Wollsteiner Alltagsmeldungen aus den Jahren 1777, 1782 und 1783

Einpfarrung. Am 15.02.1777 wurde die Einpfarrung der nachfolgenden Ortschaften vorgenommen. Als schon eingepfarrt wurden angesehen die evangelischen Teile der Stadt (Wollstein), Karpitzko und Karpitzkoer oder Mlynsker Hauland. Eingepfarrt wurden Tloker Hauland, Dombrofker, Blumer, Neu und Alt Tuchorzer, Rekliner und Silzer und Neu Obraer und Drogower Hauland. Die Schwentener Deputierten waren abgetreten, ehe sie aufgefordert wurden, ihre Erklärung abzugeben. Gar nicht erschienen waren die Deputierten von Rostarzewo (Rothenburg an der Obra). Die Ursache dieses Zurückbleibens sprachen sie in einem Schreiben an den Pastor Nickisch am 17.02. aus, nämlich die Gemeinde Rostarzewo wollte weder hier noch in Rakwitz eingepfarrt sein, sondern verlangte die Erlaubnis und Unterstützung zur Errichtung eines eigenen Kirchensystems.

Neue Orgel. Im Jahre 1777 wurde auch eine neue Orgel durch den Orgelbauer Caspar Gottlieb Neumann errichtet. Dieselbe bestand nach dem Kontrakt aus acht Registern außer dem Tremulanten und dem Glockenspiel, wovon der Prinzipal zu vier Fuß. Er (Neumann) erhielt dafür die Summe von 205 Talern. Der betreffende Kontrakt vom 08.08.1777, worauf zugleich der Neumann über den Empfang der genannten Summe quittiert hat, findet sich im Original in unseren Papieren. Zur Bezahlung des Orgelbauers gingen einige bedeutende Geschenke ein, unter anderem von Herrn Carl von Dziembowski auf Powodowo 108 Floren, von Herrn Gottlob Felsch 100 Floren.

Neues Kirchspiel. Mit dem Jahre 1782 beginnen auch die Verhandlungen des Consistorii wegen der Begründung eines eigenen Kirchspiels zu Rostarzewo, welches dann einige Jahre später zu Stande kam. Hierdurch verlor die evangelische Kirche außer den Evangelischen aus Rostarzewo und anderer Ortschaften die Gemeinde Gloden, welche seit den ältesten Zeiten sehr treu zur hiesigen Kirche gehalten hatte. Auch die Kirche zu Rakwitz verlor hierdurch. Daher hatten sich die Kirchenvorsteher zu Rakwitz und Wollstein zur gemeinschaftlichen Protestaktion gegen die Errichtung dieser neuen Parochie und zur gemeinschaftlichen Führung der Sache vereinigt. Über die Ausgleichung der hierbei verwendeten Kosten finden sich hier noch einige Schriften vor. Die Kirche oder Pfarre in Rakwitz soll für den durch die Begründung einer eigenen Kirche in Rostarzewo erlittenen Verlust eine Entschädigung noch bis jetzt erhalten, welches in bezug auf die hiesige Kirche nicht stattfindet.

Die zweite Klasse. Im Jahr 1783 fand die Errichtung der zweiten Klasse bei der hiesigen evangelischen Parochialschule statt. Es wurden nämlich dem Glöckner Johann Friedrich Bock (Vokation am 01.01.1777) diejenigen Kinder, welche den Schulbesuch beginnen, übergeben, um sie die Buchstaben, das Buchstabieren und bis 100 Zählen zu lehren, auch wöchentlich sie einige Sprüche aus dem Evangelio auswendig lernen zu lassen. Dafür wurde dem Glöckner nur ein Jahrgeld von 40 Floren und ein wöchentliches Schulgeld von den einzelnen Kindern, das zwei polnischen Groschen für den Anfänger und drei polnischen Groschen für den Buchstabierenden zugesichert. Das Jahrgeld bezog derselbe aus der Kirchenkasse. Die betreffende Verhandlung vom 20.08.1783 findet sich in den Akten des hiesigen evangelischen Pfarramtes.

Quelle: Heinrich Gerlach: „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839“.

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