Über das Unglück der „Gollnow“

Von einem schweren Schiffsunglück wurde der Dampfer „Gollnow“, Capitän Steingräber, betroffen. Derselbe unterhielt eine regelmäßige tägliche Verbindung zwischen Stettin und Gollnow und hat besonders an den Tagen vor den Stettiner Wochenmärkten sehr starke Ladung von Fahrgästen, Vieh und landwirthschaftlichen Artikeln. Auch war dies neulich der Fall, als der Dampfer Nachmittags 2 Uhr Gollnow verließ. Nach einstündiger Fahrt machte sich etwa eine Meile von Gollnow, zwischen Redlin und Fürstenflagge, bei dem sog. „Schneckenhorst“ Wasser im Schiffsraum bemerkbar und das Schiff legte sich nach Backbord über, weshalb angeordnet wurde, daß die Fahrgäste, etwa 50, sich mehr auf der anderen Seite halten sollten.

Nun drängte plötzlich alles nach der Steuerbordseite, diese wurde zu stark belastet, der Dampfer schlug plötzlich nach dieser Seite um und kenterte. Die meist aus Kartoffeln bestehende Ladung und das Vieh schoß in’s Wasser, den größten Theil der Fahrgäste mit fortreißend. Wenn es die Nähe der Ufer auch möglich machte, daß sich die Menschen retteten, so wurden doch eine Frau und zwei junge Mädchen vermißt. Die Leiche der ersteren wurde bald gefunden, während die beiden letzteren wohl unter der Ladung liegen.

Als Ursache des Unfalls wird angenommen, daß Fahrgäste unbefugter Weise die im Bug des Schiffes dicht über dem Wasserspiegel liegenden Fenster, die sog. „Bullenaugen“, geöffnet haben und dadurch Wasser in den Raum geströmt ist.

So geschehen im Jahre 1893. (Schreibweise original)

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