Wie die Hauländereien im Kreis Grätz entstanden

Während Polen im 16. und 17. Jahrhundert den Protestantismus bekämpfte und daher den hier ansässigen Deutschen viele Rechte verlorengingen, zeigte es sich neuen Einwanderern gegenüber von großer religiöser Duldsamkeit und versprach den einwandernden Bauern die persönliche Freiheit, die sie in der Heimat nicht besaßen. So kamen zuerst die Böhmischen Brüder in dieses Land und gründeten 1547 Lissa, auch nach Bentschen kamen sie, dann die unter religiösem Druck abwandernden Holländer, die sich von der Weichselniederung, in der sie zuerst angesetzt wurden, weiter nach Süden zogen, wo sie 1593 im Warthegau ihre ersten Siedlungsplätze schlugen. Seit 1550 kamen auch brandenburgische und pommersche Bauern ins Wartheland.

Je nach ihrer Herkunft hatten die Zugewanderten eine andere Art zu siedeln. Entweder lebten sie in geschlossenen Schulzendörfern, die auf schon kultiviertem Boden bestanden, wie die Brandenburger und pommersche Bauern, oder sie errichteten sich wie die Holländer Einzelhöfe in Sumpf- und Waldgebieten, die sie allmählich urbar machten. Entsprechend ihrer schweren Arbeit erhielten sie mehr Freiheiten und Rechte; mußten aber auch Besitz und Vermögen mitbringen und waren daher wohlhabender als die Bewohner der Schulzendörfer. In späterer Zeit waren nicht mehr alle Bewohner der Holländereien Holländer. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wandelte sich die Bezeichnung „Holländer“ in „Hauländer“.

In der Umgebung von Tirschtiegel wurden die Hauländer zuerst geduldet und später mit Privilegien ausgestattet. Durch Zuzug entstand in Tirschtiegel eine deutsche Neustadt, und im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde die Stadt vorwiegend deutsch. Auch in und um Kirschneustadt (Neustadt/Pinne) setzten sich deutsche Kolonisten fest, und seit 1672 siedelten hier vor allem Sachsen, Lausitzer, Schlesier und später Bauern aus der Neumark und allmählich entstanden immer mehr Hauländereien um Neustadt, die nach Birnbaum eingepfarrt wurden. 1709 erhielten Roßfelde, später Jägersheim ein Privilegium vom Grafen Opalenski, die Hauländerei Ziegenkrug entstand aus einem Gasthaus, das der Sage nach vom Grafen Opalenski errichtet wurde – als Dank für die Errettung aus dem Urwald, in dem er sich auf der Jagd nach einem Hirsch verirrt hatte.

Die Hauländer hatten an den Grundherrn einen jährlichen Pachtzins zu zahlen, der in Bentschen zehn Taler für die Hufe = 30 Morgen, die jeder Hauländer zugeteilt erhielt; in Alttomischel sechs Taler, dazu noch zwei Taler für freie Hütung des Viehs im Walde, betrug. Während der ersten sieben Jahre wurde der Pachtzins erlassen, dann versuchten die Hauländer Geld zu verdienen und stellten Pottasche, Holzkohle, Holzteer, Mulden, Schaufeln, Tröge, Schwingen, Brechen u. a. m. aus Holz her. Der Wohlstand setzte erst Ende des 18. Jahrhunderts durch den Hopfenanbau ein, den die Bauern von den Hussiten um Zisker Hauland gelernt hatten.

Seit 1750 wurden die Freiheiten und Rechte der Hauländer stark beschnitten und sie erhielten an Stelle der verbrieften Selbstverwaltung Schulzen, die immer mehr die Wünsche der Grundherren in den Vordergrund stellten. Im Zusammenhang damit zogen mehrere Bauern gemeinsam aus den Kreisen Grätz und Wollstein in die Wälder von Kalisch ab.

E. Schulemann, 1945.

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