, wurde auch von diesem wiedergeliebt, doch widersetzte sich die Mutter einer Verbindung, weil ihr die Persönlichkeit des jungen Mannes nach keiner Richtung zusagte. Um Maria von der Idee einer Verheirathung mit einem Kutscher endgiltig zu kuriren, empfahl ihr die Mutter einen anderen Freier, erhielt aber die Antwort von ihrer Tochter, dieselbe werde sicher ihren Genuaro heirathen und nie einem anderen Manne ihre Hand reichen.

Nach dieser Zeit hatte Maria mit ihrem Geliebten mehrere Zusammenkünfte, und wurde dabei gesehen, wie sie zu ihm in den Stall ging. Die Mutter, welcher dies erzählt wurde, überschüttete sie mit Vorwürfen, es kam zu einer sehr erregten Scene und die unnatürliche Tochter faßte den Plan, die eigene Mutter, das Hinderniß ihrer Verheirathung mit dem Geliebten, zu ermorden.

Sie paßte die Gelegenheit ab, bis sie sich mit der alten Frau allein im Hause befand. Sie warf derselben von hinten eine Schlinge über den Kopf, drehte dieselbe zu und riß die Mutter zu Boden. Dann knieete sie auf deren Brust nieder und drehte die Schlinge so lange zu, bis der Alten Schaum und Blut aus dem Munde drangen und sie endlich kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Darauf nahm sie den Strick ab und rief um Hilfe, ihre Mutter habe der Schlag gerührt.

Einige Nachbarinnen kamen herein, legten die Todte auf ein Bett, und nun warf sich die Heuchlerin jammernd und wehklagend über die Mutter. Nach einiger Zeit gab diese aber Lebenszeichen von sich und kam nach und nach so weit zu Kräften, daß sie das Vorgefallene berichten konnte. Maria wollte fliehen, wurde aber sofort festgenommen und von dem Schwurgericht zu 13jähriger Zwangsarbeit verurtheilt. Dieses Urtheil ist von dem obersten Gerichtshof in Neapel bestätigt worden.

Aus dem Jahr 1885. (Schreibweise original).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: