Wilderei & Mord im Tloker Walde

Wenige Tage vor Weihnachten schlug das unbarmherzige Leben mit aller Härte zu und traf eine Wollsteiner Familie nachhaltig, in dem der Familienvater in zutiefst sinnloser Art und Weise einen viel zu frühen Tod fand.

Am 20. d. Mts. (20.12.1908) ist der Gendarmerie-Wachtmeister Schwirz hierselbst von einem Wilderer im Tloker Walde erschossen worden. Der in Ausübung seines Dienstes so jäh aus dem Leben Geschiedene hinterlässt eine Frau und 4 unerzogene Kinder, von denen das älteste 7 Jahr alt ist. Aufruf! Die Familie, die so plötzlich ihres Ernährers beraubt wurde, befindet sich in einer Notlage, zu deren Linderung wir die Mildtätigkeit unserer Mitbürger anrufen. Wir sind bereit, Gaben entgegen zu nehmen und werden über den Empfang in unserem Blatte quittieren. Wollstein, Weihnachten 1908.

Bereits im Dezember trug der Appell an die Mitbürger erste Früchte und für Ende Januar 1909 wurde konstatiert: Für die Familie Schwirz sind seit unserer letzten Veröffentlichung noch eingegangen … Summa 150 Mark – Wir schließen hiermit die Sammlung, deren Ertrag wir, soweit noch nicht geschehen, an Frau Schwirz abführen werden. Allen freundlichen Gebern nochmals herzlichen Dank. Januar 1909.

Der oben noch unbekannte Wilderer sollte bald enttarnt sein und bereits im April 1909 stand selbiger vor dem Gericht in Meseritz.

Die Gemeingefährlichkeit des gewerbsmäßigen Wilderertums entrollte Sonnabend eine vor dem hiesigen Schwurgericht gegen den Schneider Adalbert Piotrowski aus Wollstein verhandelte Anklagesache wegen gewerbsmäßigen Wilderns und vorsätzlicher Tötung des Gendarmerie-Wachtmeisters Schwirz aus Wollstein. Der 27 Jahre alte, verheiratete Angeklagte war ein verwegener Wilddieb, der, um das auf anderen Jagdgebieten geschossene Wild besser absetzen zu können, selbst eine kleine Jagd gepachtet hat, wurde am 20. Dezember 1908 auf dem Jagdgebiete des Grafen Mycielski in Komorowo auf frischer Tat betroffen und von dem berittenen Gendarmen Schwirz mit dem Pferde bis in den Wald verfolgt.

Hier scheint der Angeklagte den Gendarmen in dem Augenblick als er festgenommen aus unmittelbarer Nähe durch zwei Schüsse in den Unterleib, die in die Leber, Herzbeutel und die große Körperschlagader gedrungen waren, und den sofortigen Tod des Beamten zur Folge hatten, direkt vom Pferde herabgeschossen zu haben. Der Angeklagte behauptet, daß der Tod des Gendarmen darauf zurückzuführen sei, daß ihm dieser das geladene und gespannte Gewehr habe entreißen wollen, was Angeklagter zu verhindern gesucht hätte und bei dem Ringen wahrscheinlich mit den Fingern in die Abzugshähne gekommen wäre. Es käme deshalb höchstens fahrlässige Tötung in Frage.

Von den Personen, die von dem Grafen Mycielski an dem in Frage kommenden Tage in dem Walde postiert waren, weil kurz vorher der Graf einen anonymen Brief halten hatte, in dem dieser vor Piotrowski, der meist an den Sonntagen während der Kirchzeit wildere, gewarnt worden war, war nur ein Schuß gehört worden, trotzdem nach den Gutachten der Sachverständigen nach dem ganzen Befunde unbedingt zwei hintereinander fallende Schüsse gefallen sein müssen. Nach dem weiteren Gutachten der Sachverständigen ist es ausgeschlossen, daß der Gendarm das Gewehr hätte fallen lassen können und daß bei dem Ringen die Schüsse losgegangen sind. April 1909.

Die Schreibweise ist partiell original. Ich entschied mich für die Version Schwirz – wie im Todeseintrag und in der Mehrheit der Zeitungsmeldungen – doch auch Schwierz kam vor. Der Gendarmerie-Wachtmeister Karl Friedrich Wilhelm Schwirz wurde im Jahr 1872 in Pollnow, Kreis Schlawe in der Provinz Pommern geboren; seine Eltern waren der Töpfermeister Leopold Schwirz und Emilie Braun, zu dieser Zeit in Rummelsburg (Pommern) lebend. Seit September 1900 war er verheiratet. Am 20.12.1908, gegen 12:30 Uhr wurde er von Adalbert Piotrowski im Tloker Walde erschossen.

Der Täter wurde zu 13 Jahren Zuchthaus, Ehrverlust auf die Dauer von 10 Jahren und Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: