Meldungen aus der Provinz Posen. 1908. Akt II.

Schreibweise ist original

Ein größerer Münzenfund ist vor einigen Tagen in unserer nächsten Nähe gemacht worden. Es wird uns darüber berichtet: In voriger Woche stießen Arbeiter beim Ausschachten eines Brunnens auf dem Grundstück des Besitzers Weigt in Kläne auf mehrere mit Gold und Silbermünzen gefüllte Gefäße. Nach wissenschaftlicher Untersuchung sind diese teils polnischer teils wendischen Ursprungs. Letztere stammen aus der Zeit des Wendenfürsten „Jacza von Köpenick“. Die noch ziemlich gut erhaltenen Münzen haben auf der Vorderseite ein Bildnis mit der Umschrift „Jacza“ und auf der Rückseite die Zahl 1150. Bei einzelnen Münzen ist es trotz eifriger Forschung noch nicht gelungen ihre Art festzustellen.

Ein bedauerlicher Unglücksfall, der den Tod eines in der Blüte seiner Jahre stehenden Mannes zur Folge hatte, ereignete sich am Donnerstag abend auf der Chaussee von hier nach Rothenburg. Der Eigentümer Heinrich Jachmann, der mit seinem Gespann Ziegelsteine nach Wollstein brachte, wollte auf dem Rückwege in Karpitzko, wo er nochmals gehalten hatte, den Wagen besteigen. Hierbei zogen die Pferde plötzlich an und J. fiel so unglücklich vom Wagen, daß er sich das Genick abstürzte und der Tod auf der Stelle eintrat. J. war verheiratet und hinterläßt seine Frau mit zwei unmündigen Kindern.

Wollstein. In der gestern abend stattgehabten Stadtverordnetenversammlung wurde beschlossen, zur Steuerung der in hiesiger Stadt noch vorhandenen Wohnungsnot eine weitere Anleihe von 50.000 Mark bei der städtischen Sparkasse aufzunehmen. Der Magistrat wird zugleich ermächtigt, an diejenigen Unternehmer, welche Mietswohnungen bauen, Baudarlehne unter den bereits beschlossenen Bedingungen zu gewähren. Ferner wurde beschlossen 2 Gaslaternen in der Kirchhofstraße aufzustellen.

Rothenburg an der Obra, 13. April. Daß eine Kuh beim Bürgermeister als Beschwerdeführerin erscheint, dürfte noch selten vorgekommen sein. Dieser Fall passierte in unserem Städtchen, und zwar nicht am 1., sondern am 8. April d. Js. Eine Kuh des Fleischermeisters Kaczmarek, die jedenfalls geahnt haben muß, was ihr bevorstand, hatte sich in ihrem Stalle losgerissen und lief in das Haus, in dem das Magistratsbureau 1 Treppe hoch sich befindet, stieg auch die enge und steile Wendeltreppe hinauf in den oberen Flur und machte vor dem Polizeibureau halt. Der Bürgermeister, durch den eigentümlichen Schritt und das Geräusch aufmerksam geworden, öffnete die Tür des Amtszimmers und blickte zum nicht geringen Erstaunen in die flehenden Augen der – beschwerdeführenden Kuh. Leider hatte die Beschwerde keinen Erfolg, denn der Schlächtermeister war bald zur Stelle, um den Ausreißer in Empfang zu nehmen und seiner Bestimmung entgegenzuführen. Wider Erwarten gelang es ihm ganz allein, das Rind, ohne daß es den geringsten Schaden erlitt, die Treppe hinabzuführen.

Quelle:

wollsteiner_tageblatt

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