Einst unschuldig

Im November 1879 traten zwei junge Menschen in den Stand der Ehe; die Frau stammte aus Neu Borui, im Kreis Bomst und dort erblickte auch im April 1881 ihr Sohn Johann Carl Heinrich das Licht der Welt. Ein kleines, unschuldiges Kind, hoffentlich von seinen Eltern geliebt – der weitere Lebensweg noch im verborgenen Dunkelnebel.

Das gleiche gilt für ein süßes Mädchen, welches sechs Jahre später geboren und auf den Namen Emma Pauline getauft wurde. Auch ihre Zukunft war zu diesem Zeitpunkt unbestimmt und erst gemeinsam mit Johann Carl Heinrich betrat sie irgendwann einen finsteren Pfad, der nur Unglück offenbarte. Emma Pauline ehelichte einen Herr Schulz – die Ehe wurde durch den Tod des Mannes beendet und auch ihre zweite Heirat mit Herr Reschke währte nicht lange, weil auch jener bald verstarb. Im Jahr 1919 heiratete sie nun den 1879 geborenen Johann Carl Heinrich.

Im Jahr 1935 übernahm Johann Carl Heinrich mit seiner Familie einen Hof in Schermeisel, im Kreis Oststernberg in der Neumark – der ehemalige Besitzer Theodor S. hatte mutmaßlich weiterhin ein Wohnrecht auf dem Anwesen. Das Zusammenleben gestaltete sich als Herausforderung, denn der alte Eigentümer agierte feindselig gegen die neuen Besitzer und hielt sich auch mit Beleidigungen und Schimpfkanonaden in der Öffentlichkeit nicht zurück. Der Streit eskalierte mehr und mehr und auch wirtschaftliche Probleme forderten ihren unausweichlichen, wenn auch höchst unerwarteten Tribut.

So erreichte die Auseinandersetzung im November 1935 ihren Höhepunkt als Johann Carl Heinrich L. in der Nacht Theodor S. auflauerte und erschlug. Im Anschluß gestand er die Tat seiner Frau und beide kehrten zum Tatort zurück, als sie das Opfer zu ihrer Überraschung lebend vorfanden. Hier gab es kein Zaudern, kein Innehalten – mit einem Rucksack wurde Theodor erstickt und die schreckliche Tat vollendet. Sodann versteckte man die Leiche, die nicht ganz zwei Wochen später aufgefunden wurde.

Nach einer weiteren Woche war der Mord bereits von der Berliner Mordkommission aufgeklärt, die Täter überführt, welche auch ein Geständnis einräumten. Im März 1936 wurde Johann Carl Heinrich L. zum Tode und Emma Pauline zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Jahr 1937 wurde Johann Carl Heinrich in Berlin enthauptet; so schließt sich der unerbittliche Kreis. Aus einst unschuldigen kleinen Kindern erschuf das Leben Mörder; wahrscheinlich ist jene Eskalation nuancenartig entstanden, Schritt für Schritt.

Anmerkung. Einige Daten stammen aus der „Zentralkartei für Mordsachen“ – Landesarchiv Berlin. Das dort genannte Geburtsdatum von Emma Pauline L. ist nachweislich inkorrekt; gleichwohl ist es hier an dieser Stelle irrelevant.

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