Unglücksfälle zur See

Entsetzliche Stürme haben die Küsten Amerikas heimgesucht, und die Nachrichten über Unglücksfälle durch Scheitern, Untergang und Branden von Dampfern und Segelschiffen bilden eine lange Liste. Leider haben mehrere hundert Menschen bei diesen verschiedenen Unfällen ihr Leben verloren. Der Dampfer „Evening Star“, von New-York nach New-Orleans bestimmt, versank 180 Meilen östlich von Tybee am 8. Oktober. Es befanden sich 250 Passagiere und 50 Mann Bemannung auf dem Dampfer, und glaubt man, daß 280 Menschen ihren Tod fanden.

Der britische Dampfer „Queen Victoria“ ging auf hoher See in dem Sturme am 4. Oktober unter. Passagiere und Mannschaft wurden gerettet, und nur zwei Menschenleben verloren. Die Namen der verunglückten Segelschiffe bilden eine lange Liste, die noch nicht vollständig ist.

Die Barke „Laura“, ein Auswandererschiff von Bremen nach Baltimore bestimmt, rettete sich nach dem Hafen von Fort Monroe in sehr beschädigtem Zustande, nachdem sieben Menschen Über Bord geschwemmt, und fünfzig Passagiere verwundet worden waren.

Ueber den Untergang des Dampfers „Evening Star“ trafen am 19. weitere Nachrichten ein, aus denen hervorgeht, daß es das größte derartige Unglück seit dem Untergang des Dampfers „Amerika“ gewesen ist. Von den 300 Personen an Bord sind nur 16 gerettet worden, und es scheint, daß der Untergang ein plötzlicher war. Die Mehrzahl der Passagiere waren Frauen und Kinder, von denen alle zu Grunde gingen. Es befand sich eine französische Opern- und Ballett-Truppe an Bord, die zwei Tage vor der Abfahrt des „Evening Star“ auf dem Dampfer „Ville de Paris“ zu New-York eingetroffen war, und die den kommenden Winter in New-Orleans spielen wollte. Von diesen ist kein Mitglied unter den Geretteten.

Ebenso befanden sich dreißig männliche und weibliche Circusspieler, der Truppe von „Spaulding und Witwell“ angehörig, unter den Passagieren. Auch eine sehr große Anzahl von Frauenzimmern, die von Besitzern schlechter Häuser in New-York ausgelesen worden waren, um die kommende Saison ihr Gewerbe in New-Orleans zu betreiben, ging mit unter. Der Befehlshaber des Dampfers, Capt. Knapp, rettete sich mit 18 Mann in einem der sechs metallischen Lebensrettungsbooten des Dampfers. Das Boot ward neun Mal umgeschlagen, beim sechsten Mal verschwand Capt. Knapp in den Wellen, und kam nicht wieder zum Vorschein, doch erreichten die Uebrigen mit dem Boot den Hafen von Fernandina, in Florida.

Ein anderes Boot stieß mit 16 Personen vom Dampfer ab, schlug 12 oder 15 Mal um, und erreichte am Dienstag den Hafen von Fernandina mit sechs Personen und zwei Leichen an Bord. Der Dampfer war ein starkes neues Schiff, und nur der stärkste Orkan kann seinen Untergang herbeigeführt haben. Er war nicht versichert und ½ Million werth.

Im Oktober 1866. (Schreibweise original)

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