Gelebte Endlichkeit. Eine Art Jahresrückblick.

Seufzend senkt sich der tödliche Schleier der Endlichkeit über das Jahr 2014, welches eben noch hoffnungsfroh in der Zukunft leuchtete. Unausweichlich wird es für immerdar in den Strudel der Zeit gesogen und am Ende werden wir uns erneut fragen, wo die schönen Momente des Jahres nur geblieben sind. Dann beginnt es von vorn, das Spiel des Lebens. Immer wieder. Nur die Spieler können sich einer beständigen Ablösung sicher sein. So war die Ordnung der Dinge und so wird sie immer sein. Diese Reise wird niemals enden, sie führt uns in die Unendlichkeit, wenngleich wir als stille Beobachter nur einen Moment im Nichts daran partizipieren werden. Gelebte Endlichkeit.

Mittlerweile gebe ich mich der Genealogie seit nunmehr zehneinhalb Jahren hin und nach einem höchst dilettantischen Auftakt – dilettantisch sei hier in der heutigen Bedeutung gemeint – gelang es mir schlußendlich, wiederholt verborgene Pfade in die Vergangenheit zu finden und damit eine Brücke zu meinen längst verstorbenen und vergessenen Vorfahren und Verwandten zu betreten, um all jene Dahingeschiedenen ein wenig zu ehren und zu würdigen. Denn es ist mein Anliegen, sie aus der Vergessenheit zu befreien und ihr Andenken zu würdigen. Denn ohne sie wäre ich nicht. Wie könnte ich da nicht an sie denken? An all jene, die vor mir da waren und ihre Leben lebten – in welcher Form auch immer.

Dieses Jahr – 2014 – war das erfolgreichste meiner Forschung. Ich durfte mehrere Tausend neue Vorfahren/Verwandte in meiner Datenbank aufnehmen, sodann trat ich mit 29 Personen in Kontakt, die allesamt Nachfahren meiner Vorfahren respektive Verwandten sind. Was würden all die Toten dazu sagen? Weiterhin fand ich ein drittes Wappen, aber dies ist nur sekundär von Bedeutung. Die größte Überraschung war wohl die Tatsache zu erfahren, daß vier Brüder meines Urgroßvaters nach Australien auswanderten. Dieses Wissen war in meiner Familie – warum auch immer – verloren und im Reich der Zeit begraben. Doch nach ungefähr 125 Jahren besteht nun wieder Kontakt zwischen unseren Familien, wenngleich die Entfernung immens ist; allein die Barriere der Zeit war doch nicht so unüberwindlich, wie man vielleicht annehmen könnte.

Und ja, nicht zuletzt konnte ich ein Familiengeheimnis auflösen, welches ich mir nicht im Traum hätte vorstellen können und meine Erfahrung einmal mehr unterstreicht – in der Genealogie ist a l l e s möglich! Abschließend muß es auch als Höhepunkt betrachtet werden, eine Postkarte im Internet zu entdecken, die meiner Familie gehörte und nach unverzüglicher Erwerbung nach fast 100 Jahren wieder in den Schoß der selbigen zurückkehrte. Auch die persönliche Begegnung mit einem Buchautor, der sich mit einem zentralen Ort meiner Familie beschäftigte, suchte ihresgleichen. Herzlichen Dank für dieses einzigartige Treffen – ich hoffe auf eine Fortsetzung! Fürwahr, dieses Jahr war in der Tat erfolgreich. Ich lasse mich überraschen, was 2015 in dem genealogischen Kontext feilbieten wird. In diesem Sinn, möge es beginnen – dieser meine Pfad von der noch nicht geborenen Zukunft in die allumfassende Vergänglichkeit – in das Reich meiner Altvorderen.

„Wer auf seine Verstorbenen verzichtet, der ist nicht wert, daß sie für ihn gelebt haben. Er würde ja dadurch auf sich selbst verzichten, weil er sein Dasein nur dem ihrigen verdankt.“

(Karl May)

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