Das Unglück der Deutschland. Teil VIII. Schriftverkehr. III. Die Antwort von Reichskanzler Bismarck.

Von der letzten Woche ist ein Seeunglück zu berichten. Am 4. Dez. verließ der schöne große Dampfer „Deutschland“ Bremerhaven um eine Anzahl Auswanderer nach unserm Lande zu bringen, doch schon ehe das Schiff den Canal passirt und in den atlantischen Ocean gekommen war, geschah das Unglück: der Dampfer strandete in der Nordsee. Fortsetzung.

Reichskanzler-Amt. An den Abgeordneten zum Reichstag, Hrn. Mosle.

Wohlgeboren, hier. Berlin, 12. Februar 1876. Ew. Hochwohlgeboren erwiedere ich auf das gefällige Schreiben vom 9. ds. MtS. unter Rücksendung der Anlage ergebenst, daß ich nach dem Zustande meiner Gesundheit und der Lage der Geschäfte gegenwärtig nicht im Stande bin, den Kapitän Brickenstein persönlich zu empfangen. Den Verhandlungen der britischen Behörde über die Strandung des Dampfers „Deutschland,“ deren Ergebniß Hrn. Brickenstein zu dem Wunsche veranlaßt hat, wegen Einleitung einer anderweiten Untersuchung des Unfalles mündlich bei mir vorstellig zu werden, bin ich mit Aufmerksamkeit gefolgt.

Ich bedaure, daß das Urtheil des Board of Trade für ihn nachtheilig ausgefallen ist, und ich verkenne nicht, das er ein wesentliches Interesse daran hat, das Versehen, welches das Urtheil ihm zur Last legt, von sich abzulehnen; indeß habe ich nach dermaliger Lage der Gesetzgebung keine Mittel, eine nochmalige Untersuchung des Vorganges durch eine deutsche Behörde amtlich herbeizuführen. Nach der deutschen Gesetzgebung kann eine amtliche Feststellung der Ursachen eines Seeunfalles nur im Wege der Verklagung, des Civil Prozesses oder des Strafprozesses, mithin nur in einem gerichtlichen Verfahren erfolgen, dessen Einleitung meiner Einwirkung völlig entzogen ist.

Ew. Hochwohlgeboren stelle ich ergebenst anheim, Hrn. Brickenstein hiervon gefälligst Kenntniß zu geben. Der Reichskanzler v. Bismarck.

Februar 1876. (Schreibweise original).
Ende.

Das Unglück der Deutschland.
Teil I. Erste Nachrichten.
Teil II. Details. (Namensliste)
Teil III. Noch mehr Gerettete. (Namensliste)
Teil IV. Die Untersuchung & eine Romanze.
Teil V. Der Bericht des Kapitäns.
Teil VI. Schriftverkehr. I. Gekränkte Ehre.
Teil VII. Schriftverkehr. II. Die Antwort des Abgeordneten.
Teil VIII. Schriftverkehr. III. Die Antwort von Reichskanzler Bismarck.

Also sprach der Reichskanzler von Bismarck, möge die Geschichte der Deutschland nach nunmehr 145 Jahren hier im Internet einen würdigen Abschluß finden.

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