Der große Brand in Wollstein am 19.09.1810

Am 19.09.1810 gegen 17 Uhr – ein warmer Tag – nach Wochen ohne Regen kündigte sich Unheil an, als vom östlichen Teil der Judengasse eine Rauchwolke aufstieg. Ein Teil der Bewohner von Wollstein war verreist, während viele andere der Feldarbeit nachgingen. Schnell eilten die Einwohner zur Löschung des Brandes, doch die Flammen griffen bereits auf das Haus der Fleischerwitwe Ulrich über. Die brennenden Speckseiten stiegen in Rauchwolken auf, breiteten sich über die ganze Stadt aus und fielen wie ein Feuerregen hernieder. Bald darauf erfaßte das Feuer das Rathaus und dem Bäckermeister Schulz gelang es nur mit höchster Mühe, die neue Feuerspritze aus dem angrenzenden Schuppen zu retten, deren größter Teil allerdings verbrannte – wodurch nun an ein Löschen nicht mehr zu denken war.

Indessen eroberten die Flammen mehr und mehr Terrain. Gegen 19 Uhr wurde die evangelische Kirche ein Opfer des Feuers. Später kam ein Teil der Bürger aus Karge mit ihrer Spritze, um zu helfen, was auch für einige adelige Herren galt, die dort auf dem Markt weilten. Obwohl der Giebel des Hauses von Schmied Dohnke bereits rauchte, konnte selbiges vor der Feuermacht gerettet werden. Doch der Gasthof „Zum grünen Baum“ stand in vollen Flammen und das Feuer war im Begriff, das frühere Schießhaus zu ergreifen, was von einem adeligen Herren verhindert wurde. Mittlerweile wurden die Kirchenbücher unter Lebensgefahr des Pfarrers in Sicherheit gebracht. Nur 61 Häuser von 225 überstanden das große Feuer. Insgesamt verbrannten 164 Gebäude, wie die evangelische Kirche, der katholische Kirchturm, das Rektor- und Glöcknerhaus, das Rathaus, die Synagoge und das Brauhaus der Stadt. Während dieser schrecklichen Momente der Angst wurden die verarmten Bewohner noch von einigen boshaften Mitbewohnern bestohlen. Nicht wenige alte Menschen fielen später als Folge der Aufregung dem Tod anheim.

Quelle: Heinrich Gerlach: „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839“.

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