Der Mordanschlag auf Pfarrer Wittke am 23.05.1684

Anno 1684, am 23.05. – zu Pfingsten – in der vermutlich ruhigen Nacht gegen ein Uhr klopfte es lauthals lärmend am Pfarrhaus. Der Pfarrer Samuel Wittke wird dringend gebeten, die urplötzlich erkrankte Frau Pietsch zu besuchen, schallt es durch die Dunkelheit. Dem Bittenden wird der Einlaß nicht verwehrt und der arglose Pfarrer, welcher im Nebenzimmer schläft, wird geweckt. Als dem Bittsteller nun Bescheid gegeben werden soll, finden sich im Hausflur mehrere mit Gewehren und Säbeln bewaffnete Männer. Die Tür wird prompt zugeworfen, verriegelt und der Pfarrer wird sofort informiert. Doch ehe er sich nur angemessen ankleiden kann, wird die Tür krachend aufgebrochen. Sodann versucht der Mann der Kirche durch das Hinterfenster zu flüchten, was indessen scheitert. Brutal an den Haaren ergriffen, wird er auf die Straße gezogen. Barfuß und nur im Hemde, welches man ihn auch noch entreißt, steht er in der Nacht und empfing gnadenlos zahlreiche Peitschenhiebe.

Hernach versuchte man, ihn auf ein Pferd zu binden, was nicht wirklich gelang, da der Pfarrer sich mit großer Kraftanstrengung partiell losmachen konnte. Das Pferd, nun scheu geworden, warf ihn zu Boden. Über den mißlungenen Versuch wütend geworden, vergriffen sich die Gewalttäter erneut an seiner Person und stopften ihm Sand in Mund und Augen, weiterhin erhielt er Schläge in das Gesicht. Auf dem Weg zur Nelker Wassermühle setzten sie ihre Versuche fort, den Pfarrer auf das Pferd zu binden, was nicht gelingen sollte. Im Anschluß nahmen ihn zwei Reiter zwischen die Rösser und schleppten ihn über die Brücke, der Gottesmann selbst konnte auf Grund der vielen Mißhandlungen nicht mehr alleine gehen. Hinauf ging es den Berg auf den Kielpiner Weg. Just an dieser Stelle gewahrten die Männer, daß sie von der Stadt aus verfolgt wurden und überlegten, ob sie den Pfarrer töten sollten. Bald wurde ihm der Säbel, bald das Schießgewehr auf die Brust gesetzt, doch schlußendlich erhielt er weitere heftige Peitschenhiebe – nicht nur auf den Rücken, sondern auch auf die Brust und in das Gesicht. Wie tot ließen sie ihn liegen, in einem Zustande von rohem Fleisch – und so wurde der Pfarrer von Bürgern seiner Gemeinde gefunden.

Jener Mordzug soll seinen Ursprung im Kloster Obra gehabt haben. Neben einigen katholischen Geistlichen (Religionshaß) waren die Hauptverantwortlichen ein Propst aus Thorn, ein Fähnrich aus Preußen und ein Blutschänder, der einst zur evangelischen Gemeinde Wollstein gehörte und der, um sich seiner Strafe zu entziehen – in das Kloster Obra geflüchtet war. Im hiesigen Gefängnis saßen auf den Tod wegen Blutschande und Kindesmord die Mutter und Schwester jenes genannten Blutschänders, welche durch die katholischen Geistlichen zur Verleugnung ihres eigenen Glaubens und Übernahme des katholischen gebracht wurden (dadurch Straffreiheit). Pfarrer Wittke hatte durch treue Ermahnungen den Erfolg, daß die Tochter tiefe Reue empfand und die verdiente Todesstrafe erdulden wollte und auch die Mutter wollte nun dem katholischen Glauben wieder abschwören. – – Wie ein Wunder erschien es, daß Pastor Wittke überlebte und nicht an seinen Verletzungen verstarb. Seine Frau Elisabeth Wittke, geborene Grottke, Tochter des Magisters David Grottke, Pastor zu Driebitz entband zwei Wochen später einen gesunden Knaben.

Pfarrer Wittke weilte noch acht Wochen in Wollstein, obwohl immer noch mehrfach versucht wurde, sich seiner Person zu bemächtigen. Erst als die Gemeinde die notwendigen Nachtwachen nicht mehr leisten konnte, verließ er sein Amt und begab sich zu seiner Familie nach Fraustadt. Selbst hier wurde ihm zugesetzt, bis er später nach Griesel bei Crossen in das Pfarramt berufen wurde.

Quelle: Heinrich Gerlach: „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839“.

Wittke_Taufe

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