Rühmliche Auszeichnungen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871. Teil VIII.

(Schreibweise original)

Übersicht derjenigen preußischen Unteroffiziere und Mannschaften der III. Armee, welche sich durch hervorragend tapferes Benehmen vor dem Feinde oder durch besondere Waffenthaten rühmlichst ausgezeichnet haben.

5. Armee-Korps. Korps-Artillerie.

Kanonier Michalski. In der Schlacht bei Sedan wurde dem Kanonier Michalski der 3. leichten Batterie, geboren zu Kurszewo, Kreis Pleschen, durch einen nicht unbedeutenden Granatsplitter der ganze obere Helmbeschlag ein- resp. niedergeschlagen. Durch den Druck wurde Michalski zu Boden geworfen und rann ihm das Blut aus der leicht verletzten Kopfhaut über die Stirn; trotzdem raffte er sich sofort wieder auf, griff nach seinem Helm und rief: „Verfluchte Granate, hat mir meinen ganzen Helm verdorben, aber ich werde es ihnen gleich wiedergeben“. Worauf er seine Funktion als Nr. 4 sofort wieder aufnahm, indem er eine neue Granate zum Laden vortrug.

Obergefreiter Louis Sachse. Ein schönes Beispiel von Hingebung und Pflichttreue gab der Obergefreite Louis Sachse der 3. leichten Batterie, geboren zu Lorenzdorf, Kreis Bunzlau, in der Schlacht bei Wörth. Eine feindliche Shrapnelkugel verwundete ihn am rechten Schulterblatte. Die hierdurch verursachten Schmerzen, sowie die Unmöglichkeit eines freien Gebrauchs des verwundeten Armes vermochten ihn ebensowenig zu bestimmen, seine bisherige Thätigkeit als Richtkanonier seines Geschützes einzustellen, wie die an ihn ergangene Aufforderung, seine Wunde wenigstens verbinden zu lassen. Sich mit dem gesunden linken Arme behelfend, richtete er sein Geschütz nach wie vor mit der größten Gewissenhaftigkeit, so daß bei seiner Präzision im Richten der Feind auf den gegenüberliegenden Höhen noch manchen Treffer zu erleiden hatte. Erst nach Beendigung der Schlacht ließ Sachse seine Wunde verbinden.

Unteroffizier Otto Biedermann, geboren zu Siobernau, Kreis Brieg, ebenfalls von der 3. leichten Batterie, welcher während der Schlacht bei Wörth mit anerkennungswerthem Eifer thätig war, seine Batterie mit Munition zu versorgen, bedauerte, als ihm eine Granate drei Zehen hinwegriß, nur, daß er nicht mehr länger bei seiner Batterie verbleiben konnte. Unteroffizier Biedermann ist wegen seiner Pflichttreue zur Dekoration mit dem Eisernen Kreuz eingegeben. Er befindet sich gegenwärtig noch im Lazarethe.

Unerwähnt bleiben die Erlebnisse von den nachfolgenden Soldaten – können bei Interesse jedoch hier angefragt werden.

Kanonier Carl Heindke
Gefreiter Bartsch

5. Armee-Korps. 1. mobile Sappeur-Kompagnie.

Sergeant Weiß. Unteroffizier Rust. Am 25. Oktober (1870) sollten die beiden auf massiven, starken Pfeilern ruhenden Eisenbahnbrücken bei Chaton gesprengt werden. Die Brücken waren bereits mit französischen Minen versehen, konnten jedoch mit der französischen Zündung nicht gesprengt werden, weil diese wie sich später ergab, verdorben war. Um eine andere Zündung anbringen zu können, wurde die 2 ½ Fuß starke Vermauerung der Mine 2 Fuß breit und 2 Fuß hoch herausgestemmt, und krochen alsdann der Sergeant Weiß und der Unteroffizier Rust der 1. Sappeur-Kompagnie mit dem ganzen Leibe durch diese Oeffnung in die Pulverkammer, zogen die französischen Zündungen heraus und legten neue preußische Zünder hinein. Die genannten Unteroffiziere bewiesen hierbei eine um so größere Bravour, als nicht bekannt war, mit welchen explosiven Stoffen die Minen geladen waren und möglicherweise durch das Hervornehmen der französischen Zündungen explodiren konnten.

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