Besiedlung im Wollsteiner Raum. Teil I.

Der Wollsteiner Pfarrer Heinrich Gerlach hielt im Kontext der Besiedlung von Neu Tloki fest: „Im Jahre 1800 wurde in dem Bezirk des Dominium Widzim ein neues Vorwerk, „Dembowitz“, und eine neue, fast nur mit Evangelischen namentlich aus dem Nassauischen besetzte Kolonie, „Neu Tloki“, errichtet.“

Zu jener Thematik kann folgendes ergänzt werden…

…und fand Wilhelm Friedrich von Nassau-Oranien ein neues Arbeitsfeld für seinen Thätigkeitsdrang in der Bewirthschaftung umfangreicher Liegenschaften, die er in Schlesien und Südpreußen erworben hatte. Seine Besitzungen in unserer Provinz (Posen) gruppirten sich um die Orte Widzim bei Wollstein, Stenschewo, Kreis Posen-West, Racot bei Kosten und Czeszewo bei Miloslaw. Um diese Güter nutzbar zu machen, entschloß sich der Prinz, Kolonisten aus seinem Erblande Nassau heranzuziehen; doch um dieses Land nicht wirthschaftlich zu schädigen, sollten nur solche Leute zur Ansiedlung zugelassen werden, „deren Entbehrung dem Lande keinen Schaden brächte.“ Natürlich benutzte die fürstlich-nassauische Regierung diese Gelegenheit, „viele untaugliche, der Gemeinde zur Last fallende Subjekte“ abzustoßen, ein bedeutliches Verfahren für die Neubesiedlung und wirthschaftlicher Hebung eines Landes, für welche die besten Kräfte gerade gut genug gewesen wären.

Viel einsichtiger verfuhr schon damals die preußische Regierung, die großen Werth darauf legte, daß die Kolonisten eigenes Vermögen mitbrachten und auf ihren neuen Besitz verwendeten. Die Aufforderung des Erbprinzen zur Betheiligung am Kolonistenwerk (03.11.1798) stieß im Nassauischen anfänglich auf eine gewisse Zurückhaltung. Die Nothlage des Landes in Folge der Franzosenkriege kam dem Unternehmen zu Gute, sodaß am 22.04.1799 die Zahl der Meldungen sich auf 553 Familien mit ungefähr 2500 Köpfen belief. Am 05.05. wurde der Befehl zum Aufbruch gegeben; auf dem Wege über Marburg, Hersfeld, Gotha, Erfurt, Leipzig, Mühlberg, Kottbus, Krossen a. O. gelangten die Ansiedler nach der neuen Heimath. Hier angelangt, fanden die Kolonisten Unordnung und Verwirrung vor; die nöthigen Landvermessungen waren noch nicht beendigt; die Ackerloose konnten nicht angewiesen werden; es fehlte an Wohnungen u.s.w. So lief denn schon jetzt, zumal der Winter herannahte, ein Theil der Ansiedler weg. Fortsetzung folgt.

(Schreibweise original).

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