Ein Geburts- respektive Taufeintrag einer verwandten Person in meiner Familie. Für mich sehr spannend zu lesen und ja, mit einer gewissen Freude verbunden. Aber wie groß muß erst die Freude meiner Familie gewesen sein? Über ihre süße, kleine Tochter. Sicherlich wurde der Tag groß gefeiert, innerhalb der Familie, mit Freunden und Verwandten. Ein wichtiger Tag, ein würdiges Ereignis. Gerne wäre ich dabei gewesen und hätte mitgefeiert, allein ich erhielt keine Einladung. Ich wurde nicht bedacht. Wie auch?
Jene Person, über die ich hier schreibe und die ihr ganzes Leben vor sich hatte, war eine unmittelbare Verwandte von mir. Ihre Niederkunft fand 1781 statt; sie wurde weit über 80 Jahre und hat ihr Leben gelebt. Niemand lebt mehr aus dieser Zeit, alle Festteilnehmer sind längst in die Vergangenheit eingetreten, ebenso ihre Kinder, Enkel und Urenkel. Sie hat ihr – wahrscheinlich mehr oder weniger hartes – Leben gelebt, mit Freude und Leid, mit Lachen und Weinen, in Liebe und Trauer. Wenn ich diese Kirchenbucheinträge lese, in denen über die Geburt berichtet wird, ist es mir, als ob es eben erst passiert wäre. Die klare, gut lesbare Schrift scheint noch nicht einmal getrocknet zu sein und doch liegen ganze Leben, Zeiten dazwischen.
Wie gern hätte ich sie und andere kennengelernt. Aber das ist das Leben. Menschen kommen und gehen. Was sind 80, 90 Jahre in dieser unseren Menschenwelt? Nichts. Ein Wimpernschlag im Hauch der Äonen im großen nebelhaften See des allumfassenden Vergessens. Heute lebe ich, atme die einzigartige Lebensenergie ein und bald – in diesem Moment in Raum und Zeit – bin ich längst vergessen. Für immer und immer. Für alle Zeiten. Wie das süße, kleine Mädchen – eben erst geboren und doch ganze Menschenalter tot. Oh Leben, was bist Du doch für ein Leben!
November 1, 2011 um 9:41 am
Lieber Schreiber dieser Zeilen,
Deine Worte entsprechen genau meiner Denkweise zu allem Vergangen, zu den Ahnen und Ihren Spuren, die wir zu einem Bild zusammenfügen möchten.
Danke für die treffenden Zeilen.
Christiane Feder
November 1, 2011 um 11:23 am
Hallo Christiane,
vielen Dank für Deine Antwort. Ja, die Genealogie ist eine höchst faszinierende Thematik. Doch manchmal habe ich den Eindruck, je mehr Puzzleteile ich bekomme oder zu deuten lerne, umso unvollständiger wird das Bild. Und die Wissenden von einst, die helfen könnten, leben leider nicht mehr. Aber so ist das Leben.
Viele Grüße
Marcus