Ein Spitzbube in Wollstein

Mehrere Einbruchsdiebstähle sind, anscheinend von ein und derselben Person, heute Nacht in hiesiger Stadt (Wollstein) verübt worden. In dem Schuhwarengeschäft von Paul Kötzsche, Königsstraße wurde ein Schreibpult erbrochen und aus demselben ein Betrag von 300 Mark entwendet. In dem hinter dem Laden belegenen Wohnraum erbrach der Dieb mehrere Behältnisse und entwendete daraus eine wertvolle goldene Herrenuhr mit goldener Kette und eine Damenuhr. Der Geschäftsinhaber, welcher mit seiner Familie im Obergeschoß seines Hauses schläft, hat nicht das geringste verdächtige Geräusch wahrgenommen, auch in der Nachbarschaft ist nichts gehört worden.

Der Dieb ist durch die Haustür, die er mittels Nachschlüssels geöffnet hat, eingedrungen und hat sich, nachdem er Laden- und Stubentür wieder verschlossen, auf demselben Wege wieder entfernt, die Haustür ließ er offen. Die Ladenkasse, in welcher sich ein noch höherer Geldbetrag befand, ließ der Spitzbube merkwürdigerweise unberührt. Bei der Firma Ferdinand Baruch, Bergstraße hob der Einbrecher die Rolljalousie der Eingangstür soweit in der Höhe, daß er sich durchzwängen konnte, schloß die Glastür mit einem Nachschlüssel auf und entwendete aus einer Schublade einen Geldbetrag von 50 Mark., eine goldene Damenuhr und ein silbernes Armband.

Zwei Häuser weiter bei der Firma Oswald Grün fand sich ein zerbrochenes Fenster nach dem Hofe und eine geöffnete Ladentür vor. Also auch hier hat der Bursche einen Besuch abgestattet, aber nichts gestohlen. Heute früh wurden die Diebstähle entdeckt und sofort der Polizei gemeldet, welche alsbald die eifrigsten Recherchen vornahm, die bis jetzt aber zu einem greifbaren Resultat noch nicht geführt waren. Auch der Polizeihund „Bomst“ wurde in Anspruch genommen, leider vergebens. Hoffentlich gelingt es, den Verbrecher recht bald ausfindig und unschädlich zu machen. Merkwürdig ist, daß fast sämtliche Schlösser nicht erbrochen, sondern mit Nachschlüsseln geöffnet wurden, man geht daher wohl in der Annahme nicht fehl, daß der Einbrecher gelernter Schlosser sein muß.

Im Juni 1912. (Schreibweise original)

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