Alltagsbeobachtungen aus und um Wollstein

Begebenheiten aus dem Alltag aus und um Wollstein. Folgende Auszüge stammen aus der „Chronik der evangelisch-lutherischen Kirche und Gemeinde zu Wollstein von 1602 bis 1839 von Heinrich Gerlach.

April 1656 Flucht der evangelischen Bürger aus Wollstein, wahrscheinlich durch die aufgelöste öffentliche Ordnung als Kriegsfolge. Die Rückkehr erfolgte 1660; entsprechend ist eine Lücke von vier Jahren in den Kirchenbüchern aufgetreten.

1666 Der Tischler Peter Heinrich hat seine Frau ermordet.

1684 Auf Pastor Wittke wurde am 23.05.1684 ein Mordanschlag verübt, mit einhergehender Folter und Mißhandlungen, was er aber überlebte.

1709 Eine pestartige Krankheit tritt auf; allein in Wollstein über 1400 Tote.

1719 Am 12.12.1719 wurde beim Pfarrer eingebrochen und 200 Taler geraubt.

1720 Die Kornpreise verteuern sich.

1724 Erneut ein Einbruch beim Pfarrer – dieses Mal wurden Geschirr und Küchengerät gestohlen.

An einem hitzigen Fieber erkrankten 48 Personen, selbiges führte zur Raserei und endete meistens mit dem Tod.

1726 Anfang des Jahres herrscht tiefer Schnee bis Ende März. Das Frühjahr war sehr trocken und heiß. Und obwohl das Sommergetreide vertrocknete, war der Roggen billig.

1728 Zahlreiche starke Gewitter und ein Orkan am 28.07. machten die Bürger zu schaffen.

Am 07.08.1728 wurde der Schäferknecht Andreas Sigismund aus Widzim, der Sohn von Andreas Sigismund aus Silzer Hauland verhaftet, weil er nach Angabe von drei Mägden über die „Jungfrau Maria“ lästerte. Er blieb bei seiner Meinung, dafür wurde ihm die Zunge abgeschnitten und anschließend wurde er unter größten Qualen hingerichtet.

1733 Eine sächsische Armee zog in die Gegend, doch eine „Bedrückung“ blieb aus.

1736 Es herrschte große Nässe, so daß in der Konsequenz viele Krankheiten auftraten; auch erhöhten sich dadurch viele Preise.

1737 Mit einem heftigen Sturm begann das Jahr. Wieder verbreitete sich eine sehr ansteckende Krankheit, so daß einige Häuser ausstarben. Auch viele Tierseuchen traten auf.

1739 Bei einem starken Gewitter wurde der Wirth Bartsch in Tloker Hauland mit seiner Frau und einem Dienstknaben vom Blitz erschlagen. Im Sommer des Jahres entstand viel Schaden durch Wölfe.

1740 Der Januar begann mit ungewöhnlich starker Kälte, selbst die Fische erfroren. Wer sich über das Verbot hinweg setzte, die toten Fische zu verzehren, erkrankte tödlich.

1742 Im Herbst herrschte in Wollstein ein Überfluß an Obst, während es sonst überall sehr teuer war.

1743 In Silzer Hauland verloren fünf Wirthe ihre Wohnungen und Ställe durch eine Feuerbrunst.

1746 Eine Welle von Blattern trat auf, selbst Zwanzigjährige erkrankten. Im Frühjahr herrschte großer Brotmangel, was später durch eine gute Ernte abgemildert wurde.

1747 Der „Verbrecher“ George Kerger aus Komorowo Hauland wurde hingerichtet. Er wollte nicht zum katholischen Glauben übertreten.

1748 Im Sommer sind in Silz mehrere Häuser durch Blitzeinschläge abgebrannt. Indessen in Gloden eine Feuerbrunst wütete.

1749 In der Umgebung von Wollstein setzte ein großes Viehsterben ein.

1751 Eine verheerende Viehpest grassierte, was in der Folge zu einer großen Armut führte.

1753 Der Gutsherr Malczewski zu Goscieszyn verbot Anfang April allen evangelischen Untertanen, ebenso den Einwohnern von Gloden – die hiesige evangelische Kirche zu betreten; bei 10 Talern Strafe. Erst später wurde das Verbot aufgehoben.

1777 Die Frau von Schuhmacher Gäbler sollte wegen Mordes hingerichtet werden, allerdings wurde sie katholisch, so daß sie freigesprochen wurde.

Nach 1800 Das Vorwerk Dembowitz und die Kolonie Neu Tloki entstehen. Letztere wird fast nur von Evangelischen aus Oranien-Nassau bevölkert.

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