Wollsteiner Brände

Der große Brand in Wollstein im Jahr 1810 fand hier bereits Eingang, gleichwohl handelte es sich mitnichten um eine einzigartige Begebenheit. Schwere Brände gab es jeher. Besonders herausragend war die Feuerbrunst vom 27.08.1727, welche in der Nacht zwischen 23 und 0 Uhr in Wollstein ausbrach und entsprechend tobte. Durch die Unvorsichtigkeit eines katholischen Bürgers – welcher sich dem Branntwein brennen hingab – entwickelte sich ein alles verzehrendes Feuer. Der beste Teil der Stadt: der Markt, die Gasse nach der katholischen Kirche und die Entengasse wurden von den Flammen vernichtet. Die wohlhabenden Bürger verloren ihr Hab und Gut.

Unter ihnen war Kantor Johann Heinrich Specht, der nur sechs Stunden zuvor den Tod seiner Ehefrau zu beklagen hatte. Seine dahin geschiedene Gemahlin mußte in der Glut mitverbrennen – auch verlor er sein ganzes, schönes Vermögen. Dieser Brand war nicht viel anders, als jene, die in der Vergangenheit ungestüm wüteten; in den Jahren: 1548, 1611, 1634, 1668 und 1696. Wie immer traf es die oben erwähnten Stadtteile und wie immer – traf es nie die katholische Kirche, nie – bis auf vereinzelte Ausnahmen den weißen Berg und nie die evangelische Kirchengasse. Für die armen Abgebrannten wurden Spenden gesammelt; sie erhielten bedeutende Geschenke aus vielen Städten. Dennoch regierte bei einzelnen Empfängern der Neid und der Pfarrer – Pastor von Geißler erntete nur Undank.

1728_Tod_Schiller

Das kommende Jahr sollte nicht viel besser werden. Zu Beginn des Jahres 1728 griff eine ansteckende Krankheit um sich und auch häufigere Diebereien erzeugten eine allgemeine Furcht. Zudem zerstörten eine hohe Anzahl von Raupen und Heuschrecken die Garten- und Feldfrüchte und sorgten für eine schwere Bedrückung. Weiterhin wirkten gewaltige Gewitter und ein fürchterlicher Orkan tobte im Juli 1728 und vernichtete an einem Mittwoch gar den Turm der Stadt Rawitsch. Die Menschen hatten es noch nie leicht – eine Regel, die zu allen Zeiten ihr Recht einfordert.

Quelle: Heinrich Gerlach: „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839“.

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